Nordholland · Amsterdam

Jordaan: der schönste Stadtteil zum Bummeln

Der Jordaan liegt westlich der Prinsengracht und ist das Viertel, in dem Amsterdam am wenigsten nach Sehenswürdigkeit aussieht. Schmale Straßen, kleine Grachten, Blumenkästen, Fahrräder in jeder Lücke und dazwischen Hofjes, in denen es plötzlich still wird. Gebaut wurde das alles im 17. Jahrhundert für Handwerker und Arbeiter.

Heute ist es eine der teuersten Wohngegenden der Stadt, und trotzdem funktioniert es noch als Viertel und nicht als Kulisse. Hier steht, welche Hofjes du betreten darfst, wann der Markt am Noordermarkt lohnt und wie eine Runde zu Fuß aussieht.

Jordaan: der schönste Stadtteil zum Bummeln
Foto: Rob Mieremet / Anefo, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzNordholland
  • Entstanden17. Jahrhundert, als Arbeiterviertel geplant
  • WahrzeichenWesterkerk mit höchstem Kirchturm der Stadt
  • MarkttagNoordermarkt samstags, montags Trödel
  • Dauer2 bis 3 Stunden zu Fuß
  • Beste ZeitSamstagvormittag oder später Nachmittag

Wie der Jordaan entstand und warum er heute teuer ist

Als die Stadt im 17. Jahrhundert den Grachtengürtel anlegte, brauchte sie ein Viertel für die Menschen, die den Reichtum erarbeiteten. Der Jordaan war das: Handwerksbetriebe, Färbereien, kleine Häuser, viel zu viele Menschen auf zu wenig Raum. Bis weit ins 20. Jahrhundert galt er als arm und laut.

In den siebziger Jahren sollte ein Teil abgerissen werden, es gab Proteste und Hausbesetzungen, und am Ende blieb die alte Substanz stehen. Genau diese Häuser sind heute begehrt. Wer hier eine Wohnung kauft, zahlt Spitzenpreise für Zimmer, in denen man den Schrank nicht um die Ecke bekommt.

Hofjes: die stillen Höfe

Hofjes sind Wohnhöfe, meist von reichen Bürgern als Stiftung für alte oder alleinstehende Frauen gebaut. Von der Straße siehst du nur eine schmale Tür, dahinter liegt ein Garten mit Häusern ringsum. Im Jordaan gibt es mehrere davon, das Karthuizerhofje und das Sint Andrieshofje gehören zu den bekanntesten.

Wichtig: Dort wird gewohnt. Die Höfe sind teilweise tagsüber offen, teilweise nicht, und wenn die Tür zu ist, bleibt sie zu. Drinnen gilt: leise sprechen, keine Gruppen, nicht in die Fenster fotografieren, nicht auf den Rasen. Wer sich daran hält, bekommt zwei Minuten absolute Stille mitten in der Stadt.

Tipp: Schau in den Hofjes nach oben und nach unten. Über den Türen sitzen oft Steinreliefs, die zeigen, wer das Haus gestiftet hat, und im Pflaster stehen Jahreszahlen. Wer diese Details sucht, läuft automatisch langsamer und sieht mehr.

Noordermarkt: Samstag ist der Tag

Rund um die Noorderkerk findet samstags ein Bauernmarkt statt: Gemüse, Käse, Brot, Blumen, dazu Stände mit Suppe und Kaffee. Es ist der Markt, auf dem die Nachbarschaft wirklich einkauft, entsprechend voll ist es am späten Vormittag. Montags früh liegt an derselben Stelle Trödel und Stoff, das ist die günstigere und chaotischere Variante.

Bezahle mit Karte. Viele Stände nehmen gar kein Bargeld mehr an, und Kreditkarten funktionieren an kleinen Ständen oft nicht. Wie das Bezahlen in den Niederlanden generell läuft, steht im Beitrag zum Bezahlen in den Niederlanden.

Westerkerk und der Turm

Am südlichen Rand steht die Westerkerk, im 17. Jahrhundert fertiggestellt, mit dem höchsten Kirchturm der Stadt und der Kaiserkrone obenauf. Rembrandt wurde hier begraben, arm und ohne eigenes Grab, deshalb weiß niemand genau, wo. Direkt daneben liegt das Anne-Frank-Haus, davor steht die Statue von Anne Frank.

Den Turm kannst du nur mit Führung besteigen, und nicht das ganze Jahr über. Die Treppe ist eng und steil, oben stehst du auf einer schmalen Galerie mit Blick über die Grachten. Wer nicht schwindelfrei ist, lässt es lieber.

Tickets: Für den Jordaan selbst brauchst du nichts, Straßen, Markt und die meisten Hofjes sind frei zugänglich. Buchen musst du nur zwei Dinge: die Turmführung in der Westerkerk, die in kleinen Gruppen und nur zu bestimmten Zeiten im Jahr läuft, und dein Zeitfenster im Anne-Frank-Haus nebenan, das Wochen vorher weg ist. Beides steht auf den jeweiligen offiziellen Websites, alles Weitere in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Amsterdam.

Braune Kneipen und kleine Läden

Das braune Café ist keine Erfindung für Gäste: dunkles Holz, alte Decken, Bier vom Fass, oft ein Tisch mit Zeitungen. Am frühen Abend wird dort geborrelt, also nach der Arbeit ein Getränk genommen, meist mit einer Schale Bitterballen dazu. Konkrete Empfehlungen und was du bestellen solltest, stehen auf der Seite zu Essen und Trinken in Amsterdam.

Beim Einkaufen ist der Jordaan gut für Kleinigkeiten und schlecht für Schnäppchen: Keramik, Bücher, Vintage, Käse. Die Preise sind Innenstadtpreise, dafür stehen hinter vielen Läden Leute, die genau eine Sache machen.

Die Runde zu Fuß

Start an der Westerkerk, dann an der Prinsengracht nach Norden und gleich links in die Bloemgracht. Weiter über Egelantiersgracht und Tuinstraat Richtung Westerstraat, dann zum Noordermarkt. Von dort an der Brouwersgracht entlang nach Osten, das ist die schönste Gracht der Stadt, und zurück Richtung Zentrum. Zwei Stunden mit Pausen, mehr braucht es nicht.

Zwei Hinweise für unterwegs: Der rote Asphalt gehört den Fahrrädern, stell dich zum Fotografieren nie darauf. Und die Brücken sind schmal, dort kommen dir Räder und Lastenräder gleichzeitig entgegen. Alles Weitere zur Fortbewegung steht auf der Seite zum Verkehr in Amsterdam, die Einordnung in den Rest der Stadt bei den Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es nur rund um Westerkerk und Anne-Frank-Haus. Zwei Straßen weiter nach Norden, an Egelantiersgracht und Tuinstraat, bist du fast allein. Ist der Noordermarkt am Samstag zu voll, geh eine Stunde früher oder weiche auf die Läden an der Haarlemmerstraat aus.
  • Wenn es regnetDer Jordaan funktioniert bei Regen erstaunlich gut, weil du alle paar Meter in einen kleinen Laden oder ein braunes Café ausweichen kannst. Nimm die Route durch die Querstraßen statt an den offenen Grachten entlang, dann stehst du weniger im Wind.
  • Mit KindernFür Kinder ist das Viertel eher langweilig, es gibt wenig zum Anfassen. Es hilft, den Markt einzubauen, an den Grachten Boote zu zählen oder die Runde mit dem Westerpark und einem Spielplatz zu verbinden. Kopfsteinpflaster macht Buggys mühsam.
  • Mit eingeschränkter MobilitätKopfsteinpflaster, schmale Bürgersteige und hohe Schwellen in alten Häusern sind die Realität. Die Straßen selbst sind flach, es gibt keine Steigungen außer den Brücken. Viele Hofjes haben eine Stufe am Eingang, in die meisten Cafés kommst du nicht stufenlos hinein.

Häufige Fragen

Was macht den Jordaan in Amsterdam besonders?

Es ist ein echtes Wohnviertel aus dem 17. Jahrhundert, das nie zur Kulisse geworden ist. Schmale Straßen, kleine Grachten, versteckte Hofjes und braune Kneipen liegen direkt neben dem Trubel des Grachtengürtels. Sehenswürdigkeiten mit Eintritt gibt es kaum, dafür ist es der beste Stadtteil zum Laufen ohne festes Programm.

Darf man die Hofjes im Jordaan betreten?

Einige ja, andere nicht, und das wechselt. Wenn die Tür offen steht und kein Schild etwas anderes sagt, darfst du hinein. Dann gilt: leise sein, keine Gruppen, nicht in die Fenster fotografieren und den Rasen meiden. Dort wohnen Menschen, oft ältere. Ist die Tür zu, bleibt sie zu.

Wann ist Markt am Noordermarkt?

Samstags ist Bauernmarkt mit Gemüse, Käse, Brot und Blumen, das ist der Tag, an dem sich der Weg lohnt. Montags früh gibt es an derselben Stelle Trödel und Stoffe. Am vollsten ist es am späten Vormittag, komm eine Stunde früher, wenn du in Ruhe schauen willst. Zahle mit Karte.

Kann man den Turm der Westerkerk besteigen?

Ja, aber nur mit Führung und nicht ganzjährig. Die Gruppen sind klein, die Treppe ist eng und steil, und oben stehst du auf einer schmalen Galerie mit Blick über die Grachten. Wer nicht schwindelfrei ist oder Enge schlecht verträgt, lässt es besser. Termine stehen auf der offiziellen Website der Kirche.

Wie viel Zeit sollte man für den Jordaan einplanen?

Zwei bis drei Stunden für eine Runde mit Kaffeepause. Wer den Markt am Samstag mitnimmt oder in Läden stöbert, ist schnell einen halben Tag unterwegs. Der Jordaan lässt sich gut mit dem Anne-Frank-Haus verbinden, weil beide nebeneinander liegen, plane das Zeitfenster dort als festen Punkt ein.