Region in den Niederlanden

Gelderland: Städte & Highlights

Gelderland ist die flächenmäßig größte Provinz der Niederlande und die, die am wenigsten nach Postkarte aussieht. Statt Grachten und Tulpen bekommst du hier Wald, Heide und Flugsand auf der Veluwe, Hansestädte mit Türmen an der IJssel, Obstblüte in der Betuwe und eine Kriegsgeschichte, die im Herbst 1944 in wenigen Tagen ganze Städte verändert hat.

Für Reisende aus Deutschland ist Gelderland außerdem die nächstgelegene Provinz: Arnheim und Nimwegen liegen dicht an der Grenze und sind aus dem Rheinland in kurzer Zeit erreichbar. Diese Seite ordnet die Städte, erklärt, was die Veluwe ausmacht, und sagt, wie du mit den Erinnerungsorten von 1944 umgehst, ohne daraus eine Sightseeing-Tour zu machen.

Gelderland: Städte & Highlights
Foto: Agnes Monkelbaan, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzhauptstadtArnheim
  • Besonderheitflächengrößte Provinz der Niederlande
  • LandschaftVeluwe, IJssel-Hansestädte, Flussland Betuwe
  • Beste ReisezeitApril bis Mai für Obstblüte, Ende August für Heideblüte
  • Empfohlene Dauer4 bis 5 Tage
  • AnreiseBahn nach Arnheim und Nimwegen, grenznah zu Deutschland

Vier Landschaften in einer Provinz

Gelderland zerfällt in vier Teile, die kaum etwas gemeinsam haben. In der Mitte liegt die Veluwe, das größte zusammenhängende Naturgebiet des Landes, mit Kiefernwald, Heide und offenen Sandflächen. Im Norden und Osten fließt die IJssel, an ihr sitzen die alten Hansestädte mit ihren Kaufmannshäusern.

Im Süden liegt das Flussland zwischen Waal, Rhein und Maas, die sogenannte Betuwe, im Frühjahr weiß und rosa von Obstblüte. Ganz im Osten schließt sich der Achterhoek an, ruhig, hügelig und landwirtschaftlich geprägt. Wer eine Woche hat, sollte mindestens zwei dieser vier Teile kombinieren, sonst verpasst er den eigentlichen Reiz der Provinz.

Die Städte in Gelderland

1 Arnheim

Arnheim ist Provinzhauptstadt und Tor zur Veluwe. Der Name steht international vor allem für September 1944: Britische Fallschirmjäger sollten die Rheinbrücke halten, die Operation scheiterte, die Stadt wurde zerstört und ihre Bevölkerung evakuiert. Die heutige John-Frost-Brücke trägt den Namen des Kommandeurs, der dort ausharrte.

Daneben hat Arnheim das Nederlands Openluchtmuseum, ein großes Freilichtmuseum aus versetzten historischen Gebäuden, den Zoo Burgers und mit dem Park Sonsbeek eine grüne Hangkante mitten in der Stadt. Im Nachbarort Oosterbeek erzählt das Airborne Museum die Ereignisse von 1944 aus mehreren Perspektiven.

2 Nimwegen

Nimwegen gilt als älteste Stadt der Niederlande, die Römer hatten hier eine Siedlung namens Noviomagus. Auf dem Valkhof, dem Hügel über der Waal, steht noch eine sechzehneckige Kapelle aus dem Mittelalter, der Rest der Kaiserpfalz ist verschwunden.

Unten an der Waalkade sitzt die Stadt am breitesten Fluss des Landes, gegenüber liegt eine künstlich angelegte Nebenrinne mit Auengelände. Im Juli läuft der Viertagemarsch mit zehntausenden Teilnehmern und einer Festwoche dazu. Wer Ruhe sucht, meidet diese Woche, wer Stimmung will, kommt genau dann.

3 Zutphen

Zutphen ist die stillste der Hansestädte und hat dafür den ungewöhnlichsten Schatz: In der Walburgiskirche steht eine Kettenbibliothek aus dem 16. Jahrhundert, in der die Bücher bis heute an Ketten liegen, weil sie damals zu wertvoll zum Mitnehmen waren. Das gibt es in dieser Form fast nirgends mehr.

Drumherum liegt ein mittelalterliches Straßennetz mit dem Wijnhuistoren als Mittelpunkt. Eine Übernachtung lohnt, weil die Stadt abends ganz für sich ist.

4 Doesburg

Doesburg liegt an der IJssel und hat für seine Größe eine ungewöhnlich hohe Zahl an Baudenkmälern. Zentrum ist die alte Waage mit dem Rathaus, in der bis heute ausgeschenkt wird.

Bekannt ist der Ort für seinen Senf, der in einer historischen Fabrik am Wasser produziert wird, mit Führung und Verkostung. Ein halber Tag reicht, gut kombinierbar mit Zutphen.

5 Elburg

Elburg wurde 1392 am Reißbrett angelegt: ein rechteckiges Straßenraster innerhalb eines Wallrings, das seither praktisch unverändert ist. Du siehst die Struktur beim Durchlaufen sofort, jede Straße endet an der Mauer.

Durch die Vischpoort kommst du zum alten Hafen, geräucherter Fisch gehört hier zum Ortsbild. Elburg ist klein und funktioniert als Zwischenstopp auf dem Weg zur Veluwe oder ans Wasser.

6 Harderwijk

Harderwijk liegt am Wasser des Veluwemeers, hat eine erhaltene Stadtmauer direkt am Ufer, eine Vischpoort und einen kleinen Strand. Die Altstadt ist kompakt und angenehm unaufgeregt.

Bekannt ist der Ort für sein Delfinarium. Ob du dorthin gehst, ist eine Entscheidung, die du bewusst treffen solltest: Delfinhaltung und Vorführungen mit Meeressäugern werden seit Jahren kritisch diskutiert, auch in den Niederlanden. Wir nennen den Ort, empfehlen ihn aber nicht ungefragt weiter.

7 Apeldoorn

Apeldoorn ist selbst keine Schönheit, aber es hat Paleis Het Loo. Der Palast wurde Ende des 17. Jahrhunderts als Jagd- und Sommersitz der Oranier gebaut, dahinter liegt ein streng geometrischer Barockgarten, der nach historischen Plänen wiederhergestellt wurde. Nach einer jahrelangen Renovierung ist das Haus samt neuem unterirdischen Bereich wieder zugänglich.

Der Affenpark Apenheul liegt am Stadtrand, und Apeldoorn ist eine der praktischsten Basen für die Veluwe, weil es an der Bahn liegt.

8 Otterlo

Otterlo ist ein Dorf am Rand des Nationalparks De Hoge Veluwe und der übliche Zugang zum Kröller-Müller-Museum mitten im Park. Dort hängt eine der größten Van-Gogh-Sammlungen der Welt, dazu kommt einer der größten Skulpturengärten Europas.

Im Park stehen weiße Fahrräder zur freien Nutzung, mit denen du zwischen den Eingängen und dem Museum unterwegs bist. Wichtig: Eintritt für den Park und Eintritt für das Museum sind getrennt, du brauchst beides.

Tipp: Buche das Kröller-Müller-Museum und den Parkeintritt möglichst vorab online. An schönen Wochenenden und in den Ferien sind die Parkplätze an den Eingängen mittags voll, und ohne Auto bist du mit Bus ab Apeldoorn, Arnheim oder Otterlo ohnehin flexibler.

Die Veluwe: Wald, Heide und Wild

Die Veluwe ist das größte zusammenhängende Naturgebiet der Niederlande und landschaftlich das Gegenteil von Polder. Auf sandigem Boden wachsen Kiefern und Buchen, dazwischen liegen Heideflächen und offene Sandverwehungen, die aussehen wie eine kleine Wüste. Rothirsche, Wildschweine und Mufflons leben hier in freier Wildbahn.

Die Heide blüht in der zweiten Augusthälfte bis Anfang September und färbt ganze Flächen violett. Für Wildbeobachtung sind die frühen Morgen- und die späten Abendstunden die einzigen sinnvollen Zeiten, tagsüber siehst du fast nichts. Details und Routen stehen auf der Seite zur Veluwe.

Hansestädte und Flussland

Die IJssel war jahrhundertelang eine Handelsader, und die Städte an ihr gehörten zur Hanse. Zutphen, Doesburg und weiter nördlich Zwolle und Deventer in Overijssel lassen sich gut zu einer Route verbinden, entweder mit dem Zug oder auf dem Radweg am Fluss. In allen vier findest du Kaufmannshäuser, Stadttore und einen Marktplatz, der noch wie ein Marktplatz funktioniert.

Südlich davon liegt die Betuwe zwischen Waal und Rhein, ein Obstanbaugebiet, das Ende April in Blüte steht. Wer im Frühjahr da ist und keine Lust auf die überlaufenen Tulpenfelder hat, findet hier die ruhigere Alternative: Deichstraßen, Kirschbäume und Fähren, die zwischen den Ufern pendeln. Passende Routen dazu stehen unter Radfahren in den Niederlanden.

1944: Erinnerungsorte mit Maß

Im September 1944 versuchten die Alliierten mit einer Luftlandeoperation, die Flussübergänge bei Nimwegen und Arnheim in einem Zug zu nehmen. In Arnheim ging es schief, die Folgen trugen die Zivilisten: zerstörte Innenstadt, Zwangsevakuierung, ein Hungerwinter. In der Region liegen mehrere Soldatenfriedhöfe.

Wenn du diese Orte besuchst, geh sie als Gedenkstätten an, nicht als Attraktion. Fotos von Grabreihen mit Selfie-Charakter sind an solchen Orten unpassend, und im September finden Gedenkveranstaltungen statt, bei denen Angehörige anwesend sind. Das Airborne Museum in Oosterbeek ordnet die Ereignisse gut ein, auch aus niederländischer Sicht.

Praktisch unterwegs

Arnheim und Nimwegen liegen an schnellen Bahnverbindungen und sind aus Deutschland gut erreichbar, wie das im Detail läuft, steht unter mit dem Zug in die Niederlande. Zwolle, Apeldoorn, Zutphen und Harderwijk haben ebenfalls Bahnhöfe, kleinere Orte erreichst du mit Regionalbus oder Rad. Ein- und Auschecken läuft mit kontaktloser Bankkarte, das Auschecken am Ziel nicht vergessen.

In den Städten bewegst du dich zu Fuß oder per Rad, und dabei gilt die wichtigste Regel des Landes: Steh nie auf dem Radweg. Der rote Asphaltstreifen ist Fahrbahn und kein Gehweg. Auf der Veluwe sind viele Wege gemischt genutzt, dort rechnest du zusätzlich mit schnellen Rennrädern.

Gelderland ist eine der wenigen Provinzen, in denen ein Auto echte Vorteile bringt, weil Wald und Dörfer weit auseinanderliegen. Bedenke aber die Umweltzonen in mehreren niederländischen Städten, kontrolliert wird per Kamera und ein deutsches Kennzeichen schützt nicht davor. Die Regeln stehen auf der Seite zu den Umweltzonen. Im Nationalpark selbst gelten eigene Zufahrts- und Parkregelungen.

Gut zu wissen: Bezahlt wird auch hier fast überall mit Karte. Museen, Cafés und selbst Kassenhäuschen an Parkeingängen nehmen oft kein Bargeld mehr an, Kreditkarten funktionieren nicht überall. Am zuverlässigsten ist eine Debitkarte von Visa oder Mastercard mit Kontaktlos-Funktion. Auf Übernachtungen kommt in den meisten Gemeinden eine Touristensteuer, bei Ferienparks und Campingplätzen wird sie häufig separat abgerechnet.

Häufige Fragen

Was kann man in Gelderland unternehmen?

Drei Dinge tragen die Provinz: die Veluwe mit Wald, Heide und Wildbeobachtung, die Hansestädte an der IJssel mit Zutphen und Doesburg und die Geschichte von 1944 rund um Arnheim und Nimwegen. Dazu kommen Paleis Het Loo bei Apeldoorn und das Kröller-Müller-Museum mitten im Nationalpark bei Otterlo.

Wie viele Tage braucht man für Gelderland?

Vier bis fünf Tage sind ein guter Rahmen: ein Tag Arnheim mit Freilichtmuseum, ein Tag Veluwe mit Kröller-Müller, ein Tag Nimwegen und ein bis zwei Tage für die Hansestädte. Weniger als drei Tage lohnen sich kaum, weil die Wege zwischen Wald, Fluss und Stadt länger sind als anderswo im Land.

Lohnt sich das Kröller-Müller-Museum?

Ja, und zwar unabhängig davon, ob du dich für Van Gogh interessierst. Die Kombination aus Sammlung, Skulpturengarten und Nationalpark drumherum gibt es so kein zweites Mal. Plane den halben Tag ein und rechne mit zwei getrennten Tickets für Park und Museum. Mit den weißen Rädern im Park kommst du kostenlos zwischen den Eingängen hin und her.

Wann blüht die Heide auf der Veluwe?

Die Besenheide färbt sich normalerweise in der zweiten Augusthälfte und hält bis in den frühen September, je nach Sommer etwas früher oder später. Das ist gleichzeitig die schönste Zeit für Fotos am Morgen. Für Wildbeobachtung sind Sonnenaufgang und die letzte Stunde vor Einbruch der Dunkelheit deutlich ergiebiger als der Nachmittag.

Kommt man in Gelderland ohne Auto zurecht?

In den Städten ja, im Naturgebiet mit Einschränkungen. Arnheim, Nimwegen, Apeldoorn, Zutphen und Harderwijk liegen an der Bahn, zur Veluwe fahren Busse zu den Parkeingängen. Für Wald, Heide und die kleinen Dörfer ist ein Leihrad ab Bahnhof die beste Lösung, ein Auto beschleunigt vor allem die Wege zwischen den Regionen.

Sind Arnheim und Nimwegen von Deutschland aus schnell erreichbar?

Beide Städte liegen dicht an der Grenze und sind aus dem Rheinland in wenigen Stunden mit dem Zug erreichbar, Arnheim liegt zusätzlich an einer internationalen Fernverbindung. Damit eignen sie sich auch für ein verlängertes Wochenende. Zwischen beiden Städten dauert die Bahnfahrt nur rund eine Viertelstunde.