Stadt in den Niederlanden · Südholland

Leiden: Sehenswürdigkeiten & Tipps

Leiden gibt dir alles, wofür die meisten nach Amsterdam fahren, nur ohne die Warteschlangen. Grachten aus Backstein, Klappbrücken, Hausboote, dazu die älteste Universität des Landes und Studierende, die das Straßenbild bestimmen. Auf dem Rapenburg stehst du an einem Samstagnachmittag nicht in einer Menschentraube, sondern in einer Stadt, die einfach weiterläuft.

Hier wurde Rembrandt geboren, hier liegt ein ägyptischer Tempel in einer Museumshalle, hier stehen mehr als hundert Gedichte in fremden Sprachen an Hauswänden. Ein Tag reicht für das Wesentliche, zwei Tage lohnen sich, wenn du Museen magst. Als Basis für ganz Südholland ist Leiden sogar die klügere Wahl als eine der großen Städte.

Leiden: Sehenswürdigkeiten & Tipps
Foto: W. Bulach, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzSüdholland
  • Universitätgegründet 1575, die älteste der Niederlande
  • Bekannt fürWandgedichte, Rembrandt, Hortus botanicus
  • Empfohlene Dauer1 bis 2 Tage
  • Beste ReisezeitApril bis Juni, dazu September
  • AnreiseIntercity, Leiden Centraal liegt am Altstadtrand

Warum sich Leiden lohnt

Leiden ist eine Universitätsstadt, und zwar eine, die davon lebt statt davon zu erzählen. Die Uni wurde 1575 gegründet, als Belohnung dafür, dass die Stadt eine lange Belagerung durchgehalten hatte. Seitdem hängt hier alles zusammen: der botanische Garten, weil man Pflanzen für die Medizin brauchte, die Sternwarte, die Sammlungen, die Bibliotheken. Das Ergebnis ist eine Altstadt, in der Wissenschaft nicht Kulisse ist, sondern Grundriss.

Für dich heißt das: kurze Wege, echte Cafés statt Souvenirläden, und Museen, die man an einem Tag schafft, ohne zu hetzen. Die Altstadt misst kaum mehr als anderthalb Kilometer von einem Ende zum anderen. Wer von Den Haag oder Amsterdam kommt, merkt sofort den Unterschied im Tempo.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Leiden

1 Rapenburg und die Grachten

Der Rapenburg gilt als die schönste Gracht der Niederlande, und dieses Mal stimmt der Superlativ ungefähr. Er ist breiter als die Amsterdamer Kanäle, an beiden Seiten stehen Stadtpaläste aus dem 17. und 18. Jahrhundert, dahinter liegen das Akademiegebäude und der botanische Garten.

Lauf einmal die Gracht entlang und dann quer durch die kleineren Gassen zurück. Die Ecke am Nieuwe Rijn mit der Koornbrug, einer überdachten Brücke mitten im Zentrum, ist der Punkt, an dem die meisten stehen bleiben. An Markttagen breitet sich der Wochenmarkt genau dort am Wasser aus.

2 Die Wandgedichte

Seit den 1990er Jahren sind über hundert Gedichte auf Hauswände gemalt worden, jeweils in der Originalsprache: Russisch, Arabisch, Hebräisch, Japanisch, Spanisch, dazu Übersetzungen an anderer Stelle. Sie sind über die ganze Altstadt verteilt, ohne Ausschilderung, ohne Erklärtafeln.

Genau das macht den Reiz aus. Du suchst nicht Gedichte, du läufst durch die Stadt und findest sie. Wer systematisch vorgehen will, holt sich die Übersicht bei der Touristeninformation. Wer es wie ich hält, schaut einfach öfter nach oben.

3 Rijksmuseum van Oudheden

Das Reichsmuseum für Altertümer ist der stärkste Grund, für Leiden einen ganzen Tag einzuplanen. In der Eingangshalle steht ein kompletter ägyptischer Tempel, ein Geschenk Ägyptens an die Niederlande, Stein für Stein hierher versetzt. Dahinter folgen Mumien, Sarkophage und eine der wichtigsten Ägyptensammlungen Europas.

Der zweite Teil zeigt die römische Zeit in den Niederlanden. Der Rhein war hier Reichsgrenze, und was die Archäologen aus dem Boden holen, liegt in diesen Vitrinen. Plan 2 bis 3 Stunden ein, sonst rennst du an der Hälfte vorbei.

4 Museum De Lakenhal

Die Lakenhal war die Prüfhalle der Tuchhändler, seit dem 19. Jahrhundert ist sie das Stadtmuseum. Hier hängt der frühe Rembrandt, also der Maler, bevor er in Amsterdam berühmt wurde, dazu Lucas van Leyden und Jan Steen, der ebenfalls aus Leiden stammt.

Das Haus ist überschaubar und deshalb angenehm: eine Stunde, und du hast wirklich etwas gesehen. Für den Vergleich mit den ganz großen Sammlungen fährst du später nach Den Haag oder Amsterdam.

5 Hortus botanicus

Der Hortus wurde 1590 angelegt und gehört zu den ältesten botanischen Gärten Europas. Ein Teil ist als Clusiusgarten rekonstruiert, benannt nach dem Botaniker, der hier Ende des 16. Jahrhunderts Zwiebeln aus dem Osmanischen Reich in die Erde steckte. Aus diesen Beeten stammt die niederländische Tulpenzucht.

Der Garten liegt direkt hinter dem Rapenburg, hat Gewächshäuser, einen japanischen Bereich und ein paar sehr alte Bäume. Wer die Blumen im Großformat sehen will, fährt anschließend in die Bollenstreek.

6 Burcht, Pieterskerk und Hooglandse Kerk

De Burcht ist eine runde Ringmauer auf einem künstlichen Hügel mitten in der Stadt, aus der Zeit vor der Stadtwerdung. Der Aufstieg dauert zwei Minuten, kostet nichts und liefert den Rundblick über die Dächer und die beiden großen Kirchen.

Die Pieterskerk wird heute für Veranstaltungen genutzt, in ihrem Boden liegt der Pfarrer der englischen Pilger begraben. Die Hooglandse Kerk ein paar Straßen weiter wirkt heller und wird gern unterschätzt.

7 Naturalis und Molen De Valk

Naturalis ist das Naturkundemuseum am Rand der Innenstadt, 2019 neu gebaut, mit einem echten Tyrannosaurus als Hauptattraktion. Mit Kindern ist das der Ort, an dem ein verregneter Tag gerettet wird.

Molen De Valk ist eine Turmmühle aus dem 18. Jahrhundert am alten Stadtwall, innen als Museum eingerichtet, mit Wohnräumen des Müllers und dem Mahlwerk darüber. Von oben siehst du, wie flach das Umland wirklich ist.

Tipp: Kauf im Museumsviertel keinen Kaffee, sondern lauf zwei Minuten weiter an den Nieuwe Rijn. Dort sitzt du am Wasser, siehst die Boote unter der Koornbrug durchfahren und zahlst weniger. Am schönsten ist das gegen 17 Uhr, wenn die Studierenden aus den Bibliotheken kommen.

Rembrandt, Pilger und der 3. Oktober

Rembrandt wurde 1606 in Leiden geboren, als Sohn eines Müllers, und arbeitete hier seine ersten Jahre als Maler. Ein Geburtshaus gibt es nicht mehr, nur eine Stelle und eine Gedenktafel. Wer seine Bilder sehen will, geht in die Lakenhal oder fährt nach Amsterdam. Leiden erzählt eher, wo er herkam.

Zwischen 1609 und 1620 lebte auch eine Gruppe englischer Glaubensflüchtlinge in der Stadt, die später als Pilgerväter nach Amerika segelten. Ihr Schiff legte in Delfshaven ab, das heute zu Rotterdam gehört. In Leiden erinnert ein kleines Museum an die Jahre davor.

Der wichtigste Tag im Kalender ist der 3. Oktober. Dann feiert die Stadt die Befreiung von der Belagerung des Jahres 1574, mit Kirmes, Umzug und Menschenmassen in den Gassen. Gegessen wird traditionell Hutspot, also Stampf aus Möhren und Zwiebeln, dazu Hering und Weißbrot. Wenn du an diesen Tagen kommst, buche das Hotel lange vorher oder bewusst woanders.

Wann du kommen solltest

April und Mai sind die beste Zeit: Der April ist mit rund 56 Millimetern Niederschlag der trockenste Monat, die Höchstwerte liegen im Mittel bei knapp 13 Grad, und die Blumenfelder ringsum stehen in Farbe. Im Sommer klettern die Mittelwerte der Höchsttemperaturen auf gut 22 Grad im August, das ist warm genug für draußen und selten drückend.

Der Herbst ist ehrlich gesagt nass: Oktober und November bringen jeweils um die 93 Millimeter Regen, der November zählt im Schnitt 17 Tage mit Niederschlag. Dafür sind die Museen leer. Im Januar bleibt es tagsüber bei knapp 7 Grad, Schnee ist die Ausnahme, Wind gehört dazu.

Anreise und unterwegs in Leiden

Leiden Centraal liegt an der Hauptstrecke zwischen Amsterdam, Schiphol, Den Haag und Rotterdam, die Intercitys fahren dicht getaktet. Vom Bahnhof bis zum Rapenburg läufst du gut zehn Minuten. Ein Auto brauchst du in der Stadt nicht, es ist eher ein Nachteil.

Wer trotzdem fährt, stellt den Wagen in einem Parkhaus am Rand ab. In mehreren niederländischen Städten gelten Umweltzonen, die per Kamera kontrolliert werden, und die Regeln unterscheiden sich je Ort. Prüf das vorher in der Übersicht zu den Umweltzonen.

Zu Fuß gilt die wichtigste Regel dieses Landes: Steh nie auf dem Radweg. Die rot asphaltierten Streifen sind Fahrbahn, Räder kommen schnell und lautlos, und in einer Studentenstadt umso zahlreicher. Beim Fotografieren einen Schritt zur Seite treten, das reicht meistens schon.

Gut zu wissen: Bezahlt wird fast überall mit Karte. Viele Cafés, Museen und Läden nehmen gar kein Bargeld mehr an, und Kreditkarten funktionieren längst nicht überall. Am zuverlässigsten ist eine Debitkarte mit Kontaktlos-Funktion. Auf Übernachtungen erhebt die Gemeinde eine Touristensteuer, die nicht immer im Zimmerpreis enthalten ist.

Was du von Leiden aus gut erreichst

Die Küste liegt zehn Buskilometer entfernt: Katwijk ist der ruhigere Ort, Noordwijk hat den breiteren Strand und die Dünen. Beide haben keinen eigenen Bahnhof, der Bus ab Leiden Centraal ist der normale Weg. Zwischen Ende März und Mitte Mai fahren Direktbusse zum Keukenhof, danach ist der Park geschlossen.

In die andere Richtung sind Delft und Den Haag in einer knappen halben Stunde erreichbar. Wer die Provinz als Ganzes plant, findet die Reihenfolge auf der Seite zu Südholland.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Leiden22°Cteils bewölkt
  • Wärmster MonatAugust, 22 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 3 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe6 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

7°3°J
8°3°F
10°4°M
13°6°A
17°9°M
20°13°J
21°15°J
22°15°A
19°13°S
15°10°O
11°6°N
8°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

82mm15 TageJ
73mm12 TageF
67mm14 TageM
56mm11 TageA
66mm12 TageM
68mm11 TageJ
78mm15 TageJ
85mm14 TageA
89mm12 TageS
93mm15 TageO
93mm17 TageN
82mm15 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)184 km0 Std. 50 Min.
Köln/Bonn (CGN)233 km0 Std. 50 Min.
Frankfurt (FRA)369 km1 Std. 5 Min.
Hamburg (HAM)403 km1 Std. 5 Min.
Stuttgart (STR)511 km1 Std. 15 Min.
Berlin (BER)613 km1 Std. 20 Min.
München (MUC)669 km1 Std. 25 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Valkenburg5 km10 km, 0 Std. 0 Min.
Katwijk8 km10 km, 0 Std. 0 Min.
Noordwijk9 km10 km, 0 Std. 15 Min.
Vlieland15 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Den Haag16 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Delft19 km20 km, 0 Std. 15 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Leiden?

Ein voller Tag reicht für Altstadt, Grachten, Wandgedichte und ein großes Museum. Zwei Tage sind sinnvoll, wenn du das Rijksmuseum van Oudheden, die Lakenhal und den Hortus in Ruhe sehen willst. Als Übernachtungsbasis funktioniert Leiden auch länger, weil Den Haag, Delft, die Küste und die Blumenregion alle in unter einer Stunde liegen.

Lohnt sich Leiden als Tagesausflug ab Amsterdam?

Ja, die Fahrt dauert gut eine halbe Stunde mit dem Intercity. Du bekommst Grachten ohne Gedränge, ein Weltklassemuseum und eine Altstadt, die du zu Fuß komplett schaffst. Wer Amsterdam schon kennt oder die Menschenmengen dort satt hat, macht mit diesem Ausflug nichts falsch. Nimm die Rückfahrt am frühen Abend, dann ist es in der Stadt am schönsten.

Was ist mit den Wandgedichten in Leiden gemeint?

Seit den 1990er Jahren wurden über hundert Gedichte auf Hauswände in der Altstadt gemalt, jeweils in der Originalsprache und Originalschrift. Sie sind nicht ausgeschildert, du stolperst beim Laufen darüber. Eine Übersicht bekommst du bei der Touristeninformation, aber der schönere Weg ist, einfach öfter nach oben zu schauen.

Kann man in Leiden Bilder von Rembrandt sehen?

Ja, aber wenige. Im Museum De Lakenhal hängen Werke aus seinen frühen Leidener Jahren, bevor er nach Amsterdam ging. Die berühmten großen Gemälde sind im Rijksmuseum in Amsterdam und im Mauritshuis in Den Haag. Leiden erzählt eher die Herkunftsgeschichte: der Müllersohn, die Werkstatt, die ersten Aufträge.

Ist Leiden teurer oder günstiger als Amsterdam?

Deutlich günstiger, vor allem bei Hotels und beim Essen. Weil die Stadt nicht vom Massentourismus lebt, richten sich die Preise eher nach Studierenden und Einheimischen. Museumseintritte liegen im normalen Rahmen. Rechne trotzdem mit Touristensteuer auf die Übernachtung und damit, dass am Wochenende die guten Zimmer zuerst weg sind.