Region in den Niederlanden

Provinz Groningen: Städte & Highlights

Die Provinz Groningen ist der nordöstliche Zipfel der Niederlande: vorn eine junge Universitätsstadt mit mehr Fahrrädern als Autos, dahinter Dörfer auf künstlichen Hügeln, mittelalterliche Kirchen im Dutzend und ein Horizont, den nichts unterbricht. Wer Weite mag, bekommt hier mehr davon als sonst irgendwo im Land.

Diese Seite sortiert die Provinz für dich: die Stadt Groningen als Basis, die Wierdendörfer und die Wattenküste im Norden, die Festung Bourtange im Osten. Dazu ehrlich, was die Erdbeben durch die Gasförderung mit dieser Gegend gemacht haben und was du davon siehst.

Provinz Groningen: Städte & Highlights
Foto: Wutsje / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzGroningen, Hauptstadt Groningen
  • Lagenordöstlichste Provinz, Grenze zu Niedersachsen
  • KüsteWattenmeer, UNESCO-Welterbe
  • BesonderheitDörfer auf Wierden, künstlichen Wohnhügeln
  • Beste ReisezeitMai bis September
  • AnreiseA7 aus Ostfriesland, Bahn über Zwolle

Stadt und Ommelanden

Die Provinz funktioniert nach einem einfachen Muster: In der Mitte liegt die Stadt Groningen, drumherum das, was hier seit Jahrhunderten „Ommelanden“ heißt, also alles andere. Der Unterschied ist krass. In der Stadt drängen sich Studierende, Cafés und Radverkehr auf engem Raum, zwanzig Autominuten weiter stehst du auf einem Deich und siehst nur Gras, Wasser und Himmel.

Genau diese Kombination macht die Provinz zu einem guten Ziel für vier bis fünf Tage. Du wohnst in der Stadt und fährst tagsüber raus, oder du nimmst ein Ferienhaus auf dem Land und kommst für einen Abend rein. Weiter südlich schließt Drenthe an, westlich Friesland.

Drei Orte, mit denen du anfängst

1 Groningen

Die Stadt hat einen der jüngsten Altersschnitte des Landes, weil ein großer Teil der Einwohner studiert. Das prägt alles: die Kneipen, die Öffnungszeiten der Küchen, das Tempo auf der Straße. Vom Martiniturm siehst du bei klarer Sicht bis an die Küste, das Groninger Museum liegt als bunter Klotz im Wasser vor dem Bahnhof.

Groningen gilt als die Fahrradstadt der Niederlande, der Kern ist für Autos weitgehend dicht. Als Fußgänger brauchst du hier echte Aufmerksamkeit: Der rote Asphalt ist Radweg, und dort fährt gefühlt die halbe Stadt gleichzeitig. Alles zur Stadt findest du unter Groningen.

2 Appingedam

Appingedam hat ein Bild, das es sonst nirgends gibt: die hängenden Küchen. Weil die Grundstücke am Damsterdiep zu schmal waren, bauten die Bewohner ihre Küchen auf Balken über das Wasser hinaus. Von der Brücke aus schaust du auf eine ganze Reihe davon.

Dazu kommt die Nicolaïkerk mit bemalten Gewölben und ein kleiner, sehr ruhiger Kern. Ein bis zwei Stunden genügen, gut kombinierbar mit der Fahrt zur Küste. Mehr unter Appingedam.

3 Bourtange

Im Osten, ein paar hundert Meter von der deutschen Grenze, liegt die Sternschanze Bourtange. Die Festung entstand 1593 im Krieg gegen Spanien und wurde im 20. Jahrhundert vollständig rekonstruiert: Wälle, Gräben, Tore, Kanonen, ein Dorf im Inneren.

Der beste Blick kommt nicht aus der Mitte, sondern von oben: Geh einmal komplett auf dem Wall herum, dann verstehst du die Sternform. Details unter Bourtange.

Wierdendörfer: Wohnen auf dem Hügel

Bevor es Deiche gab, half im Norden nur eins: Hügel aufschütten und oben darauf bauen. Diese Wierden liegen bis heute wie flache Buckel in der Landschaft, und viele Dörfer haben ihre kreisrunde Form behalten, mit der Kirche im Zentrum und einer Ringstraße drumherum. Niehove und Ezinge sind die Lehrbuchbeispiele, in Warffum zeigt ein Freilichtmuseum, wie darauf gelebt wurde.

Dazu kommt eine Dichte an mittelalterlichen Dorfkirchen, die im europäischen Vergleich ungewöhnlich ist. Viele sind tagsüber offen, oft mit einem historischen Orgelprospekt im Inneren und einem Zettel an der Tür, wer den Schlüssel hat. Diese Kirchen sind der eigentliche Schatz der Ommelanden.

Tipp: Fahr die Wierdendörfer nicht mit dem Navi von Adresse zu Adresse ab. Park am Ortsrand, geh die Ringstraße einmal komplett, dann siehst du, dass du auf einem Hügel stehst. Nachmittagslicht steht am besten, morgens liegt oft Dunst über den Feldern.

Die Wattenküste und die Inseln

Die Küste ist kein Strand, sondern Deich, Salzwiese und dahinter Watt, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Bei Noordpolderzijl liegt der kleinste Seehafen des Landes, wenig mehr als ein Priel mit ein paar Booten. In Pieterburen starten die klassischen Wattwanderungen, in Lauwersoog legt die Fähre nach Schiermonnikoog ab, und im angrenzenden Nationalpark Lauwersmeer sind die Nächte außergewöhnlich dunkel.

Vom Eemshaven fahren außerdem Fähren nach Borkum, was die Anreise aus Ostfriesland kurz macht. Wie eine Wattwanderung abläuft und was du dafür brauchst, steht bei Wattenmeer und Wattwandern, den Tagesausflug ab der Stadt beschreibt der Wattenmeer-Ausflug.

Achtung: Wattwandern ist in den Niederlanden nur mit lizenzierter Führung erlaubt, und das aus gutem Grund. Die Priele füllen sich beim auflaufenden Wasser zuerst, Nebel nimmt jede Orientierung. Ohne Führung ist das lebensgefährlich. Touren buchst du vorher, an guten Terminen sind die Gruppen früh voll.

Erdbeben durch Gasförderung: was du sehen wirst

1959 wurde bei Slochteren eines der größten Gasfelder Europas entdeckt. Der Gewinn ging jahrzehntelang in den Staatshaushalt, die Folgen blieben in der Region: Durch die Förderung senkte sich der Boden, es kam zu Erdbeben, und tausende Häuser, Höfe und Kirchen bekamen Risse. Das Beben bei Huizinge im Jahr 2012 war das stärkste und hat die Debatte gekippt. Die Förderung wurde 2023 beendet und das Feld anschließend geschlossen.

Sichtbar ist das bis heute. Auf dem Weg über die Dörfer siehst du Stahlstützen an Giebeln, verplankte Fenster, eingerüstete Kirchtürme und Neubauten, wo vorher ein alter Hof stand. Verstärkung und Entschädigung laufen weiter, und das Vertrauen in die Politik ist in dieser Gegend gering. Als Gast heißt das vor allem: Fotografiere keine Schäden an bewohnten Häusern wie eine Sehenswürdigkeit. Wer nachfragt, bekommt dagegen oft ausführlich Antwort.

Anreise und Praktisches

Mit dem Auto ist Groningen aus Ostfriesland schnell erreicht: bei Bunde über die Grenze, dann durchgehend auf der A7 bis in die Stadt. Für die Stadt selbst nimmst du besser einen P+R-Platz am Rand und fährst die letzten Minuten mit dem Bus, denn der Kern ist auf Räder ausgelegt. Eine allgemeine Umweltzone für Pkw gibt es hier nicht, andere niederländische Städte kontrollieren ihre Zonen aber per Kamera. Prüfe deine Route vorher bei den Umweltzonen in den Niederlanden.

Per Bahn erreichst du Groningen umsteigefrei aus Zwolle und der Randstad. Die Verbindung zwischen Leer und Groningen war in den vergangenen Jahren mehrfach unterbrochen und wird abschnittsweise durch Busse ersetzt, prüfe sie kurz vor der Fahrt. In Zug und Bus gilt: einchecken und auschecken, eine kontaktlose Bankkarte reicht. Bezahlt wird fast überall mit Karte, viele Cafés und Museen nehmen gar kein Bargeld mehr, Kreditkarten längst nicht überall. Auf Übernachtungen kommt in den meisten Gemeinden eine Touristensteuer pro Person und Nacht.

Beste Reisezeit

Mai bis September ist die verlässliche Zeit, mit den längsten Abenden im Juni. Auf dem Deich weht fast immer Wind, nimm auch im Hochsommer eine winddichte Jacke mit. Wattwanderungen richten sich nach der Tide, nicht nach dem Kalender, deshalb legst du die Tour zuerst und den Rest danach. Im Herbst ziehen Zehntausende Gänse über das Lauwersmeer, das ist ein eigenes Erlebnis. Im Winter ist es dunkel, leer und stürmisch, dafür gehören dir die Kirchen allein. Weitere ruhige Ziele stehen bei Geheimtipps für die Niederlande.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Provinz Groningen für einen Kurzurlaub?

Ja, wenn du Weite, Radfahren und kleine Orte magst. Vier bis fünf Tage sind ein guter Zuschnitt: zwei Tage Stadt, ein Tag Wierdendörfer, ein Tag Küste mit Wattwanderung oder Inselfahrt, ein halber Tag Bourtange. Wer klassische Grachtenstädte und große Museen sucht, ist in Amsterdam oder Utrecht besser aufgehoben.

Wie kommt man von Deutschland aus in die Provinz Groningen?

Mit dem Auto aus Ostfriesland über Bunde und dann auf der A7 durch bis Groningen, aus Bremen dauert es rund zwei Stunden. Vom Eemshaven fahren Fähren nach Borkum. Mit der Bahn läuft die Anreise stabil über Zwolle. Die Strecke zwischen Leer und Groningen war zuletzt mehrfach unterbrochen, prüfe sie kurz vor der Abfahrt.

Spürt man in Groningen noch Erdbeben?

Leichte Beben kommen weiterhin vor, weil sich der Untergrund nach Jahrzehnten Förderung noch setzt, aber die Gasförderung wurde 2023 beendet und das Feld geschlossen. Für Reisende besteht kein Risiko. Sichtbar sind vor allem die Folgen: gestützte Giebel, eingerüstete Kirchen, verstärkte Häuser. In vielen Dörfern ist das ein Thema, über das gern und ausführlich geredet wird.

Was ist ein Wierdendorf?

Ein Dorf auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel. Vor dem Deichbau war das der einzige Schutz vor Sturmfluten: Man erhöhte den Wohnplatz Schicht für Schicht. Viele dieser Dörfer haben ihre runde Form mit Kirche in der Mitte behalten. In Friesland heißen die Hügel Terpen, in Groningen Wierden. Niehove, Ezinge und Warffum zeigen das Prinzip am deutlichsten.

Kann man von der Provinz Groningen aus auf die Wattinseln?

Ja. Aus Lauwersoog fährt die Fähre nach Schiermonnikoog, dem kleinsten bewohnten Wattenmeer-Eiland. Besucherautos bleiben dort auf dem Festland, du fährst also mit dem Rad oder gehst zu Fuß. Die anderen Inseln werden ab Häfen in Friesland und Nordholland bedient. Einen Vergleich aller Inseln findest du unter Wattenmeer-Inseln.