Auf einen Blick
- ProvinzGroningen, Gemeinde Eemsdelta
- Besonderheithängende Küchen über dem Damsterdiep
- KircheNicolaïkerk mit bemalten Gewölben
- Stadtrechteseit dem 14. Jahrhundert
- Dauer1 bis 2 Stunden
- AnreiseBahn ab Groningen Richtung Delfzijl
Die hängenden Küchen
Das Damsterdiep, der Kanal, der Appingedam mit der Stadt Groningen verbindet, läuft mitten durch den Ort. Die Parzellen daran waren schmal und tief, und wer mehr Platz brauchte, hatte nur eine Richtung: nach hinten und über das Wasser. Also setzte man Balken auf die Kaimauer und baute die Küche darauf, teils mit Fenster über der Strömung, teils mit einer Luke zum Wasserholen.
Ältere Beispiele gab es schon lange, das heutige Bild stammt im Wesentlichen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Es sind private Häuser, keine Museumsstücke: Hinter den Fenstern wird gekocht und gegessen. Der klassische Blick geht von der Brücke im Zentrum nach Westen, und weil die Bauten nach Norden zeigen, ist das Licht am späten Nachmittag am besten. Fünf Minuten und ein Foto reichen den meisten, wer genau hinsieht, entdeckt an jeder Küche eine andere Konstruktion.
Tipp: Lauf nicht nur über die Hauptbrücke, sondern auch am gegenüberliegenden Ufer entlang. Von dort siehst du die Balken, auf denen alles ruht, und verstehst erst, wie waghalsig diese Anbauten sind. Im Sommer fahren kleine Boote durch den Kanal, vom Wasser aus ist der Blick der beste.
Nicolaïkerk und Altstadt
Die Nicolaïkerk steht mitten im Ort und geht im Kern auf das 13. Jahrhundert zurück. Sehenswert ist sie wegen der Gewölbemalereien: Ranken, Figuren, biblische Szenen, und an einer Stelle ein Kamel, das der Maler vermutlich nie gesehen hat und entsprechend eigenwillig dargestellt ist. Solche Malereien sind in der Region nicht selten, hier sind sie besonders gut erhalten.
Drumherum liegt die Wijkstraat, die Hauptachse mit Läden und Cafés, dazu einige Höfe und alte Kaufmannshäuser. Appingedam bekam im 14. Jahrhundert Stadtrechte und war lange ein Handelsplatz mit Verbindung zur Hanse, was für einen Ort dieser Größe erstaunlich ist. Für den kompletten Rundgang brauchst du eine gute Stunde, mit Kirche und einem Kaffee werden zwei daraus.
Erdbeben durch Gasförderung: was du wissen solltest
1959 wurde bei Slochteren eines der größten Gasfelder Europas entdeckt. Der Ertrag ging jahrzehntelang in den Staatshaushalt, die Folgen blieben in der Region: Der Boden senkte sich, es kam zu Erdbeben, und Zehntausende Häuser, Höfe und Kirchen bekamen Risse. Das Beben bei Huizinge im Jahr 2012 war das stärkste und hat die politische Debatte gekippt. 2023 wurde die Förderung beendet, danach wurde das Feld geschlossen.
Appingedam liegt mitten in diesem Gebiet. Sichtbar ist das bis heute: Stahlstützen an Giebeln, Risse in Fassaden, eingerüstete Türme, Baustellen, an denen Häuser verstärkt oder ersetzt werden. Für dich als Gast besteht kein Risiko, das Thema ist kein Sicherheitsproblem für Besucher. Es ist ein Vertrauensproblem: Viele Menschen hier haben jahrelang auf Gutachten, Entschädigung und Reparatur gewartet, und in vielen Fällen läuft das immer noch.
Achtung: Fotografiere Schäden an bewohnten Häusern nicht wie eine Sehenswürdigkeit. Was für dich ein Motiv ist, ist für die Bewohner ein jahrelanger Streit mit Behörden und Gutachtern. Wer freundlich nachfragt, bekommt dagegen oft ausführlich Antwort, das Thema wird hier nicht verschwiegen.
Anreise und Verkehr
Mit der Bahn ist Appingedam unkompliziert: Der Regionalzug von Groningen nach Delfzijl hält hier, die Fahrt dauert rund eine halbe Stunde. Vom Bahnhof läufst du in zehn Minuten ins Zentrum. Aus Deutschland fährst du über Bremen und Leer nach Groningen, prüfe diese Strecke aber kurz vorher, sie war in den vergangenen Jahren mehrfach unterbrochen.
Mit dem Auto kommst du aus Ostfriesland über die Grenze bei Bunde und dann über die A7 und die N33. Parkplätze liegen am Rand des Zentrums, eine Umweltzone gibt es hier nicht, in größeren Städten unterwegs aber schon, kontrolliert per Kamera. Vor Ort ist alles fußläufig, und wie überall im Land gilt: Der rote Asphalt gehört den Rädern, dort bleibst du als Fußgänger nicht stehen.
Gut zu wissen: Bezahlt wird fast überall mit Karte, viele Cafés und Läden nehmen gar kein Bargeld mehr an, Kreditkarten längst nicht überall. Eine kontaktlose Debitkarte ist das verlässlichste Zahlungsmittel. In Bus und Zug checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen wieder aus. Auf Übernachtungen erhebt die Gemeinde eine Touristensteuer pro Person und Nacht. Appingedam gehört seit 2021 zur Gemeinde Eemsdelta, der alte Name steht aber weiter auf allen Schildern.
Wann du kommen solltest
Von Mai bis September ist die Gegend am freundlichsten, weil sich der Ort mit einer Radtour über das flache Land verbinden lässt und die Cafés draußen bestuhlt sind. Der Wind aus Nordwesten steht hier fast immer, auch im Sommer gehört eine winddichte Jacke ins Gepäck.
Im Herbst wird es rau und grau, dafür ist die Provinz dann fast menschenleer und das Licht über den Feldern ungewöhnlich weich. Der Winter ist dunkel und windig, viele kleinere Häuser haben eingeschränkt geöffnet, und ein Rundgang dauert dann keine Stunde. Als eigenständiges Reiseziel funktioniert Appingedam ohnehin nicht, als Halbtagesstopp auf einer Runde durch die Provinz umso besser.
In der Umgebung
Appingedam kombinierst du am besten mit der Küste: Von hier sind es wenige Kilometer nach Delfzijl am Wasser und weiter zum Wattenmeer, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Wie ein Tag dort abläuft, beschreibt der Wattenmeer-Ausflug, und Wattwandern ist nur mit lizenzierter Führung erlaubt, mehr dazu bei Wattenmeer und Wattwandern.
Nach Westen liegen die Wierdendörfer auf ihren künstlichen Hügeln und die mittelalterlichen Dorfkirchen, für die diese Gegend berühmt ist, dahinter die Stadt Groningen. Nach Südosten erreichst du in gut einer Stunde die Festung Bourtange. Alles zur Region ordnet die Provinz Groningen ein.
Klima und Anreise auf einen Blick
- Wärmster MonatAugust, 22 °C
- Kühlster MonatJanuar, 2 °C
- Trockenster MonatMai
- Höhe2 m
Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius
Regen Millimeter und Regentage pro Monat
Entfernung ab deutschen Flughäfen
| Ab | Entfernung | Flugzeit ca. |
|---|---|---|
| Hamburg (HAM) | 210 km | 0 Std. 50 Min. |
| Düsseldorf (DUS) | 226 km | 0 Std. 50 Min. |
| Köln/Bonn (CGN) | 274 km | 0 Std. 55 Min. |
| Frankfurt (FRA) | 384 km | 1 Std. 5 Min. |
| Berlin (BER) | 459 km | 1 Std. 10 Min. |
| Stuttgart (STR) | 541 km | 1 Std. 15 Min. |
| München (MUC) | 651 km | 1 Std. 25 Min. |
Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.
Städte in der Nähe
| Stadt | Entfernung | Mit dem Auto etwa |
|---|---|---|
| Groningen | 22 km | 30 km, 0 Std. 15 Min. |
| Assen | 41 km | 50 km, 0 Std. 30 Min. |
| Bourtange | 41 km | 50 km, 0 Std. 30 Min. |
| Schiermonnikoog | 50 km | nur mit Fähre oder Flug |
| Orvelte | 55 km | 70 km, 0 Std. 45 Min. |
| Dokkum | 57 km | 70 km, 0 Std. 45 Min. |
Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.
Häufige Fragen
Was sind die hängenden Küchen von Appingedam?
Küchen, die auf Balken über den Kanal Damsterdiep hinausgebaut wurden. Die Grundstücke am Wasser waren schmal, Platz gab es nur nach hinten, also erweiterte man die Häuser über die Kaimauer hinaus. Das heutige Bild stammt im Wesentlichen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Es sind bewohnte Privathäuser, keine Museumsbauten, der Blick geht von der Brücke im Zentrum.
Wie lange braucht man für Appingedam?
Ein bis zwei Stunden reichen: die hängenden Küchen von beiden Ufern, die Nicolaïkerk mit ihren Gewölbemalereien, ein Rundgang über die Wijkstraat und eine Pause. Als eigenständiges Reiseziel ist der Ort zu klein. Gut funktioniert er als Halbtagesstopp auf dem Weg zur Küste oder als Ziel einer Radtour ab der Stadt Groningen.
Merkt man in Appingedam etwas von den Erdbeben?
Nicht als Besucher, wohl aber an den Häusern. Die Gasförderung wurde 2023 beendet und das Feld anschließend geschlossen, leichte Beben kommen weiterhin vor, weil sich der Untergrund setzt. Ein Risiko für Reisende besteht nicht. Sichtbar sind die Folgen: Stahlstützen an Giebeln, Risse, eingerüstete Türme und Baustellen, an denen Häuser verstärkt werden.
Wie kommt man ohne Auto nach Appingedam?
Mit dem Regionalzug von Groningen Richtung Delfzijl, die Fahrt dauert rund eine halbe Stunde und der Bahnhof liegt zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt. Aus Deutschland fährst du über Leer nach Groningen und steigst dort um, prüfe diese Strecke aber kurz vor der Reise. Im Zug checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus.
Lohnt sich Appingedam mit dem Fahrrad?
Ja, das ist sogar die beste Art, herzukommen. Von der Stadt Groningen führt eine Route am Damsterdiep entlang durch flaches Land mit Wierdendörfern und mittelalterlichen Kirchen. Das Knotenpunktnetz macht die Planung einfach, Steigungen gibt es keine, dafür fast immer Wind. Kalkuliere Hin- und Rückweg realistisch oder nimm den Zug für eine Richtung.






