Auf einen Blick
- ProvinzhauptstadtZwolle
- LandschaftIJssel und Hansestädte, Niedermoor, welliges Twente
- NationalparkWeerribben-Wieden, größtes Niedermoor Nordwesteuropas
- Beste ReisezeitMai bis September, Deventer auch im Dezember
- Empfohlene Dauer3 bis 4 Tage
- AnreiseBahn nach Zwolle und Deventer, grenznah zu Deutschland
Drei Ecken, drei Charaktere
Overijssel besteht aus drei Teilen, die sich deutlich unterscheiden. Entlang der IJssel im Westen liegen die Hansestädte: Zwolle, Kampen und Deventer, alle mit mittelalterlichem Kern und Türmen, die man von weitem sieht. Nordwestlich davon beginnt der Kop van Overijssel, ein Gebiet aus Torfgräben, Schilfinseln und Wasserwegen, in dem Giethoorn und Blokzijl liegen.
Im Osten liegt Twente: sanft gewellt, mit Bauernhöfen, Hecken und Wäldern, dazu ein eigener Dialekt und eine Küche, die etwas deftiger ausfällt als im Westen des Landes. Die Grenze zu Deutschland verläuft direkt dahinter, was Twente für Kurztrips aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen besonders praktisch macht.
Die Städte und Dörfer in Overijssel
1 Zwolle
Zwolle ist Provinzhauptstadt und von oben betrachtet ein Stern: Die alte Befestigung liegt als sternförmiger Grachtenring komplett um die Innenstadt. Von den Stadttoren steht die Sassenpoort aus dem frühen 15. Jahrhundert noch, und der Turm der Basilika trägt wegen seiner Form den Spitznamen Peperbus.
Kunstinteressierte gehen ins Museum de Fundatie, auf dessen klassizistisches Dach eine riesige eiförmige Erweiterung gesetzt wurde. Das sieht aus wie ein Missverständnis und funktioniert innen erstaunlich gut. Zwolle ist zudem der beste Verkehrsknoten der Provinz.
2 Deventer
Deventer hat den schönsten Altstadtkern der Provinz. Das Bergkwartier ist ein Viertel aus schmalen Gassen und restaurierten Häusern auf einer leichten Anhöhe, mittendrin steht die Lebuinuskirche mit besteigbarem Turm.
Zweimal im Jahr wird die Stadt zum Ereignis: Am ersten Augustsonntag findet die größte Bücherbörse Europas statt, mit Ständen entlang der gesamten Innenstadt. Im Dezember verwandelt das Dickens Festijn das Bergkwartier für ein Wochenende in eine Kulisse aus dem 19. Jahrhundert. Beide Termine sind extrem voll, Zimmer sind lange vorher weg.
3 Kampen
Kampen liegt an der IJssel kurz vor deren Mündung und zeigt vom gegenüberliegenden Ufer eine Silhouette aus Türmen, Toren und Giebeln, die zu den besten Stadtansichten des Landes gehört. Die Stadt lebte vom Fluss- und Seehandel und später von der Zigarrenherstellung.
Kampen ist außerdem berühmt für die Kamper Uien, absurde Geschichten über die angebliche Einfältigkeit der Einwohner, die sich die Stadt inzwischen selbstbewusst angeeignet hat. Von Zwolle bist du in gut zehn Zugminuten da.
4 Giethoorn
Giethoorn ist das Dorf mit den Wasserwegen, Holzbrücken und reetgedeckten Häusern, das auf jedem zweiten Reisefoto der Niederlande auftaucht. Der alte Kern hat keine durchgehende Straße, du bewegst dich zu Fuß, mit dem Rad oder im Boot.
Ehrlich gesagt: Zwischen zehn und sechzehn Uhr ist es in der Saison sehr voll, weil Busgruppen aus dem ganzen Land ankommen. Miete ein Flüsterboot, fahr aus dem Zentrum hinaus in die Seen und komm früh oder spät. Wer übernachtet, bekommt ein anderes Dorf als der Tagesgast.
5 Blokzijl
Blokzijl ist der ruhige Gegenentwurf zu Giethoorn: ein Hafenstädtchen aus dem 17. Jahrhundert mit Schleuse und Kaufmannshäusern rund um das Becken. Nur die See ist weg, seit die Zuiderzee abgeriegelt und der Nordostpolder trockengelegt wurde.
Der Ort liegt direkt am Rand des Nationalparks und eignet sich gut als Basis für Boots- und Radtouren. Abends ist am Hafen fast nichts los, und genau das ist der Punkt.
6 Hattem
Hattem liegt gleich gegenüber von Zwolle auf der anderen Seite der IJssel und gehört formal schon zu Gelderland, praktisch besuchst du es aber von Zwolle aus. Der Ort ist winzig, hat Wallreste, eine Stadtmühle und ein sehr geschlossenes Ortsbild.
Zwei Museen lohnen: eines zum Zeichner Anton Pieck, dessen Bilderwelt viele aus Kinderbüchern kennen, und das niederländische Bäckereimuseum in einem alten Kaufmannshaus. Ein halber Tag reicht völlig.
7 Ootmarsum
Ootmarsum ist der Ort, an dem Twente am twentischsten ist: krumme Gassen, Fachwerk, auffällig viele Galerien und Kunsthandwerksläden. Rundherum wellt sich das Land, was für niederländische Verhältnisse fast schon Gebirge bedeutet.
Zu Ostern lebt hier ein Brauch, den es sonst nirgends gibt: Eine Gruppe zieht singend und Hand in Hand durch den Ort und quer durch Häuser, danach brennt am Ortsrand das Osterfeuer. Wer zu dieser Zeit in der Gegend ist, sollte das mitnehmen.
Tipp: Plane Giethoorn nie als Hauptziel eines Tagesausflugs von Amsterdam. Die Anfahrt frisst den halben Tag, und du kommst genau im vollsten Zeitfenster an. Besser: zwei Nächte in Blokzijl oder Giethoorn selbst, dann hast du Morgen und Abend für dich und die Boote sind schneller verfügbar.
Weerribben-Wieden: Schilf, Torf und stille Boote
Der Nationalpark Weerribben-Wieden im Nordwesten der Provinz ist das größte Niedermoorgebiet Nordwesteuropas, und es ist von Menschen gemacht. Jahrhundertelang wurde hier Torf gestochen: schmale Streifen ausgebaggert, die Grabungsstreifen und die Trockenlegestreifen dazwischen bilden bis heute das Muster aus Wasser und Land.
Heute wachsen dort Schilf, Seerosen und Orchideen, es leben Otter, Rohrdommeln und im Sommer riesige Libellenpopulationen. Erschlossen ist das Gebiet über Kanäle und Wanderwege. Ein Flüsterboot mit Elektromotor ist die beste Art hinein: leise, langsam und ohne Führerschein zu fahren. Wenn du lieber trocken bleibst, geht auch eine Radrunde über die Deiche.
Twente: das andere Overijssel
Twente im Osten hat mit dem Bild vom flachen Holland nichts zu tun. Zwischen den Feldern liegen Wallhecken, kleine Anhöhen und alte Bauernhöfe mit Holzfassaden, dazwischen Landgüter mit Parks. Die Region war einmal das Zentrum der niederländischen Textilindustrie, davon zeugen Fabrikhallen, die inzwischen Museen und Kulturzentren beherbergen.
Zum Radfahren und Wandern ist Twente eines der besten Gebiete des Landes, gerade weil es leicht wellig ist. Wer mehr über die stillen Ecken der Niederlande wissen will, findet weitere Ziele unter Geheimtipps und in der Übersicht der schönsten Dörfer.
Praktisch unterwegs
Zwolle und Deventer liegen an schnellen Verbindungen von Amsterdam und Utrecht, Zwolle ist zusätzlich Knotenpunkt Richtung Norden. Kampen erreichst du mit einem kurzen Zubringerzug, Giethoorn, Blokzijl und Ootmarsum mit Regionalbussen ab Steenwijk beziehungsweise ab den Bahnhöfen in Twente. Ein- und Auschecken funktioniert mit kontaktloser Bankkarte, das Auschecken am Ziel darfst du nicht vergessen.
In den Städten gehst du zu Fuß, und dabei gilt die Regel, die im ganzen Land wichtiger ist als jede andere: Steh nie auf dem Radweg. Der rot asphaltierte Streifen ist Fahrbahn, kein Gehweg. In Zwolle und Deventer ist das Radaufkommen hoch, und Räder kommen leise.
Mit dem Auto ist die Provinz entspannt zu befahren, für die kleinen Orte und den Nationalpark bringt es echte Vorteile. Denk trotzdem an die Umweltzonen, die in mehreren niederländischen Städten gelten und per Kamera kontrolliert werden, ein deutsches Kennzeichen schützt nicht davor. Der Überblick steht auf der Seite zu den Umweltzonen. In Giethoorn parkst du außerhalb des alten Kerns, dort kommst du ohnehin nicht durch. Wer aus dem Osten anreist, findet den passenden Rahmen unter mit dem Auto in die Niederlande.
Gut zu wissen: Bezahlt wird auch in Overijssel fast überall mit Karte. Bootsverleih, Museen und Cafés nehmen häufig gar kein Bargeld mehr an, Kreditkarten funktionieren nicht überall zuverlässig. Am sichersten ist eine Debitkarte von Visa oder Mastercard mit Kontaktlos-Funktion. Auf Übernachtungen erheben die Gemeinden eine Touristensteuer, bei Ferienhäusern und Campingplätzen wird sie oft getrennt abgerechnet. Frag bei der Buchung nach, dann gibt es an der Rezeption keine Überraschung.
Häufige Fragen
Was lohnt sich in Overijssel am meisten?
Drei Dinge: die Hansestädte Zwolle, Deventer und Kampen an der IJssel, der Nationalpark Weerribben-Wieden mit Booten und Schilfgebiet und das wellige Twente im Osten. Giethoorn gehört dazu, funktioniert aber nur außerhalb der Mittagsstunden. Wer nur zwei Tage hat, nimmt Deventer und eine Bootstour im Nationalpark.
Wann sollte man Giethoorn besuchen?
Früh am Morgen oder ab dem späten Nachmittag, dann sind die Reisegruppen weg. Zwischen zehn und sechzehn Uhr ist es in der Saison auf den Brücken eng. Am entspanntesten wird es mit einer Übernachtung im Ort oder im nahen Blokzijl, weil du dann die Randzeiten und den Abend am Wasser bekommst.
Wie viele Tage braucht man für Overijssel?
Drei bis vier Tage reichen für einen guten Querschnitt: ein Tag Zwolle mit Kampen, ein Tag Deventer, ein Tag Wasser und Nationalpark. Willst du Twente mit Ootmarsum dazunehmen, plane fünf Tage. Weil die Provinz überschaubar ist, kannst du mit einem einzigen Quartier arbeiten, am besten in Zwolle oder Deventer.
Was ist Weerribben-Wieden?
Ein Nationalpark im Nordwesten der Provinz und das größte Niedermoorgebiet Nordwesteuropas. Das Muster aus schmalen Wasserstreifen und Landstreifen stammt vom Torfstechen früherer Jahrhunderte. Heute leben dort Otter und seltene Vögel. Am besten erschließt du das Gebiet mit einem leisen Elektroboot oder auf dem Rad über die Deiche.
Lohnt sich Deventer für einen Tagesausflug?
Ja, die Altstadt ist die schönste der Provinz und in zwei bis drei Stunden zu Fuß erfasst. Rechne mehr Zeit ein, wenn du den Turm der Lebuinuskirche besteigst. Am ersten Augustsonntag mit der großen Bücherbörse und am Dickens-Wochenende im Dezember ist die Stadt allerdings extrem voll.
Kommt man in Overijssel ohne Auto zurecht?
In den Städten problemlos, im Wassergebiet mit etwas Planung. Zwolle, Deventer und Kampen liegen an der Bahn, nach Giethoorn fährt ab Steenwijk ein Bus. Für den Nationalpark und Twente ist ein Leihrad ab Bahnhof die beste Lösung. Ein Auto spart Zeit, ist aber keine Voraussetzung für eine gute Woche.






