Region in den Niederlanden

Drenthe: Städte & Highlights

Drenthe ist die stillste Provinz der Niederlande und zugleich die älteste. Zwischen Assen und der deutschen Grenze liegen die Hünengräber, die hier „hunebedden“ heißen: Kammern aus Findlingen, rund fünftausend Jahre alt und damit die ältesten Denkmäler des Landes. Drumherum Heide, Hochmoor, Kiefernwald und ein Radwegenetz, das dich fast ohne Autoverkehr von einem Dorf zum nächsten bringt.

Wer Grachten und Schlangen vor Museumskassen sucht, ist hier falsch. Wer nach vier Tagen Amsterdam durchatmen will, genau richtig. Diese Seite zeigt dir, was Drenthe ausmacht, mit welchen drei Orten du anfängst und wie du die Provinz sinnvoll abfährst.

Drenthe: Städte & Highlights
Foto: Maarten Sepp, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzDrenthe, Hauptstadt Assen
  • Hünengräber52 der 54 niederländischen Hunebedden
  • Alter der Steingräberrund 5.000 Jahre
  • LandschaftHeide, Hochmoor, Wald, Sandwege
  • Beste ReisezeitMai bis September, Heideblüte im August
  • Anreiseaus dem Emsland über Meppen, per Bahn über Zwolle

Wofür Drenthe gut ist

Drenthe hat keine berühmte Skyline und kein Museum, für das du ein Zeitfenster Wochen im Voraus brauchst. Die Provinz lebt von dem, was fehlt: wenig Verkehr, keine Hochhäuser, kaum Andrang. Die größte Stadt ist Emmen, die Hauptstadt Assen hat die Größe einer deutschen Kreisstadt. Dazwischen liegen Dörfer mit Eichenalleen, gedrungenen Bauernhöfen und einer Kirche in der Mitte.

Das macht Drenthe zum Gegengewicht zur Städtereise. Viele deutsche Gäste kommen für eine Ferienhauswoche mit Rad und Wald. Als Zwischenstopp funktioniert die Provinz genauso gut: Drenthe liegt zwischen der Provinz Groningen im Norden und Overijssel im Süden, von der Grenze bei Meppen bist du in einer knappen Stunde mittendrin.

Hunebedden: die ältesten Denkmäler des Landes

Die Findlinge, aus denen die Hunebedden gebaut sind, hat das Eis der vorletzten Eiszeit aus Skandinavien hergeschoben. Vor rund fünftausend Jahren stapelten Menschen der Trichterbecherkultur sie zu Grabkammern: schwere Decksteine auf Tragsteinen, ursprünglich unter einem Erdhügel. 52 der 54 erhaltenen Anlagen der Niederlande stehen in Drenthe, die größte bei Borger, wo auch das Informationszentrum zum Thema liegt.

Die meisten Hunebedden stehen frei in Feld und Wald, ohne Zaun, ohne Kasse, ausgeschildert mit einem Nummernschild von D1 aufwärts. Der Höhenrücken Hondsrug, auf dem die Reihe entlangläuft, ist als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet. Wer sie in Serie sehen will, fährt die Strecke zwischen Emmen und Borger ab und steigt alle paar Kilometer aus.

Gut zu wissen: Die Hunebedden sind frei zugänglich, aber keine Kletterfelsen. Die Decksteine wiegen Tonnen und sitzen nicht mehr so fest wie vor fünftausend Jahren. Bleib unten, dann bleibt auch der nächsten Generation etwas übrig.

Drei Orte, mit denen du anfängst

1 Assen

Die Provinzhauptstadt ist klein und lässt sich in einem Vormittag ablaufen. Der Grund für den Besuch ist das Drents Museum: Dort liegen Moorleichen, die im Torf konserviert wurden, darunter das Mädchen von Yde mit erhaltenem Haar. Das ist kein Gruselkabinett, sondern eine sehr direkte Begegnung mit der Eisenzeit.

Direkt am Ort liegt das TT-Circuit, eine der bekanntesten Motorradrennstrecken Europas, mit dem großen Rennwochenende traditionell im Juni. Dann ist die ganze Stadt ausgebucht. Wer nicht wegen der Motorräder kommt, meidet dieses Wochenende. Alles Weitere unter Assen.

2 Emmen

Emmen ist die größte Stadt der Provinz und alles andere als historisch: gewachsen mit dem Torfabbau, geprägt von den Veenkoloniën, den geradlinigen Moorkolonien mit ihren Kanälen. Genau das erzählt die Gegend gut, wenn du wissen willst, wovon der Norden hundert Jahre lang gelebt hat.

Im Stadtgebiet liegen mehrere Hunebedden mitten im Kiefernwald, am Rand der große Tierpark mit begehbaren Hallen. Für Familien ist Emmen der praktischste Standort der Provinz. Mehr dazu unter Emmen.

3 Orvelte

Orvelte ist ein bewohntes Dorf und gleichzeitig ein Denkmal: sächsische Hallenhäuser mit Reetdach, Kopfsteinpflaster, Werkstätten, in denen tatsächlich gearbeitet wird. Autos bleiben am Rand, der Kern ist autofrei, und dadurch hörst du dort vor allem Hühner und Holzarbeit.

Für Orvelte reichen 2 bis 3 Stunden, gern am späten Nachmittag, wenn die Busgruppen weg sind. Details unter Orvelte, weitere Kandidaten dieser Art findest du bei den schönsten Dörfern der Niederlande.

Heide, Moor und sehr dunkle Nächte

Das Dwingelderveld gilt als größtes feuchtes Heidegebiet Westeuropas: Sandwege, Wacholder, Schafherden, dazwischen Moorseen. Nördlich davon liegt das Bachtal der Drentsche Aa mit alten Esdörfern, im Osten an der deutschen Grenze das Bargerveen, ein Rest Hochmoor, der direkt an die Moorlandschaft auf deutscher Seite anschließt. Der Drents-Friese Wold im Westen ist eher Wald und Flugsand.

Die Heide blüht im August und färbt sich dann für zwei bis drei Wochen violett. Weil kaum Straßenbeleuchtung stört, ist der Nachthimmel über dem Dwingelderveld auffallend dunkel, und mitten in der Heide steht ein alter Radioteleskop-Spiegel als Landmarke. Nimm eine Taschenlampe mit rotem Licht, dann bleiben die Augen an die Dunkelheit gewöhnt.

Kamp Westerbork

Bei Hooghalen liegt das Erinnerungszentrum Kamp Westerbork. Von hier wurden im Zweiten Weltkrieg mehr als hunderttausend Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma in die Vernichtungslager deportiert, unter ihnen die Familie Frank. Das Lagergelände selbst liegt ein gutes Stück vom Museumsgebäude entfernt im Wald, plane den Fußweg oder den Pendelverkehr ein. Für den Besuch solltest du einen halben Tag einrechnen und danach nichts Fröhliches vorhaben.

Drenthe mit dem Rad

Drenthe ist eine Fahrradprovinz, und das ist keine Werbefloskel: Die Radwege sind eigenständig geführt, nicht als Streifen neben der Landstraße, und die Knotenpunkte mit ihren Nummern machen die Planung einfach. Du suchst dir eine Zahlenfolge heraus, notierst sie und folgst den Schildern. Für einen entspannten Tag rechnest du mit 30 bis 50 Kilometern, mit E-Bike deutlich mehr.

Das Land ist flach, aber nicht tischeben: Der Hondsrug ist ein echter, wenn auch sanfter Anstieg. Räder leihst du in Assen, Emmen und an fast jedem Ferienpark. Wie das Knotenpunktsystem im Detail funktioniert, steht bei Radfahren in den Niederlanden.

Achtung: Auch im leeren Drenthe gehört der rote Asphalt den Radfahrenden. Als Fußgänger stellst du dich nie zum Fotografieren auf einen Radweg, und beim Aussteigen aus dem Auto schaust du erst nach hinten. Räder sind schnell, leise und rechnen nicht mit dir.

Anreise und Praktisches

Mit dem Auto ist Drenthe aus dem Emsland am schnellsten erreichbar: über Meppen und die B402 kommst du direkt auf die niederländische A37 Richtung Emmen, von Bremen aus fährst du über Groningen. In Drenthe selbst gibt es keine Umweltzone. Sobald du weiter Richtung Randstad fährst, sieht das anders aus, denn mehrere Städte kontrollieren ihre Zonen per Kamera. Was gilt, steht bei den Umweltzonen in den Niederlanden.

Per Bahn erreichst du Assen auf der Strecke zwischen Zwolle und Groningen, Emmen über Zwolle und Coevorden. Im Bus und im Zug gilt: einchecken beim Einsteigen, auschecken beim Aussteigen, eine kontaktlose Bankkarte reicht dafür. Auf dem Land fahren die Busse selten, plane Anschlüsse vorher.

Tipp: Bezahlt wird mit Karte. Viele Museen, Cafés und Radverleiher in Drenthe nehmen überhaupt kein Bargeld mehr an, Kreditkarten längst nicht überall. Mit einer kontaktlosen Debitkarte kommst du am weitesten. Bei Übernachtungen kommt in vielen Gemeinden eine Touristensteuer pro Person und Nacht dazu, die oft erst vor Ort berechnet wird.

Beste Reisezeit

Mai und Juni sind die schönsten Radmonate: helles Grün, lange Abende, wenig los. Im August steht die Heide in Blüte, das ist die volle Saison für Ferienhäuser. Der September ist der Geheimtipp mit warmem Licht und leeren Wegen. Im Winter ist Drenthe sehr ruhig und viele kleinere Attraktionen haben eingeschränkt geöffnet, dafür gehören dir Wald und Heide allein. Weitere ruhige Ecken des Landes sammelt unsere Seite mit Geheimtipps für die Niederlande.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Drenthe?

Drei bis vier Tage reichen für einen guten Querschnitt: ein Tag Hunebedden entlang des Hondsrug, ein Tag Assen mit dem Drents Museum, ein Radtag im Dwingelderveld und Zeit für Orvelte. Wer ein Ferienhaus bucht, bleibt meist eine Woche und fährt jeden Tag eine andere Runde. Als Zwischenstopp auf dem Weg nach Groningen genügt ein voller Tag.

Was sind Hunebedden genau?

Hunebedden sind Großsteingräber aus der Jungsteinzeit, gebaut vor rund fünftausend Jahren von Menschen der Trichterbecherkultur. Als Baumaterial dienten Findlinge, die das Eis aus Skandinavien mitgebracht hatte. Ursprünglich lagen die Kammern unter einem Erdhügel und dienten als Gemeinschaftsgrab. In den Niederlanden sind 54 Anlagen erhalten, 52 davon in Drenthe. Fast alle stehen frei zugänglich in der Landschaft.

Lohnt sich Drenthe mit Kindern?

Ja, besonders zwischen vier und zwölf Jahren. Die Hunebedden sind Abenteuer zum Anfassen, in Emmen liegt ein großer Tierpark, und die Radwege sind so autofrei, dass Kinder selbst fahren können. Ferienparks mit Schwimmbad gibt es viele. Kamp Westerbork ist dagegen nichts für kleine Kinder, dafür braucht es ein gewisses Alter und Vorbereitung.

Kann man Drenthe ohne Auto bereisen?

Mit Einschränkungen. Assen und Emmen haben Bahnanschluss, und beide sind gute Basen mit Radverleih direkt am Bahnhof. Die Hunebedden, das Dwingelderveld und Orvelte erreichst du von dort per Rad gut, per Bus nur mit Geduld. Wer ohne Auto plant, wählt eine Unterkunft am Bahnhof und macht Tagestouren mit dem Rad statt täglich den Standort zu wechseln.

Wann blüht die Heide in Drenthe?

In der Regel im August, mit dem Höhepunkt in der zweiten Monatshälfte. Die Blüte hält zwei bis drei Wochen und hängt vom Wetter des Sommers ab. Am dichtesten steht die Heide im Dwingelderveld und im Drents-Friese Wold. Früh am Morgen ist das Licht am besten und die Parkplätze sind noch leer, mittags am Wochenende wird es an den Zugängen voll.