Reise-Inspiration

Windmühlen in den Niederlanden: wo die schönsten stehen

Windmühlen sind in den Niederlanden keine Deko, sondern Technik, die das Land trocken gehalten hat. Ein Viertel der Fläche liegt unter dem Meeresspiegel, und bevor es Dampf und Diesel gab, pumpten Mühlen das Wasser Stufe für Stufe nach oben. Ein paar hundert historische Mühlen stehen noch, einige davon laufen bis heute.

Hier erfährst du, wie eine Poldermühle arbeitet, was die Stellung der Flügel bedeutet, welche fünf Orte sich am meisten lohnen und wann du auch ins Innere kommst.

Windmühlen in den Niederlanden: wo die schönsten stehen
Foto: Dfarrell07, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • UNESCO-WelterbeMühlennetz von Kinderdijk seit 1997
  • Kinderdijk19 Mühlen an zwei Kanälen
  • Höchste Windmühlen der Weltdie Turmmühlen von Schiedam
  • Immaterielles Kulturerbedas Handwerk des Müllers
  • Nationale Molendagzweites Maiwochenende, viele Mühlen offen
  • Dauer eines Besuchs2 bis 3 Stunden pro Mühlenstandort

Wie eine Poldermühle funktioniert

Das Prinzip ist simpel: Der Wind dreht die Flügel, die Drehung geht über Wellen und Zahnräder nach unten, und dort hebt entweder ein großes Schöpfrad oder eine Archimedische Schnecke das Wasser an. Ein Meter, manchmal anderthalb, mehr schafft eine Mühle nicht. Deshalb stehen sie oft in Reihen hintereinander und reichen das Wasser weiter, von der tiefen Polderfläche über ein Zwischenbecken bis in den Fluss.

Damit das klappt, muss die Kappe mit den Flügeln in den Wind gedreht werden, das nennt sich kruien und geschieht mit Seilen, einer Winde oder einem Rad am Boden. Auf das Flügelgitter zieht der Müller Segeltuch, je nach Windstärke ganz oder nur zur Hälfte. Und weil das Ganze Erfahrung braucht, steht das Müllerhandwerk auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Nicht jede Mühle pumpt. Kornmühlen mahlen Getreide, Industriemühlen sägten Holz, pressten Öl oder zerrieben Farbpigmente. In Städten stehen die Mühlen auf einem gemauerten Sockel mit umlaufender Galerie, damit die Flügel über die Dächer hinausragen und noch Wind bekommen.

Typ Wofür sie gebaut wurde
Poldermolen Pumpt Wasser aus dem Polder nach oben, mit Schöpfrad oder Schnecke
Korenmolen Mahlt Getreide zu Mehl, oft am Ortsrand oder auf einem Wall
Zaagmolen Sägt Baumstämme zu Planken, Grundlage für den Schiffbau
Oliemolen und Verfmolen Presst Öl aus Saat oder zerreibt Pigmente zu Farbe
Stellingmolen Stadtmühle auf hohem Sockel mit Galerie, damit die Flügel über die Dächer reichen

Die Sprache der Flügel

Eine stehende Mühle sendet Signale, und zwar über die Stellung des Flügelkreuzes. Steht ein Flügel kurz vor der höchsten Stelle, bedeutet das Freude, etwa eine Geburt oder Hochzeit. Steht er kurz danach, ist es Trauer. Ein Kreuz in Kreuzform zeigt eine längere Pause an, ein Kreuz in Form eines X die kurze Ruhepause. Im Krieg wurden damit auch Warnungen weitergegeben.

Gut zu wissen: Eine drehende Mühle ist kein Selbstläufer. Ob die Flügel laufen, hängt vom Wind und davon ab, ob ein freiwilliger Müller Dienst hat. An windstillen Tagen siehst du schöne Bauwerke, aber keine Bewegung. Ein Tag mit frischer Brise ist für Mühlen der bessere Reisetag als ein windstiller Sommertag.

Die fünf besten Mühlenorte

1 Kinderdijk: neunzehn Mühlen auf einen Blick

Zwischen zwei Kanälen südöstlich von Rotterdam stehen neunzehn Mühlen aus dem 18. Jahrhundert, seit 1997 UNESCO-Welterbe. Das ist die größte erhaltene Konzentration des Landes und der Ort, an dem das System der Stufenentwässerung am besten sichtbar wird.

Zwei Mühlen sind als Museum eingerichtet, in einer ist die Wohnsituation einer Müllerfamilie zu sehen, mit Betten in Wandschränken. Komm mit dem Wasserbus ab Rotterdam, das ist der schönere Weg und du sparst dir die Parkplatzsuche. Details unter Kinderdijk ab Rotterdam und Kinderdijk.

2 Zaanse Schans: Industriemühlen am Fluss

Die Mühlen an der Zaan mahlten kein Getreide, sondern Farbe, Senf und Öl, und sägten Bauholz für die Werften. Wer eine der Farbmühlen betritt, steht mitten zwischen mahlenden Steinen, es staubt, knarzt und riecht.

Das Gelände ist frei zugänglich, für jede Mühle und Werkstatt zahlst du einzeln. Zwischen zehn und sechzehn Uhr ist es voll, danach wird es deutlich ruhiger. Mehr unter Zaanse Schans und in der Nachbarstadt Zaandam.

3 Schiedam: die höchsten Windmühlen der Welt

In Schiedam brauchte man Malz für Jenever, und weil die Lagerhäuser der Brennereien immer höher wurden, mussten die Mühlen mitwachsen. Das Ergebnis sind die höchsten Windmühlen der Welt, echte Türme mit Galerien in schwindelerregender Höhe.

Eine davon ist als Museum zugänglich, drinnen führen steile Holztreppen nach oben. Schiedam liegt direkt an der Metro von Rotterdam, ein perfekter Halbtagsausflug. Mehr unter Schiedam.

4 Wijk bij Duurstede: die Mühle über dem Stadttor

Rijn en Lek ist die einzige Mühle des Landes, die auf einem Stadttor steht: Der Verkehr fährt unten durch den Torbogen, die Flügel drehen sich darüber. Das Motiv ist so ungewöhnlich, dass es schon Jacob van Ruisdael gemalt hat.

Der Ort selbst ist klein, liegt am Wasser und passt gut auf eine Radtour durch die Provinz Utrecht. Mehr unter Wijk bij Duurstede.

5 Leiden: Molen De Valk mitten in der Stadt

De Valk ist eine Galeriemühle am Rand der Altstadt und heute ein Museum über sieben Etagen. Unten liegen die Wohnräume der Müllerfamilie samt Küche, oben stehst du bei den Mahlsteinen und trittst auf die Galerie hinaus.

Weil alles im Zentrum liegt, brauchst du keinen Ausflug zu planen. Mehr zur Stadt unter Leiden, mehr zu Museen im ganzen Land unter Die besten Museen.

Nationale Molendag und Mühlen von innen

Am zweiten Maiwochenende ist Nationale Molendag. Dann öffnen im ganzen Land Mühlen, die sonst geschlossen bleiben, oft mit dem Müller als Führer. Teilnehmende Mühlen erkennst du an einem blauen Wimpel an einem der Flügel. Das ist mit Abstand der beste Termin, wenn du Technik und nicht nur Fassaden sehen willst.

Außerhalb dieses Wochenendes kommst du in Kinderdijk, Zaanse Schans, Schiedam und Leiden regulär hinein. Viele kleinere Mühlen sind ehrenamtlich betreut und nur an einzelnen Tagen offen, dann steht meist ein Schild oder ein Wimpel draußen. Rechne innen mit steilen Leitertreppen und niedrigen Balken.

Tickets: Für Kinderdijk und Zaanse Schans buchst du am besten vorab online ein Zeitfenster, gerade im Sommer und an Feiertagen. In Kinderdijk gibt es Kombinationen aus Eintritt, Museumsmühlen und Bootsshuttle, in Zaanse Schans zahlst du pro Mühle oder nimmst ein Sammelticket. Kleine Dorfmühlen kassieren an der Tür, oft nur per Karte.

Praktisch: Anreise, Rad und Bezahlen

Mühlen stehen dort, wo Wind ist, also selten am Bahnhof. Kinderdijk erreichst du per Wasserbus ab Rotterdam, Zaanse Schans mit dem Zug bis Zaandijk und einem kurzen Fußweg, Schiedam mit der Metro, Leiden zu Fuß vom Bahnhof. Für alles andere ist das Rad das beste Verkehrsmittel, weil Mühlen fast immer an Deichen und Kanälen liegen. Routen und Regeln stehen unter Radfahren in den Niederlanden.

Wer mit dem Auto kommt, sollte die Umweltzonen der größeren Städte im Blick haben, sie werden mit Kameras kontrolliert. In Kinderdijk ist das Parken bewusst begrenzt, um den Andrang zu steuern. Details unter Mit dem Auto in die Niederlande.

Für Fotos ist die letzte Stunde vor Sonnenuntergang die beste Zeit: Das Licht kommt flach über die Wiesen, die Flügel werfen lange Schatten und die Tagesgäste sind weg. Im Winter dreht sich weniger, dafür liegt an kalten Morgen Nebel über den Kanälen, und bei Frost kannst du in Kinderdijk mit etwas Glück Schlittschuhläufer auf dem Wasser sehen. Wann sich welche Jahreszeit lohnt, steht unter Beste Reisezeit.

Achtung: Halte Abstand von drehenden Flügeln. Die Spitzen kommen tiefer herunter, als es von weitem aussieht, und sie sind schneller, als du reagieren kannst. Auf den schmalen Deichwegen in Kinderdijk gilt außerdem: nicht auf dem Radweg stehen bleiben, dort fahren auch Anwohner. Bezahlt wird an Kassen, in Museumsläden und Cafés fast überall nur mit Karte.

Tipp: Nimm dir für Kinderdijk oder die Zaanse Schans einen halben Tag und nicht nur eine Stunde. Der Reiz liegt darin, ein Stück am Kanal entlangzulaufen, bis die Reisegruppen hinter dir bleiben. Nach zehn Minuten Fußweg hörst du nur noch Wind, Schilf und das Knarren der Flügel.

Noch mehr Mühlen unterwegs

Drei Mühlen auf der Stadtmauer hat das Festungsstädtchen Heusden, eine markante Galeriemühle steht in Gorinchem, und in Elburg gehört die Mühle zum alten Stadtbild. Auf Texel und in vielen Dörfern findest du kleine Poldermühlen, die noch immer ihren Graben leerpumpen. Wie das Zusammenspiel aus Mühlen, Deichen und Sperrwerken das Land am Leben hält, erklärt Deiche und Deltawerke.

Häufige Fragen

Wo stehen die schönsten Windmühlen der Niederlande?

Für das klassische Bild aus Mühlen, Wasser und Schilf fährst du nach Kinderdijk, dort stehen neunzehn Exemplare nebeneinander. Wer Technik in Betrieb sehen will, ist auf der Zaanse Schans besser aufgehoben, weil dort Farb-, Öl- und Sägemühlen arbeiten. Die spektakulärsten Einzelbauten sind die Turmmühlen von Schiedam.

Kann man Windmühlen von innen besichtigen?

Ja, in Kinderdijk, auf der Zaanse Schans, in Schiedam und in Leiden gibt es Museumsmühlen mit regulärem Zugang. Viele kleinere Mühlen werden ehrenamtlich betrieben und öffnen nur an einzelnen Tagen, erkennbar an einem Wimpel oder Schild am Bauwerk. Rechne innen mit steilen Treppen, niedrigen Balken und wenig Platz.

Wann ist Nationale Molendag?

Am zweiten Maiwochenende. Dann öffnen im ganzen Land Mühlen, die sonst verschlossen bleiben, häufig mit einer Führung durch den Müller selbst. Ein blauer Wimpel an einem Flügel zeigt an, dass mitgemacht wird. Wenn dich die Technik interessiert und nicht nur die Silhouette, ist das der beste Termin des Jahres.

Wie viele Windmühlen gibt es in den Niederlanden noch?

Mehrere hundert historische Mühlen sind erhalten und ein großer Teil davon ist funktionsfähig, weil freiwillige Müller sie regelmäßig laufen lassen. Von den vielen tausend Mühlen der Blütezeit ist das nur ein Bruchteil, denn Dampfmaschinen und später Elektropumpen haben die Arbeit übernommen. Als Denkmäler sind die verbliebenen Mühlen streng geschützt.

Lohnt sich Kinderdijk oder Zaanse Schans mehr?

Kinderdijk ist Landschaft: Deiche, Wasser, Stille und der beste Eindruck davon, wie Entwässerung funktioniert. Zaanse Schans ist Handwerk und liegt näher an Amsterdam, dafür ist es dort deutlich voller und kommerzieller. Wenn du nur eines schaffst und Ruhe suchst, nimm Kinderdijk und fahr mit dem Wasserbus hin.