Stadt in den Niederlanden · Südholland

Schiedam: die höchsten Windmühlen der Welt

Schiedam sieht aus wie eine normale kleine Hafenstadt, bis du den Kopf hebst. Dann stehen da Windmühlen, die alles überragen, was du bisher gesehen hast: über dreißig Meter hoch, Backstein statt Fachwerk, mit Flügeln, die über die Dächer hinausreichen. Sie sind die höchsten klassischen Windmühlen der Welt, und dafür gibt es einen sehr praktischen Grund.

Die Stadt lebte vom Jenever, dem Wacholderschnaps, aus dem später der Gin wurde. Im 19. Jahrhundert standen hier Hunderte Brennereien, der Rauch färbte die Häuser schwarz. Die Mühlen mahlten das Getreide dafür und mussten über die hohen Lagerhäuser hinausragen, um überhaupt Wind zu bekommen.

Schiedam: die höchsten Windmühlen der Welt
Foto: Marek Ślusarczyk (Tupungato) Photo portfolio, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzSüdholland
  • Besonderheitdie höchsten klassischen Windmühlen der Welt
  • Bekannt fürJenever, Brennereiviertel, Lange Haven
  • Empfohlene Dauerein halber Tag
  • AnreiseMetro und Bahn ab Rotterdam, rund 10 Minuten

Warum die Mühlen hier so hoch sind

Eine Windmühle braucht freien Wind. In Schiedam standen im 18. und 19. Jahrhundert überall Malzhäuser und Speicher, teils fünf Stockwerke hoch. Also baute man die Mühlen einfach höher als die Speicher, bis auf über dreißig Meter. Das war teuer, technisch heikel und funktionierte.

Erhalten sind heute fünf historische Riesen und eine, die 2011 wieder aufgebaut wurde. Sie stehen fast alle am ehemaligen Stadtwall entlang und lassen sich in einem Spaziergang von einer knappen Stunde abgehen. Wer Mühlen im Landschaftsformat sucht, fährt danach nach Kinderdijk, das ist der komplette Gegenentwurf.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Schiedam

1 Die Mühlen am Wall

De Noord ist die bekannteste, weil sie als höchste Windmühle der Welt gilt und im Inneren gastronomisch genutzt wird. Daneben stehen unter anderem De Walvisch, De Vrijheid und De Drie Koornbloemen, jede mit eigener Geschichte und teils noch mahlend.

In De Nieuwe Palmboom kannst du die Technik von innen anschauen: Mahlsteine, Zahnräder aus Holz, das Getriebe unter der Kappe. Von der Galerie siehst du über die Stadt bis zu den Kränen im Hafen.

2 Nationaal Jenevermuseum

Das Museum liegt in einer alten Brennerei an der Lange Haven und ist kein Schaukasten, sondern Betrieb: Es wird tatsächlich destilliert, in kupfernen Kesseln, und du siehst den ganzen Weg von Getreide über Maische bis zum Destillat.

Am Ende steht eine Verkostung. Jenever ist kein Gin: weicher, malziger, näher am Korn. Probier den „jonge“ und den „oude“ nebeneinander, dann verstehst du den Unterschied sofort. Ausgeschenkt wird ab 18 Jahren, das wird kontrolliert.

3 Lange Haven und Brandersbuurt

Die Lange Haven ist die schönste Gracht der Stadt: Kaufmannshäuser, Brennereigebäude, Boote, dahinter die Mühlensilhouetten. Das Viertel drumherum heißt Brandersbuurt, nach den Brennern, und ist in Teilen noch original erhalten.

Lauf einmal die Gracht entlang und schau auf die Hausfassaden: Wo heute Wohnungen sind, waren früher Darren und Lager. Die Stadt trug wegen des Rauchs den Beinamen „Zwart Nazareth“.

4 Stedelijk Museum Schiedam

Das Stadtmuseum sitzt in einem ehemaligen Gasthaus und zeigt moderne und zeitgenössische niederländische Kunst, mit einem Schwerpunkt auf der Nachkriegszeit und der CoBrA-Bewegung.

Der Kontrast zum Jenever ist größer, als er klingt: Beides erzählt von einer Stadt, die sich nach dem Ende ihrer Industrie neu erfinden musste.

Tipp: Nimm Schiedam nicht als eigene Reise, sondern häng es an Rotterdam an. Mit Metro oder Zug bist du in rund zehn Minuten da, ein halber Tag reicht völlig. Am besten am späten Nachmittag: Dann steht die Sonne günstig für die Mühlen an der Lange Haven, und du isst abends wieder in Rotterdam.

Jenever verstehen

Jenever entstand aus dem Versuch, Kornbrand mit Wacholder trinkbarer zu machen. Aus Schiedam ging er im 17. und 18. Jahrhundert in die ganze Welt, englische Soldaten brachten die Idee nach Hause, daraus wurde Gin. Serviert wird er traditionell im tulpenförmigen Glas, randvoll, das erste Mal ohne Hände.

Wer tiefer einsteigen will, findet den kulinarischen Zusammenhang in der Übersicht zu niederländischen Gerichten. Und ja: Ein Kopstootje, also Bier mit einem Glas Jenever daneben, ist genau so gemeint, wie es klingt.

Anreise, Wetter und Praktisches

Schiedam Centrum ist Metro- und Bahnstation zugleich, aus Rotterdam Centraal sind es rund zehn Minuten. Vom Bahnhof läufst du gut zehn Minuten zur Lange Haven, die Mühlen sind ausgeschildert. Wie du dich in der Region bewegst, steht auch auf der Seite zum Verkehr in Rotterdam.

Mit dem Auto lohnt sich die Anfahrt kaum, denn Parken ist teuer und die Gassen im Zentrum sind eng. Eine Umweltzone für Pkw haben weder Schiedam noch Rotterdam, für andere Städte auf deiner Route steht die Übersicht bei den Umweltzonen. Zu Fuß gilt: Der rote Streifen ist Radweg und damit Fahrbahn, nicht Gehweg.

Wettermäßig ist Schiedam typisch für die Flussmündung: Im August liegen die Höchstwerte im Mittel bei knapp 23 Grad, im Januar bei knapp 7. Der April ist mit rund 55 Millimetern der trockenste Monat. Auf dem offenen Wall zieht der Wind, eine Jacke ist auch im Sommer keine schlechte Idee.

Gut zu wissen: Bargeld ist auch hier die Ausnahme. Museen, Cafés und Brennereiläden nehmen meistens nur Karte, Kreditkarten funktionieren nicht überall, eine Debitkarte mit Kontaktlos-Funktion ist die sichere Wahl. In Metro und Zug checkst du beim Einsteigen ein und am Ziel wieder aus, sonst wird es unnötig teuer.

Lohnt sich Schiedam für dich?

Ja, wenn dich Industriegeschichte interessiert oder du Windmühlen einmal in einer Stadt statt in der Landschaft sehen willst. Ja, wenn du in Rotterdam bist und einen halben Tag übrig hast. Nein, wenn du eine Postkartenaltstadt suchst, dafür fährst du besser nach Delft.

Die ehrlichste Beschreibung: Schiedam ist eine Arbeitsstadt mit einem sehr eigenen Denkmal. Wie sie in die Provinz passt, zeigt der Überblick zu Südholland.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Schiedam22°Cklar
  • Wärmster MonatAugust, 23 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 2 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe2 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

7°2°J
8°3°F
11°4°M
14°5°A
18°9°M
21°13°J
22°15°J
23°15°A
20°12°S
15°10°O
11°6°N
8°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

78mm15 TageJ
69mm12 TageF
68mm14 TageM
55mm11 TageA
63mm12 TageM
69mm11 TageJ
75mm14 TageJ
75mm13 TageA
79mm11 TageS
82mm14 TageO
82mm15 TageN
79mm15 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)179 km0 Std. 50 Min.
Köln/Bonn (CGN)224 km0 Std. 50 Min.
Frankfurt (FRA)359 km1 Std. 0 Min.
Hamburg (HAM)422 km1 Std. 5 Min.
Stuttgart (STR)497 km1 Std. 10 Min.
Berlin (BER)624 km1 Std. 20 Min.
München (MUC)659 km1 Std. 25 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Rotterdam6 km10 km, 0 Std. 0 Min.
Delft10 km10 km, 0 Std. 15 Min.
Brielle16 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Kinderdijk17 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Den Haag19 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Dordrecht23 km30 km, 0 Std. 15 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Warum sind die Windmühlen in Schiedam so hoch?

Weil sie über die Malzhäuser und Speicher der Jeneverbrennereien hinausragen mussten, um überhaupt Wind zu fangen. Die Gebäude in der Stadt waren im 19. Jahrhundert ungewöhnlich hoch, also baute man die Mühlen noch höher, bis auf über dreißig Meter. Sie gelten deshalb als die höchsten klassischen Windmühlen der Welt.

Wie komme ich von Rotterdam nach Schiedam?

Mit Metro oder Zug bis Schiedam Centrum, ab Rotterdam Centraal dauert das rund zehn Minuten und die Verbindungen fahren dicht. Du checkst mit einer kontaktlosen Bankkarte ein und am Ziel wieder aus. Vom Bahnhof läufst du etwa zehn Minuten bis zur Lange Haven und zu den Mühlen. Mit dem Auto lohnt es sich wegen der Parkkosten kaum.

Kann man die Mühlen von innen besichtigen?

Nicht alle, aber mehrere. In der Nieuwe Palmboom siehst du Mahlwerk, Zahnräder und Kappe von innen und kannst auf die Galerie hinaus. Andere Mühlen sind Privatbesitz, Wohnung oder gastronomisch genutzt. Die Öffnung wechselt saisonal, schau vor dem Besuch auf der offiziellen Website nach, welche Mühle gerade zugänglich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Jenever und Gin?

Jenever hat einen deutlich höheren Anteil Kornbrand und schmeckt dadurch malzig, weicher und getreidiger. Gin ist neutraler im Alkohol und stärker von Wacholder und Botanicals geprägt. Historisch stammt Gin von Jenever ab, englische Soldaten brachten ihn im 17. Jahrhundert mit. Im Museum kannst du jungen und alten Jenever nebeneinander probieren.

Reicht ein halber Tag für Schiedam?

Für Mühlen, Lange Haven und das Jenevermuseum reicht ein halber Tag gut. Wer zusätzlich ins Stedelijk Museum will, plant besser einen ganzen. Als Übernachtungsort ist Schiedam wenig sinnvoll, die Stadt liegt so nah an Rotterdam, dass du dort schläfst und hier nur einen Nachmittag verbringst.