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12 Gerichte, die du in den Niederlanden probieren musst

Die niederländische Küche gilt als bodenständig, und das stimmt auch. Langweilig ist sie deshalb nicht, sondern erstaunlich gut darin, aus wenigen Zutaten etwas zu machen, das satt und glücklich macht. Das meiste isst du im Stehen, an einer Bude, für kleines Geld.

Diese zwölf Dinge solltest du probiert haben, mit dem Hinweis, wo du sie bekommst und wann die Saison dafür ist. Denn ein paar Klassiker gibt es nur im Winter, andere nur im Sommer, und beim Hering entscheidet die Stadt darüber, wie du ihn isst.

12 Gerichte, die du in den Niederlanden probieren musst
Foto: Rob Bogaerts / Anefo, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Bestes StreetfoodHaring und Kibbeling vom Fischwagen
  • WintergerichteStamppot und Erwtensoep
  • SommerklassikerFrischer Hering ab dem Frühsommer
  • SüßesStroopwafel, Vlaai, Bossche bol
  • Bester EinkaufsortWochenmarkt
  • BezahlenFast überall nur mit Karte

Die zwölf Klassiker

1 Haring

Roher, mild gesalzener Hering mit rohen Zwiebeln und sauren Gurken, vom Fischwagen an der Straßenecke. Die neue Saison beginnt im Frühsommer und wird gefeiert wie ein Feiertag. Der Fisch ist zart und süßlich, nicht fischig.

Regionaler Unterschied: In Amsterdam bekommst du ihn in Stücken auf einem Pappteller mit Zahnstocher, in Rotterdam und Den Haag hältst du ihn am Schwanz und lässt ihn von oben in den Mund gleiten. Beides ist richtig, nur nicht in der jeweils anderen Stadt.

2 Kibbeling

Frittierte Fischstücke im Teigmantel, dazu Knoblauch- oder Kräutersauce, ebenfalls vom Fischstand auf dem Markt. Der beste Snack für alle, denen roher Hering zu viel ist. Die größere Variante mit ganzem Filet heißt lekkerbek.

3 Bitterballen

Knusprige Kugeln mit Ragoutfüllung, dazu scharfer Senf. Das ist der Snack zum Feierabendbier, in jedem braunen Café auf der Karte. Ein Rat aus Erfahrung: Beiß erst ein kleines Loch hinein und warte, die Füllung ist heißer, als du glaubst.

Dahinter steckt eine kleine Institution, der borrel: das Getränk nach der Arbeit mit ein paar warmen Snacks in der Mitte des Tisches. Wenn du das Land in einer Situation erleben willst, dann in dieser.

4 Patat met

Pommes mit Mayonnaise, und zwar richtig viel davon. Im Norden heißen sie patat, im Süden friet. Bestellst du „patat oorlog“, kommen Erdnusssauce, Mayonnaise und rohe Zwiebeln obendrauf, was besser schmeckt, als es klingt.

Gekauft wird in der Cafetaria oder am Snackbar-Fenster, dazu gibt es frittierte Snacks mit eigenen Namen wie frikandel oder kroket. Die Portion kommt in einer Papierschale mit einem kleinen Gabelchen, gegessen wird im Gehen.

5 Stroopwafel

Zwei dünne Waffelhälften mit Sirup dazwischen. Die verpackte Version aus dem Supermarkt legst du auf die Kaffeetasse, bis sie weich wird. Die frische vom Marktstand, noch warm und biegsam, spielt eine ganz andere Liga. Auf den Märkten in Gouda gehört sie zum Standardprogramm.

6 Poffertjes

Kleine, luftige Mini-Pfannkuchen mit einem Stück Butter und viel Puderzucker, frisch aus der gusseisernen Platte. Du findest sie auf Jahrmärkten, Weihnachtsmärkten und in eigenen Buden. Perfektes Essen für Kinder und für kalte Hände.

7 Pannenkoek

Der niederländische Pfannkuchen ist groß, dünn und wahlweise süß oder herzhaft. Der Klassiker ist spek en kaas, also Speck und Käse, dazu Sirup aus der Kanne. Gegessen wird er mittags in einem Pfannkuchenhaus, oft mit der ganzen Familie.

8 Kaas

Gouda und Edam kennt jeder, spannend wird es bei den Reifegraden: jong ist mild, belegen kräftiger, oud fast bröselig und mit Salzkristallen. Kauf am Marktstand und lass dir dünne Scheiben mit dem Käsehobel abziehen.

Wenn du die Kultur dahinter sehen willst, lohnt der Besuch eines Käsemarkts, zum Beispiel in Alkmaar. Das ist Inszenierung für Gäste, macht aber Spaß und erklärt viel.

9 Stamppot

Kartoffelstampf mit Gemüse, dazu Rauchwurst und Bratensauce. Die bekannteste Variante ist boerenkool mit Grünkohl, dazu kommen hutspot mit Möhren und Zwiebeln und die Version mit Sauerkraut. Absolutes Winteressen, im Sommer steht es auf keiner Karte.

10 Erwtensoep

Dicke Erbsensuppe mit Rauchwurst, auch snert genannt, dazu Roggenbrot mit Speck. Der Test unter Einheimischen: Der Löffel muss darin stehen bleiben. Gegessen wird sie an kalten Tagen, klassisch nach einem langen Spaziergang am Wasser.

11 Vlaai

Der flache Obstkuchen aus Limburg, groß wie ein Wagenrad und stückweise verkauft. Beliebte Sorten sind Aprikose, Kirsche und Reis. In Maastricht und in den Dörfern ringsum gehört ein Stück zum Nachmittag wie anderswo der Kuchen zum Sonntag.

12 Bossche bol

Ein Windbeutel in Faustgröße, gefüllt mit Sahne und komplett in Schokolade getaucht, benannt nach seiner Heimatstadt ’s-Hertogenbosch. Es gibt zwei Methoden: mit Messer und Gabel, oder beherzt in die Hand und danach Servietten. Beides endet schokoladig.

Was du sonst noch probieren solltest

Appeltaart mit einem Berg Schlagsahne ist in jedem Café eine sichere Bank. Tompouce, das rosa glasierte Blätterteigstück, taucht rund um den Königstag in Orange auf. Zum Jahreswechsel gibt es oliebollen aus der Fritteuse an mobilen Ständen.

Und dann ist da drop, der salzige Lakritz, den das Land in erstaunlichen Mengen isst. Fang mit einer milden, süßen Sorte an. Die salzige Variante mit Salmiak ist für Ungeübte eine echte Grenzerfahrung, und du wirst gefragt werden, wie sie dir geschmeckt hat.

Gut zu wissen: Warm gegessen wird früh. In vielen Lokalen ist die Küche am Abend deutlich eher zu als in Deutschland, spontan um halb zehn noch etwas zu bekommen, klappt selten. Reservier lieber, oder iss mittags kräftig.

Wo und wie du am besten isst

Die besten Klassiker findest du nicht im Restaurant, sondern am Markt, an der Fischbude und in der Cafetaria an der Ecke. Wochenmärkte sind dafür der beste Ort, weil dort alles nebeneinander steht. Was in den einzelnen Städten dazukommt, steht bei Essen in Amsterdam und Essen in Rotterdam.

Zwei praktische Hinweise zum Schluss. Erstens: Bezahl mit Karte. Viele Buden und Marktstände nehmen gar kein Bargeld mehr an, wie das funktioniert, steht beim Bezahlen in den Niederlanden. Zweitens: Der Fischwagen steht oft genau da, wo drei Radwege zusammenlaufen. Stell dich zum Essen zur Seite und nie auf den Radweg, sonst klingelt es hinter dir.

Tipp: Plan deine Reise nach dem Essen. Wer Stamppot und Erbsensuppe erleben will, kommt im Winter. Wer den frischen Hering probieren möchte, reist im Frühsommer. Kibbeling, Pommes, Käse und Stroopwafeln funktionieren dagegen das ganze Jahr.

Häufige Fragen

Was ist das typischste Essen in den Niederlanden?

Wenn ein Gericht für das Land steht, dann der Hering vom Fischwagen: roh, mild gesalzen, mit Zwiebeln und sauren Gurken. Genauso alltäglich sind Bitterballen zum Bier und Pommes mit Mayonnaise. Alle drei isst du im Stehen und für wenig Geld, und genau darin liegt der Charakter der Küche.

Wie isst man Hering richtig?

Das hängt von der Stadt ab. In Amsterdam wird der Fisch in Stücke geschnitten und mit einem Zahnstocher gegessen, in Rotterdam und Den Haag hältst du ihn am Schwanz und lässt ihn von oben in den Mund gleiten. Zwiebeln und Gurken gehören in beiden Fällen dazu. Falsch machst du nur eins: ihn mit Messer und Gabel zerlegen.

Wann gibt es Stamppot und Erbsensuppe?

Im Winterhalbjahr. Beide Gerichte sind Kälteessen und verschwinden im Frühjahr von den Karten. Wer sie erleben will, reist zwischen Herbst und Frühjahr und sucht ein braunes Café oder ein einfaches Lokal mit Tageskarte. Im Sommer bekommst du sie höchstens in touristischen Restaurants, und dann selten gut.

Ist niederländisches Essen teuer?

Die Klassiker nicht. Hering, Kibbeling, Pommes, Stroopwafeln und Käse vom Markt kosten wenig und machen satt. Teuer wird es erst beim warmen Abendessen im Restaurant. Wer mittags am Markt zuschlägt und abends bei Bitterballen bleibt, isst gut und spart deutlich. Bezahlt wird fast überall mit Karte.

Was sollte man als Souvenir mitnehmen?

Alten Käse vom Marktstand hält jede Rückfahrt aus, dazu Stroopwafeln in der Dose und ein Beutel drop für mutige Freunde. Vlaai und Bossche bol reisen dagegen schlecht, die isst du besser vor Ort. Wenn du Käse kaufst, lass dir sagen, wie lange er gereift ist, das macht den Unterschied.