Nordholland · Amsterdam

Essen & Trinken in Amsterdam

Amsterdam kocht nicht nur niederländisch. Die Stadt war jahrhundertelang Hafen und Kolonialmacht, und das schmeckst du bis heute: Neben Käse, Kroketten und Hering stehen indonesische, surinamische und türkische Küchen selbstverständlich im Alltag. Das eigentliche Erlebnis ist aber kein Restaurant, sondern das braune Café am Nachmittag.

Hier steht, wie der Tagesablauf funktioniert, was du bestellst, ohne raten zu müssen, wo du besser nicht isst und wie in den Niederlanden bezahlt und Trinkgeld gegeben wird.

Auf einen Blick

  • InstitutionDas braune Café, dunkles Holz und lange Nachmittage
  • KlassikerBitterballen, Käse mit Senf, Hering, Pommes mit Mayonnaise
  • KolonialerbeReistafel und indonesische Küche
  • BezahlenKarte, viele Lokale nehmen kein Bargeld
  • Beste ViertelDe Pijp, Jordaan, Oud-West und Oost

Wie in Amsterdam gegessen wird

Der Tag ist anders getaktet, als du es gewohnt bist. Mittags gibt es meist etwas Kaltes und Schnelles, ein belegtes Brot oder Suppe, und niemand nimmt sich dafür eine Stunde. Dafür beginnt der Abend früh: Die Küchen öffnen zeitig und nehmen die letzten Bestellungen deutlich früher an, als es in Deutschland üblich ist. Wer erst um halb zehn losgeht, landet zuverlässig beim Imbiss.

Reservieren gehört dazu, gerade von Donnerstag bis Samstag und in den kleinen Läden im Jordaan und in De Pijp. Zwischen Mittag und Abend liegt der Borrel, und der ist die entspannteste Mahlzeit der Stadt.

Das braune Café

Braune Cafés heißen so, weil Holz, Decke und Wände über Jahrzehnte nachgedunkelt sind. Drinnen stehen enge Tische, oft ein Teppich auf der Theke, draußen ein paar Stühle an der Gracht. Bestellt wird ein kleines Bier, dazu Käsewürfel mit scharfem Senf oder eine Portion Bitterballen: frittierte Kugeln mit heißer Ragoutfüllung, die du erst anbeißen und ausdampfen lassen solltest.

Dazu passt Jenever, der Vorfahre des Gin, serviert im tulpenförmigen Glas, das bis zum Rand gefüllt ist. Der erste Schluck geht ohne Hände, du beugst dich zum Glas hinunter. Bier und Jenever zusammen heißen Kopstootje. Die dichteste Auswahl solcher Lokale findest du im Jordaan.

Reistafel und die indonesische Küche

Die Reistafel ist keine indonesische Tradition, sondern eine niederländische Erfindung aus der Kolonialzeit: viele kleine Gerichte gleichzeitig auf dem Tisch, ursprünglich als Machtdemonstration bei Empfängen in Niederländisch-Indien. Geblieben ist ein Essen, das man zu zweit oder zu viert teilt und für das du zwei Stunden einplanen solltest.

Wenn dir das zu viel ist, iss stattdessen ein einzelnes Gericht in einem der vielen kleinen indonesischen oder surinamischen Läden, vor allem in Oost und in De Pijp. Ein Roti mit Huhn kostet wenig und macht satt. Mehr zu den Klassikern des Landes steht unter niederländische Gerichte.

Frühstück, Kaffee und Kuchen

Frühstück ist in den Niederlanden bescheiden: Brot mit Käse, Streuseln aus Schokolade oder Erdnussbutter. Im Café bekommst du einen Uitsmijter, also Spiegeleier auf Brot mit Schinken oder Käse, und das trägt bis zum Abend. Kaffee kommt oft mit einem Keks daneben, und in fast jedem Laden gibt es Apfelkuchen mit einer Wolke Sahne, dicht, nicht süß, mit Zimt.

Essen auf der Straße und auf dem Markt

Der Albert-Cuyp-Markt in De Pijp ist mittags die beste Adresse der Stadt: frisch gebackene Stroopwafels, die noch warm zusammengeklappt werden, Käse, Oliven, Fisch. Der Markt hat außer sonntags täglich geöffnet.

Hering kaufst du am Stand, in Amsterdam meist in Stücke geschnitten mit Zwiebeln und Gurke und einem Zahnstocher dazu. Pommes gibt es mit Mayonnaise, in der Variante mit Erdnusssauce und Zwiebeln heißen sie Patatje oorlog. Und an manchen Straßen hängen noch die Automatenwände, aus denen du dir eine warme Krokette ziehst.

Tipp: Zwei Straßen Abstand sind das ganze Geheimnis. Am Damrak, an der Leidsestraat und rund um den Dam zahlst du viel für wenig. Geh stattdessen nach De Pijp, in den Jordaan, nach Oud-West oder in die Javastraat in Oost. Als Faustregel gilt: Wo eine Speisekarte in fünf Sprachen mit Fotos draußen steht, gehst du weiter.

Bezahlen und Trinkgeld

Bezahlt wird mit Karte, und zwar fast überall. Viele Cafés, Marktstände und Museen nehmen gar kein Bargeld mehr an, Kreditkarten werden längst nicht überall akzeptiert. Am zuverlässigsten funktioniert eine gängige Debitkarte mit Kontaktlos-Funktion. Getrennt zahlen ist völlig normal, sag es einfach beim Bestellen.

Gut zu wissen: Trinkgeld ist im Preis enthalten und keine Pflicht. Üblich ist Aufrunden, bei gutem Service ein kleiner Betrag obendrauf. Am Kartenterminal gibst du dafür entweder den Gesamtbetrag selbst ein oder wählst die Trinkgeldoption. Mehr dazu unter Bezahlen in den Niederlanden.

Was du dir sparen kannst

Die Restaurants mit Grachtenblick direkt an den Hauptachsen leben von Laufkundschaft, die nie wiederkommt. Ähnliches gilt für Käseläden, die vor allem Souvenirs verkaufen: Guten Käse bekommst du günstiger im Supermarkt oder auf dem Markt. Und wer eine Grachtenfahrt mit Abendessen bucht, zahlt vor allem für die Aussicht. Wie du Touren richtig auswählst, steht unter Aktivitäten und Touren.

Häufige Fragen

Was muss man in Amsterdam unbedingt probieren?

Bitterballen zum Bier im braunen Café, Käse mit scharfem Senf, eine frisch gebackene Stroopwafel vom Markt und Apfelkuchen mit Sahne. Wer mehr Zeit hat, isst eine Reistafel als Erbe der Kolonialgeschichte. Hering und Pommes mit Mayonnaise gehören zum Straßenprogramm und kosten wenig.

Kann man in Amsterdam mit Bargeld bezahlen?

Oft nicht. Viele Cafés, Museen und Marktstände nehmen ausschließlich Karte, manche akzeptieren auch keine Kreditkarte. Eine gängige Debitkarte mit Kontaktlos-Funktion ist die sichere Wahl. Bargeld brauchst du praktisch nur noch als Reserve, planen solltest du damit nicht.

Wie viel Trinkgeld gibt man in Amsterdam?

Service ist im Preis enthalten, Trinkgeld also freiwillig. Üblich ist Aufrunden, im Restaurant bei gutem Service ein kleiner Betrag zusätzlich. Am Terminal nennst du entweder gleich den Gesamtbetrag oder nutzt die Trinkgeldoption. Niemand erwartet zweistellige Prozentsätze wie in den USA.

Muss man in Amsterdam reservieren?

Für das Abendessen ja, besonders von Donnerstag bis Samstag und in kleinen Lokalen im Jordaan und in De Pijp. Cafés und Imbisse funktionieren ohne. Denk daran, dass die Küchen früher schließen als in Deutschland: Wer spät losgeht, hat deutlich weniger Auswahl.

Wo isst man in Amsterdam gut und bezahlbar?

In den Wohnvierteln, nicht auf den Hauptachsen. De Pijp rund um den Albert-Cuyp-Markt, die Seitenstraßen im Jordaan, Oud-West und die Javastraat in Oost bieten das beste Verhältnis. Mittags ist der Markt unschlagbar. Meide Lokale mit Fotokarten in fünf Sprachen vor der Tür.