Auf einen Blick
- ProvinzNordbrabant, Hauptstadt 's-Hertogenbosch
- Größte StädteEindhoven, Tilburg, Breda, Den Bosch
- KarnevalSonntag bis Dienstag vor Aschermittwoch
- Van Goghgeboren in Zundert, gemalt in Nuenen
- LandschaftFlugsand, Kiefernwald, Heide, Flussauen
- Beste ReisezeitApril bis Oktober, Karneval im Winter
Der burgundische Süden
Brabant liegt unterhalb der großen Flüsse, und diese Grenze ist mehr als Geografie. Der Süden blieb katholisch, während der Norden protestantisch wurde, und das hat den Umgangston geprägt: Man setzt sich hin, bestellt etwas und redet. Ein Bier heißt hier oft „pilske“, dazu gibt es Bitterballen, und zum Frühstück beim Bäcker ein Worstenbroodje, eine Wurst im Brotteig, die man morgens im Auto isst.
Die Provinz ist die zweitgrößte des Landes und hat keine dominierende Metropole, sondern vier mittelgroße Städte mit klar verteilten Rollen. Für eine Rundreise heißt das: Du kannst in einer Stadt wohnen und die anderen als Tagesausflug nehmen, die Wege sind kurz. Nach Süden schließt Belgien an, im Osten Limburg, im Westen Zeeland.
Sechs Städte im Kurzporträt
1 ’s-Hertogenbosch
Den Bosch, wie alle sagen, hat die schönste Kirche der Provinz: die Sint-Janskathedraal, spätgotisch, mit einer Armee von Figuren, die auf dem Strebewerk hocken, darunter ein Handwerker mit Handy als moderne Ergänzung. Hieronymus Bosch stammt aus der Stadt, ein Kunstzentrum widmet sich seinen Bildwelten, echte Werke hängen im Museum am Rand des Zentrums.
Die Besonderheit ist die Binnendieze: ein Fluss, der über Jahrhunderte überbaut wurde und heute streckenweise unter den Häusern durchführt. Mit dem Boot fährst du dort hindurch. Dazu ein Bossche Bol, eine große Cremekugel mit Schokoladenüberzug. Mehr unter Den Bosch.
2 Breda
Breda ist die eleganteste Stadt der Provinz. Die Grote Kerk am Marktplatz enthält die Grabmäler der Nassauer, also der Vorfahren des niederländischen Königshauses, das Schloss dient bis heute als Militärakademie und ist nur von außen zu sehen. Der Begijnhof mit seinem Kräutergarten ist eine stille Insel mitten im Zentrum.
Der Grote Markt ist praktisch komplett Terrasse. Wer die Stadt an einem Sommerabend erlebt, versteht das Wort burgundisch ohne weitere Erklärung. Details unter Breda.
3 Eindhoven
Hier musst du ehrlich planen: Eindhoven hat keine Altstadt. Der historische Kern wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, und die Stadt wuchs ohnehin erst mit Philips, das 1891 hier mit Glühlampen anfing. Wer Fachwerk sucht, fährt weiter.
Wer Design und Industriegeschichte mag, bleibt. Strijp-S ist ein ehemaliges Fabrikgelände, das zum Viertel mit Ateliers und Lokalen umgebaut wurde, das Van Abbemuseum zeigt moderne Kunst auf hohem Niveau, und im Oktober läuft die Dutch Design Week, für die die ganze Stadt zur Ausstellungsfläche wird. Mehr unter Eindhoven.
4 Tilburg
Tilburg lebte von Wolle, und genau das macht die Stadt heute sehenswert. Im TextielMuseum laufen die alten Maschinen noch, es wird tatsächlich produziert, und du siehst zu. De Pont zeigt zeitgenössische Kunst in einer ehemaligen Spinnerei, die Hallen geben den Werken Platz, den kaum ein Museumsneubau hat.
Im Juli findet die Tilburgse Kermis statt, der größte Jahrmarkt der Benelux, der sich über einen langen Straßenzug zieht. Alles Weitere unter Tilburg.
5 Bergen op Zoom
Im Westen der Provinz, nah an Zeeland, liegt Bergen op Zoom mit dem Markiezenhof, einem spätgotischen Stadtpalast, der als eines der besten Beispiele seiner Art im Land gilt. Vom Festungsring sind Reste und ein Wasserwerk erhalten, die Stadt war jahrhundertelang schwer zu erobern.
Die Oosterschelde liegt gleich nebenan, entsprechend stehen Austern und Muscheln auf den Karten. Details unter Bergen op Zoom.
6 Heusden
Heusden ist keine Stadt, sondern ein Festungsstädtchen an der Maas, und es ist der beste Kurzstopp der Provinz. Auf den Wällen stehen Windmühlen, im Hafen liegen Boote, und die Häuser wurden im 20. Jahrhundert so konsequent restauriert, dass der Ort als Musterbeispiel der Denkmalpflege gilt.
Rechne mit 2 bis 3 Stunden, gut zu kombinieren mit den Dünen von Loon en Drunen. Mehr unter Heusden, weitere Orte dieser Art bei den schönsten Dörfern der Niederlande.
Karneval: wenn die Städte ihre Namen tauschen
Von Sonntag bis Dienstag vor Aschermittwoch legt Brabant den Alltag beiseite. Die Städte nehmen dann andere Namen an: Den Bosch wird zu Oeteldonk, Breda zum Kielegat, Tilburg zur Kruikenstad, Bergen op Zoom zum Krabbegat und Eindhoven zu Lampegat. Am Sonntag ziehen die Umzüge, den Rest der Zeit spielt sich alles in den Cafés ab.
Für deutsche Gäste ist der Unterschied zum Rheinland spürbar. Kostüme sind eher selbstgebaut und schräg als glänzend gekauft, gesungen wird auf Brabanter Platt, und der Karneval richtet sich nach innen, nicht ans Publikum. Wer mitfeiern will, verkleidet sich, sonst fällt man auf. Unterkünfte in den Karnevalsstädten sind Monate vorher weg, und der Zugverkehr wird an diesen Tagen sehr voll. Mehr zu den Terminen bei den Festen in den Niederlanden.
Van Goghs Brabant
Vincent van Gogh wurde 1853 in Zundert geboren, im Süden der Provinz nahe der belgischen Grenze, wo heute ein Museum an seinem Geburtsort steht. Entscheidend war aber Nuenen bei Eindhoven: Dort lebte er von 1883 bis 1885 im Pfarrhaus seiner Eltern und malte in dieser Zeit Die Kartoffelesser, sein erstes großes Werk. Ein Besucherzentrum und eine ausgeschilderte Route führen zu den Orten, die er gemalt hat.
Originale hängen unter anderem im Museum in Den Bosch, und zwischen Nuenen und Eindhoven verläuft ein Radweg, dessen Steine nachts leuchten und dabei die Sternennacht zitieren. Wer den Maler danach vollständig sehen will, fährt nach Amsterdam, mehr dazu bei den Museen in den Niederlanden.
Dünen ohne Meer und Wasser ohne Deich
Der Boden in Brabant ist Sand, und stellenweise liegt er offen. Die Loonse en Drunense Duinen zwischen Tilburg und Heusden sind ein Flugsandgebiet, das aussieht wie eine kleine Wüste mit Kiefern drumherum, gut zu Fuß und zu Pferd. Im Westen liegt die Biesbosch, ein Süßwasser-Gezeitengebiet aus Weiden, Prielen und Inseln, das du am besten mit Kanu oder Flüsterboot erkundest, Zugang gibt es auch von Dordrecht aus.
Dazu kommt das Moorgebiet De Groote Peel an der Grenze zu Limburg und im Süden ein großer Safaripark bei Hilvarenbeek. Familien mit Kindern kommen ohnehin meist wegen des großen Märchenparks bei Kaatsheuvel in die Provinz, mehr Ideen dazu bei Niederlande mit Kindern.
Gut zu wissen: Bei Baarle verläuft die Grenze zu Belgien quer durch den Ort und teilweise durch einzelne Häuser. Zu welchem Land ein Gebäude gehört, entscheidet die Lage der Haustür, und die Grenze ist mit Kreuzen ins Pflaster eingelassen. Zwei Bürgermeister, zwei Verwaltungen, ein Marktplatz. Kurioser wird es in Europa nicht.
Anreise und Praktisches
Aus Nordrhein-Westfalen kommst du über Venlo auf der A67 nach Eindhoven, aus dem Ruhrgebiet ist die Provinz in zwei bis drei Stunden erreichbar. Mehrere Brabanter Städte haben eine Umweltzone, kontrolliert wird per Kamera und ohne Vorwarnung. Prüfe vor der Fahrt, ob dein Fahrzeug in die Zone deiner Zielstadt darf, alles dazu bei den Umweltzonen in den Niederlanden. Parke am besten am Rand und geh die letzten Minuten zu Fuß, die Zentren sind klein.
Mit der Bahn liegen Den Bosch, Tilburg, Breda und Eindhoven alle an Intercity-Strecken, aus Nordrhein-Westfalen führt der Weg über Venlo. Ein- und Auschecken nicht vergessen, eine kontaktlose Bankkarte genügt. Bezahlt wird auch hier fast überall mit Karte, viele Betriebe nehmen kein Bargeld mehr an und Kreditkarten längst nicht überall. Auf Übernachtungen erhebt jede Gemeinde eine Touristensteuer pro Person und Nacht.
Achtung: Brabanter Städte wirken autofreundlicher als Amsterdam, der Radverkehr hat trotzdem Vorrang im Kopf aller Beteiligten. Stell dich nie auf den roten Asphalt, schau beim Öffnen der Autotür nach hinten und quere Radwege zügig. Gerade in Eindhoven und Tilburg sind die Radspuren breit und schnell.
Beste Reisezeit
April bis Oktober ist die einfache Antwort, mit dem Vorteil, dass die Terrassen dann offen sind. Wer Karneval erleben will, kommt im Februar oder Anfang März und bucht sehr früh. Der Oktober gehört in Eindhoven dem Design, der Juli in Tilburg dem Jahrmarkt. Für Van Gogh und die Sandlandschaften sind Mai, Juni und September am angenehmsten, dann ist es warm genug für lange Radtouren und nirgends voll.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Nordbrabant?
Drei bis vier Tage reichen für einen guten Querschnitt: ein Tag Den Bosch mit Kathedrale und Bootstour, ein Tag Breda, ein Tag Eindhoven oder Tilburg und ein halber Tag Heusden oder Baarle. Wer wegen Van Gogh kommt, plant zusätzlich einen Tag für Zundert und Nuenen ein. Die Wege zwischen den Städten sind kurz.
Welche Stadt in Nordbrabant ist die schönste?
Für Architektur und Atmosphäre ist es Den Bosch, wegen der Sint-Janskathedraal und der Fahrt durch die überbaute Binnendieze. Breda kommt direkt danach und hat den besseren Marktplatz. Eindhoven ist die interessanteste Stadt, wenn dich Design und Industriegeschichte reizen, aber die schwächste, wenn du historische Kulisse suchst. Tilburg lohnt vor allem für die beiden Museen.
Lohnt sich Karneval in Brabant für deutsche Besucher?
Ja, wenn du dich darauf einlässt. Gefeiert wird von Sonntag bis Dienstag vor Aschermittwoch, die Umzüge laufen meist am Sonntag, der Rest spielt sich in den Cafés ab. Kostüme sind Pflicht, sonst bist du der einzige in Alltagskleidung. Buche die Unterkunft Monate vorher und rechne mit sehr vollen Zügen an diesen Tagen.
Wo findet man in Brabant Spuren von Van Gogh?
An drei Orten. In Zundert steht ein Museum an seinem Geburtsort, in Nuenen bei Eindhoven zeigen ein Besucherzentrum und eine Route die Plätze, an denen er von 1883 bis 1885 malte, darunter die Motive der Kartoffelesser. Originale hängen im Museum in Den Bosch. Die größte Sammlung selbst befindet sich allerdings in Amsterdam.
Eignet sich Nordbrabant als Zwischenstopp Richtung Belgien?
Sehr gut sogar. Die Provinz liegt direkt an der Route von Nordrhein-Westfalen nach Antwerpen oder Brüssel, und Breda, Tilburg oder Den Bosch lassen sich in einem halben Tag ablaufen. Wer eine Nacht bleibt, bekommt ein gutes Abendessen und am nächsten Morgen eine kurze Weiterfahrt. Achte nur auf die Umweltzonen der Städte auf deiner Strecke.






