Südholland · Rotterdam

Kinderdijk: Ausflug zu den 19 Mühlen

Kinderdijk ist der Ort, an dem sichtbar wird, wie die Niederlande trocken bleiben: Neunzehn Windmühlen aus dem 18. Jahrhundert stehen an zwei Kanälen und haben das Wasser stufenweise aus dem Polder gehoben. Seit 1997 ist das Ensemble UNESCO-Welterbe, und von Rotterdam aus fährst du übers Wasser hin.

Hier steht, wie das System funktioniert, was du vor Ort machst, warum der Wasserbus die bessere Anreise ist und wann Kinderdijk mehr bringt als die Zaanse Schans bei Amsterdam.

Kinderdijk: Ausflug zu den 19 Mühlen
Foto: Donald Trung Quoc Don (Chữ Hán: 徵國單) - Wikimedia Commons - © CC BY-SA 4.0 International.(Want to use this imag, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • UNESCO-Welterbeseit 1997
  • Mühlen19 Stück an zwei Kanälen
  • Gebautum 1740
  • LageAlblasserwaard, südöstlich von Rotterdam
  • AnreiseWasserbus ab der Innenstadt von Rotterdam
  • Dauer2 bis 3 Stunden, mit Rad ein halber Tag

Neunzehn Mühlen und ein System

Kinderdijk liegt südöstlich von Rotterdam dort, wo der Lek und die Noord zusammenkommen. Die Landschaft dahinter, die Alblasserwaard, liegt tiefer als die Flüsse, und ohne Technik stünde sie unter Wasser. Um 1740 baute man deshalb zwei Reihen Mühlen an zwei Kanäle. Sie hoben das Wasser stufenweise an, erst in ein Zwischenbecken, dann in den Fluss, sobald der Wasserstand es zuließ.

Genau das macht den Ort so besonders und hat ihm 1997 den Titel UNESCO-Welterbe eingebracht: Hier steht keine einzelne schöne Mühle, sondern ein komplettes, erhaltenes Entwässerungssystem. Heute erledigt ein modernes Schöpfwerk die Arbeit, die Mühlen sind Denkmal und Reserve. Ein altes Dampfschöpfwerk am Eingang beherbergt das Besucherzentrum.

Zum Namen gibt es eine Legende: Nach der großen Flut von 1421 sei eine Wiege an den Deich getrieben worden, darin ein Säugling, und eine Katze habe sie mit ihren Sprüngen im Gleichgewicht gehalten. Historisch belegt ist das nicht, erzählt wird es überall.

Was du vor Ort machst

Der Kern des Besuchs ist ein Spaziergang am Kanal entlang. Die beiden Mühlenreihen ziehen sich über mehr als einen Kilometer, und je weiter du gehst, desto stiller wird es. Zwei Mühlen sind als Museum eingerichtet: In der einen siehst du, wie eine Müllerfamilie mit vielen Kindern auf wenigen Quadratmetern lebte, mit Betten in Wandschränken, in der anderen die Technik mit Schöpfrad und Wellen.

Dazu gibt es kleine Boote, die auf dem Kanal zwischen Haltepunkten pendeln, sodass du nicht beide Wege laufen musst. Wer will, mietet ein Rad und fährt die Deichstrecke ab. Für alles zusammen brauchst du zwei bis drei Stunden, mit Radtour einen halben Tag.

Gut zu wissen: Ob sich die Flügel drehen, hängt vom Wind und davon ab, ob ein freiwilliger Müller Dienst hat. An windstillen Tagen siehst du eine schöne Kulisse, aber keine Bewegung. Ein Tag mit frischer Brise ist hier der bessere Reisetag als ein windstiller Sommertag. Wie eine Poldermühle arbeitet, erklärt Windmühlen in den Niederlanden.

Anreise: übers Wasser statt mit dem Auto

Die schönste Anreise ist der Wasserbus. Er fährt in der Innenstadt nahe der Erasmusbrücke ab und bringt dich flussaufwärts, je nach Saison direkt oder mit einem Umstieg auf ein kleineres Boot. Du kommst am Wasser an, siehst die Mühlenreihe schon bei der Einfahrt und sparst dir jede Parkplatzsuche. Bezahlt wird per Karte, im Nahverkehr durch Ein- und Auschecken, siehe Verkehr in Rotterdam.

Mit dem Auto ist es die schlechtere Variante: Die Stellplätze sind bewusst begrenzt, um den Andrang zu steuern, und du landest ein Stück vom Eingang entfernt. Wer aus Deutschland anreist, sollte außerdem die Umweltzonen der Städte im Blick behalten, sie werden mit Kameras kontrolliert. Mit dem Rad ist Kinderdijk von Rotterdam aus gut zu erreichen, die Strecke führt fast durchgehend am Wasser entlang.

Achtung: Der Weg über den Deich ist schmal und wird von Radfahrern genutzt, auch von Anwohnern. Bleib zum Fotografieren nicht mitten auf dem Weg stehen, sondern tritt zur Seite. Und halte Abstand von drehenden Flügeln: Die Spitzen kommen tiefer herunter, als es von weitem aussieht.

Kinderdijk oder Zaanse Schans?

Beide Orte zeigen Mühlen, aber sie erzählen verschiedene Geschichten. Kinderdijk ist Landschaft und Wasserbau: neunzehn Mühlen an ihrem ursprünglichen Platz, Deiche, Schilf, viel Himmel und nach zehn Minuten Fußweg Ruhe. Die Zaanse Schans bei Amsterdam ist Handwerk und Schaubetrieb: Farb-, Öl- und Sägemühlen, Käse- und Holzschuhvorführungen, dazu Läden. Die dortigen Gebäude wurden ab den sechziger Jahren aus der Umgebung dorthin versetzt.

Wenn du in Rotterdam bist und Ruhe magst, nimm Kinderdijk. Wenn du in Amsterdam wohnst und wenig Zeit hast, nimm die Zaanse Schans. Beides an einer Reise ist nur sinnvoll, wenn dich das Thema wirklich packt. Mehr zum Dorf und zur Umgebung steht unter Kinderdijk, weitere Ziele der Stadt unter Rotterdam Sehenswürdigkeiten.

Tipp: Komm am späten Nachmittag. Die Busgruppen sind mittags da, danach wird es spürbar leerer, und das flache Licht über den Kanälen ist genau das, wofür man hierherfährt. Statistisch ist der April mit rund 55 Millimetern Niederschlag der trockenste Monat der Region, auch der Juni kommt im Mittel nur auf elf Regentage.

Tickets: Für Besucherzentrum, Museumsmühlen und die Boote auf dem Kanal brauchst du ein Ticket, das du online mit Zeitfenster buchst. In der Hochsaison sind die Vormittage zuerst weg. Kombinationen aus Wasserbus und Eintritt werden ebenfalls angeboten, das lohnt sich, wenn du ohnehin übers Wasser anreist. Über den öffentlichen Deichweg kannst du grundsätzlich hindurchradeln.

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Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDer Andrang konzentriert sich auf die Mittagsstunden und die ersten hundert Meter hinter dem Eingang. Lauf einfach weiter: Nach zehn Minuten am Kanal entlang bist du fast allein. Wenn die Zeitfenster ausgebucht sind, nimm den öffentlichen Deichweg und schau dir die Mühlen von außen an.
  • Wenn es regnetDer Besuch findet fast komplett draußen statt, bei Dauerregen macht das wenig Freude. Regenjacke statt Schirm, denn hier weht es. Als Ersatzprogramm bieten sich die Innenräume der beiden Museumsmühlen und das Besucherzentrum im alten Schöpfwerk an.
  • Mit KindernFunktioniert gut, wenn du die Boote auf dem Kanal einplanst, das Laufen allein wird Kindern schnell zu viel. Die Museumsmühle mit den Betten in den Wandschränken kommt fast immer an. Kinderwagen kommen auf den Hauptwegen durch, in den Mühlen nicht.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Hauptwege sind befestigt und flach, damit gut befahrbar. In die Mühlen hinein kommst du dagegen nur über steile Leitertreppen und durch niedrige Türen. Die Boote auf dem Kanal haben einen Ein- und Ausstieg über Stufen, frag vor Ort nach Hilfe.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Rotterdam nach Kinderdijk?

Am schönsten mit dem Wasserbus, der in der Innenstadt nahe der Erasmusbrücke ablegt und flussaufwärts fährt, je nach Saison direkt oder mit einem Umstieg auf ein kleineres Boot. Mit dem Auto kommst du zwar hin, die Stellplätze sind aber bewusst begrenzt. Mit dem Rad führt die Strecke fast durchgehend am Wasser entlang.

Kostet Kinderdijk Eintritt?

Für Besucherzentrum, Museumsmühlen und die Boote auf dem Kanal brauchst du ein Ticket, das du am besten online mit Zeitfenster buchst. Über den öffentlichen Deichweg kannst du grundsätzlich hindurchradeln oder laufen und die Mühlen von außen sehen. Kombitickets mit dem Wasserbus werden ebenfalls angeboten.

Wie viele Mühlen stehen in Kinderdijk?

Neunzehn, aufgestellt in zwei Reihen an zwei Kanälen und um 1740 gebaut. Sie hoben das Wasser stufenweise aus dem tiefer liegenden Polder in ein Zwischenbecken und von dort in den Fluss. Diese Vollständigkeit ist der Grund für den Titel UNESCO-Welterbe, den der Ort seit 1997 trägt.

Drehen sich die Mühlen in Kinderdijk?

Nicht automatisch. Ob die Flügel laufen, hängt vom Wind ab und davon, ob ein freiwilliger Müller Dienst hat. An windstillen Tagen steht alles still. Plane den Ausflug also lieber an einem Tag mit frischer Brise, dann siehst du die Mühlen arbeiten und nicht nur posieren.

Kinderdijk oder Zaanse Schans: was ist besser?

Kinderdijk ist Landschaft und Wasserbau, ruhig und an originaler Stelle. Die Zaanse Schans ist Handwerk mit Vorführungen und Läden, liegt näher an Amsterdam und ist deutlich voller. Wer von Rotterdam aus startet und Ruhe sucht, nimmt Kinderdijk. Beides zu besuchen lohnt nur, wenn dich Mühlentechnik wirklich interessiert.