Provinz Groningen · Groningen

Groninger Museum

Zwischen Bahnhof und Innenstadt liegt mitten im Wasser ein Museum, das aussieht wie mehrere Gebäude, die sich nicht einigen konnten: goldgelber Turm, silbern glänzende Rundung, ein Stapel aus verdrehten Stahlplatten. Der Bau von 1994 geht auf den italienischen Designer Alessandro Mendini zurück und ist selbst die erste Sehenswürdigkeit.

Hier steht, was drinnen zu sehen ist, warum das Haus so aussieht, für wen sich der Besuch lohnt und wann du das Ticket besser vorher buchst.

Groninger Museum
Foto: Wutsje / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • EröffnetNeubau 1994, Museum seit 1874
  • EntwurfAlessandro Mendini mit mehreren Gastarchitekten
  • Lageim Kanal zwischen Bahnhof und Zentrum
  • SchwerpunkteWechselausstellungen, De Ploeg, Kunstgewerbe
  • Dauer1,5 bis 2,5 Stunden
  • Anreise5 Gehminuten vom Hauptbahnhof

Ein Haus, gebaut wie eine Diskussion

Das Museum gibt es seit 1874, den heutigen Bau erst seit 1994. Bezahlt wurde er zu einem großen Teil von der Gasgesellschaft, ein Geschenk an die Stadt, in deren Provinz jahrzehntelang das Erdgas gefördert wurde. Mit dem Entwurf wurde Alessandro Mendini beauftragt, und der holte sich weitere Gestalter dazu, unter anderem Philippe Starck, Michele De Lucchi und das Büro Coop Himmelblau.

Herausgekommen ist kein Gebäude, sondern eine Reihe von Pavillons auf einer künstlichen Insel im Verbindungskanal, jeder in einer eigenen Sprache: ein gelber Depotturm mit Mosaik, eine schimmernde Rundung, ein Block aus schrägen Stahlplatten, dazwischen Treppen, die selbst wie Ausstellungsstücke wirken. Wer aus einer Stadt mit klassischen Museumsbauten kommt, braucht die ersten Minuten, um damit klarzukommen. Genau das war die Absicht.

Das Beste daran: Für die Architektur brauchst du kein Ticket. Der Bau steht an der Brücke zwischen Bahnhof und Innenstadt, du gehst ohnehin daran vorbei, und der Blick vom Wasser aus kostet nichts.

Was drinnen zu sehen ist

Der Schwerpunkt liegt auf Wechselausstellungen, und die sind für ein Haus dieser Größe erstaunlich groß gedacht: Mode, Design, Fotografie, Popkultur, dazu klassische Malerei. Diese Ausstellungen füllen mehrere Pavillons und sind der Hauptgrund, warum das Museum überregional bekannt ist.

Dauerhaft ist die eigene Sammlung wichtig, vor allem die Maler der Groninger Künstlergruppe De Ploeg, die sich 1918 zusammenfand. Ihre Bilder zeigen das Land vor der Stadt in kräftigen, fast ungeduldigen Farben: Kanäle, Höfe, Deiche, Wolken. Wenn du danach über Land fährst, siehst du die Landschaft anders. Dazu kommen der Grafiker und Drucker Hendrik Werkman, den die deutschen Besatzer im April 1945 kurz vor der Befreiung der Stadt erschossen, sowie Kunstgewerbe, ostasiatisches Porzellan und Groninger Silber.

Gut zu wissen: Welche Sammlung gerade in welchem Pavillon hängt, wechselt. Große Sonderausstellungen belegen zeitweise fast das ganze Haus, dann ist von der festen Sammlung wenig zu sehen. Wenn du wegen De Ploeg kommst, prüfe vorher auf der Website, was gerade gezeigt wird.

Der Besuch praktisch

Vom Bahnhof sind es fünf Minuten zu Fuß, das Museum liegt genau auf dem Weg ins Zentrum. Wer mit dem Auto kommt, parkt am besten an einem P+R-Platz am Stadtrand, im Zentrum ist Parken teuer und mühsam. Wie das funktioniert, steht unter Verkehr in Groningen.

Innen sind die Wege verschachtelt, es geht über Treppen hoch und runter, und einmal quer durch das Haus dauert länger, als der Grundriss vermuten lässt. Rechne mit anderthalb bis zweieinhalb Stunden, bei einer großen Ausstellung eher mehr. Bezahlt wird mit Karte, Bargeld ist an vielen Kassen in den Niederlanden kein Thema mehr. Ein Café gibt es im Haus, die größere Auswahl liegt aber ein paar Schritte weiter in der Stadt, siehe Essen und Trinken in Groningen.

Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit dem Forum Groningen, das zehn Minuten entfernt liegt und ebenfalls Innenprogramm für einen Regentag bietet. Wie sich das Haus im Vergleich zu den großen Häusern des Landes schlägt, steht unter Museen in den Niederlanden. Alle weiteren Ziele der Stadt findest du unter Groningen Sehenswürdigkeiten.

Tickets: An normalen Tagen bekommst du dein Ticket an der Kasse. Bei großen Sonderausstellungen arbeitet das Haus mit Zeitfenstern, und Wochenendtermine sind dann früh weg: online buchen, am besten für einen Vormittag. Die niederländische Museumskarte lohnt sich erst ab mehreren Museumsbesuchen im Jahr. Aktuelle Ausstellungen und Zeiten stehen auf der offiziellen Website.

Zur offiziellen Website

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es fast nur bei den großen Sonderausstellungen. Dann hilft ein Zeitfenster am frühen Vormittag. Wenn alles ausgebucht ist, geh ins Forum oder ins Schifffahrtsmuseum an der Brugstraat und versuche es am nächsten Vormittag noch einmal.
  • Wenn es regnetDer ideale Regentag, denn du bist drinnen und der Bahnhof liegt fünf Minuten entfernt. Nimm das Museum dann als Hauptprogramm und häng danach das Forum an, dazwischen liegen zehn Gehminuten durch die Innenstadt.
  • Mit KindernFür Kinder ist das Gebäude spannender als die Bilder: Treppen, Farben, Spiegelungen, sonderbare Räume. Größere Ausstellungen haben oft Mitmachstationen. Mit sehr kleinen Kindern wird es in den engen Treppenhäusern schnell mühsam.
  • Mit eingeschränkter MobilitätInnen führen Aufzüge in alle Ebenen, das Haus ist grundsätzlich zugänglich, die Wege sind aber verschachtelt und lang. Vom Bahnhof kommst du eben und stufenfrei her. Frag im Zweifel vorher nach dem barrierefreien Rundweg.

Häufige Fragen

Lohnt sich das Groninger Museum?

Ja, vor allem wegen des Gebäudes und der Wechselausstellungen. Das Haus zeigt regelmäßig Ausstellungen zu Mode, Design und Fotografie, die es sonst nur in deutlich größeren Städten gibt. Wer klassische niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts sucht, ist hier dagegen falsch und in Amsterdam oder Den Haag besser aufgehoben.

Wer hat das Groninger Museum entworfen?

Der italienische Designer und Architekt Alessandro Mendini, der 1994 fertiggestellte Bau geht auf seinen Entwurf zurück. Er zog weitere Gestalter hinzu, darunter Philippe Starck, Michele De Lucchi und das Büro Coop Himmelblau. Deshalb wirkt das Museum wie mehrere Gebäude nebeneinander, jedes in einer anderen Handschrift, alle auf einer Insel im Kanal.

Wie lange braucht man für das Groninger Museum?

Plane anderthalb bis zweieinhalb Stunden ein. Das Haus ist verschachtelt, du gehst mehr Treppen als erwartet, und die Wege sind länger, als der Grundriss aussehen lässt. Bei einer großen Sonderausstellung sind drei Stunden realistisch. Für die Architektur von außen reichen zehn Minuten auf der Brücke.

Wo liegt das Groninger Museum?

Direkt zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt, auf einer künstlichen Insel im Verbindungskanal. Vom Bahnhof läufst du fünf Minuten, ins Zentrum sind es weitere zehn. Damit ist es das erste Gebäude, das du siehst, wenn du mit dem Zug ankommst, und der beste Programmpunkt für den Anreise- oder Abreisetag.

Was ist De Ploeg?

Eine Groninger Künstlergruppe, die sich 1918 gründete und die Landschaft der Provinz in kräftigen, expressiven Farben malte. Bekannte Namen sind Jan Wiegers und Hendrik Werkman. Das Museum besitzt die wichtigste Sammlung dieser Gruppe. Ob sie gerade zu sehen ist, hängt davon ab, wie viel Platz die aktuelle Sonderausstellung einnimmt.