Auf einen Blick
- ProvinzGroningen
- Einwohnerrund 245.000
- Universitätgegründet 1614
- WahrzeichenMartiniturm, 97 Meter
- Dauer2 bis 3 Tage mit Umland
- AnreiseDirektzug ab Amsterdam, rund 2 Stunden
Warum sich diese Stadt so jung anfühlt
Die Universität gibt es seit 1614, dazu kommt eine große Fachhochschule. Zusammen bringen sie zehntausende Studierende in eine Stadt mit rund 245.000 Einwohnern, und dieses Verhältnis prägt jeden Abend. Um zehn ist im Zentrum mehr los als anderswo um sieben, ohne dass das Ganze inszeniert wirkt.
Für dich heißt das: viele kleine Läden statt Ketten, Küchen, die spät noch kochen, und Lokale, in denen niemand auf dein Alter achtet. Es heißt auch, dass es rund um die Poelestraat am Wochenende laut wird. Wer früh schlafen will, sucht sich eine Unterkunft zwei Straßen weiter.
Die Innenstadt: ein Ring und zwei Plätze
Groningen ist übersichtlich gebaut. Um den Kern liegt der Diepenring, ein geschlossener Kanalring auf der Linie der alten Wälle. Innen liegen zwei Plätze direkt nebeneinander: der Grote Markt mit dem Martiniturm und, eine Häuserzeile weiter, der Vismarkt mit der Korenbeurs und der Der Aa-Kerk. Vom Bahnhof bis zum Grote Markt läufst du eine gute Viertelstunde.
Dass Fußgänger und Räder hier so gut wegkommen, war eine Entscheidung. 1977 teilte ein neuer Verkehrsplan das Zentrum in vier Sektoren, zwischen denen Autos nicht direkt wechseln dürfen: Wer mit dem Wagen von einem Viertel ins nächste will, muss zurück auf den Ring. Für Räder gilt das nicht. Wie du Bahnhof, Bus und Leihrad kombinierst, steht unter Verkehr in Groningen.
Achtung: Roter Asphalt ist Radweg, nicht Gehweg. In Groningen fahren dort mehr Räder gleichzeitig als sonst irgendwo im Land, oft zu zweit nebeneinander, fast lautlos und schneller, als du erwartest. Bleib zum Fotografieren nie auf dem roten Streifen stehen und schau vor jedem Schritt zur Seite.
Die zwölf besten Sehenswürdigkeiten
1 Martiniturm und Grote Markt
Der Turm heißt bei den Groningern d’Olle Grieze, die alte Graue, ist 97 Meter hoch und steht seit dem 15. Jahrhundert in dieser Form am Platz. Wer die Stufen nimmt, sieht bei klarer Luft über das flache Land bis ans Wattenmeer.
Unten ist der Grote Markt der Wohnzimmerplatz der Stadt, im April 1945 zu großen Teilen zerstört und seitdem mehrfach neu gebaut. Alles zum Aufstieg unter Martiniturm und Grote Markt.
2 Groninger Museum
Ein Farbklotz mitten im Wasser, zwischen Bahnhof und Innenstadt: Alessandro Mendini hat daraus 1994 ein Gebäude aus mehreren Pavillons gemacht, jeder von einem anderen Architekten und keiner davon zurückhaltend.
Innen wechseln große Ausstellungen mit der eigenen Sammlung, darunter die Maler der Groninger Gruppe De Ploeg. Details unter Groninger Museum.
3 Forum Groningen
Zehn Etagen Kultur an der Nieuwe Markt, hinter dem Grote Markt: Bibliothek, Kinos, ein Museum zu Comic und Animation, dazwischen Rolltreppen durch ein hohes Atrium.
Der beste Teil kostet nichts: Die Dachterrasse ist frei zugänglich und liefert den Blick über die Dächer bis zum Martiniturm. Mehr unter Forum Groningen.
4 Vismarkt, Korenbeurs und Der Aa-Kerk
Der zweite Platz der Stadt, ruhiger als der Grote Markt und schöner. An seinem Kopf steht die Korenbeurs von 1865 mit einer Säulenfront, hinter der heute ganz profan eingekauft wird.
Daneben steht die Der Aa-Kerk, deren rotbrauner Turm 1671 nach einem Blitzschlag ausbrannte und 1710 ein zweites Mal einstürzte. Was heute dort steht, stammt aus dem Wiederaufbau danach und wurde 1718 fertig. Rundherum sitzen die Terrassen, auf denen die Stadt ihren Nachmittag verbringt.
5 Prinsenhof und Prinsentuin
Hinter der Martinikerk liegt ein ummauerter Renaissancegarten mit Buchshecken, Rosen und Kräutern, den die meisten Besucher übersehen, weil man ihn von der Straße aus nicht sieht.
Der Eintritt kostet nichts, geöffnet ist nur im Sommerhalbjahr. Alles dazu unter Prinsenhof und Prinsentuin.
6 Noorderplantsoen und Studentenviertel
Der Stadtpark im englischen Landschaftsstil liegt auf den abgetragenen Wällen im Nordwesten. Beim ersten Sonnentag des Jahres sitzt hier die halbe Stadt im Gras.
Drumherum liegen die Viertel, in denen das studentische Groningen wohnt und isst. Mehr unter Noorderplantsoen und Studentenviertel.
7 Folkingestraat
Die schönste Einkaufsstraße der Stadt und zugleich ihre traurigste: Hier lag das jüdische Viertel, die Synagoge von 1906 steht bis heute in der Straße und wird kulturell genutzt.
An mehreren Hauswänden erinnern Kunstwerke an die deportierten Bewohner. Dazwischen: Buchläden, Feinkost, kleine Cafés, keine einzige große Kette.
8 Hoge der A und Noorderhaven
Der alte Hafenrand der Stadt, ein paar Schritte vom Vismarkt entfernt. Schmale Kaimauern, alte Speicherhäuser mit Ladeluken, davor liegen Traditionssegler und Hausboote.
Die Ecke mit dem Kirchturm im Hintergrund ist das Bild, das jeder von Groningen mitnimmt. Am ruhigsten ist es früh am Morgen.
9 Academiegebouw und Universitätsviertel
Das Hauptgebäude der Universität wurde nach einem Brand 1909 neu errichtet und steht am Broerstraat wie ein Schloss mitten in der Stadt. Betreten kannst du meist nur die Halle.
Spannender ist die Gegend drumherum: Oude Boteringestraat und Martinikerkhof mit alten Stadthäusern, dem Provinzhaus und viel Backstein.
10 Noordelijk Scheepvaartmuseum
Zwei mittelalterliche Kaufmannshäuser an der Brugstraat, innen ein Gang durch die Schifffahrtsgeschichte des Nordens: Torfkähne, Küstenfrachter, Modelle, enge Treppen zwischen alten Gewölben.
Ein Museum für Regentage und für alle, die wissen wollen, wovon diese Stadt jahrhundertelang gelebt hat.
11 Markttage auf Vismarkt und Grote Markt
An mehreren Tagen pro Woche stehen die Stände zwischen den beiden Plätzen, am größten ist der Samstag. Käse, Fisch, Blumen, Stroopwafels und ein Ausschnitt der Stadt, den du in keinem Museum bekommst.
Vieles hier ist noch handwerklich. Was du in Groningen sonst essen solltest, steht unter Essen und Trinken in Groningen.
12 Der Ausflug ans Wattenmeer
Vierzig Kilometer nördlich hört das Land auf. In Lauwersoog legt die Fähre nach Schiermonnikoog ab, daneben liegt ein Nationalpark mit einem der dunkelsten Nachthimmel des Landes.
Wattwandern ist nur mit lizenzierter Führung erlaubt. Wie du den Tag planst, steht unter Wattenmeer und Lauwersoog.
Ein Tag zu Fuß: die Route
Vom Bahnhof über die Brücke zum Groninger Museum, das direkt im Kanal liegt. Weiter durch die Folkingestraat zum Vismarkt, einmal um die Kirche herum und ans Wasser am Hoge der A. Zurück über den Grote Markt, hinauf auf den Martiniturm, danach die paar Schritte zum Forum und mit den Rolltreppen aufs Dach.
Am Nachmittag hinter der Martinikerk in den Prinsentuin, dann über die Nieuwe Ebbingestraat ins Noorderplantsoen. Das sind gut sechs Kilometer, alles flach, ein voller aber machbarer Tag. Wer es ruhiger mag, streicht Turm oder Museum und setzt sich stattdessen an den Vismarkt.
Tipp: Miete am zweiten Tag ein Rad. Der Kern ist zu Fuß schnell abgelaufen, aber sobald du zum Noorderplantsoen, zum Reitdiephaven oder aus der Stadt hinaus willst, ist das Rad das schnellere und billigere Verkehrsmittel. Fahr rechts, halte dich an die Ampeln für Räder und stell das Rad nur in den markierten Feldern ab.
Der zweite Tag gehört dem Umland
Groningen ist klein genug, dass ein zweiter Tag im Zentrum zäh wird. Fahr lieber raus. Richtung Norden liegen die Küste, der Hafen von Lauwersoog und die Fähre auf die stillste der Wattinseln, dazu geführte Wattwanderungen ab der Küste bei Pieterburen.
Landeinwärts stehen die Wierdendörfer auf ihren künstlichen Hügeln, Appingedam hat seine hängenden Küchen über dem Wasser, und an der deutschen Grenze liegt die Sternschanze Bourtange. Mit dem Auto brauchst du zu keinem dieser Ziele mehr als eine Stunde, mit dem Rad ist das Land flach und durchgehend ausgeschildert.
Wetter, Bezahlen und Praktisches
Das Klima ist mild und nass. Im Juli liegt das Mittel der Tageshöchstwerte bei 21,3 Grad, im August bei 22,0 Grad, das sind die wärmsten Monate. Regen fällt das ganze Jahr über: am meisten im Juli mit 95 Millimetern, am wenigsten im April mit 58. Trockene Monate gibt es also nicht, nur weniger nasse. Eine Windjacke ist hier nützlicher als ein Schirm.
Bezahlt wird fast überall mit Karte, viele Cafés, Läden und Museen nehmen gar kein Bargeld mehr an. Kreditkarten werden längst nicht überall akzeptiert, eine Debitkarte mit internationalem Zeichen ist die sicherere Wahl. Auf Übernachtungen kommt eine kommunale Touristensteuer, die je nach Buchungsart schon im Preis steckt oder vor Ort dazukommt.
Wer mit dem Auto anreist, stellt ihn am besten auf einem P+R-Platz am Stadtrand ab und fährt die letzten Minuten mit Bus oder Rad. Im Zentrum kommst du wegen der Sektoren ohnehin kaum voran, und Parken ist teuer. Denk außerdem daran, dass in mehreren niederländischen Städten Umweltzonen gelten, die per Kamera kontrolliert werden: Prüfe vor der Fahrt, welche Regeln für dein Fahrzeug gelten und ob deine Route durch eine solche Zone führt.
Tickets: Groningen ist keine Stadt, in der du Wochen vorher buchen musst. Zwei Dinge lohnen sich trotzdem vorab: der Aufstieg auf den Martiniturm, der in Zeitfenstern läuft, und große Sonderausstellungen im Groninger Museum, die an Wochenenden voll werden. Alles andere kannst du spontan entscheiden. Die Dachterrasse im Forum kostet nichts.
Häufige Fragen
Wie viele Tage sollte man für Groningen einplanen?
Für die Stadt selbst reicht ein voller Tag, um alles Wichtige zu sehen, zwei Tage sind angenehm. Richtig gut wird es mit drei: einer für das Zentrum, einer für den Ausflug ans Wattenmeer und einer für das Umland mit Appingedam, den Wierdendörfern oder Bourtange. Als Tagesausflug von weit her lohnt sich die Anreise kaum.
Lohnt sich Groningen für einen Städtetrip?
Ja, wenn du eine lebendige Stadt ohne Massentourismus suchst. Groningen hat keine Grachtenkulisse wie Amsterdam, dafür eine kompakte Altstadt, gute Museen, eine der besten Kneipendichten des Landes und Preise, die deutlich niedriger liegen. Wer klassische Postkartenmotive erwartet, ist in Delft oder Leiden besser aufgehoben.
Was kann man in Groningen kostenlos machen?
Einiges. Die Dachterrasse im Forum ist frei zugänglich und liefert die beste Aussicht ohne Ticket. Dazu kommen der Prinsentuin im Sommerhalbjahr, das Noorderplantsoen, die Kais am Hoge der A, die Märkte auf Vismarkt und Grote Markt sowie die Folkingestraat mit ihren Kunstwerken. Für einen halben Tag Programm musst du nichts ausgeben.
Ist Groningen gut zu Fuß zu erkunden?
Sehr gut. Der Kern liegt komplett innerhalb des Kanalrings, vom Bahnhof zum Grote Markt läufst du eine gute Viertelstunde, und Autos kommen im Zentrum kaum durch. Der einzige Haken sind die Räder: Auf den roten Streifen herrscht dichter Verkehr, und als Fußgänger musst du dort aufmerksamer sein als in jeder deutschen Innenstadt.
Wie kommt man von Deutschland nach Groningen?
Mit dem Auto über die Grenze bei Bunde und dann auf der A7 direkt in die Stadt, aus Ostfriesland ist das die kürzeste Verbindung. Mit der Bahn führt der Weg über die Regionalstrecke von Leer nach Groningen oder über Amsterdam, von dort fährt ein Direktzug in rund zwei Stunden. Stell das Auto am Rand ab, im Zentrum bringt es dich nicht weiter.



