Auf einen Blick
- ProvinzNordholland
- UNESCO-Welterbeseit 2010
- Entstanden17. Jahrhundert
- HauptgrachtenHerengracht, Keizersgracht, Prinsengracht
- Rundfahrtmeist rund 1 Stunde
- Route zu Fuß2 bis 3 Stunden
Warum der Grachtengürtel etwas Besonderes ist
Amsterdam platzte um 1600 aus allen Nähten. Statt anzubauen, beschloss die Stadt eine Erweiterung am Reißbrett: drei konzentrische Kanäle, Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht, dazu Querstraßen und ein Arbeiterviertel im Westen, den heutigen Jordaan. Wer Geld hatte, kaufte sich einen Platz an der Herengracht, wer weniger hatte, wohnte weiter außen.
Deshalb sind die Häuser so schmal: Besteuert wurde nach Fassadenbreite. Aus demselben Grund sind die Treppen im Inneren so eng, dass Möbel bis heute außen hochgezogen werden. Schau nach oben, fast jedes Haus hat oben einen Balken mit Haken. Und viele Häuser stehen schief, weil sie auf Holzpfählen im weichen Boden gegründet sind.
Gut zu wissen: Rund hundert Kilometer Wasser durchziehen die Stadt, überquert von mehr als tausend Brücken. Schwimmen ist in den Grachten verboten, das Wasser ist Verkehrsweg und nicht so sauber, wie es an guten Tagen aussieht.
Rundfahrt: welches Boot du nehmen solltest
Es gibt drei Sorten. Die großen Glasdachboote fahren im Takt vom Hauptbahnhof und vom Damrak, sie fassen viele Leute, laufen mit Audiokommentar in mehreren Sprachen und sind die günstigste und unpersönlichste Variante. Die kleinen offenen Sloepen starten an Anlegern im Jordaan und an der Prinsengracht, nehmen ein bis zwei Dutzend Gäste mit und fahren durch enge Grachten, in die kein großes Boot passt. Dazwischen liegen Hop-on-Hop-off-Boote, die als Verkehrsmittel gedacht sind und für die reine Rundfahrt zu unruhig sind.
Unsere Empfehlung ist klar: Spar dir das große Boot am Hauptbahnhof und nimm eine kleine Sloep. Du sitzt tiefer, hörst die Stadt statt eines Lautsprechers und der Skipper erzählt, was gerade vorbeikommt. Wer es ruhig mag, bucht eine Fahrt ohne Getränkepaket, wer den Sonnenuntergang will, bucht abends.
Tickets: Große Boote kannst du fast immer spontan nehmen, kleine Boote am Abend solltest du einen Tag vorher buchen, im Sommer eher zwei. Achte darauf, ob der Abfahrtsort im Zentrum liegt oder am Rand, das entscheidet über eine halbe Stunde Fußweg. Bezahlt wird an Bord meist nur mit Karte, Bargeld nehmen viele Anbieter gar nicht mehr an. Weitere Touren und Anbieter findest du auf der Seite zu Aktivitäten und Touren.
Die schönsten Brücken und Ecken
Die Magere Brug über die Amstel ist die bekannteste: eine weiße Holzklappbrücke, die abends beleuchtet wird und regelmäßig für Boote hochgeht. Zweiter Pflichtpunkt ist die Ecke Reguliersgracht und Herengracht. Stell dich auf die Brücke und schau die Reguliersgracht entlang, dann siehst du eine ganze Reihe Bogenbrücken hintereinander, abends mit Lichterketten.
Am ruhigsten ist die Brouwersgracht am nördlichen Ende des Rings, wo die alten Lagerhäuser stehen und die Boote dicht liegen. Wer das leere Amsterdam fotografieren will, ist dort vor acht Uhr morgens fast allein. Direkt an der Prinsengracht liegt auch das Anne-Frank-Haus, plane die Wege so, dass dein Zeitfenster dort passt.
Negen Straatjes: neun Querstraßen zum Bummeln
Zwischen Prinsengracht, Keizersgracht und Herengracht liegen neun kurze Querstraßen, die sogenannten Negen Straatjes. Hier sitzen kleine Läden, Käseshops, Secondhand und Cafés, dazwischen immer wieder ein Blick über eine Gracht. Für Souvenirs ist es teuer, für einen Nachmittag ohne Plan ist es der beste Teil des Zentrums.
Der Trick liegt im Zickzack: Lauf eine Querstraße, dann ein Stück am Wasser entlang, dann die nächste Querstraße. So siehst du in einer Stunde mehr als auf jeder geraden Strecke.
Selbst fahren statt mitfahren
Du kannst auch ein kleines Elektroboot mieten und selbst durch die Grachten tuckern. Für langsame Boote dieser Größe brauchst du in den Niederlanden keinen Bootsführerschein, wohl aber Nerven: In den Hauptgrachten ist Verkehr, es gilt rechts fahren, und Rundfahrtboote sind größer als du. Nimm die erste halbe Stunde für die ruhigen Seitengrachten, bevor du dich in den Ring traust.
Die Route zu Fuß
Start am Spui, dann über die Herengracht Richtung Westen in die Negen Straatjes. Weiter zur Westerkerk und an der Prinsengracht entlang nach Norden bis zur Brouwersgracht. Dort nach rechts, über die Lindengracht in den Jordaan und zurück Richtung Zentrum. Wer noch Kraft hat, hängt den Bogen über die Reguliersgracht bis zur Amstel an.
Rechne mit zweieinhalb Stunden ohne Pausen und mit unebenem Kopfsteinpflaster. Wichtiger als jede Wegbeschreibung: Bleib beim Fotografieren nicht auf dem roten Asphalt stehen. Das sind Radwege, dort wird geklingelt und nicht gebremst. Wie du dich sonst durch die Stadt bewegst, steht auf der Seite zum Verkehr in Amsterdam.
Tipp: Geh die Runde einmal am Abend, wenn die Brücken beleuchtet sind, und einmal früh am Morgen. Es sind dieselben Straßen und zwei völlig verschiedene Städte. Weitere solche Kniffe stehen auf der Seite mit den Insider-Tipps.
Hausboote, Winter und andere Wahrheiten
An den Grachten liegen tausende Hausboote mit fester Adresse, Strom und Briefkasten. Was aussieht wie Romantik, ist Wohnraum, also nicht auf die Boote steigen und nicht durch die Fenster fotografieren. Zugefroren sind die Grachten übrigens nur noch selten, und wenn, warnt die Stadt tagelang vor zu dünnem Eis. Wer den Grachtengürtel im Zusammenhang mit dem Rest der Stadt sehen will, findet die Übersicht bei den Sehenswürdigkeiten in Amsterdam.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDie Boote am Hauptbahnhof und am Damrak sind fast immer voll. Geh stattdessen zu einer Anlegestelle im Jordaan oder an der Prinsengracht, dort starten kleinere Boote und du bekommst oft noch am selben Tag einen Platz. Ist alles ausgebucht, läuft die Route zu Fuß genauso gut.
- Wenn es regnetDie großen Boote haben ein Glasdach und sind bei Regen die bessere Wahl als jeder Spaziergang. Beschlagene Scheiben gehören dazu, setz dich nach hinten. Zu Fuß hilft die Route durch die Negen Straatjes, weil du dich alle paar Minuten in einen Laden stellen kannst.
- Mit KindernEine Stunde Boot funktioniert auch mit kleinen Kindern, sie schauen auf Enten, Hausboote und Brücken. Nimm einen Platz am Fenster und etwas zu trinken mit. Für lange Fußwege über Kopfsteinpflaster ist ein leichter Buggy besser als ein schwerer Kinderwagen.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Einstieg in die kleinen offenen Boote ist ein Schritt nach unten auf eine wackelige Fläche, das ist mit Gehhilfe schwierig. Größere Reedereien haben teils barrierefreie Anleger, frag vorher nach. Zu Fuß gilt: Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteine und Brücken mit Steigung, aber keine Treppen.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Grachtenfahrt in Amsterdam?
Ja, aber nicht jede. Vom Wasser aus siehst du die Fassaden, die Brückenbögen und die Hausboote aus der Perspektive, für die die Stadt gebaut wurde. Nimm ein kleines offenes Boot aus dem Jordaan statt eines großen Glasdachbootes vom Hauptbahnhof. Der Unterschied ist enorm, der Preisunterschied deutlich kleiner, als die meisten denken.
Wie lange dauert eine Grachtenrundfahrt?
Die klassische Runde dauert bei den meisten Anbietern rund eine Stunde. Kleine Boote fahren teils etwas länger, weil sie in engere Grachten abbiegen. Für die Planung reicht es, eineinhalb Stunden einzurechnen, inklusive Anlegen und Aussteigen. Länger als zwei Stunden wird es nur bei Abendfahrten mit Verpflegung.
Welche Gracht in Amsterdam ist die schönste?
Die Brouwersgracht am nördlichen Ende des Rings, weil dort alte Lagerhäuser stehen, die Boote dicht liegen und weniger Menschen unterwegs sind. Für den klassischen Blick über mehrere Brücken hintereinander stellst du dich an die Ecke Reguliersgracht und Herengracht. Die Herengracht selbst hat die repräsentativsten Häuser.
Kann man die Grachten auch zu Fuß erkunden?
Sehr gut sogar. Eine Runde vom Spui über die Negen Straatjes zur Westerkerk, weiter an der Prinsengracht bis zur Brouwersgracht und zurück durch den Jordaan dauert rund zweieinhalb Stunden. Zu Fuß siehst du die Details, die vom Boot aus verschwinden: Türen, Giebel, Hebebalken und Fahrräder in jeder Lücke.
Wann ist das beste Licht an den Grachten?
In der letzten Stunde vor Sonnenuntergang und kurz danach, wenn die Brückenbeleuchtung angeht und der Himmel noch blau ist. Morgens vor acht ist es dafür leer, das ist die bessere Zeit für Fotos ohne Menschen. Zur Mittagszeit sind die Hauptstraßen voll und das Licht ist hart.




