Nordholland · Amsterdam

Volendam & Marken: Ausflug ans Markermeer

Volendam und Marken liegen nordöstlich von Amsterdam am Markermeer, dem früheren südlichen Teil des IJsselmeers, und werden fast immer zusammen besucht: ein Fischerort auf einem Deich, ein ehemaliges Inseldorf aus Holzhäusern, dazwischen ein Stück Wasser, über das ganzjährig eine Fähre pendelt. Der Bus ab Amsterdam braucht rund eine halbe Stunde.

Der Ausflug hat einen zweifelhaften Ruf, und teilweise zu Recht: Die Deichpromenade in Volendam ist eine Reihe aus Souvenirläden, Fischbuden und Trachtenfotostudios. Dahinter liegt aber ein echtes Dorf mit engen Gassen, und Marken ist ohnehin eine andere Welt. Es kommt fast nur darauf an, wann du kommst.

Volendam & Marken: Ausflug ans Markermeer
Foto: Harry Pot for Anefo, CC0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzNordholland
  • LageAm Markermeer, nordöstlich von Amsterdam
  • AnreiseBus 316 ab Amsterdam Centraal, rund 30 Minuten
  • MarkenEhemalige Insel, seit 1957 über einen Damm erreichbar
  • VerbindungFähre über die Gouwzee, ganzjährig, im Winter seltener
  • DauerEin halber bis ganzer Tag

Volendam: Deich, Hafen und die Gassen dahinter

Der Ort liegt hinter einem Deich, auf dem die gesamte Promenade steht. Von dort schaust du über das Wasser des Markermeers, unter dir liegen der Hafen und die alten Bootshäuser. Auf der Landseite reiht sich, was Tagestouristen kaufen sollen: Fischbuden, Eis, Souvenirs, Terrassen.

Lauf zwei Straßen weiter nach hinten. Dort beginnt das Doolhof, das alte Viertel mit schmalen Gassen, winzigen Häusern und Vorgärten von der Größe eines Handtuchs. Hier wohnen Menschen, hier ist es still, und hier siehst du, warum Maler um 1900 aus ganz Europa in diesen Ort kamen.

Trachtenfotos: Kitsch mit echtem Kern

Die Fotostudios auf dem Deich sind kommerziell, gestellt und lustig, wenn du es so nimmst. Wichtig ist der historische Zusammenhang: Es gibt sie seit über hundert Jahren, entstanden, als die ersten Reisenden und Maler kamen und ein Bild in Ortstracht haben wollten. Die Kleidung ist keine Erfindung fürs Geschäft, sondern die Tracht dieses Ortes, die einzelne ältere Bewohnerinnen bis heute tragen.

Mit Kindern ist das ein Riesenspaß, allein eher albern. Kaufzwang gibt es nicht, Ansehen kostet nichts. Bezahlt wird wie überall im Land mit Karte, viele Betriebe nehmen kein Bargeld mehr.

Palingbroodje und Fisch vom Deich

Das lokale Gericht ist der Aal, geräuchert und in einem weichen Brötchen: das Palingbroodje. Der Fisch ist fett, rauchig und deutlich kräftiger als Hering, und er ist teuer, weil Aal knapp und die Bestände unter Druck sind. Wenn du nur einmal Aal probierst, dann hier, direkt an der Räucherei.

Daneben gibt es Hering, Kibbeling und frittierte Kleinigkeiten im Papptütchen, im Stehen gegessen mit Blick aufs Wasser. Was sonst auf niederländischen Tellern landet, erklärt 12 Gerichte, die du probieren musst.

Gut zu wissen: Am Deich sind die Möwen dreist und schnell. Iss mit dem Rücken zur Wand und halte das Tütchen tief, sonst holen sie sich den Fisch aus der Hand. Das ist kein Scherz, sondern der häufigste Moment des Tages, in dem hier jemand flucht.

Marken: das ruhigere Gegenstück

Marken war bis 1957 eine Insel, dann wurde ein Damm gebaut. Die Häuser stehen auf künstlichen Hügeln, den Werven, weil das Wasser früher regelmäßig kam: grün gestrichenes Holz, weiße Zierleisten, Dächer dicht an dicht. Autos parken am Rand, das Dorf durchquerst du zu Fuß in einer halben Stunde.

Wer Zeit hat, läuft zum Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel, dem Paard van Marken. Hin und zurück ist das gut eine Stunde über einen Deichweg mit Wasser auf beiden Seiten, und unterwegs bist du fast allein. Es ist der beste Teil des ganzen Ausflugs.

So verbindest du beide Orte

Die schönste Variante: mit dem Bus 316 ab Amsterdam Centraal nach Volendam, dort der Deich und die Gassen, dann mit der Fähre über die Gouwzee nach Marken, und von Marken mit dem Bus zurück in die Stadt. Die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde und ist der Moment, in dem der Ausflug Sinn ergibt, weil du beide Orte vom Wasser aus siehst.

Die Fähre fährt das ganze Jahr über, im Winter allerdings mit weniger Abfahrten, und bei Sturm kann eine Überfahrt ausfallen. Prüfe die Zeiten am selben Morgen, bevor du deine Rückfahrt darauf aufbaust. Ohne Fähre nimmst du den Bus zweimal, denn über Land führt der Weg nach Marken über Monnickendam. In Bussen checkst du mit kontaktloser Bankkarte ein und aus, Verbindungen findest du auf 9292.nl, alles Weitere unter Verkehr in Amsterdam.

Tipp: Fahr die Strecke mit dem Rad. Von Amsterdam sind es rund 25 Kilometer über Deiche und durch das Wasserland, mit dem Wind im Rücken ein leichter Vormittag. Räder dürfen auf die Fähre, und du bist genau dann in Marken, wenn die Busgruppen wieder weg sind.

Wann es sich wirklich lohnt

Im Juli um zwei Uhr nachmittags ist der Deich in Volendam eine Wand aus Menschen. Früh am Morgen, am Abend oder außerhalb der Sommermonate ist es ein stiller Ort am Wasser, an dem Boote klappern und sonst wenig passiert. Wenn du flexibel bist, plane genau so.

Und mach mehr daraus: Zehn Minuten weiter liegt Edam, die Käsestadt mit Grachten und einem schiefen Turm, und auf dem Weg von Amsterdam kommst du am Hafenstädtchen Monnickendam vorbei. Damit wird aus dem Halbtagesausflug ein voller Tag, der deutlich mehr zeigt als die Souvenirmeile. Wie das Wasser hier entstanden ist, erklärt Das IJsselmeer, weitere Touren stehen unter Aktivitäten und Touren in Amsterdam.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istIst der Deich voll, geh in die Gassen dahinter oder fahr direkt weiter nach Marken, dort verteilen sich die Menschen besser. Der Weg zum Leuchtturm ist fast immer leer.
  • Wenn es regnetBei Sturm kann die Fähre ausfallen, dann bleibt der Bus. Volendam hat überdachte Läden und Lokale, Marken hat kaum Unterstand, plane bei schlechtem Wetter also Volendam zuerst.
  • Mit KindernSehr gut: Fähre fahren, Fisch essen, sich in Tracht fotografieren lassen, Boote im Hafen anschauen. Am Deich und an den Kaikanten fehlen oft Geländer, kleine Kinder gehören dort an die Hand.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Promenade in Volendam ist flach und asphaltiert. In Marken führen kleine Stufen zu den Häusern auf den Hügeln, und die Gassen sind gepflastert. Die Fähre hat einen Steg mit leichtem Gefälle.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Amsterdam nach Volendam?

Mit dem Bus 316 ab dem Busbahnhof hinter dem Centraal Station, die Fahrt dauert rund eine halbe Stunde. Ein- und ausgecheckt wird mit kontaktloser Bankkarte. Nach Marken fährt ebenfalls ein Bus ab dem Hauptbahnhof. Mit dem Rad sind es etwa 25 Kilometer über Deiche, eine der schönsten Strecken der Region.

Fährt eine Fähre zwischen Volendam und Marken?

Ja, über die Gouwzee, mit einer Fahrtzeit von etwa einer halben Stunde. Sie fährt das ganze Jahr über täglich, in den Wintermonaten allerdings mit größeren Abständen zwischen den Abfahrten, und bei Sturm kann eine Überfahrt ausfallen. Prüfe die Zeiten am Morgen selbst, bevor du die Rückfahrt darauf aufbaust. Räder dürfen mit an Bord.

Lohnt sich Volendam überhaupt?

Es kommt auf den Zeitpunkt an. Am Sommernachmittag ist die Deichpromenade eine Souvenirmeile voller Menschen. Früh, spät oder außerhalb der Hochsaison ist es ein ruhiger Ort am Wasser, und das alte Viertel hinter dem Deich mit seinen engen Gassen ist jederzeit sehenswert.

Was ist ein Palingbroodje?

Ein Brötchen mit geräuchertem Aal, die Spezialität von Volendam. Der Fisch ist fett und rauchig, kräftiger als Hering, und nicht billig, weil Aal knapp geworden ist. Es gibt ihn an den Buden auf dem Deich, oft direkt neben der Räucherei. Wer es milder mag, nimmt Hering oder Kibbeling.

Kann man Volendam, Marken und Edam an einem Tag verbinden?

Ja, und das ist die beste Variante. Bus nach Volendam, Fähre nach Marken, Bus zurück und zwischendurch mit dem Bus zehn Minuten weiter nach Edam. Rechne mit einem vollen Tag. Wer weniger Zeit hat, lässt Volendam kurz und nimmt sich für Marken und Edam Zeit.