Auf einen Blick
- EntstehungAbschluss der Zuiderzee durch den Afsluitdijk 1932
- Afsluitdijkgut 30 Kilometer zwischen Nordholland und Friesland
- Wassergrößter Binnensee Westeuropas, süß statt salzig
- KlassikerRadrunde von rund 400 Kilometern
- Braune Flottehistorische Plattbodensegler zum Chartern
- Beste ReisezeitMai bis September, Wind das ganze Jahr
Wie aus dem Meer ein See wurde
Der Afsluitdijk ist gut dreißig Kilometer lang und verbindet Nordholland mit Friesland. Gebaut wurde er zwischen 1927 und 1932, um Sturmfluten zu stoppen und Land zu gewinnen. In der Mitte steht ein Aussichtspunkt an der Stelle, an der die letzte Lücke geschlossen wurde. Du kannst dort halten, hinaufsteigen und in die eine Richtung Wattenmeer, in die andere IJsselmeer sehen: gleiches Wasser, völlig unterschiedlicher Charakter.
Nach dem Abschluss folgte die zweite Stufe: Ein Teil des Sees wurde trockengelegt und zur Provinz Flevoland. Später trennte ein weiterer Damm zwischen Enkhuizen und Lelystad das Markermeer ab. Wenn heute jemand vom IJsselmeer spricht, meint er meistens das ganze Gewässersystem inklusive Markermeer und der Randseen. Wie diese Eingriffe zusammenhängen und was sie mit den Deltawerken zu tun haben, steht unter Deiche und Deltawerke.
Gut zu wissen: Am Afsluitdijk wird seit Jahren umgebaut, weil der Damm für höhere Wasserstände verstärkt wird. Der Radweg über den Deich ist davon betroffen. Prüfe deshalb vor einer Radrunde die aktuelle Lage auf der offiziellen Informationsseite, sonst stehst du vor einer Absperrung und musst improvisieren.
Die alten Zuiderzeehäfen
1 Enkhuizen
Enkhuizen war im 17. Jahrhundert eine der reichsten Hafenstädte des Landes und ist heute der beste Ort, um die Zuiderzee zu verstehen. Ein großes Freilichtmuseum am Wasser zeigt ganze Straßenzüge, die aus verschwundenen Dörfern hierher versetzt wurden, dazu Werkstätten, Räuchereien und Schiffe. Man erreicht es per Boot vom Bahnhof, das gehört zum Erlebnis.
Der Hafen selbst ist voller Traditionssegler, und der Turm Drommedaris bewacht die Einfahrt seit Jahrhunderten. Für Museum und Altstadt brauchst du einen ganzen Tag.
2 Hoorn
Hoorn lebte von der Ostindienfahrt, was du an den Fassaden am alten Binnenhafen noch siehst. Der Rode Steen mit dem Waaggebäude ist einer der schönsten Plätze Nordhollands. Die Stadt ist größer und lebendiger als Enkhuizen, hat gute Cafés und liegt nur eine Viertelstunde mit dem Zug entfernt. Zwischen beiden verkehrt im Sommer außerdem eine historische Dampfbahn.
3 Monnickendam und Volendam
Monnickendam ist das ruhige Hafenstädtchen südlich von Hoorn: Glockenspiel im Turm, geräucherter Aal, Segelboote und wenig Trubel. Ein paar Kilometer weiter liegt Volendam, das genaue Gegenteil. Volendam lebt vom Tagestourismus aus Amsterdam, mit Souvenirläden, Trachtenfotostudios und vollen Terrassen an der Hafenpromenade.
Das muss kein Nachteil sein, wenn du weißt, was dich erwartet. Komm früh oder am späten Nachmittag, dann ist die Hafenzeile fast leer. Von dort setzt ganzjährig eine Fähre zur ehemaligen Insel Marken über, das ist die schönere Art, den Ort zu verlassen.
4 Urk
Urk war bis zur Trockenlegung eine Insel mitten in der Zuiderzee und liegt heute am Rand des Polders, umgeben von Ackerland. Der alte Kern mit seinen niedrigen Häusern steht immer noch auf der ehemaligen Insellage, und die Stadt hat als eine der wenigen ihre Fischereiflotte behalten. Urk ist eigenwillig, streng protestantisch geprägt und dadurch anders als jeder andere Ort am See. Am Hafen siehst du, dass hier gearbeitet und nicht nur besichtigt wird.
5 Hindeloopen
Auf der friesischen Seite liegt Hindeloopen, eines der elf Städtchen der berühmten Elfstedentocht. Winzige Gassen, Holzbrücken über Grachten, ein Hafen am Deich und eine eigene Tradition bunt bemalter Möbel. Der Ort hat wenige hundert Einwohner und ist in einer Stunde abgelaufen, aber genau diese Kleinheit ist der Reiz. Von der Deichkrone schaust du über den See wie über ein Meer, Ufer sieht man keins.
Tipp: Kombiniere die beiden Ufer per Schiff statt per Auto. In der Saison fährt eine Fähre zwischen Enkhuizen und Stavoren über den See, Räder kommen mit. Damit machst du aus der Rundreise eine echte Überquerung und sparst dir den langen Weg über den Damm.
Die braune Flotte
An den Kais von Enkhuizen, Hoorn, Monnickendam und mehreren friesischen Häfen liegen flache Holzsegler mit Seitenschwertern, oft über hundert Jahre alt. Diese Schiffe hießen früher Frachtsegler, heute nennt man sie die braune Flotte, nach den gegerbten Segeln. Gechartert wird meistens das ganze Schiff mit Skipper, für einen Tag oder für mehrere, geeignet für Gruppen, Familien und Firmenausflüge.
Du musst nichts können: Die Crew erklärt, was zu tun ist, und meistens darf jeder mit anpacken. Weil die Schiffe flach gebaut sind, kommen sie in die kleinen Häfen hinein und können auf dem Wattenmeer sogar trockenfallen. Für einzelne Reisende gibt es an manchen Häfen Tagesfahrten mit festen Abfahrten, sonst lohnt es sich, sich mit anderen zusammenzutun.
Einmal rund um den See mit dem Rad
Die Runde um das IJsselmeer ist eine der bekanntesten Radtouren des Landes. Je nach Streckenführung liegt sie im Bereich von rund vierhundert Kilometern, viele fahren sie in fünf bis sieben Tagen mit Übernachtungen in den Hafenstädten. Der Weg verläuft fast durchgehend auf oder neben dem Deich, flach, gut ausgeschildert und ohne nennenswerten Autoverkehr.
Ein Punkt ist entscheidend: die Windrichtung. Auf dem Deich gibt es keinen Windschatten, und ein Tag gegen kräftigen Westwind fühlt sich an wie eine Bergetappe. Erfahrene fahren die Runde deshalb im Uhrzeigersinn, damit der vorherrschende Westwind auf dem langen Nordholland-Abschnitt von hinten kommt. Wer weniger Zeit hat, nimmt einen Abschnitt und die Fähre als Abkürzung. Orientierung gibt das Knotenpunktnetz, alles dazu findest du unter Radfahren in den Niederlanden.
Achtung: Das IJsselmeer ist kein Badesee, sondern ein großes, flaches Gewässer mit erstaunlich kurzem, steilem Wellengang bei Wind. Für kleine Boote und Stand-up-Paddler kann das schnell unangenehm werden, besonders bei ablandigem Wind. Prüfe vor dem Ablegen die Vorhersage und bleib in Ufernähe, wenn du kein Segelrevier kennst.
Praktisches für die Rundreise
Mit der Bahn erreichst du Hoorn und Enkhuizen direkt aus Amsterdam, auf der friesischen Seite fährst du bis Leeuwarden oder Sneek und weiter mit dem Bus. Monnickendam und Volendam erreichst du per Bus ab Amsterdam. Im Nahverkehr checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus, kontaktlose Bankkarten funktionieren dafür.
Mit dem Auto ist die Runde bequem, aber weniger schön, weil die Deichstraßen den Blick auf den See verdecken. Prüfe die Route vorher auf Umweltzonen, mehrere niederländische Städte kontrollieren die Einfahrt per Kamera. In den kleinen Häfen parkst du am Ortsrand, die Kerne sind eng und teilweise autofrei. Und wie überall im Land gilt: Der Radweg ist eine Fahrbahn. Stell dich nie darauf, auch nicht für einen kurzen Blick aufs Wasser.
Bezahlt wird fast überall mit Karte. Museen, Fähren, Radverleihe und Cafés nehmen vielfach gar kein Bargeld mehr an, Kreditkarten funktionieren nicht überall, eine kontaktlose Giro- oder Debitkarte dagegen fast immer. Für Übernachtungen erheben die Gemeinden eine Touristensteuer pro Person und Nacht, die häufig erst vor Ort auf die Rechnung kommt.
Beste Reisezeit
Mai bis September ist die Saison: Dann fahren die Ausflugsschiffe und die Fähre über den See, die Häfen sind belebt und die Museen komplett geöffnet. Juli und August bringen den meisten Betrieb, vor allem in Volendam und Enkhuizen. Im Frühjahr und im Frühherbst hast du die Deichwege fast für dich, musst aber mit kühlem Wind rechnen.
Im Winter wird es still und rau. Viele Saisonbetriebe schließen, dafür bekommst du klare Luft und leere Kais. In sehr kalten Wintern ist das Eis auf den Randseen ein Thema, und ganz Friesland redet dann über die Chance auf eine Elfstedentocht. Verlass dich darauf besser nicht, sie findet nur alle paar Jahrzehnte statt.
Häufige Fragen
Warum heißt das IJsselmeer nicht mehr Zuiderzee?
Weil es seit 1932 keine offene Meeresbucht mehr ist. Der Afsluitdijk trennte die Zuiderzee von der Nordsee ab, danach spülte der Fluss IJssel das Becken allmählich süß. Aus dem Meeresarm wurde ein Binnensee, benannt nach diesem Fluss. Die alten Hafenstädte verloren dadurch ihren Zugang zur See und damit ihre wirtschaftliche Grundlage.
Wie lange dauert die Radrunde um das IJsselmeer?
Je nach Streckenwahl sind es rund vierhundert Kilometer, die meisten planen fünf bis sieben Tage mit Übernachtungen in den Hafenstädten. Der Weg ist flach und gut ausgeschildert, der Wind ist der eigentliche Gegner. Wer weniger Zeit hat, fährt einen Abschnitt und nutzt in der Saison die Fähre über den See als Abkürzung.
Welche Stadt am IJsselmeer lohnt sich am meisten?
Enkhuizen, wenn du nur eine wählen kannst. Dort verbindet ein großes Freilichtmuseum die Geschichte der Zuiderzee mit einer kompletten Altstadt und einem Hafen voller Traditionssegler. Hoorn ist die lebendigere Alternative mit mehr Gastronomie, Hindeloopen auf der friesischen Seite das stimmungsvollste Kleinformat.
Lohnt sich Volendam?
Für ein bis zwei Stunden, mit realistischen Erwartungen. Der Ort lebt vom Tagestourismus, die Hafenpromenade ist mittags voll und sehr auf Souvenirs ausgerichtet. Komm früh oder spät, dann wirkt die Zeile ganz anders. Wer es ruhiger will, fährt nach Monnickendam ein paar Kilometer weiter oder setzt mit der Fähre nach Marken über, die das ganze Jahr fährt.
Kann man im IJsselmeer schwimmen?
An ausgewiesenen Badestellen ja, das Wasser ist süß und im Sommer angenehm. Es ist aber kein ruhiger Badesee: Bei Wind bildet sich schnell ein kurzer, steiler Wellengang, und für Luftmatratzen oder Paddelboards wird das rasch gefährlich. Halte dich an markierte Bereiche und achte auf ablandigen Wind, der dich unbemerkt hinausträgt.
Was ist die braune Flotte?
Historische flache Holzsegler mit Seitenschwertern, die früher Fracht transportierten und heute für Törns gechartert werden. Sie liegen unter anderem in Enkhuizen, Hoorn und Monnickendam. Gebucht wird meist das ganze Schiff mit Skipper, für einen Tag oder länger. Segelerfahrung brauchst du nicht, die Crew erklärt alles Nötige an Bord.






