Nordholland · Amsterdam

Stedelijk Museum: moderne Kunst

Das Stedelijk ist das dritte große Haus am Museumplein und das, an dem die meisten vorbeilaufen. Dabei hängt hier die Kunst, die nach Rembrandt und van Gogh kam: Mondriaan und De Stijl, Malewitsch, die wilden Farben von CoBrA, amerikanische Nachkriegskunst und Arbeiten von heute. Dazu kommt eine Designsammlung, die zeigt, warum niederländische Stühle, Plakate und Schriften bis heute kopiert werden.

Der zweite Grund für einen Besuch ist banaler: Es ist deutlich ruhiger als nebenan. Während sich vor dem Van Gogh Museum die Schlange über den Vorplatz zieht, hast du im Stedelijk ganze Säle für dich. Wer mit abstrakter Kunst allerdings gar nichts anfangen kann, lässt das Haus guten Gewissens aus.

Stedelijk Museum: moderne Kunst
Foto: John Lewis Marshall, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzNordholland
  • LageMuseumplein, neben dem Van Gogh Museum
  • SammlungModerne und zeitgenössische Kunst, Design
  • GebäudeBacksteinbau von 1895, weißer Anbau von 2012
  • Dauer2 bis 3 Stunden
  • AnreiseTram bis Museumplein, zu Fuß gut 30 Minuten vom Zentrum

Was das Stedelijk von den Nachbarn unterscheidet

Rijksmuseum und Van Gogh Museum erzählen Geschichte, das Stedelijk erzählt, was danach kam. Die Sammlung setzt um 1880 ein und hört nicht auf: abstrakte Malerei, Bauhaus, Pop-Art, Konzeptkunst, Fotografie, Video, Mode. Ein Teil davon ist dauerhaft zu sehen, der Rest wechselt mit den Sonderausstellungen.

Das hat eine Folge, die du kennen solltest: Du weißt vorher nicht sicher, was hängt. Wenn du wegen eines bestimmten Bildes anreist, prüfe vorher auf der offiziellen Website, ob es gerade gezeigt wird. Für alle anderen ist genau das der Reiz, weil zwei Besuche im Abstand von einigen Jahren zwei verschiedene Museen sind.

Die Höhepunkte der Sammlung

Am stärksten ist das Haus in der klassischen Moderne. Das Stedelijk besitzt die größte Malewitsch-Sammlung außerhalb Russlands, dazu Mondriaan und die anderen Köpfe von De Stijl, bei denen aus drei Farben, einem rechten Winkel und viel Weiß ein ganzes Weltbild wird. Wer De Stijl hier verstanden hat, erkennt die Idee anschließend im ganzen Land wieder, an Fassaden, Stühlen und Buchumschlägen.

Der zweite Schwerpunkt ist CoBrA. Karel Appel, Constant und Corneille malten nach dem Krieg absichtlich roh, laut und kindlich, und ein Saal davon ist lauter als jede Videoinstallation. Danach folgen die Amerikaner der Nachkriegszeit und die Gegenwart, in der es oft um Kolonialgeschichte, Stadt und Migration geht.

Unterschätzt wird die Designabteilung: Stühle von Gerrit Rietveld, Plakate, Geschirr, Typografie. Nirgends siehst du so deutlich, dass Gestaltung in den Niederlanden als eigene Disziplin ernst genommen wird. Weitere Häuser dieser Art sortiert Die besten Museen der Niederlande.

Gut zu wissen: Kasse, Shop und Café nehmen kein Bargeld an. Eine kontaktlose Debitkarte ist die sichere Wahl, Kreditkarten funktionieren in niederländischen Museen längst nicht überall.

Die Badewanne am Museumplein

Was du zuerst siehst, ist der weiße Anbau von 2012: eine glatte, fugenlose Wanne aus Kunststoff, die über den Vorplatz auskragt. Die Amsterdamer nennen ihn „badkuip“, Badewanne, und das ist selten als Kompliment gemeint. Dahinter steht der Backsteinbau von 1895, ein Museum im Stil der Neorenaissance, das damals für die Kunst der eigenen Zeit gebaut wurde.

Der Eingang liegt heute im Neubau zum Museumplein hin, nicht mehr an der alten Freitreppe. Innen sind die Wege zwischen Alt- und Neubau kurz, Aufzüge verbinden alle Ebenen. Zwei Stunden reichen, wenn du dich nicht festliest, drei bei einer großen Sonderausstellung.

Tickets: Online kaufen spart das Anstehen an der Kasse, ein fest gebuchtes Zeitfenster brauchst du hier anders als im Van Gogh Museum meist nicht. Nur bei großen Sonderausstellungen und an Regenwochenenden lohnt sich die frühe Buchung. Museums- und Städtekarten gelten, was sich davon rechnet, steht unter City Card und Museumkarten.

Zur offiziellen Website

Am Museumplein kombinieren

Drei große Museen an einem Tag sind eine Zumutung für Kopf und Füße. Sinnvoller ist ein Haus am Vormittag und eines am späten Nachmittag, dazwischen eine Pause im Vondelpark, der gleich hinter dem Concertgebouw beginnt. Das Rijksmuseum braucht mehr Zeit als das Stedelijk, plane es deshalb zuerst ein.

Zum Museumplein kommst du mit der Tram oder in gut dreißig Minuten zu Fuß aus dem Zentrum. Achte unterwegs auf die rot asphaltierten Streifen: Das sind Radwege, und wer dort zum Fotografieren stehen bleibt, hat innerhalb von Sekunden eine Klingel im Rücken. Linien und Tickets erklärt Verkehr in Amsterdam, die übrigen Ziele der Stadt stehen unter Amsterdam Sehenswürdigkeiten.

Tipp: Geh zuerst in die Sonderausstellung, danach in die Sammlung. Die Sammlung bleibt, die Ausstellung nicht, und am späten Nachmittag stehst du in den oberen Sälen oft allein.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es hier selten. Wenn doch, dreh die Runde um und beginne oben statt unten, die Gruppen laufen fast immer in derselben Richtung.
  • Wenn es regnetEin Regentag ist der ideale Stedelijk-Tag, das ganze Haus liegt innen. Der Weg zum Rijksmuseum dauert fünf Minuten und endet in der Passage unter dem Gebäude.
  • Mit KindernFür kleine Kinder ist die Sammlung sperrig, ab etwa zehn Jahren funktioniert sie gut, vor allem die Räume mit Installationen und Video. Der Vondelpark nebenan ist der beste Ausgleich danach.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Eingang im Neubau ist ebenerdig, Aufzüge verbinden alle Ebenen und die Wege zwischen den Sälen sind breit. Die alte Freitreppe an der Straßenseite brauchst du nicht.

Häufige Fragen

Lohnt sich das Stedelijk Museum?

Wenn du moderne Kunst magst, ja. Du bekommst De Stijl, Malewitsch, CoBrA und eine starke Designsammlung, und das bei deutlich weniger Andrang als in den Nachbarhäusern. Wenn deine Liste für Amsterdam kurz ist und Rembrandt und van Gogh darauf stehen, ist das Stedelijk der Posten, den du ohne schlechtes Gewissen streichst.

Wie lange braucht man im Stedelijk Museum?

Zwei Stunden reichen für einen ruhigen Rundgang durch die Sammlung. Läuft eine große Sonderausstellung, plane drei ein. Wer nur die Höhepunkte der klassischen Moderne sehen will, schafft das in gut einer Stunde. Mehr als drei Stunden hält kaum jemand durch, danach sehen alle Bilder gleich aus.

Was ist im Stedelijk Museum zu sehen?

Kunst und Design von etwa 1880 bis heute: Mondriaan und De Stijl, die größte Malewitsch-Sammlung außerhalb Russlands, CoBrA um Karel Appel, amerikanische Nachkriegskunst, Fotografie, Video und Mode. Dazu Möbel von Gerrit Rietveld, Plakate und Gebrauchsgrafik. Ein Teil der Sammlung wechselt regelmäßig, prüfe einzelne Werke vorher auf der offiziellen Website.

Kann man Rijksmuseum, Van Gogh Museum und Stedelijk an einem Tag schaffen?

Schaffen ja, genießen nein. Die drei Häuser liegen an derselben Wiese, aber nach dem zweiten Museum ist die Aufnahmefähigkeit weg. Besser: ein großes Haus am Vormittag, eine Pause im Vondelpark, danach das Stedelijk als kürzeren zweiten Termin. Das dritte Museum hebst du dir für den nächsten Tag auf.

Ist das Stedelijk etwas für Kinder?

Für Jugendliche ab etwa zehn Jahren funktioniert es gut, weil Installationen, Video und große Farbflächen unmittelbar wirken. Kleinere Kinder langweilen sich eher. Wenn du mit Familie unterwegs bist, sind der Vondelpark direkt nebenan oder der Zoo im Osten der Stadt die verlässlichere Wahl.