Region in den Niederlanden

Südholland: Städte & Highlights

Südholland ist die dichtestbesiedelte Provinz der Niederlande und gleichzeitig die praktischste für eine Städtereise. Zwischen Rotterdam und Leiden liegen keine Landstriche, sondern Bahnstrecken im Zehnminutentakt. Du kannst morgens in einem Hafen stehen, der zu den größten der Welt gehört, mittags vor Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrgehänge und abends barfuß im Sand der Nordsee.

Die Provinz hat Regierungssitz, Weltkulturerbe, neunzehn Windmühlen in zwei Reihen und dreißig Kilometer Strand, alles auf einer Fläche, die du in einer Stunde durchquerst. Diese Seite ordnet die Städte nach Charakter, erklärt die Randstad-Logik hinter den Zugverbindungen, zeigt die Küstenorte im Vergleich und sagt dir, wann die Blumenfelder rund um Lisse tatsächlich blühen.

Südholland: Städte & Highlights
Foto: Hermanus Es, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzhauptstadtDen Haag
  • Größte StadtRotterdam
  • Besonderheitdichtestbesiedelte Provinz des Landes
  • UNESCO-WelterbeMühlen von Kinderdijk, Van-Nelle-Fabrik
  • Beste ReisezeitApril bis Mai für Blumen, Juni bis September für die Küste
  • Empfohlene Dauer4 bis 5 Tage

Die Randstad-Logik: warum hier alles nah ist

Randstad heißt das Städteband, das sich als Hufeisen von Amsterdam über Leiden, Den Haag und Rotterdam bis Utrecht zieht. Der größte Teil davon liegt in Südholland. In der Mitte liegt das Groene Hart, ein bewusst freigehaltenes Wiesen- und Poldergebiet, das nie zugebaut wurde. Deshalb sitzen die Städte am Rand dicht beieinander, und deshalb dauert keine Verbindung lange.

Praktisch bedeutet das: Du brauchst nur ein Hotel. Wähl Rotterdam, Den Haag oder Leiden als Basis und mach von dort alles als Tagesausflug. Zwischen Den Haag und Rotterdam liegen keine dreißig Zugminuten, nach Delft, Gouda oder Dordrecht ist es ähnlich kurz. Umziehen kostet dich mehr Zeit als Fahren.

Die Städte in Südholland

1 Rotterdam

Rotterdam ist der Gegenentwurf zu allem, was Deutsche von den Niederlanden erwarten. Das Zentrum wurde im Mai 1940 bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört, danach wurde nicht rekonstruiert, sondern neu gebaut. Heute stehen hier Kubushäuser, die Markthal und das spiegelnde Depot Boijmans nebeneinander.

Der Hafen ist der größte Europas, und eine Hafenrundfahrt zeigt Maßstäbe, die man an Land nicht begreift. In Delfshaven steht der einzige Altstadtwinkel, der die Bombennacht überstanden hat.

2 Den Haag

Den Haag ist Regierungssitz, Königssitz und Provinzhauptstadt, Hauptstadt ist trotzdem Amsterdam. Diese Eigenheit erklärt die Stadt ganz gut: viel Repräsentation, wenig Angeberei. Im Mauritshuis hängen Vermeer und Rembrandt auf erstaunlich kleiner Fläche, am Binnenhof tagt das Parlament seit dem Mittelalter am selben Teich.

Nach gut zwanzig Tramminuten stehst du in Scheveningen am Strand, mit Seebrücke, Rummel und Hochhäusern. Wer es ruhiger will, fährt auf die andere Seite der Stadt nach Kijkduin, dem kleineren Seebad von Den Haag, das du mit Bus 24 ab Den Haag Centraal erreichst.

3 Leiden

Leiden hat die älteste Universität des Landes, gegründet 1575 als Belohnung für den durchgehaltenen Belagerungswinter. Das prägt bis heute: Grachten wie in Amsterdam, nur mit Studierenden statt Reisegruppen, dazu über hundert Wandgedichte in aller Herren Sprachen auf Hauswänden verteilt.

Rembrandt wurde hier geboren, das Rijksmuseum van Oudheden zeigt ägyptische Sammlungen von Rang, und der Hortus botanicus gehört zu den ältesten botanischen Gärten Europas. Für mich die unterschätzteste Stadt der Provinz.

4 Delft

Delft ist das Postkartenmotiv der Provinz: schmale Grachten, Klappbrücken, zwei Kirchen, die sich gegenseitig anschauen. In der Nieuwe Kerk liegt die Gruft des Hauses Oranien, den Turm darüber kannst du über eine enge Wendeltreppe besteigen. Der Turm der Oude Kerk steht sichtbar schief.

Vermeer lebte und arbeitete hier, sein berühmtes Stadtbild hängt allerdings im Mauritshuis. Donnerstags ist Markt auf dem Marktplatz, und aus Den Haag bist du in zwölf Minuten da, siehe auch den Ausflug nach Delft.

5 Gouda

Gouda hat den optisch schönsten Käsemarkt des Landes: donnerstagvormittags in der Saison, zwischen der alten Waage und einem freistehenden gotischen Rathaus mitten auf dem Platz. Die Sint-Janskerk daneben besitzt die längste zusammenhängende Reihe alter Glasfenster der Niederlande.

Stroopwafels kommen aus dieser Stadt, warm vom Stand schmecken sie anders als aus der Packung. Im Dezember wird der Markt für den Kerzenabend nur mit Kerzen beleuchtet.

6 Dordrecht

Dordrecht bekam 1220 Stadtrechte und ist damit die älteste Stadt Hollands. Die Häfen liegen mitten im Zentrum, Frachtschiffe fahren zwischen Giebelhäusern hindurch. Der Turm der Grote Kerk wurde nie fertig und steht deutlich schief, oben hast du den besten Blick über die Flussmündungen.

Vom Zentrum fährt der Wasserbus nach Kinderdijk und weiter nach Rotterdam. Diese Fahrt ist die schönste Art, die Provinz zu durchqueren.

7 Kinderdijk

Neunzehn Mühlen aus der Zeit um 1740 stehen bei Kinderdijk in zwei Reihen entlang der Kanäle. Seit 1997 gehören sie zum UNESCO-Welterbe, und sie sind keine Kulisse: Sie hielten ein Gebiet trocken, das unter dem Meeresspiegel liegt. Zwei Mühlen kannst du innen besichtigen, eine davon ist bewohnt eingerichtet.

Anfahrt am besten per Wasserbus ab Rotterdam, mit dem Auto wird es an schönen Tagen eng. Anders als in Zaanse Schans gibt es hier keine Läden und keine Schaukäserei, dafür Deich, Wind und Wasser.

8 Noordwijk

Noordwijk hat den breitesten Strand der Provinz und ein Dünengebiet dahinter, in dem du stundenlang laufen kannst. Der Ort ist auf Urlauber eingerichtet, ohne dabei laut zu werden.

Als Basis für Blumenfelder und Keukenhof ist Noordwijk ideal, weil du in wenigen Radminuten mitten in der Bollenstreek bist. Im Space Expo nebenan zeigt die europäische Raumfahrt, woran sie hier tatsächlich arbeitet.

9 Katwijk

Katwijk war ein Fischerdorf und wirkt bis heute nüchterner als seine Nachbarn. Der Strand ist genauso breit, die Preise für Zimmer und Kaffee liegen niedriger als in Scheveningen, und der Leuchtturm steht mitten im Ort.

An der Uitwatering erreicht der Alte Rhein nach über tausend Kilometern das Meer, allerdings durch Schleusen statt durch eine Mündung. Für einen Küstentag ohne Trubel ist Katwijk die richtige Wahl.

Tipp: Nimm nicht für jede Fahrt ein Einzelticket. In Zug, Metro, Tram und Bus checkst du mit einer kontaktlosen Bankkarte ein und musst am Ziel wieder auschecken. Wer das Auschecken vergisst, zahlt einen deutlich höheren Betrag. Bei einem Umstieg zwischen Bahn und Metro checkst du meistens aus und sofort wieder ein.

Drei kleine Ziele für einen halben Tag

Schiedam liegt eine Metrostation von Rotterdam entfernt und erzählt die Geschichte des Jenevers, inklusive der Frage, was ein ganzer Wirtschaftszweig aus einer Stadt macht. Gorinchem hat einen fast vollständig erhaltenen Wallring, von dem aus die Fähre zum Wasserschloss Loevestein ablegt, in dem Hugo Grotius angeblich in einer Bücherkiste entkam.

Brielle schließlich ist der Ort, an dem 1572 der Aufstand gegen die spanische Herrschaft begann. Alle drei füllen einen halben Tag und liegen so nah an den großen Städten, dass sie sich problemlos anhängen lassen.

Mühlen, Deiche und das Wasser

Südholland liegt zu großen Teilen unter dem Meeresspiegel, das älteste Poldergebiet stammt aus dem Mittelalter. Kinderdijk ist die bekannteste Mühlenlandschaft, aber nicht die einzige: In Schiedam stehen die höchsten Windmühlen der Welt, weil sie über die Lagerhäuser der Jeneverbrennereien hinausragen mussten.

Nach der Flutkatastrophe von 1953 entstanden die Deltawerke, deren nördlicher Teil bis in diese Provinz reicht. Wer verstehen will, warum Niederländer über Wasser anders reden als Deutsche, findet den Zusammenhang auf der Seite zu Wasser, Deichen und Deltawerken und im Überblick zu den Windmühlen.

Blumen: Bollenstreek und Keukenhof

Der schmale Streifen zwischen Haarlem und Leiden ist das klassische Blumenzwiebelgebiet. Hier liegt auch der Keukenhof, der nur von Ende März bis Mitte Mai geöffnet ist. Außerhalb dieser Wochen brauchst du gar nicht erst hinzufahren, der Park ist dann geschlossen.

Die Felder ringsum sind Privatbesitz und landwirtschaftliche Nutzfläche. Zwischen die Reihen treten, Blüten pflücken oder das Rad ins Feld stellen ist verboten und ruiniert die Ernte. Bleib auf Weg oder Radweg, dort ist das Motiv ohnehin besser. Details stehen auf den Seiten zur Bollenstreek und zu Tulpen und Blumenfeldern.

Praktisch unterwegs

Züge fahren zwischen den großen Städten sehr dicht, ein Blick auf die Abfahrtstafel reicht meistens statt eines Fahrplans. Zwischen Den Haag und Rotterdam gibt es zusätzlich eine Metroverbindung, die auch Delfshaven und Schiedam bedient. Leihräder bekommst du an fast jedem Bahnhof.

Zu Fuß gilt in jeder dieser Städte dasselbe: Steh nie auf dem Radweg. Der rot asphaltierte Streifen ist Fahrbahn, nicht Gehweg, und Räder kommen schnell und lautlos. Beim Aussteigen aus Tram oder Bus schaust du erst nach hinten, bevor du losgehst.

Mit dem Auto ist Südholland die anstrengendste Provinz: dichter Verkehr, teure Parkhäuser und Umweltzonen in mehreren Städten, die per Kamera kontrolliert werden. Prüf vorher, ob dein Fahrzeug hineindarf, die Übersicht dazu steht auf der Seite zu den Umweltzonen. Sinnvoller ist ein P und R am Stadtrand plus Bahn.

Gut zu wissen: Bezahlt wird fast überall mit Karte. Viele Museen, Cafés und Fährbetriebe nehmen gar kein Bargeld mehr an, und Kreditkarten sind längst nicht überall akzeptiert. Am zuverlässigsten funktioniert eine Debitkarte von Visa oder Mastercard mit Kontaktlos-Funktion. Auf die Übernachtung kommt in fast jeder Gemeinde eine Touristensteuer, mal pro Person und Nacht, mal als Prozentsatz des Zimmerpreises. Schau bei der Buchung nach, ob sie schon enthalten ist.

Häufige Fragen

Welche Stadt eignet sich als Basis für Südholland?

Rotterdam, wenn du moderne Architektur und ein großes Restaurantangebot willst, Den Haag, wenn Museen und Strand in einer Stadt liegen sollen, Leiden, wenn du es kleiner und ruhiger magst. Alle drei erreichen die übrigen Ziele der Provinz in unter einer Stunde, ein Hotelwechsel bringt dir hier praktisch nichts.

Wie viele Tage braucht man für Südholland?

Vier bis fünf Tage decken Rotterdam, Den Haag und zwei kleinere Städte plus einen Küsten- oder Mühlentag ab. Mit drei Tagen wird es sportlich, aber machbar, weil die Fahrzeiten kurz sind. Wer auch Dordrecht, Gouda und die Bollenstreek mitnehmen will, plant besser eine ganze Woche ein.

Kinderdijk oder Zaanse Schans: was ist besser?

Kinderdijk ist die ältere, größere und ruhigere Mühlenlandschaft mit UNESCO-Status, dafür gibt es dort kaum Läden oder Gastronomie. Zaanse Schans liegt näher an Amsterdam, hat Handwerksbetriebe und Souvenirs und ist entsprechend voller. Wenn du Landschaft und Wassertechnik sehen willst, nimm Kinderdijk und komm per Wasserbus.

Lohnt sich Rotterdam für einen Städtetrip?

Ja, wenn du keine Altstadt erwartest. Rotterdam ist eine Architekturstadt mit Hafen, Hochhäusern und guter Gastronomie, das Zentrum wurde nach 1940 komplett neu gebaut. Wer Grachten und Giebel sucht, ist in Delft oder Leiden besser aufgehoben. Beides an einem Wochenende zu verbinden, dauert nur eine Viertelstunde Bahnfahrt.

Wann blühen die Tulpen in Südholland?

Die Hauptblüte der Tulpen in der Bollenstreek läuft je nach Wetter von etwa Mitte April bis Anfang Mai, Narzissen und Hyazinthen blühen davor. Der Keukenhof öffnet von Ende März bis Mitte Mai. Die Felder ringsum sind Privatbesitz, du darfst sie nicht betreten, und Blüten abzureißen ist verboten.

Kommt man in Südholland ohne Auto zurecht?

Besser als mit. Alle Städte auf dieser Seite liegen an der Bahn, dazu kommen Metro, Tram und der Wasserbus zwischen Rotterdam, Kinderdijk und Dordrecht. Nur für abgelegene Dünenabschnitte ist ein Rad praktisch, das du am Bahnhof mietest. Ein Auto bedeutet in dieser Provinz vor allem Stau und Parkplatzsuche.