Südholland · Den Haag

Scheveningen: Strand, Pier & Kurhaus

Scheveningen ist das größte Seebad der Niederlande und gehört als Stadtteil zu Den Haag. Das ist der eigentliche Trick an diesem Ort: Du steigst im Zentrum in die Straßenbahn, fährst gut zwanzig Minuten und stehst mit vier Kilometern Sandstrand, einer Seebrücke und einer Reihe Strandpavillons vor dir.

Der Ort hat zwei Gesichter. Rund um die Pier ist es laut, voll und kommerziell, ein paar hundert Meter weiter nördlich hast du Dünen, Wind und Platz. Welchen Abschnitt du nimmst, entscheidet über deinen Tag.

Scheveningen: Strand, Pier & Kurhaus
Foto: Zairon, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LageStadtteil von Den Haag an der Nordsee
  • Strandrund 4 Kilometer Sand, nach Westen ausgerichtet
  • KurhausGrandhotel von 1885 mit historischem Saal
  • AnreiseTram 1 und 9 ab Den Haag Zentrum, gut 20 Minuten
  • Beste ZeitMai bis September, für Spaziergänge das ganze Jahr
  • Dauerein halber bis ganzer Tag

Strand: welcher Abschnitt zu dir passt

Der Strand ist vier Kilometer lang, und er verändert sich alle paar hundert Meter. Direkt an der Pier liegt der lauteste Teil: Strandpavillons dicht an dicht, Musik, Beachclubs, im Sommer Handtuch neben Handtuch. Wer Betrieb mag, ist hier richtig, alle anderen laufen weiter.

Nach Norden, Richtung Zwarte Pad und weiter zur Grenze nach Wassenaar, wird es mit jedem Kilometer leerer. Die Dünen werden höher, die Pavillons seltener, irgendwann hörst du nur noch Wind. Zwanzig Minuten Fußweg reichen für den Unterschied zwischen Rummel und Ruhe.

Nach Süden kommst du zum Fischereihafen mit Kuttern, Fischbuden und dem Stadtteil Duindorp, dahinter der Zuiderstrand. Das ist der Arbeitsteil des Ortes und deutlich weniger geschleckt. Wer Häfen mag, findet ihn interessanter als die Promenade.

Tipp: Die niederländische Küste zeigt nach Westen, die Sonne geht also über dem Wasser unter. Plane den Strand deshalb für den Nachmittag und den Abend, nicht für den Vormittag. Vormittags machst du die Museen in der Stadt, das steht unter Den Haag Sehenswürdigkeiten.

Die Pier

Die Seebrücke ragt über das Wasser hinaus und trägt oben ein Riesenrad, dazu kommen Bungee-Sprungturm, Zipline und ein paar Läden. Die heutige Pier stammt aus den frühen 1960er Jahren, die erste von 1901 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Ehrlich gesagt: Das Riesenrad ist eine Attraktion, kein Aussichtspunkt. Der Blick geht über Strand, Dächer und Nordsee, mehr gibt die flache Landschaft nicht her. Auf die Pier zu laufen lohnt sich trotzdem, allein für das Gefühl, über dem Wasser zu stehen und zurück auf die Strandreihe zu schauen.

Das Kurhaus

Das Grandhotel von 1885 ist das Wahrzeichen des Ortes: eine breite Fassade mit Kuppeln, direkt hinter dem Strand. Kurz nach der Eröffnung brannte es ab und wurde wieder aufgebaut. Der große Saal im Inneren, der Kurzaal, hat eine bemalte Decke und ein Deckengemälde, das die halbe Halle überspannt.

Der Saal war jahrzehntelang Konzertsaal. 1964 spielten hier die Rolling Stones, das Konzert endete nach wenigen Minuten in einem Tumult, der in die Popgeschichte des Landes eingegangen ist. Heute ist das Haus ein Hotel, der Saal wird für Veranstaltungen genutzt. Wenn nichts läuft, kannst du hineingehen und dort etwas trinken, garantiert ist das nicht.

Neben dem Strand

In den Dünen nördlich der Pier liegt das Museum Beelden aan Zee, ein Skulpturenmuseum um einen königlichen Pavillon aus dem 19. Jahrhundert herum gebaut, mit Blick durch große Fenster auf den Sand. Auf der Promenade davor stehen die bronzenen Märchenfiguren von Tom Otterness, frei zugänglich und bei Kindern beliebt.

Am Nordende steht der ockerfarbene gusseiserne Leuchtturm von 1875 zwischen Wohnhäusern, was ihn zu einem der ungewöhnlichsten Motive der Küste macht. Und wer noch Zeit hat: Madurodam liegt auf halber Strecke zwischen Innenstadt und Meer, die Tram 9 hält direkt davor.

Gut zu wissen: Bezahlt wird auch am Strand mit Karte, viele Pavillons nehmen kein Bargeld mehr an. Ein Teil der Pavillons wird nach der Saison abgebaut, ein Teil steht inzwischen das ganze Jahr. Die Nordsee bleibt kühl, auch im August, und sie hat Strömungen: Achte auf die Flaggen der Rettungswachen und bade nicht an unbewachten Abschnitten, wenn du dir unsicher bist. Wo du in Strandnähe schläfst, steht unter Hotels in Den Haag.

Anreise und Parken

Vom Zentrum fahren die Tram 1 und die Tram 9 nach Scheveningen Noorderstrand, beide brauchen gut zwanzig Minuten. Die 9 kommt an Madurodam und dem Friedenspalast vorbei, die 1 fährt in der anderen Richtung weiter bis Delft. Zum Hafen fährt die Linie 11. Ein- und Auschecken nicht vergessen, kontaktlos mit der Bankkarte funktioniert das ohne Papierticket.

Mit dem Auto ist Scheveningen im Sommer der teuerste und nervigste Teil der Stadt: Die Parkhäuser am Boulevard sind früh voll, das Straßenparken ist kostenpflichtig und wird streng kontrolliert. Dazu kommt die kamerabewachte Umweltzone in Den Haag. Lass den Wagen am Hotel stehen und nimm die Tram, das steht auch unter Verkehr in Den Haag.

Fischbuden findest du am Hafen und auf dem Boulevard, die Strandpavillons haben eigene Küchen. Was du wo isst, steht unter Essen und Trinken in Den Haag. Wie Scheveningen im Vergleich zu den übrigen Stränden des Landes abschneidet, steht unter Schönste Strände der Niederlande.

Tickets: Der Strand und der Boulevard kosten nichts, für Pier, Riesenrad und die Museen brauchst du jeweils ein eigenes Ticket. Vorbuchen musst du nichts, außer du willst an einem heißen Sommerwochenende sicher einen Platz im Beachclub. Für Liegen und Windschutz zahlst du beim jeweiligen Pavillon, ebenfalls mit Karte.

Zur offiziellen Tourismus-Website

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAn heißen Wochenenden ist der Bereich um die Pier voll und die Tram überfüllt. Lauf zwanzig Minuten nach Norden Richtung Zwarte Pad und Wassenaar, dann hast du Platz. Alternative ist der Strand von Kijkduin im Südwesten der Stadt, kleiner und deutlich ruhiger.
  • Wenn es regnetDer Boulevard funktioniert auch bei Wind und Regen, dick angezogen ist ein Strandspaziergang im Herbst einer der besten Tage der Stadt. Drinnen bleiben kannst du im Museum Beelden aan Zee in den Dünen oder im Kurhaus bei einem Kaffee im großen Saal.
  • Mit KindernSehr gut. Der Strand fällt flach ab, es gibt Spielplätze, Pommes und im Sommer Rettungsschwimmer. Nimm Windschutz mit, an der Nordsee weht fast immer etwas. Halte Abstand zu den Buhnen und den Steinmolen am Hafen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätBoulevard und Pier sind eben und breit, überall Rampen. Der Weg vom festen Belag in den Sand ist die eigentliche Hürde: An mehreren Zugängen liegen Holzbohlenwege, die aber nicht bis ans Wasser reichen. Strandrollstühle gibt es saisonal an bewachten Abschnitten.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Den Haag nach Scheveningen?

Mit der Straßenbahn. Die Linien 1 und 9 fahren vom Zentrum in gut zwanzig Minuten bis Scheveningen Noorderstrand, die Linie 11 zum Hafen. Beim Einsteigen checkst du ein, beim Aussteigen wieder aus, kontaktlos mit der Bankkarte. Mit dem Auto ist es im Sommer mühsam, Parken ist teuer und die Plätze am Boulevard sind früh belegt.

Kann man in Scheveningen baden?

Ja, der Strand fällt flach ab und ist im Sommer bewacht. Die Nordsee bleibt allerdings kühl, auch im August. Achte auf die Flaggen der Rettungswachen und auf Strömungen, besonders in der Nähe der Buhnen und der Hafenmolen. An unbewachten Abschnitten solltest du nicht weit hinausschwimmen.

Wo ist es in Scheveningen am ruhigsten?

Im Norden. Ab dem Zwarte Pad Richtung Wassenaar werden die Pavillons seltener und die Dünen höher, nach zwanzig Minuten Fußweg hast du deutlich mehr Platz. Noch ruhiger ist der Strand von Kijkduin im Südwesten von Den Haag, mit Dünen statt Boulevard und ohne Hochhäuser im Rücken.

Lohnt sich die Pier in Scheveningen?

Der Spaziergang darauf ja, das Riesenrad nur, wenn du Riesenräder magst. Die Landschaft ist flach, der Blick geht über Strand und Dächer, spektakulär ist er nicht. Schön ist die Perspektive vom Ende der Pier zurück auf die Strandreihe, besonders am Abend, wenn die Lichter angehen.

Kann man das Kurhaus besichtigen?

Es ist ein Hotel, keine Sehenswürdigkeit mit Kasse. Wenn im großen Saal keine Veranstaltung läuft, kommst du in der Regel hinein und kannst dir das Deckengemälde bei einem Kaffee ansehen. Verlassen kannst du dich darauf nicht, gerade an Wochenenden ist der Saal oft belegt.

Ist Scheveningen einen Tagesausflug wert?

Als Teil eines Den-Haag-Besuchs unbedingt, als eigenes Reiseziel eher nicht. Die Stärke des Ortes ist die Kombination: vormittags Vermeer im Mauritshuis, nachmittags Nordsee. Wer nur Strand will und Zeit hat, findet auf den Wattinseln oder in Zeeland ruhigere Küsten.