Südholland · Rotterdam

Markthal Rotterdam: Architektur & Streetfood

Die Markthal ist das Gebäude, das Rotterdam am schnellsten erklärt: ein Bogen aus Wohnungen, unter dem eine Markthalle steckt, und an der Decke ein Bild aus Obst, Fischen und Blumen, so groß, dass es beim Eintreten kurz die Sprache verschlägt. Reingehen kostet nichts, und du brauchst dafür nicht mehr als eine halbe Stunde.

Hier steht, wie das Haus zustande kam, was du dir an der Decke ansehen solltest, wann es voll ist und wann das Essen unter dem Gewölbe eine gute Idee ist.

Markthal Rotterdam: Architektur & Streetfood
Foto: Exmpletree, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Eröffnet2014
  • ArchitekturMVRDV, Rotterdam
  • BesonderheitWohnungen im Bogen über der Halle
  • DeckenbildHoorn des Overvloeds, rund 11.000 Quadratmeter
  • Eintrittfrei zugänglich
  • Dauer30 bis 60 Minuten, mit Essen länger

Ein Wohnhaus, das sich über einen Markt wölbt

Der Grund für die Form ist banal: Europäische Hygienevorschriften verlangten, dass frische Ware überdacht verkauft wird, und der offene Markt am Blaak musste ein Dach bekommen. Weil eine reine Halle sich nicht gerechnet hätte, entwarf das Rotterdamer Büro MVRDV ein Hufeisen aus Wohnungen und stellte die Markthalle darunter. Seit 2014 steht das Ergebnis am Rand der Innenstadt.

Gut zweihundert Wohnungen und Lofts stecken in dem Bogen. Viele haben Fenster nach innen, die Bewohner schauen also von oben auf Fischstände und Kaffeebars. Damit weder Geruch noch Lärm hochziehen, ist die Halle konsequent belüftet und die Fenster sind fest verglast. An beiden Enden hängt eine große Glaswand an Stahlseilen, die bei Wind sichtbar mitgeht. Das ist Absicht und keine Baumängelgeschichte.

Unter der Halle liegen Parkgarage und Supermarkt. Beim Ausschachten stieß man auf Reste von Rotta, der mittelalterlichen Siedlung, aus der Rotterdam hervorging. Ein Teil der Funde ist im Abgang zur Garage als Zeittreppe zu sehen, Schicht für Schicht nach unten. Das ist der stillste und einer der interessantesten Winkel des ganzen Gebäudes.

Das Kunstwerk an der Decke

Die gesamte Innenseite des Gewölbes trägt ein Bild: der „Hoorn des Overvloeds“, das Füllhorn, von Arno Coenen und Iris Roskam. Obst, Gemüse, Fische, Blumen, Insekten und Getreidekörner, alles in einer Größe, die jedes Verhältnis sprengt, gedruckt auf Aluminiumplatten und über rund elftausend Quadratmeter verteilt. Entworfen wurde es am Rechner mit Software, wie sie sonst für Animationsfilme benutzt wird.

Der beste Blick darauf ist nicht mittendrin, sondern von einer der Galerien an den Stirnseiten oder von der Rolltreppe. Leg den Kopf in den Nacken und such nach Details, zwischen den Beeren stecken Anspielungen auf die Stadt.

Gut zu wissen: Der Eintritt in die Halle kostet nichts, du gehst einfach hinein. Bezahlt wird an den Ständen fast überall nur mit Karte, Bargeld nehmen viele gar nicht mehr an, und Kreditkarten funktionieren längst nicht überall. Eine Girocard mit Kontaktlos-Funktion ist hier das sicherste Zahlungsmittel.

Essen in der Markthal: ehrlich betrachtet

Rund hundert Stände stehen unter dem Gewölbe, von Käse und Fisch über Nüsse und Gewürze bis zu Streetfood aus einem Dutzend Küchen. Die Halle ist touristisch, das merkst du an den Portionsgrößen und daran, dass ein Teil der Ware auf Mitnahme ausgelegt ist. Schlecht ist sie trotzdem nicht: Die Frischestände sind echte Händler, und für einen schnellen Mittagsbissen zwischen zwei Zielen funktioniert das gut.

Wofür die Markthal nicht taugt, ist ein ruhiges Abendessen. Es ist laut, es zieht, und Sitzplätze sind Mangelware. Wenn du in Ruhe essen willst, geh danach in die Witte de Withstraat oder nach Katendrecht. Was wo gut ist, steht unter Essen und Trinken in Rotterdam.

Blaak-Markt und was direkt nebenan liegt

Dienstags und samstags baut sich vor der Halle auf der Binnenrotte der große Wochenmarkt auf, einer der größten des Landes. Hier ist es günstiger, hollandischer und lauter: Gemüsekisten, Blumen, Stoffe, frittierter Fisch, dazu Stände mit warmen Stroopwafels. Wer beides verbindet, nimmt einen dieser beiden Tage für den Besuch.

Rundherum steht der Rest des Blaak-Ensembles: die Kubushäuser auf ihren Pfeilern, die Bibliothek mit den gelben Rohren an der Fassade, der Bahnhof unter einer Glasscheibe, die aussieht wie eine gelandete Untertasse, dahinter das Witte Huis und der Oude Haven. Alles zusammen ist ein Rundgang von einer knappen Stunde, und er zeigt in Kurzform, was die Stadt nach 1940 aus sich gemacht hat. Der Überblick steht unter Rotterdam Sehenswürdigkeiten, alles zur Stadt unter Rotterdam.

Tipp: Komm früh am Vormittag oder am späten Nachmittag. Zwischen zwölf und drei drängen sich am Wochenende die Gruppen, und dann verlierst du genau das, wofür du gekommen bist: den freien Blick nach oben. Am ruhigsten ist es an einem Werktagmorgen.

Tickets: Für die Markthal brauchst du keins, sie ist frei zugänglich und du kannst spontan hineingehen. Ein Ticket lohnt dagegen für die Kubuswohnung nebenan, und wer den Besuch mit Museen verbinden will, prüft vorher die Zeitfenster fürs Depot Boijmans. Anreise am einfachsten mit Metro oder Zug bis Rotterdam Blaak, Details unter Verkehr in Rotterdam.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istGeh auf eine der Galerien an den Stirnseiten, dort stehst du über dem Gedränge und siehst das Deckenbild sowieso besser. Oder verlege den Besuch auf den späten Nachmittag, wenn die Reisegruppen weg sind.
  • Wenn es regnetKein Problem, die Halle ist überdacht und gerade bei Regen ein guter Zwischenstopp. Der Wochenmarkt davor findet auch bei Nässe statt, dann aber deutlich reduziert.
  • Mit KindernFunktioniert gut. Kinder finden das Deckenbild allein wegen der Größe spannend, dazu gibt es Stände mit Stroopwafels, Käseproben und frittiertem Fisch. Kinderwagen kommen überall durch, an Markttagen wird es davor eng.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Halle ist ebenerdig, breit und stufenfrei, Aufzüge und Rolltreppen führen in die Untergeschosse. Der Boden ist glatt und bei Regen an den Eingängen rutschig. Das Kopfsteinpflaster beginnt erst außerhalb, rund um den Oude Haven.

Häufige Fragen

Kostet die Markthal in Rotterdam Eintritt?

Nein, die Halle ist öffentlich zugänglich und du kannst einfach hineingehen. Bezahlt wird nur, was du an den Ständen kaufst. Das Deckenbild siehst du komplett kostenlos, ebenso die Zeittreppe mit den archäologischen Funden im Abgang zur Parkgarage.

Wann ist die Markthal am wenigsten voll?

An einem Werktagvormittag kurz nach dem Öffnen und am späten Nachmittag. Am vollsten ist es an Samstagen zwischen zwölf und drei, wenn Wochenmarkt und Tagesgäste zusammenkommen. Wenn du beides sehen willst, komm samstags früh: erst der Markt draußen, dann die Halle.

Wohnen in der Markthal wirklich Menschen?

Ja, im Bogen stecken gut zweihundert Wohnungen und Lofts. Ein Teil hat Fenster zur Halle hin, die Bewohner blicken also von oben auf den Markt. Die Fenster sind fest verglast, und die Halle wird stark belüftet, damit weder Fischgeruch noch Lärm in die Wohnungen ziehen.

Lohnt sich das Essen in der Markthal?

Für einen schnellen Bissen ja, für ein Abendessen eher nicht. Die Frischestände sind echte Händler, das Streetfood ist ordentlich, aber alles ist auf Durchlauf ausgelegt und Sitzplätze sind knapp. Zum Essen in Ruhe geh lieber in die Witte de Withstraat oder ins Hafenviertel Katendrecht.

Was liegt in der Nähe der Markthal?

Alles im Umkreis von fünf Gehminuten: die Kubushäuser, die Bibliothek mit den gelben Rohren, der Bahnhof Blaak, das Witte Huis von 1898 und der Oude Haven mit den historischen Schiffen. Dienstags und samstags kommt der große Wochenmarkt auf der Binnenrotte dazu.