Südholland · Den Haag

Den Haag Sehenswürdigkeiten

Das größte Seebad der Niederlande gehört direkt zu Den Haag, und das prägt einen Besuch stärker als jedes einzelne Museum. Vormittags stehst du vor Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring, nachmittags sitzt du mit sandigen Füßen in einem Strandpavillon. Dazwischen liegen zwanzig Minuten Straßenbahn.

Diese Liste nennt die 15 Ziele, die sich wirklich lohnen, sortiert nach Gewicht und nicht nach Alphabet. Dazu kommt ein Plan, wie du Stadt und Meer an einem Tag verbindest, warum hier so viele Museen auf so wenig Raum stehen und was du besser weglässt.

Den Haag Sehenswürdigkeiten
Foto: Unknown authorUnknown author, Public domain · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzSüdholland
  • Einwohnerrund 570.000, drittgrößte Stadt der Niederlande
  • BesonderheitRegierungssitz und Seebad in einer Stadt
  • Ideale Dauer2 bis 3 Tage
  • Beste ReisezeitMai bis September
  • BahnhöfeDen Haag Centraal und Den Haag HS

Die kurze Antwort

Wenn du nur einen Tag hast: vormittags Mauritshuis, danach einmal um den Hofvijver herum am Binnenhof vorbei, mittags durch die Innenstadt, nachmittags mit der Tram nach Scheveningen ans Meer. Diese Kombination bekommt keine andere niederländische Großstadt hin, und sie funktioniert an fast jedem Tag im Jahr.

Bei zwei bis drei Tagen kommen die anderen Sammlungen dazu. Den Haag hat auf engem Raum mehr sehenswerte Museen als jede Stadt des Landes außer Amsterdam, und die meisten sind so klein, dass du sie in ein bis zwei Stunden schaffst. Das ist der eigentliche Reiz: Du kannst zwei Museen an einem Vormittag machen, ohne dich zu überfordern.

Die 15 wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Den Haag

1 Mauritshuis

Ein Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert direkt am Hofvijver, innen eine der besten kleinen Sammlungen Europas. Hier hängen Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring und seine Ansicht von Delft, dazu Rembrandts Anatomie des Doktor Tulp und der Distelfink von Carel Fabritius. Sechzehn Räume auf zwei Etagen, du verläufst dich nicht.

Genau deshalb ist es der beste erste Programmpunkt des Tages: In gut zwei Stunden hast du die Höhepunkte gesehen und stehst wieder draußen. Wie du Zeitfenster buchst und in welcher Reihenfolge du gehst, steht unter Mauritshuis.

2 Binnenhof und Hofvijver

Der Regierungssitz steht seit dem 13. Jahrhundert an derselben Stelle, mit der Ridderzaal als gotischem Kern. Seit 2021 wird der gesamte Komplex saniert, der Innenhof ist Baustelle, das Parlament arbeitet in einem Ausweichgebäude, und nach der aktuellen Planung soll der Binnenhof im Sommer 2031 wieder für Besucher offen sein.

Der klassische Blick über den Hofvijver vom Lange Vijverberg funktioniert trotzdem, nur eben mit Baugerüst im Bild. Was du gerade siehst und was nicht, steht ehrlich unter Binnenhof und Ridderzaal.

3 Scheveningen

Das größte Seebad der Niederlande gehört zu Den Haag und ist mit der Tram in gut zwanzig Minuten erreichbar. Breiter Sandstrand, eine Seebrücke mit Riesenrad, das Kurhaus von 1885 und eine Reihe von Strandpavillons, die im Sommer bis in den Abend besetzt sind.

Nördlich der Pier wird es mit jedem Kilometer ruhiger, südlich liegt der Fischereihafen. Welcher Strandabschnitt zu dir passt und wann du besser nicht kommst, steht unter Scheveningen.

4 Friedenspalast

Der Backsteinpalast von 1913 wurde von Andrew Carnegie finanziert und beherbergt den Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen. Von außen wirkt er wie ein überdimensioniertes Rathaus, innen wird über Streit zwischen Staaten verhandelt. Der Vorplatz mit der Friedensflamme ist frei zugänglich.

Ins Gebäude kommst du nur an bestimmten Tagen mit Führung, und die entfallen, sobald das Gericht tagt. Verlässlich ist das Besucherzentrum. Wie du das planst, steht unter Friedenspalast.

5 Escher im Palast

Das ehemalige Winterpalais von Königin Emma am Lange Voorhout zeigt heute die Drucke von Maurits Cornelis Escher: unmögliche Treppen, Metamorphosen, Wasser, das bergauf fließt. In jedem Raum hängt außerdem ein fantastischer Kronleuchter, geformt als Totenkopf, Spinne oder Seepferdchen.

Im Obergeschoss steht ein Raum, der die Perspektive verzieht und in dem eine Person riesig und die andere winzig wirkt. Mit Teenagern ist das der stärkste Programmpunkt der Stadt: Escher im Palast.

6 Panorama Mesdag

Ein Rundgemälde von 1881, rund vierzehn Meter hoch und etwa hundertzwanzig Meter im Umfang, gemalt von Hendrik Willem Mesdag und seinem Team. Du steigst auf eine Plattform mitten im Zylinder und stehst plötzlich auf einer Düne über dem Fischerdorf Scheveningen, wie es damals aussah.

Der Trick funktioniert, weil rund um die Plattform echter Sand liegt und das Licht von oben durch Tageslicht kommt. Der Besuch dauert keine Stunde und lohnt sich trotzdem: Panorama Mesdag.

7 Kunstmuseum Den Haag

Der helle Backsteinbau von Hendrik Petrus Berlage aus den 1930er Jahren ist selbst schon sehenswert, mit Innenhöfen, Wasserbecken und viel Tageslicht. Drinnen hängt die größte Mondrian-Sammlung der Welt, darunter das unvollendete Victory Boogie Woogie.

Dazu kommen Mode, Kunsthandwerk und im selben Komplex das Fotomuseum. Wer moderne Kunst mag, plant hier einen halben Tag ein: Kunstmuseum Den Haag.

8 Madurodam

Die Niederlande im Maßstab 1:25, seit 1952, zwischen Stadt und Strand gelegen. Grachtenhäuser, Schiphol, die Deltawerke und Windmühlen stehen hier nebeneinander, dazwischen fahren Züge. Für Kinder ist es einer der besten Nachmittage des Landes.

Erwachsene ohne Kinder nutzen es als Übersichtskarte: Du siehst, was das Land zu bieten hat, und entscheidest, was du in echt ansehen willst. Mehr dazu unter Madurodam.

9 Museum Beelden aan Zee

Ein Skulpturenmuseum in den Dünen von Scheveningen, gebaut um einen königlichen Pavillon aus dem 19. Jahrhundert. Von innen schaust du durch große Fenster auf Sand und Meer, draußen stehen Plastiken zwischen Strandhafer.

Auf der Promenade davor stehen die bronzenen Märchenfiguren von Tom Otterness, frei zugänglich und ohne Ticket. Wer nur zehn Minuten hat, sieht sich die an und geht weiter zum Strand.

10 Gevangenpoort

Das mittelalterliche Tor am Buitenhof war jahrhundertelang Gefängnis. Heute ist es ein kleines Museum mit Zellen, Folterwerkzeugen und einer sehr direkten Erzählung darüber, wie Strafjustiz früher funktionierte. 1672 wurden hier die Brüder De Witt von einer Menge gelyncht.

Die Räume sind eng und niedrig, besichtigt wird meist in Gruppen mit Führung. Rechne mit einer knappen Stunde und mit steilen Treppen.

11 Louwman Museum

Die älteste private Automobilsammlung der Welt, untergebracht in einem eigens gebauten Haus am Stadtrand. Von Kutschen über Vorkriegsluxus bis zu Rennwagen steht hier alles chronologisch, in sehr gutem Licht und ohne Gedränge.

Weil es weit draußen liegt und komplett drinnen ist, ist es der beste Regentag-Plan der Stadt: Louwman Museum.

12 Paleis Noordeinde und Paleistuin

Das Arbeitspalais des Königs kannst du nicht betreten, davor steht das Reiterstandbild von Wilhelm von Oranien. Der Palastgarten dahinter ist dagegen ein öffentlicher Park, in dem Angestellte aus den Ministerien ihre Mittagspause machen.

Die Straßen ringsum sind die Antiquitäten- und Galerienecke der Stadt. Ein Umweg, der sich lohnt, wenn du Schaufenster magst.

13 Grote Kerk und Lange Voorhout

Die Grote of Sint-Jacobskerk hat einen sechseckigen Turm, was in den Niederlanden selten ist. Die Kirche wird viel für Veranstaltungen genutzt und ist deshalb nicht durchgehend geöffnet, ein Blick von außen lohnt sich trotzdem.

Ein paar Minuten weiter liegt der Lange Voorhout, eine breite Allee mit alten Linden und Stadtpalais, an der auch das Escher-Museum steht. Im Sommer steht hier regelmäßig ein Antiquitäten- und Büchermarkt.

14 De Passage

Die überdachte Ladenpassage von 1885 ist die älteste der Niederlande: Glasdach, Mosaikboden, gusseiserne Bögen. Sie verbindet drei Straßen im Zentrum und ist bei Regen eine praktische Abkürzung.

Du brauchst fünf Minuten und läufst ohnehin daran vorbei, wenn du vom Mauritshuis Richtung Einkaufsstraßen gehst.

15 Japanischer Garten im Park Clingendael

Ein original japanischer Garten aus der Zeit um 1910, angelegt von der damaligen Hausherrin nach einer Japanreise. Moos, Brücken, Steinlaternen und Ahorn stehen fast unverändert.

Der Haken: Er öffnet nur wenige Wochen im Frühjahr und kurz im Herbst, damit das Moos sich erholt. Der Park Clingendael drumherum ist ganzjährig frei zugänglich.

Tickets: Nur zwei Ziele brauchen wirklich Vorplanung: das Mauritshuis in der Hauptsaison und Madurodam in den Ferien. Beide arbeiten mit Zeitfenstern, die an Wochenenden und bei Regen zuerst weg sind. Der Rest lässt sich spontan machen. Wer viele Museen plant, rechnet die landesweite Museumkaart durch, die sich aber erst ab mehreren Besuchen lohnt.

Zur offiziellen Tourismus-Website

Stadt und Strand an einem Tag

Der Ablauf, der am besten funktioniert: vormittags die Museen im Zentrum, weil der Andrang dann am geringsten ist. Gegen Mittag isst du in der Innenstadt, dann nimmst du die Tram 1 oder 9 Richtung Norden. Nach gut zwanzig Minuten stehst du an der Promenade.

Der Vorteil dieser Reihenfolge liegt am Sonnenstand. Die niederländische Küste zeigt nach Westen, die Sonne geht also über dem Meer unter. Wer erst nachmittags ans Wasser fährt, bekommt das beste Licht und muss danach nicht mehr zurück ins Museum.

Nimm einen Beutel für nasse Sachen mit, der Sand fährt sonst in der Straßenbahn mit zurück. Welche Linie wo hält, steht unter Verkehr in Den Haag.

Tipp: Steig auf dem Rückweg eine Station früher aus, am Kurhaus oder am Zwarte Pad, und lauf das letzte Stück am Wasser entlang. Der nördliche Abschnitt ist deutlich leerer als der Bereich direkt an der Pier, und der Blick zurück auf die beleuchtete Promenade ist der bessere Abschluss.

Warum Den Haag so viele Museen hat

Die Stadt war nie Handelsmetropole, sondern Hofstadt. Wo der Hof war, waren Diplomaten, Beamte und Sammler, und deren Sammlungen sind über Jahrhunderte hier geblieben. Das erklärt, warum auf wenigen Quadratkilometern das Mauritshuis, das Kunstmuseum, das Panorama, Escher und ein halbes Dutzend kleinerer Häuser stehen.

Für die Planung heißt das: Fast alle sind klein. Ein bis zwei Stunden pro Haus reichen, zwei Museen am Tag sind angenehm, drei werden anstrengend. Das Verhältnis von Qualität zu Laufweg ist besser als in Amsterdam. Übersicht: Museen in den Niederlanden.

Halbtagesausflüge ab Den Haag

Die Tram 1 fährt vom Zentrum in gut einer halben Stunde nach Delft, ohne Umsteigen und ohne Bahnticket. Das ist der naheliegendste Ausflug: Vermeers Stadt, die Nieuwe Kerk mit der königlichen Gruft und die blaue Keramik. Details unter Delft als Ausflug ab Den Haag.

Nach Leiden brauchst du mit dem Zug rund zehn Minuten, nach Rotterdam etwa fünfundzwanzig. Beide funktionieren als halber Tag. Wer lieber noch einmal ans Meer will, fährt statt nach Scheveningen nach Kijkduin im Südwesten der Stadt: kleiner, ruhiger, mit Dünen statt Boulevard.

Gut zu wissen: Bezahlt wird in Den Haag fast überall mit Karte. Viele Museen, Cafés und Strandpavillons nehmen gar kein Bargeld mehr an, und auch Kreditkarten funktionieren längst nicht in jedem Laden. Verlass dich nicht auf die deutsche Girocard, die wird nicht überall akzeptiert, und Karten mit Maestro-Logo laufen aus. Verlässlich ist eine kontaktlose Debit- oder Kreditkarte von Mastercard oder Visa, schau vor der Reise nach, was auf deiner Karte steht. Im Nahverkehr checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen wieder aus, kontaktlos mit der Bankkarte. Auf jede Übernachtung kommt eine kommunale Touristensteuer, die oft erst vor Ort abgerechnet wird.

Achtung: Die roten Asphaltstreifen neben der Fahrbahn sind Radwege, keine Gehwege. In Den Haag sind sie breit und schnell, und wer dort zum Fotografieren stehen bleibt, wird geklingelt. Wer mit dem Auto kommt, prüft vorher die Umweltzone: Sie wird mit Kameras überwacht, und in Scheveningen ist Parken im Sommer teuer und knapp. Mehr dazu unter Umweltzonen in den Niederlanden.

Was du weglassen kannst

Die Einkaufsstraßen rund um die Grote Marktstraat sind austauschbar, dieselben Ketten wie überall. Auch das Riesenrad auf der Pier ist eher Attraktion als Aussichtspunkt.

Wo du isst und schläfst, hängt davon ab, ob du Stadt oder Strand als Basis nimmst: Essen und Trinken in Den Haag und Hotels in Den Haag. Den Überblick gibt es unter Den Haag.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Den Haag?

Zwei Tage sind das Minimum, drei sind angenehm. Am ersten Tag machst du Mauritshuis, Binnenhof, Innenstadt und nachmittags Scheveningen. Der zweite Tag gehört den kleineren Museen: Escher, Panorama Mesdag, Kunstmuseum. Wer mit Kindern kommt, hängt Madurodam an. Ein einzelner Tag reicht nur, wenn du dich auf ein Museum und den Strand beschränkst.

Was muss man in Den Haag gesehen haben?

Das Mauritshuis mit dem Mädchen mit dem Perlenohrring steht ganz oben, danach der Hofvijver mit dem Binnenhof und Scheveningen. Wer noch Zeit hat, nimmt Escher im Palast dazu, weil das Museum auch mit Kindern und Jugendlichen funktioniert. Das Panorama Mesdag dauert keine Stunde und ist trotzdem eines der ungewöhnlichsten Erlebnisse des Landes.

Kann man den Binnenhof besichtigen?

Im Moment nur von außen. Der Komplex wird seit 2021 komplett saniert, der Innenhof ist Baustelle, die Ridderzaal ist nicht zugänglich und das Parlament arbeitet in einem Ausweichgebäude. Der Blick über den Hofvijver ist weiterhin möglich, allerdings mit Baugerüst im Bild. Ob und wo es Führungen durch das Parlament gibt, ändert sich mit dem Baufortschritt.

Ist Den Haag ein guter Tagesausflug ab Amsterdam?

Ja. Der Intercity braucht von Amsterdam Centraal rund fünfzig Minuten nach Den Haag Centraal und fährt mehrmals pro Stunde. Für einen Tag reicht das für ein Museum, die Innenstadt und zwei Stunden Strand. Beim Einsteigen ein- und beim Aussteigen auschecken, kontaktlos mit der Bankkarte funktioniert das ohne Papierticket.

Lohnt sich Den Haag mit Kindern?

Sehr. Kaum eine andere Stadt kombiniert Strand, Madurodam und Museen so kurz hintereinander. Madurodam und Scheveningen füllen einen ganzen Tag, Escher im Palast funktioniert ab etwa acht Jahren, und das Louwman Museum rettet Regentage. Die Wege dazwischen legst du mit der Straßenbahn zurück, umsteigen musst du selten.

Wann ist die beste Reisezeit für Den Haag?

Mai bis September, wenn du an den Strand willst. Der April ist mit rund 52 Millimetern Niederschlag und elf Regentagen der trockenste Monat, im Oktober und November fallen dagegen jeweils etwa 92 Millimeter. Am wärmsten ist der August mit knapp 22 Grad im Mittel. Für reine Museumsbesuche funktioniert die Stadt das ganze Jahr, im Winter ist sie am leersten.