Auf einen Blick
- ProvinzSüdholland
- Prägendes DatumBombardement vom 14. Mai 1940
- Hafengrößter Seehafen Europas
- WahrzeichenErasmusbrücke, Markthal, Kubushäuser
- Dauer2 bis 3 Tage für Stadt und Umgebung
- AnreiseZug über Utrecht, von dort rund 40 Minuten
Warum Rotterdam so anders aussieht
Am 14. Mai 1940 bombardierte die deutsche Luftwaffe das Zentrum von Rotterdam. Rund achthundert Menschen starben, etwa achtzigtausend verloren ihre Wohnung, gut zwei Quadratkilometer Innenstadt brannten aus. Kirchen, Kontore, Giebelhäuser, das mittelalterliche Rotterdam war in wenigen Stunden weg. Danach fiel eine Entscheidung, die bis heute jedes Straßenbild prägt: kein Wiederaufbau als Kopie, sondern etwas Neues.
Wo das Feuer aufhörte, siehst du es im Boden. Seit 2007 markiert die Brandgrens den Rand des Flächenbrandes: eine Linie aus Leuchtpunkten, die über zwölf Kilometer durch die Stadt läuft, quer über Plätze, durch Gehwege, manchmal mitten über eine Kreuzung. Innerhalb der Linie ist fast alles jünger als 1945, außerhalb steht noch das alte Rotterdam. Achte einmal darauf, dann wird die Stadt lesbar.
Der Wiederaufbau folgte dem Basisplan des Stadtplaners Cornelis van Traa: breite Achsen, viel Platz fürs Auto, Wohnen und Arbeiten getrennt. 1953 eröffnete die Lijnbaan als eine der ersten eigens geplanten Fußgängerzonen Europas, ein Vorbild, das später überall kopiert wurde. Seitdem hat Rotterdam nie aufgehört zu bauen. Deshalb wirkt die Stadt beim ersten Blick spröde und nach zwei Tagen erstaunlich lebendig.
Gut zu wissen: Wer altes Holland sucht, ist hier trotzdem nicht falsch. Der Hafenstadtteil Delfshaven lag außerhalb der Brandgrenze und hat Giebelhäuser, Kopfsteinpflaster und eine Windmühle behalten. Der Kontrast zwischen dieser Gracht und der Skyline zwanzig Minuten weiter ist der eigentliche Reiz von Rotterdam.
Die 15 wichtigsten Sehenswürdigkeiten
1 Markthal
Ein Hufeisen aus Wohnungen, das sich über eine Markthalle wölbt, und innen an der Decke ein Kunstwerk in kräftigen Farben, das Obst, Fische und Blumen in einer Größe zeigt, bei der du unwillkürlich stehen bleibst. Reinschauen kostet nichts.
Unten stehen Stände mit Käse, Fisch, Nüssen und Streetfood aus aller Welt. Touristisch ist das schon, gut ist es trotzdem. Alles dazu unter Markthal.
2 Kubushäuser am Blaak
Achtunddreißig gelbe Würfel, auf die Spitze gestellt und auf sechseckige Betonpfeiler gesetzt: Piet Blom wollte einen Wald bauen, in dem jedes Haus ein Baum ist. Von unten sieht das aus wie ein Fehler in der Statik, von innen ist es überraschend logisch.
Ein Kubus ist als Musterwohnung eingerichtet und begehbar. Rechne mit einem kurzen Besuch. Mehr unter Kubushäuser und Blaak.
3 Erasmusbrücke und Kop van Zuid
Der weiße, geknickte Pylon hat der Brücke von 1996 den Spitznamen „De Zwaan“ eingebracht, der Schwan. Sie verbindet die Innenstadt mit dem Südufer und liefert das Bild, das jeder von Rotterdam im Kopf hat.
Drüben liegt die Wilhelminapier mit den Hochhäusern und dem alten Sitz der Holland-Amerika-Linie. Zu Fuß hinüber, mit dem Wassertaxi zurück. Mehr unter Erasmusbrücke und Kop van Zuid.
4 Delfshaven
Der alte Hafen der Stadt Delft, längst zu Rotterdam gehörend und 1940 verschont geblieben. Zwei schmale Hafenbecken, Giebelhäuser, eine Mühle, dazu die Kirche, aus der 1620 die Pilgerväter Richtung Amerika aufbrachen.
Der ruhigste Teil der Stadt und der einzige, in dem Rotterdam aussieht wie das Holland aus dem Bilderbuch. Mehr unter Delfshaven.
5 Depot Boijmans Van Beuningen
Eine spiegelnde Schale mitten im Museumspark, in der die komplette Sammlung des Museums lagert, und zwar sichtbar. Statt einer kuratierten Ausstellung siehst du das Lager selbst: Regale, Kisten, Restaurierungswerkstätten.
Oben auf dem Dach wächst ein kleiner Birkenwald mit Blick über die Stadt. Das Stammhaus daneben wird seit Jahren saniert. Mehr unter Depot Boijmans Van Beuningen.
6 Euromast
Der Aussichtsturm von 1960 steht am Rand des Parks über dem Maastunnel. Eine sich drehende Kabine fährt bis auf 185 Meter, das reicht, um Innenstadt, Fluss und die ersten Hafenbecken auf einmal zu sehen.
Bei Dunst lohnt sich das Ticket nicht, bei klarer Sicht sehr wohl. Wann du hochfährst und welche Alternativen nichts kosten, steht unter Euromast.
7 Hafenrundfahrt
Der Hafen ist der größte Europas und zieht sich über gut vierzig Kilometer bis zur Nordsee. Vom Zentrum aus fahren Rundfahrtschiffe an Werften, Schleppern und Binnenschiffen vorbei.
Was du dabei wirklich siehst und wo die riesigen Containerterminals stehen, klärt Hafenrundfahrt: Spido und Maasvlakte.
8 SS Rotterdam
Das ehemalige Flaggschiff der Holland-Amerika-Linie von 1958 liegt in Katendrecht und ist heute Hotel und Museumsschiff zugleich. Führungen gehen in den Maschinenraum, auf die Brücke und durch die Salons.
Für alle mit einem Faible für Technik und Fünfzigerjahre-Design ein Volltreffer. Mehr unter SS Rotterdam.
9 Kinderdijk
Neunzehn Windmühlen aus dem 18. Jahrhundert an zwei Kanälen, seit 1997 UNESCO-Welterbe und der beste Ort des Landes, um zu verstehen, wie Entwässerung funktioniert.
Von Rotterdam fährst du übers Wasser hin, das ist die schönere Anreise. Alles zum Ausflug unter Kinderdijk.
10 Laurenskerk
Die spätgotische Kirche am Grotekerkplein ist das einzige größere Bauwerk, das aus dem mittelalterlichen Zentrum übrig blieb, und selbst sie war nach 1940 nur noch eine Ruine. Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin.
Innen ist sie hell und nüchtern, die Bronzetüren stammen von Giacomo Manzù. Davor steht die Statue des Erasmus von 1622, die älteste Bronzestatue der Niederlande. Sie war im Krieg versteckt und überlebte deshalb.
11 De Verwoeste Stad und Maritiem Museum
Ossip Zadkines Bronzefigur von 1953 steht am Leuvehaven: ein Mensch mit erhobenen Armen und einem Loch, wo das Herz sein müsste. Kein Denkmal erklärt das Jahr 1940 kürzer. Nimm dir zwei Minuten und geh einmal herum.
Gleich daneben liegt das Maritiem Museum mit dem Hafenmuseum unter freiem Himmel: alte Kräne, Schlepper und das Panzerschiff Buffel von 1868, auf das du an Deck gehen kannst.
12 Witte Huis und Oude Haven
Das Witte Huis von 1898 hat elf Stockwerke, ist rund 43 Meter hoch und galt damals als erstes Hochhaus Europas. Es steht am Oude Haven, überstand das Bombardement und wirkt zwischen den Kuben von heute wie ein Gast aus einer anderen Stadt.
Rund um das alte Hafenbecken liegen historische Binnenschiffe, davor Terrassen. An warmen Abenden ist das der schönste Platz im Zentrum, weil sich alle Epochen der Stadt in einem Blickfeld drängen.
13 De Hef und das Noordereiland
Die alte Eisenbahn-Hubbrücke von 1927 wird nicht mehr befahren, darf aber stehen bleiben, weil die Stadt an ihr hängt. Zwei Stahltürme, dazwischen ein Brückenteil, das früher nach oben gezogen wurde, wenn ein Schiff kam.
Der beste Blick darauf ist vom Noordereiland, einer ruhigen Wohninsel mitten in der Maas. Zehn Minuten zu Fuß vom Blaak und eine ganz andere Stadt.
14 Museumpark: Kunsthal und Het Nieuwe Instituut
Die Kunsthal von Rem Koolhaas hat keine eigene Sammlung, sondern wechselnde Ausstellungen, und das Gebäude von 1992 ist selbst das Exponat: Rampen, Sichtbeton, ein Weg, der dich unmerklich wieder nach draußen führt.
Nebenan zeigt Het Nieuwe Instituut Architektur und Design und betreut das Haus Sonneveld, eine Unternehmervilla von 1933 im Originalzustand. Für alle, die verstehen wollen, wie modernes Wohnen erfunden wurde.
15 Van Nelle Fabriek
Die Fabrik für Kaffee, Tee und Tabak von 1931 gilt als Höhepunkt des Neuen Bauens und ist seit 2014 UNESCO-Welterbe. Glas, Stahl, Tageslicht überall, dazu Förderbrücken, die frei durch die Luft laufen.
Heute arbeiten dort Firmen, das Gelände ist kein Museum. Von innen siehst du es nur bei einer Führung, und die musst du vorab buchen. Von außen lohnt der Umweg auch spontan.
Architekturroute zu Fuß: sieben Kilometer
Rotterdam liest sich am besten in einer Linie. Start ist der Hauptbahnhof, dessen Halle von 2014 mit dem spitz zulaufenden Vordach schon zur Route gehört. Von dort gehst du in den Museumspark, wo Depot, Kunsthal und Het Nieuwe Instituut nebeneinander stehen. Über die Westersingel mit ihren Skulpturen läufst du weiter zur Erasmusbrücke.
Auf der Brücke bleibst du kurz stehen, das ist die beste kostenlose Aussicht der Stadt. Drüben auf der Wilhelminapier stehen die Hochhäuser dicht an dicht. Zurück nimmst du das Wassertaxi zum Veerhaven oder gehst wieder über die Brücke, dann am Leuvehaven vorbei zur Zadkine-Figur und weiter zum Blaak, wo Markthal, Kubushäuser, Witte Huis und Oude Haven auf engstem Raum liegen.
Für die reine Gehzeit rechne mit knapp zwei Stunden, mit Pausen und einem Museum wird ein voller Tag daraus. Unterwegs kommst du über die Luchtsingel, eine gelbe Fußgängerbrücke, die per Crowdfunding finanziert wurde, und an den Hofbogen vorbei, einem stillgelegten Bahnviadukt mit Läden in den Bögen.
Tipp: Lauf die Strecke am späten Nachmittag. Die Glasfassaden am Fluss fangen dann das Licht, und wenn du gegen Sonnenuntergang auf der Erasmusbrücke stehst, hast du das Motiv, für das andere Leute ein Turmticket kaufen.
Wie viele Tage brauchst du?
Für die Stadt selbst reichen zwei Tage: einer für die Innenstadt zwischen Blaak und Museumspark, einer für den Fluss mit Kop van Zuid, Katendrecht und Delfshaven. Wenn du Kinderdijk oder eine große Hafenrundfahrt anhängst, wird der dritte Tag sinnvoll. Rotterdam ist kompakt, aber die Wege am Wasser sind länger, als die Karte vermuten lässt.
Zum Wetter: Juli und August bringen im Mittel gut 22 Grad Höchsttemperatur, April ist mit rund 55 Millimetern Niederschlag der trockenste Monat, Oktober und November sind mit gut 80 Millimetern an vierzehn bis fünfzehn Regentagen die nassesten. Für eine Architekturstadt heißt das: Halte einen Innenraum als Reserve bereit, das Depot oder das Maritiem Museum funktionieren bei jedem Wetter.
Unterwegs bist du mit Metro, Tram und den Booten auf dem Fluss, Ein- und Auschecken mit der kontaktlosen Bankkarte funktioniert überall. Details stehen unter Verkehr in Rotterdam, und die Fehler, die Erstbesucher regelmäßig machen, sammelt Rotterdam: 12 Insider-Tipps. Der Überblick zur Stadt steht unter Rotterdam.
Achtung: Der rote Asphaltstreifen neben dem Gehweg ist ein Radweg und kein Fotostandpunkt. In Rotterdam wird schnell und selbstverständlich geradelt, und niemand rechnet damit, dass jemand dort stehen bleibt. Klingeln ist hier ein Hinweis und keine Beleidigung.
Tickets: Frei zugänglich sind Markthal, Delfshaven, Grotekerkplein, Oude Haven und die Erasmusbrücke. Ein Zeitfenster online lohnt sich fürs Depot, Tickets brauchst du außerdem für die Kubuswohnung, den Euromast, die Hafenrundfahrt, die SS Rotterdam und Kinderdijk. Führungen durch die Van Nelle Fabriek finden nur an festen Terminen statt und sind schnell ausgebucht. Bezahlt wird an fast allen Kassen ausschließlich mit Karte.
Was sonst noch lohnt
Der Tiergarten Blijdorp gehört zu den ältesten des Landes und füllt mit Kindern einen ganzen Tag. Das Wereldmuseum an der Willemskade zeigt Weltkulturen, im Hafenviertel Katendrecht ist aus alten Lagerhäusern ein Ausgehviertel geworden, und das Dakpark im Westen ist ein Park auf dem Dach einer Ladenzeile. Wer nach Rotterdam noch Zeit hat, kombiniert die Stadt mit Delft, Schiedam oder Dordrecht, alle drei sind mit Zug oder Metro schnell erreicht.
Häufige Fragen
Wie viele Tage sollte man für Rotterdam einplanen?
Zwei Tage decken die Stadt gut ab: ein Tag für die Innenstadt rund um Blaak und Museumspark, ein Tag für den Fluss mit Kop van Zuid, Katendrecht und Delfshaven. Ein dritter Tag lohnt sich, wenn du Kinderdijk oder eine längere Hafenrundfahrt anhängst. Als Tagesausflug von Amsterdam aus schaffst du nur einen Ausschnitt.
Lohnt sich Rotterdam, wenn es gar keine Altstadt gibt?
Ja, aber mit anderer Erwartung. Rotterdam ist keine Postkartenstadt, sondern die spannendste Architektursammlung des Landes, dazu ein Hafen in einer Dimension, die man einmal gesehen haben sollte. Wer Grachten und Giebel sucht, fährt besser nach Delft oder Dordrecht. Wer beides will, nimmt Rotterdam als Basis und die Nachbarstädte als Tagesziel.
Was ist in Rotterdam kostenlos?
Die Markthal betrittst du ohne Ticket, ebenso Delfshaven, den Oude Haven, das Grotekerkplein und die Erasmusbrücke. Der Blick von der Brücke ist die beste kostenlose Aussicht der Stadt. Auch das Hafenmuseum unter freiem Himmel am Leuvehaven und die Skulpturen an der Westersingel kosten nichts. Museen und Aussichtsturm dagegen schon.
Was erinnert in Rotterdam an das Bombardement von 1940?
Am deutlichsten die Brandgrens: eine Linie aus Leuchtpunkten im Pflaster, die auf zwölf Kilometern den Rand des Flächenbrandes markiert. Dazu kommt die Bronzefigur De Verwoeste Stad von Ossip Zadkine am Leuvehaven, ein Mensch mit einem Loch im Oberkörper. Auch die Laurenskerk erzählt die Geschichte, sie war nach dem Angriff nur noch Ruine.
Kann man Rotterdam und Den Haag an einem Tag verbinden?
Technisch ja, der Intercity braucht nur rund 25 Minuten. Sinnvoll ist es trotzdem selten, weil beide Städte mehr hergeben. Wenn du wenig Zeit hast, nimm Rotterdam für Architektur und Hafen und häng in Den Haag nur das Mauritshuis an. Angenehmer ist ein Standort mit zwei getrennten Tagen.




