Nordholland · Amsterdam

De Wallen: das Rotlichtviertel verstehen

De Wallen ist der älteste Teil Amsterdams und zugleich das bekannteste Rotlichtviertel Europas. Zwischen zwei Grachten stehen Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert, dazwischen die älteste Kirche der Stadt, enge Gassen, Kneipen, Coffeeshops und die Fenster, wegen derer die meisten kommen.

Wichtig ist die Haltung: Sexarbeit ist in den Niederlanden ein regulierter Beruf, und hier arbeiten und wohnen Menschen. Wer das Viertel besucht, ist Gast in einem Wohngebiet, nicht in einer Ausstellung. Hier steht, welche Regeln gelten, was es zu sehen gibt und welche Führungen etwas taugen.

De Wallen: das Rotlichtviertel verstehen
Foto: Ben Bender, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzNordholland
  • Lageältester Teil der Innenstadt, um zwei Grachten
  • Oude Kerkältestes Gebäude Amsterdams
  • Fotografierenvon Sexarbeiterinnen verboten
  • Dauer1 bis 2 Stunden für einen Rundgang
  • Beste Zeitspäter Nachmittag und früher Abend

Was De Wallen wirklich ist

Der Name kommt von den alten Stadtwällen, das Viertel liegt um die Grachten Oudezijds Voorburgwal und Oudezijds Achterburgwal. Hier begann Amsterdam, hier landeten die Schiffe, und hier gab es Seeleute und Bordelle, lange bevor jemand von Tourismus sprach. Sexarbeit ist in den Niederlanden seit dem Jahr 2000 ein regulierter Beruf, die Fenster sind lizenzierte Arbeitsplätze.

Gleichzeitig ist das ein Wohnviertel. Über den Fenstern liegen Wohnungen, morgens bringen Leute ihre Kinder zur Schule, und die Stadt versucht seit Jahren, den Massenandrang zurückzudrängen. Wer sich benimmt, wie er sich in seiner eigenen Nachbarschaft benehmen würde, macht nichts falsch.

Achtung: Fotos und Videos von Sexarbeiterinnen sind verboten. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Regel, die durchgesetzt wird, und ein Handy in Richtung eines Fensters reicht für ernsten Ärger. Verboten ist außerdem das Rauchen von Cannabis auf offener Straße in der Altstadt, dafür gibt es Bußgelder. Alkohol auf der Straße ist ebenfalls untersagt.

Was es zu sehen gibt

Mitten im Viertel steht die Oude Kerk, das älteste Gebäude Amsterdams. Sie ist über Jahrhunderte gewachsen, hat ein hölzernes Tonnengewölbe und Grabplatten im Boden, unter denen die halbe Stadtgeschichte liegt, darunter Rembrandts Frau Saskia. Heute finden dort auch zeitgenössische Ausstellungen statt, was für Diskussionen sorgt und den Raum spannend macht.

Ein paar Schritte weiter liegt ein Museum in einer versteckten Kirche unter dem Dach eines Wohnhauses aus dem 17. Jahrhundert. Katholiken durften damals nicht öffentlich feiern, also bauten sie ihre Kirche ins Obergeschoss. Von außen sieht man nichts, innen steht ein kompletter Kirchenraum mit Orgel und Emporen.

Weiter östlich öffnet sich der Nieuwmarkt mit der Waag, einem Stadttor aus dem 15. Jahrhundert, das später Waage und Zunfthaus war. In einem der Türme lag der Anatomiesaal der Chirurgengilde, den Rembrandt gemalt hat. Nördlich davon läuft die Zeedijk mit Chinatown, wo ein buddhistischer Tempel im chinesischen Stil steht, der größte seiner Art in Europa.

Tickets: Durch das Viertel zu laufen kostet nichts und braucht keine Anmeldung. Eintritt zahlst du nur für die Oude Kerk und für das Museum in der versteckten Dachbodenkirche, beide verkaufen online und an der Tür, ein festes Zeitfenster ist normalerweise nicht nötig. Ob eine Städtekarte das abdeckt, steht auf der Seite zur I amsterdam City Card.

Zur offiziellen Website der Oude Kerk

Gut zu wissen: Das schmalste Haus der Stadt liegt hier in der Nähe, an der Oude Hoogstraat, es ist gut zwei Meter breit. Am Singel steht eine noch schmalere Fassade, die aber nur eine Hintertür ist. Beide sind winzig, beide werden als das schmalste Haus verkauft.

Führungen: welche etwas taugen

Seit einigen Jahren dürfen geführte Gruppen nicht mehr vor den Fenstern stehen bleiben, und organisierte Kneipentouren sind im Viertel stark eingeschränkt. Das ist gut so: Diese Touren waren das Hauptproblem für Bewohner und Sexarbeiterinnen.

Was bleibt, sind gute historische Rundgänge durch die Altstadt, die die Geschichte von Hafen, Handel und Religion erzählen. Im Viertel gibt es außerdem ein Informationszentrum, das von Menschen aus dem Gewerbe betrieben wird und Fragen sachlich beantwortet. Wer das Thema verstehen will, ist dort besser aufgehoben als bei jeder Abendtour. Weitere Touren stehen auf der Seite zu Aktivitäten und Touren.

Coffeeshops: die Regeln in kurz

Coffeeshops verkaufen Cannabis, das ist geduldet und nicht legalisiert. Es gilt eine Altersgrenze, du brauchst einen Ausweis, Alkohol wird dort nicht ausgeschenkt, und auf der Straße im Zentrum darfst du nicht rauchen. In manchen Städten gilt für Coffeeshops außerdem ein Zugang nur für Einheimische, in Amsterdam ist das derzeit nicht so. Alle Regeln stehen im Beitrag zu Coffeeshops in den Niederlanden.

Wann du hingehen solltest

Tagsüber siehst du eine sehr alte Altstadt mit schiefen Häusern und stillen Grachten, am frühen Abend das Viertel in Betrieb, spätnachts überwiegend Gruppen, die zu viel getrunken haben. Der sinnvolle Zeitpunkt liegt zwischen später Nachmittag und früher Abend.

Vom Dam sind es fünf Minuten, mehr dazu auf der Seite zu Dam und Königspalast. Danach passt der Weg über den Nieuwmarkt Richtung Osten oder zurück in den Grachtengürtel. Wo das Viertel im Gesamtprogramm steht, zeigt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Amsterdam.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAm Wochenendabend sind die Gassen so voll, dass du nur noch schiebst. Komm stattdessen am Vormittag oder unter der Woche, dann ist es fast ruhig. Wird es dir zu eng, weiche Richtung Nieuwmarkt und Zeedijk aus, dort verteilt sich alles sofort.
  • Wenn es regnetDie Oude Kerk und das Museum in der versteckten Dachbodenkirche sind die beiden Innenräume im Viertel, beide funktionieren bei Regen gut. Ansonsten liegt der überdachte Teil der Innenstadt rund um den Dam nur ein paar Minuten entfernt.
  • Mit KindernTagsüber ist ein Spaziergang mit Kindern unproblematisch, das Viertel sieht dann aus wie eine alte Altstadt. Am Abend ist es nichts für Familien, wegen Alkohol, Gedränge und der Fenster. Nieuwmarkt und Chinatown funktionieren zu jeder Zeit besser.
  • Mit eingeschränkter MobilitätEnge Gehwege, Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteine und viele Menschen machen das Viertel mit Rollstuhl oder Rollator anstrengend. Die Wege entlang der Grachten sind am besten befahrbar. In die Oude Kerk kommst du über einen ebenerdigen Zugang.

Häufige Fragen

Darf man in De Wallen fotografieren?

Fotos und Videos von Sexarbeiterinnen sind verboten und werden geahndet. Das gilt auch für Aufnahmen, auf denen sie zufällig im Hintergrund zu sehen sind. Gebäude, Grachten und die Oude Kerk darfst du fotografieren, halte das Handy dabei aber sichtbar weg von den Fenstern. Im Zweifel steckst du es ein.

Ist De Wallen gefährlich?

Nein, das Viertel ist gut überwacht und tagsüber völlig unauffällig. Die realen Risiken sind Taschendiebe im Gedränge, aufdringliche Straßenverkäufer und betrunkene Gruppen spät in der Nacht. Bleib auf den Hauptwegen, lass dich auf keine Angebote auf der Straße ein und geh nach Mitternacht nicht allein durch die engsten Gassen.

Was kann man in De Wallen außer dem Rotlichtviertel sehen?

Die Oude Kerk als ältestes Gebäude der Stadt, ein Museum in einer versteckten Dachbodenkirche, den Nieuwmarkt mit der Waag aus dem 15. Jahrhundert und die Zeedijk mit Chinatown und buddhistischem Tempel. Dazu die schmalsten Häuser Amsterdams. Tagsüber ist das schlicht der historische Kern der Stadt.

Lohnt sich eine Führung durch De Wallen?

Historische Altstadtrundgänge ja, Touren, die vor den Fenstern stehen bleiben, nein. Letztere sind inzwischen stark eingeschränkt, weil sie Bewohner und Sexarbeiterinnen belasten. Wer das Thema verstehen will, findet im Viertel ein Informationszentrum, das von Menschen aus dem Gewerbe betrieben wird und Fragen sachlich beantwortet.

Darf man in Amsterdam auf der Straße kiffen?

In der Altstadt nicht. Für den Bereich um De Wallen gilt ein Verbot, Cannabis auf offener Straße zu rauchen, mit Bußgeldern. Konsumiert wird im Coffeeshop selbst. Alkohol auf der Straße ist im Zentrum ebenfalls verboten. Die vollständigen Regeln stehen in unserem Beitrag zu Coffeeshops in den Niederlanden.