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Amsterdam oder Rotterdam: welche Stadt passt zu dir?

Zwischen Amsterdam und Rotterdam liegen gut 40 Minuten mit dem schnellsten Zug, und trotzdem zwei völlig verschiedene Länder im Kopf. Amsterdam ist eine Stadt aus dem 17. Jahrhundert, die fast unverändert steht: Grachten, schmale Giebelhäuser, Kopfsteinpflaster. Rotterdam wurde im Krieg zerstört und danach neu gebaut, mit Hochhäusern, breiten Straßen und Architektur, die auffallen will.

Dieser Vergleich zeigt, welche Stadt zu deiner Reise passt, wo du günstiger schläfst und wie du beide in einer Reise verbindest, was fast immer die beste Antwort ist.

Amsterdam oder Rotterdam: welche Stadt passt zu dir?
Foto: Zanderxo, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Entfernunggut 40 Minuten mit dem schnellsten Zug
  • Amsterdamgrößte Stadt der Niederlande, Grachtengürtel als UNESCO-Welterbe
  • Rotterdamzweitgrößte Stadt, größter Seehafen Europas
  • Ideale DauerAmsterdam 3 Tage, Rotterdam 2 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September
  • AnreiseDirektverbindungen mit dem Zug aus Deutschland

Die kurze Antwort

Amsterdam ist die Stadt für Kunst, Geschichte und das Bild, das du im Kopf hast. Rotterdam ist die Stadt für Architektur, Hafen und Alltag ohne Kulisse. Amsterdam ist teurer, voller und schöner, Rotterdam entspannter, moderner und ehrlicher. Wenn du drei Tage oder weniger hast und zum ersten Mal kommst, nimm Amsterdam. Ab vier Tagen nimmst du beide, denn die Zugfahrt kostet dich nur einen halben Vormittag.

Amsterdam und Rotterdam im Vergleich

Kriterium Amsterdam Rotterdam
Stadtbild 17. Jahrhundert, Grachtengürtel Nachkriegsmoderne und Hochhäuser
Größe größte Stadt des Landes zweitgrößte Stadt
Top-Museen Weltklasse und mehrere davon stark, aber weniger Auswahl
Andrang ganzjährig hoch moderat
Übernachtung teuer, früh ausgebucht deutlich günstiger
Essen riesige Auswahl, oft touristisch international, Markthal als Zentrum
Aussicht flach, Blick vom Nordufer Euromast und Hochhausterrassen
Zu Fuß sehr gut, aber eng weite Wege, Metro sinnvoll
Ideale Dauer 3 Tage 2 Tage

Grachten gegen Architektur

Amsterdams Grachtengürtel ist als Ganzes UNESCO-Welterbe, und das merkst du in jeder Straße. Die Häuser stehen schief, weil sie auf Holzpfählen im Moor stehen, die Fassaden sind schmal, weil früher nach Frontbreite besteuert wurde. Eine Fahrt oder ein Spaziergang durch die Grachten ist der Kern jedes Besuchs. Mein Rat: Nimm nicht das große Rundfahrtboot am Hauptbahnhof, sondern ein kleines Boot in einem der ruhigeren Viertel.

Rotterdam macht das Gegenteil. Nach der Zerstörung 1940 wurde nicht rekonstruiert, sondern neu gebaut, und die Stadt sammelt seither Architektur wie andere Städte Kirchen. Die Markthal ist eine Wohnhausbrücke über einer Markthalle, die Kubushäuser stehen auf der Spitze gekippt über einer Straße, und das Depot des Museums Boijmans ist ein begehbares Schaudepot mit verspiegelter Fassade. Dazu kommt der Hafen, der immer noch arbeitet.

Gut zu wissen: Rotterdam ist keine Fußgängerstadt im gleichen Sinn. Die Wege zwischen den Sehenswürdigkeiten sind länger, dafür funktionieren Metro und Straßenbahn sehr gut. In Amsterdam läufst du fast alles, brauchst aber Geduld, weil die Gehwege eng sind und ständig ein Rad kommt.

Museen

Hier gewinnt Amsterdam deutlich. Das Rijksmuseum mit der Nachtwache, das Van Gogh Museum mit der größten Sammlung des Malers und das Anne-Frank-Haus liegen alle in derselben Stadt, dazu das Stedelijk für moderne Kunst. Für die bekanntesten Häuser buchst du ein Zeitfenster vorab, das Anne-Frank-Haus ist regelmäßig Wochen im Voraus ausgebucht.

Rotterdam hat weniger, aber nichts davon ist zweite Wahl. Das Depot Boijmans Van Beuningen kannst du auch dann besuchen, wenn du sonst keine Museen magst, weil es zeigt, wie ein Museum hinter den Kulissen arbeitet. Dazu kommen das Maritime Museum und das Fotomuseum.

Andrang, Preise und Übernachtung

Amsterdam ist teuer und voll, das ganze Jahr über. Hotels kosten hier deutlich mehr als in jeder anderen niederländischen Stadt, und die Stadt hat den Zuzug von Besuchern bewusst begrenzt. Die Touristensteuer wird in Amsterdam als Prozentsatz auf den Zimmerpreis erhoben, was den Aufschlag bei teuren Zimmern spürbar macht. Sie steckt oft nicht im Buchungspreis, sondern kommt vor Ort dazu.

Rotterdam ist die pragmatische Alternative. Du wohnst günstiger, findest kurzfristiger etwas und bist in gut 40 Minuten in Amsterdam. Welche Viertel sich lohnen, steht unter Hotels in Rotterdam. Auch Rotterdam erhebt eine Touristensteuer, aber die Ausgangspreise sind niedriger.

Essen, Ausgehen und ein Wort zu Coffeeshops

Amsterdam hat die größere Auswahl, aber im Zentrum auch die meisten Lokale, die von Laufkundschaft leben. Zwei Straßen weiter wird es sofort besser. Rotterdam isst internationaler und unaufgeregter, mit der Markthal als offensichtlichem Startpunkt und vielen guten Adressen in Kop van Zuid und im Norden.

Coffeeshops gibt es in beiden Städten. Sie sind streng reguliert, der Verkauf ist geduldet und nicht legal, Alkohol wird dort nicht ausgeschenkt, und Konsum auf offener Straße ist in Teilen von Amsterdam verboten. Amsterdam hat den Zugang für Gäste zuletzt weiter eingeschränkt. Was gilt und was nicht, steht sachlich unter Coffeeshops in den Niederlanden.

Beide in einer Reise

Das ist fast immer die beste Lösung. Der schnellste Zug braucht gut 40 Minuten, der normale Intercity rund eine Stunde, und es fahren mehrere Verbindungen pro Stunde. Damit kannst du in einer Stadt wohnen und die andere als Tagesausflug machen.

Praktisch ist Rotterdam als Basis, wenn dir der Preis wichtig ist, und Amsterdam, wenn du abends spät unterwegs sein willst. Zwischen beiden liegen außerdem Den Haag, Delft und Gouda, die alle an derselben Strecke liegen. Für die Zugfahrt gilt: einchecken beim Einsteigen, auschecken beim Aussteigen, kontaktlos mit der Bankkarte funktioniert das.

Ausflüge ab beiden Städten

Beide taugen als Basis, aber sie öffnen unterschiedliche Umgebungen. Ab Amsterdam erreichst du die Windmühlen der Zaanse Schans in kurzer Zeit, dazu die alten Hafenorte am IJsselmeer und im Frühjahr die Blumenregion mit dem Keukenhof. Nach Haarlem sind es nur wenige Minuten mit dem Zug, und der Strand von Zandvoort liegt an derselben Strecke.

Ab Rotterdam liegen die Mühlen von Kinderdijk als UNESCO-Welterbe fast vor der Tür, dazu Delft mit seiner intakten Altstadt, Gouda mit dem Käsemarkt und Dordrecht als älteste Stadt der Provinz. Wer die Deltawerke sehen will, ist von Rotterdam aus ebenfalls schneller da. Für Naturziele und Küste ist Rotterdam der bessere Ausgangspunkt, für klassische Ausflugsklassiker Amsterdam.

Achtung: In beiden Städten ist Bargeld die Ausnahme. Viele Museen, Cafés und Läden nehmen es gar nicht mehr an, und auch Kreditkarten werden nicht überall akzeptiert. Nimm eine Debitkarte mit Kontaktlosfunktion mit. Wer mit dem Auto kommt, sollte die Umweltzone von Amsterdam prüfen, sie wird per Kamera überwacht. Rotterdam hat keine Umweltzone für Pkw. Parken ist in beiden Zentren teuer, in Amsterdam bewusst unattraktiv gemacht.

Tipp: Als Fußgänger gilt in beiden Städten dieselbe Regel: Der rote Asphalt ist ein Radweg, kein Gehweg und erst recht kein Fotostandpunkt. In Amsterdam kommen Räder aus allen Richtungen, oft schnell und lautlos. Schau zweimal, bevor du einen Schritt zur Seite machst.

Für wen welche Stadt?

Nimm Amsterdam, wenn du zum ersten Mal in den Niederlanden bist, wenn Kunst der Hauptgrund deiner Reise ist, wenn du das klassische Grachtenbild willst oder wenn du abends viel Auswahl brauchst. Plan dann Zeitfenster für Museen früh ein und akzeptiere, dass du dir die Stadt mit vielen anderen teilst.

Nimm Rotterdam, wenn dich Architektur mehr interessiert als Malerei, wenn du günstiger schlafen willst, wenn dir Andrang auf die Nerven geht oder wenn du schon zweimal in Amsterdam warst. Und wenn du kannst, nimm beide: Der Kontrast zwischen einer Stadt aus dem 17. Jahrhundert und einer aus dem 20. ist in dieser Dichte kaum irgendwo sonst zu haben.

Häufige Fragen

Amsterdam oder Rotterdam, was lohnt sich mehr?

Für einen ersten Besuch Amsterdam, wegen der Grachten und der Museen. Rotterdam lohnt sich, wenn dich moderne Architektur und Hafen interessieren oder wenn du Amsterdam schon kennst. Weil die Fahrt gut 40 Minuten dauert, ist die ehrlichste Antwort: Plan vier bis fünf Tage und nimm beide. Wohnen kannst du dabei in Rotterdam günstiger.

Wie kommt man von Amsterdam nach Rotterdam?

Mit dem Zug. Der schnellste Intercity braucht gut 40 Minuten, der normale rund eine Stunde, und es fahren mehrere Verbindungen pro Stunde. Ein Auto brauchst du für diese Strecke nicht und willst du auch nicht, weil Parken in beiden Zentren teuer ist und in Amsterdam zusätzlich eine Umweltzone gilt. Beim Ein- und Aussteigen checkst du ein und aus.

Ist Rotterdam günstiger als Amsterdam?

Ja, vor allem bei Übernachtungen. Amsterdam hat die höchsten Hotelpreise des Landes und erhebt die Touristensteuer als Prozentsatz auf den Zimmerpreis, was bei teuren Zimmern zusätzlich ins Gewicht fällt. Rotterdam ist bei Hotels, Restaurants und Eintritten spürbar günstiger und kurzfristiger buchbar.

Wie viele Tage braucht man für Amsterdam?

Drei Tage sind ein guter Rahmen. Ein Tag für die Museen am Museumplein, ein Tag für Grachten, Jordaan und De Pijp, ein Tag für das Anne-Frank-Haus und ein Viertel außerhalb des Zentrums. Wer nur zwei Tage hat, wählt zwei große Museen aus statt alle. Zeitfenster für die bekannten Häuser buchst du vorab.

Kann man Rotterdam als Tagesausflug machen?

Ja, das funktioniert gut. Markthal, Kubushäuser und Erasmusbrücke liegen nah beieinander, dazu passt eine Hafenrundfahrt oder der Euromast. Für das Depot Boijmans solltest du zusätzlich zwei Stunden einplanen. Wer die Stadt richtig sehen will, bleibt allerdings über Nacht, weil Rotterdam abends deutlich besser wird als tagsüber.