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Feste in den Niederlanden: Königstag, Karneval & Sinterklaas

In den Niederlanden wird nicht ständig gefeiert, aber wenn, dann richtig. An Koningsdag legt das halbe Land die Arbeit nieder und zieht Orange an, im Süden steht an Karneval eine ganze Woche kopf, und am 4. Mai schweigt abends um acht Uhr das komplette Land für zwei Minuten.

Hier bekommst du die sechs großen Termine: wann sie stattfinden, wo sie wirklich stattfinden, wie du dich verhältst und wann du buchen musst. Genau daran scheitern die meisten Festreisen. Wer vier Wochen vor Königstag ein Zimmer in Amsterdam sucht, sucht vergeblich.

Feste in den Niederlanden: Königstag, Karneval & Sinterklaas
Foto: A. Bakker, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Größtes FestKoningsdag am 27. April
  • Karnevalnur südlich der großen Flüsse
  • Stillster Moment4. Mai, zwei Minuten Schweigen
  • BuchungMonate im Voraus, Zimmerpreise steigen stark
  • SinterklaasFamilienfest, kein Touristenprogramm

So tickt der niederländische Festkalender

Zwei Termine kennt hier jedes Kind: der 27. April und der 5. Dezember. Der Rest verteilt sich übers Jahr, und ein Teil davon wandert, weil er am Kirchenjahr hängt. Karneval liegt vor Aschermittwoch und rutscht deshalb zwischen Februar und Anfang März hin und her. Fällt der 27. April auf einen Sonntag, wird der Königstag auf den 26. vorgezogen.

Wichtiger als das Datum ist oft die Frage, wo gefeiert wird. Die Niederlande sind an Festtagen kein einheitliches Land: Karneval ist südlich der großen Flüsse ein Ausnahmezustand und nördlich davon fast ein Fremdwort. Der Königstag dagegen färbt das ganze Land orange, von der Hauptstadt bis ins kleinste Dorf.

Achtung: Zu Königstag, Karneval und in der Oerol-Woche sind Unterkünfte in den betroffenen Orten Monate vorher weg, und die Zimmerpreise ziehen kräftig an. Dazu kommt in vielen Gemeinden die Touristensteuer, in Amsterdam als Prozentsatz auf den Zimmerpreis. Rechne sie mit ein, bevor du ein Angebot für ein Schnäppchen hältst.

1 Koningsdag am 27. April

Der Geburtstag von König Willem-Alexander ist das größte Fest des Landes. In Amsterdam stehen die Grachten voller Boote, aus jedem zweiten Fenster kommt Musik, und schon am Abend zuvor, der Koningsnacht, füllen sich die Innenstädte. Orange trägt fast jeder, freiwillig und ohne Ironie.

Das Herzstück ist der Vrijmarkt: An diesem einen Tag darf jeder ohne Genehmigung auf der Straße verkaufen. Kinder sitzen mit ausrangiertem Spielzeug, selbstgebackenem Kuchen und einer Blockflötendarbietung auf einer Decke, Erwachsene räumen den Dachboden leer. Das ist der schönste Teil des Tages, und in den Wohnvierteln geht es dabei deutlich entspannter zu als im Zentrum.

Bring Bargeld mit. Der Vrijmarkt ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen du in den Niederlanden Münzen brauchst, während sonst fast überall die Karte regiert und viele Läden gar kein Bargeld mehr annehmen. Und ein Hinweis, der das ganze Jahr gilt: Stell dich nie zum Fotografieren auf den Radweg. Dort fahren auch an Feiertagen Menschen, und sie bremsen nicht.

2 Karneval im Süden

Carnaval ist eine Angelegenheit der Provinzen Limburg und Nordbrabant. Gefeiert wird von Sonntag bis Dienstag vor Aschermittwoch, eröffnet wird die Saison aber schon am 11. November um 11.11 Uhr. In Maastricht heißt das Fest Vastelaovend, in Den Bosch nennt sich die Stadt in dieser Woche Oeteldonk und hat sogar eigene Ortsschilder dafür.

Der Ton unterscheidet sich vom rheinischen Karneval: weniger Bühne, mehr Kneipe. Es gibt Umzüge, einen Prinzen und die Schlüsselübergabe im Rathaus, aber der Kern ist, dass ganze Straßenzüge verkleidet von Café zu Café ziehen und mitsingen, auf Dialekt. Ein Kostüm ist praktisch Pflicht, sonst stehst du auffällig unverkleidet dazwischen.

Nördlich der großen Flüsse passiert dagegen nichts. In Amsterdam, Utrecht oder Groningen ist Karnevalsdienstag ein normaler Dienstag mit normalem Büroalltag. Wer Karneval erleben will, muss in den Süden fahren, ein Zwischenstopp reicht nicht.

3 Dodenherdenking und Bevrijdingsdag

Am 4. Mai gedenkt das Land seiner Kriegstoten. Um 20 Uhr stehen die Niederlande zwei Minuten still: Züge halten, Busse halten, Gespräche brechen mitten im Satz ab, auf Bahnsteigen und in Cafés genauso wie auf dem Dam. Wenn du zu diesem Zeitpunkt im Land bist, bleib einfach stehen und sei still. Es ist der eindrücklichste Moment, den du hier erleben kannst.

Am 5. Mai kippt die Stimmung ins Gegenteil. Bevrijdingsdag feiert die Befreiung von 1945, in mehreren Städten mit großen Befreiungsfestivals, oft ohne Eintritt und mit bekannten Bands. Beide Tage gehören zusammen, und nur in dieser Reihenfolge ergeben sie Sinn.

4 Sinterklaas am 5. Dezember

Sinterklaas ist das Kinderfest des Landes und im Alltag wichtiger als Weihnachten. Mitte November kommt der Heilige per Dampfschiff an, jede Stadt hat ihren eigenen Einzug, danach stellen Kinder wochenlang abends ihren Schuh bereit. Am 5. Dezember, dem Pakjesavond, gibt es Geschenke, dazu Pepernoten, Schokoladenbuchstaben und selbstgedichtete Spottverse, mit denen sich Familien gegenseitig aufziehen.

Zur Ehrlichkeit gehört die Debatte um die Figur des Zwarte Piet. Die schwarz geschminkte Begleitfigur gilt vielen als rassistische Karikatur, andere verteidigen sie als Kindertradition. Der Streit hat das Land jahrelang beschäftigt, mit Protesten, Gegenprotesten und viel Politik. Verändert hat sich einiges: Die landesweiten Fernsehsendungen und die meisten großen Städte setzen inzwischen auf den Roetveegpiet mit Rußflecken im Gesicht, andernorts hält man an der alten Form fest.

Für Besucher heißt das: Sinterklaas ist ein Familienfest hinter der Haustür, kein Programmpunkt. Sehenswert ist der Einzug in einer kleineren Stadt, und die Wochen davor sind eine gute Zeit für eine Städtereise, weil die Innenstädte geschmückt und die Cafés voll sind.

5 Oerol auf Terschelling

Zehn Tage im Juni verwandelt sich die Watteninsel Terschelling in eine Bühne. Oerol bringt Theater, Musik und Installationen dorthin, wo sonst niemand spielt: in die Dünen, in den Wald, an den Strand, in Scheunen. Der Name stammt aus dem Inseldialekt und bedeutet so viel wie überall.

Praktisch ist das Festival anspruchsvoll: Fähre und Betten sind lange vorher ausgebucht, und zwischen den Spielorten bewegst du dich mit dem Fahrrad, oft gegen den Wind. Genau das macht den Reiz aus. Wer spontan kommen will, hat schlechte Karten.

6 Vierdaagse in Nijmegen

Im Juli läuft der größte Wandermarsch der Welt: vier Tage hintereinander, je nach Klasse 30, 40 oder 50 Kilometer am Tag, mit Zehntausenden Teilnehmern aus aller Welt. Start ist in Nijmegen, gelaufen wird durch das Umland, und am letzten Tag zieht der Zug durch ein Spalier aus Zuschauern, die Gladiolen verteilen.

Wer nicht mitläuft, kommt trotzdem: Parallel steigen in der Innenstadt die Vierdaagsefeesten mit Bühnen in der ganzen Stadt. Die Mischung aus erschöpften Wanderern und feierndem Publikum gibt es so kein zweites Mal.

Gut zu wissen: An Feiertagen fährt der Zug nach Sonntagsfahrplan, also seltener. Ein- und Auschecken funktioniert wie immer, kontaktlos mit der Bankkarte am Pfosten. Prüfe die letzte Verbindung schon am Nachmittag, sonst stehst du nach dem Feuerwerk länger am Bahnsteig als geplant.

Weitere Termine, die sich lohnen

Im April fährt der Bloemencorso durch die Bollenstreek, ein Korso aus Wagen, die komplett mit Blüten beklebt sind. Anfang August zieht in Amsterdam die Canal Parade durch die Grachten, der sichtbarste Teil der Pride. Und von Frühjahr bis Frühherbst ist freitagvormittags in Alkmaar Käsemarkt, mehr Schauspiel als Handel, aber ein gutes: mehr dazu bei den Käsemärkten.

So planst du deine Reise um ein Fest

Drei Regeln reichen. Erstens: erst das Bett, dann das Programm. Zu Königstag, Karneval und Oerol buchst du Monate vorher, sonst weichst du in die Nachbarstadt aus und fährst mit dem Zug hin. Zweitens: Datum prüfen, weil Karneval jedes Jahr wandert und der Königstag im Sonntagsfall vorgezogen wird. Drittens: Puffer einplanen. An Festtagen sind Innenstädte gesperrt, Straßenbahnen umgeleitet und Restaurants ohne Reservierung dicht.

Und wenn du die ruhige Version willst: Der Tag nach dem Fest ist oft der schönste. Die Stadt räumt auf, die Cafés sind leer, und du bekommst einen Tisch am Fenster. Welche Jahreszeit sich wofür eignet, steht im Überblick zur besten Reisezeit.

Tipp: Willst du Königstag erleben, ohne im Gedränge zu stehen, nimm eine mittelgroße Stadt statt der Hauptstadt. Der Vrijmarkt ist dort familiärer, du kommst durch die Straßen, und abends bekommst du noch etwas zu essen.

Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Feiertag in den Niederlanden?

Koningsdag am 27. April, der Geburtstag von König Willem-Alexander. Fällt der Tag auf einen Sonntag, wird am 26. gefeiert. Das ganze Land trägt Orange, überall gibt es Straßenfeste und den Vrijmarkt, auf dem jeder ohne Genehmigung verkaufen darf. In Amsterdam kommen die Boote auf den Grachten dazu. Es ist der Tag, an dem sich das ganze Land von seiner ausgelassensten Seite zeigt.

Wo wird in den Niederlanden Karneval gefeiert?

Fast ausschließlich südlich der großen Flüsse, also in Limburg und Nordbrabant. Maastricht, Den Bosch, Breda, Venlo und Tilburg feiern drei Tage lang, mit Umzügen, Prinzen und vollen Cafés. In Amsterdam, Utrecht oder Groningen merkst du davon praktisch nichts, dort ist es ein Arbeitstag wie jeder andere. Wer Karneval will, muss in den Süden.

Lohnt sich Königstag in Amsterdam?

Einmal ja, danach eher nicht. Das Zentrum ist so voll, dass du dich kaum bewegen kannst, Unterkünfte kosten ein Vielfaches und sind Monate vorher weg. Schöner ist der Tag in den Wohnvierteln außerhalb des Zentrums oder in einer mittelgroßen Stadt: gleiches Prinzip, halbes Gedränge und Kinder, die dir ihren alten Spielzeugbagger verkaufen wollen.

Was passiert am 4. und 5. Mai in den Niederlanden?

Der 4. Mai ist Dodenherdenking, der nationale Gedenktag für die Kriegstoten. Um 20 Uhr herrschen zwei Minuten Stille im ganzen Land, Züge und Busse halten an. Der 5. Mai ist Bevrijdingsdag und feiert die Befreiung von 1945, in mehreren Städten mit Befreiungsfestivals unter freiem Himmel. Zusammen sind die beiden Tage der ernsteste und der ausgelassenste Moment des Jahres.

Kann man Sinterklaas als Tourist erleben?

Nur zum Teil. Der 5. Dezember wird zu Hause im Familienkreis gefeiert, davon siehst du auf der Straße wenig. Öffentlich ist der Einzug Mitte November, wenn Sinterklaas per Schiff ankommt, oft mit einem großen Umzug durch die Stadt. In kleineren Orten stehst du dabei näher dran als in der Hauptstadt.