Krank im Niederlande-Urlaub: Karte, Arzt, Apotheke

Vor der Abreise: Karte, Versicherung, Medikamente

Dreh deine Krankenversicherungskarte einmal um. Auf der Rückseite sitzt bei gesetzlich Versicherten die Europäische Krankenversicherungskarte, kurz EHIC. Mit ihr bekommst du in den Niederlanden die medizinisch notwendige Behandlung bei allen Ärzten und Kliniken, die am staatlichen System teilnehmen, zu denselben Bedingungen wie Einheimische. Privatversicherte gehen in Vorleistung und reichen die Rechnung zu Hause ein.

Was die EHIC nicht abdeckt, ist der Rücktransport nach Deutschland, und genau der ist im Ernstfall der teure Posten. Eine Auslandsreisekrankenversicherung kostet für ein Jahr wenig und schließt diese Lücke. Nimm außerdem deine Dauermedikamente in ausreichender Menge mit, samt Beipackzettel, denn ein deutsches Rezept löst hier keine Apotheke ein.

Gut zu wissen: Für stark wirksame Medikamente, etwa Betäubungsmittel oder bestimmte Präparate gegen ADHS, brauchst du eine ärztliche Bescheinigung nach dem Schengener Durchführungsübereinkommen, die deine Gesundheitsbehörde beglaubigt. Kümmere dich rechtzeitig darum, das dauert ein paar Tage.

Der erste Schritt ist der Hausarzt, nicht die Notaufnahme

Das ist der wichtigste Unterschied zum deutschen System, und er kostet Reisende regelmäßig Zeit und Geld. In den Niederlanden ist der huisarts die Eingangstür zur Versorgung. Ohne seine Überweisung siehst du keinen Facharzt, und in die Klinik gehst du nur mit akutem Notfall.

Außerhalb der Sprechzeiten, also abends, nachts und am Wochenende, übernimmt der huisartsenpost, meist ein Bereitschaftsdienst an einem Krankenhaus. Wichtig: Dort rufst du erst an. Am Telefon sortiert geschultes Personal, ob du kommen sollst, wann, und ob es überhaupt ein Fall für den Dienst ist. Wer ohne Anruf vor der Tür steht, wartet lange oder wird weggeschickt.

Als Urlauber wirst du in einer Praxis als passant geführt, also als Patient ohne feste Zuordnung. Nimm Ausweis und Versicherungskarte mit, mehr brauchst du in der Regel nicht.

Achtung: Lauf nicht auf eigene Faust in die Spoedeisende Hulp, die Notaufnahme. Wer ohne echten Notfall und ohne Überweisung dort erscheint, wird zum Bereitschaftsdienst geschickt, und die Rechnung für einen unnötigen Besuch kann bei dir hängen bleiben. Bei Lebensgefahr gilt das natürlich nicht: Dann ist die 112 richtig, sofort.

Apotheek oder Drogisterij?

Die beiden werden gern verwechselt. Die apotheek ist die Apotheke im deutschen Sinn: Sie gibt verschreibungspflichtige Arzneimittel aus und berät dazu. Die drogisterij ist eher ein Drogeriemarkt mit einem kleinen Regal Selbstmedikation, dort bekommst du Schmerzmittel in kleinen Packungen, Pflaster, Sonnencreme und Reisetabletten, aber nichts mit Rezept.

Zwei Dinge überraschen deutsche Gäste. Erstens ist das Sortiment schmaler, als du es kennst: Manches, was in Deutschland frei im Regal steht, gibt es hier nur in kleinerer Dosierung oder gar nicht. Zweitens verschreiben niederländische Ärzte zurückhaltend. Wenn dir jemand zu Paracetamol, Ruhe und Abwarten rät, ist das keine Abfuhr, sondern die übliche Linie.

Nachts und am Wochenende hat eine dienstapotheek geöffnet, oft direkt am Krankenhaus. Welche gerade Dienst hat, sagt dir der Bereitschaftsdienst oder ein Aushang an der nächsten Apotheke. Bezahlt wird auch hier meist mit Karte, viele Betriebe nehmen gar kein Bargeld mehr.

Wenn es ernst ist: 112

Der Notruf lautet 112 und gilt für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei. Er funktioniert in jedem Netz, kostenlos und auch ohne Guthaben, und die Mitarbeiter sprechen Englisch, oft auch Deutsch. Nenne zuerst den Ort, dann was passiert ist. Straßennamen findest du an den Hausecken, an Grachten hilft die Nummer der nächsten Brücke.

Wie du dein Handy für den Fall vorbereitest und welche Nummern sonst noch nützlich sind, steht unter Handy in den Niederlanden.

Zahnschmerzen im Urlaub

Zum tandarts kommst du in der Regel nur mit Termin, bei akuten Schmerzen gibt es außerhalb der Sprechzeiten einen zahnärztlichen Notdienst. Frag in der Unterkunft nach der zuständigen Nummer, das geht schneller als jede Suche im Netz.

Rechne damit, dass du die Behandlung direkt vor Ort bezahlst und die Rechnung anschließend zu Hause einreichst. Erstattet wird längst nicht alles, bei Zahnersatz oder aufwendigen Arbeiten bleibt oft ein erheblicher Teil bei dir. Für den Urlaub heißt das: Schmerz behandeln lassen, die große Sanierung zu Hause machen.

Was Reisenden hier am häufigsten passiert

Vier Klassiker, alle vermeidbar. Sonnenbrand: Der Nordseewind kühlt so gut, dass du das Brennen zu spät merkst, auch bei Bewölkung. Zecken: In den Dünen, auf der Veluwe und in Waldgebieten sind sie verbreitet, abends absuchen, Zeckenkarte einpacken, bei einer wandernden Rötung zum Arzt.

Strömung am Strand: In der Nordsee entstehen Rinnen, die dich hinausziehen. Bade nur an bewachten Abschnitten zwischen den Flaggen, rote Flagge heißt Badeverbot, und aufblasbares Spielzeug bleibt bei ablandigem Wind an Land. Welche Küstenorte einen besetzten Wachposten haben, siehst du bei den schönsten Stränden.

Und der häufigste Urlaubsunfall überhaupt: der Fahrradsturz. Meistens passiert er, weil jemand auf dem Radweg stehen bleibt, unvermittelt abbiegt oder eine Straßenbahnschiene schräg kreuzt. Fahr rechts, gib Handzeichen, kreuze Schienen im rechten Winkel und stell dich als Fußgänger nie auf den roten Streifen. Mehr Verkehrsregeln stehen unter Radfahren in den Niederlanden.

Tipp: Leitungswasser ist im ganzen Land ohne Bedenken trinkbar und von sehr guter Qualität. Eine wiederbefüllbare Flasche spart Geld und erspart dir die Suche nach einem Laden, der noch Bargeld annimmt. Mit Kindern lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Hinweise unter Niederlande mit Kindern.

Coffeeshops in den Niederlanden: die Regeln erklärt

Legal ist etwas anderes: das Gedoogbeleid

Cannabis ist in den Niederlanden nicht legal. Der Stoff steht im Opiumgesetz, Besitz und Handel sind grundsätzlich strafbar. Was es gibt, ist das Gedoogbeleid, eine Duldungspolitik: Der Staat verzichtet unter genau festgelegten Bedingungen auf Verfolgung. Verkauft ein lizenzierter Coffeeshop kleine Mengen an Erwachsene und hält sich an die Auflagen, schreitet die Justiz nicht ein.

Diese Konstruktion erklärt eine Merkwürdigkeit, die vielen Besuchern auffällt: Der Verkauf an der Theke wird geduldet, die Belieferung des Shops dagegen nicht. Über diesen sogenannten Hintertürproblematik wird im Land seit Jahrzehnten gestritten, und es gibt staatliche Versuche, eine regulierte Lieferkette zu schaffen. Für dich als Besucher heißt das vor allem eins: Was geduldet wird, entscheidet die Politik und kann sich ändern.

Gut zu wissen: Ein Coffeeshop ist keine Kaffeebar. Wer Kaffee und Kuchen sucht, geht in ein café, ein koffiehuis oder eine Bäckerei. Die Verwechslung ist der häufigste Anfängerfehler, und sie passiert in jeder Stadt mehrmals am Tag.

Die Regeln im Überblick

Die Auflagen für geduldete Shops sind bundesweit vorgegeben und werden kontrolliert. Wer sie bricht, verliert die Lizenz und wird geschlossen. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Regel Was gilt
Mindestalter 18 Jahre, Ausweiskontrolle ist Standard
Menge pro Person und Tag maximal 5 Gramm
Vorrat im Shop maximal 500 Gramm
Alkohol verboten, keine Ausschanklizenz
Werbung verboten, auch Schilder und Anzeigen
Harte Drogen verboten, führt zur sofortigen Schließung
Tabak im Innenraum verboten wie in jeder Gaststätte

Das Tabakverbot hat eine praktische Folge, mit der viele nicht rechnen: Ein mit Tabak gemischter Joint darf im Innenraum nicht geraucht werden, weil das unter das allgemeine Rauchverbot in Gaststätten fällt. Manche Betriebe haben dafür abgetrennte Räume, andere nicht.

Wohnsitzkriterium: nicht überall dasselbe

Landesweit gilt das ingezetenencriterium, wonach nur Menschen mit Wohnsitz in den Niederlanden in einem Coffeeshop kaufen dürfen. Wie streng das durchgesetzt wird, entscheidet aber die einzelne Gemeinde, und die Handhabung unterscheidet sich deutlich.

In mehreren Grenzgemeinden im Süden, darunter Maastricht, wird die Regel angewendet und kontrolliert, dort brauchst du einen Nachweis über einen niederländischen Wohnsitz. Andere Städte, darunter Amsterdam, verzichten auf die Durchsetzung. Diese Entscheidungen werden immer wieder neu getroffen. Verlass dich also nicht auf ältere Berichte, sondern erkundige dich für deine Zielstadt aktuell.

Auf der Straße gelten eigene Regeln

Was drinnen geduldet ist, ist draußen nicht automatisch erlaubt. In Teilen der Amsterdamer Innenstadt, insbesondere im Bereich der Wallen, gilt ein Verbot, im öffentlichen Raum Cannabis zu rauchen. Verstöße werden mit einem Bußgeld geahndet, kontrolliert wird sichtbar. Die Stadt hat diese Regel eingeführt, weil Anwohner sich über Lärm und Geruch beschwerten.

Dazu kommen Hausregeln: In Zügen, Bussen, Bahnhöfen und Flughäfen ist der Konsum verboten, ebenso in den meisten Hotels und Ferienwohnungen. Bei Verstößen drohen Reinigungsgebühren oder der Rauswurf. Wer in Amsterdam unterwegs ist, sollte außerdem wissen, dass die Stadt seit Jahren aktiv gegen Partytourismus vorgeht.

Achtung: Die Ausfuhr ist verboten, und zwar in beide Richtungen. Wer Cannabis über die Grenze nach Deutschland bringt, begeht eine Straftat, unabhängig von der Menge und unabhängig davon, wie die Rechtslage innerhalb Deutschlands aussieht. Der Zoll kontrolliert an den Grenzübergängen und in Zügen. Auch das Fahren unter Einfluss wird verfolgt, die Polizei setzt Speicheltests ein, und der Führerschein ist schnell weg. Mehr zum Autofahren steht unter mit dem Auto in die Niederlande.

Was Coffeeshops nicht verkaufen

Psilocybin-Pilze sind seit 2008 verboten. Sogenannte Trüffel werden davon getrennt in Smartshops verkauft, das sind eigene Läden mit eigenen Regeln. In einem Coffeeshop bekommst du sie nicht, und die beiden Ladentypen haben rechtlich nichts miteinander zu tun.

Ebenfalls nicht zum Sortiment gehören Alkohol und harte Drogen. Wer dir auf der Straße etwas anbietet, handelt illegal, verkauft in aller Regel etwas anderes als behauptet und ist in mehreren Städten ein bekanntes Problem. Geh weiter.

Bezahlen: hier gilt die Kartenregel oft nicht

In den Niederlanden bezahlst du sonst fast alles mit Karte, viele Läden und Cafés nehmen gar kein Bargeld mehr an. Ausgerechnet bei Coffeeshops ist es häufig umgekehrt: Weil Banken diesen Betrieben nur zurückhaltend Konten und Terminals geben, wird oft nur bar gezahlt. Rechne also mit Bargeldbedarf, während du im Rest des Landes ohne Karte kaum weiterkommst. Wie das Bezahlen sonst funktioniert, steht unter Bezahlen in den Niederlanden.

Wenn dir schlecht wird

Der häufigste Zwischenfall betrifft Essbares. Bei Space Cake und ähnlichen Produkten setzt die Wirkung mit deutlicher Verzögerung ein, weshalb Menschen nachlegen und dann eine viel zu hohe Dosis erwischen. Die Folge sind Kreislaufprobleme, Übelkeit und Panikattacken, und genau deswegen rücken in Amsterdam regelmäßig Rettungswagen aus.

Wird es dir zu viel: hinsetzen, etwas Süßes trinken, ruhig atmen, jemanden beim Personal ansprechen. Es geht vorbei. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder Brustschmerzen wählst du sofort die 112, kostenlos und in jedem Netz. Was sonst im Krankheitsfall gilt, steht unter krank im Niederlande-Urlaub.

Tipp: Bewegst du dich abends durch die Innenstadt, denk an die Radfahrer. Der rote Streifen neben dem Gehweg ist ein Radweg und wird bis spät in die Nacht befahren, oft ohne Licht und ohne Klingeln. Als Fußgänger bleibst du davon fern, das ist in jeder niederländischen Stadt die wichtigste ungeschriebene Regel.