Stadt in den Niederlanden · Wattenmeer

Ameland: Insel mit vier Dörfern

Ameland ist die Insel der guten Mitte: groß genug für vier Dörfer, Auswahl bei Unterkünften und Lokalen, klein genug, um sie an einem Tag mit dem Rad zu umrunden. Die Fähre ab Holwerd braucht rund fünfundvierzig Minuten und legt in Nes an, dem Hauptort.

Was Ameland auszeichnet, sind die Unterschiede auf kurzer Strecke: Hollum im Westen mit dem roten Leuchtturm, das winzige Ballum, Nes mit dem freistehenden Glockenturm und Buren im Osten, wo die Felder anfangen. Dazwischen Dünen, Wald, ein sehr breiter Strand und auf der Wattseite Deichwege, auf denen du stundenlang niemandem begegnest.

Ameland: Insel mit vier Dörfern
Foto: TomAlt, Public domain · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzFriesland
  • Fähreab Holwerd, rund 45 Minuten
  • Autoerlaubt, auf der Insel kaum nötig
  • DörferHollum, Ballum, Nes und Buren
  • Dauer4 bis 7 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September

Warum Ameland

Ameland ist rund fünfundzwanzig Kilometer lang und liegt in jeder Hinsicht in der Mitte der Inselkette: nicht so voll wie Texel, nicht so einsam wie Schiermonnikoog. Es gibt genug Betten, genug Lokale und genug Regentagsprogramm, ohne dass daraus ein Ferienzentrum geworden wäre.

Für Familien ist das die verlässlichste Wahl der Ostgruppe. Die Wege zwischen den Dörfern sind kurz, das Radwegenetz ist dicht und beschildert, und der Strand liegt nie weiter als ein paar Kilometer entfernt. Der Nachteil für deutsche Gäste: Die Anfahrt bis Holwerd ist länger als die nach Texel, und einen Bahnhof gibt es dort nicht.

Die Fähre ab Holwerd

Holwerd liegt an der friesischen Wattenmeerküste, der Fähranleger einige Kilometer außerhalb des Dorfes am Deich. Die Überfahrt nach Nes dauert rund fünfundvierzig Minuten. Ohne eigenes Auto kommst du mit dem Bus ab Leeuwarden zum Anleger, die Fahrpläne sind auf die Abfahrten abgestimmt.

Das Fahrwasser durch das Watt ist flach und versandet ständig, deshalb richten sich einzelne Abfahrten nach den Gezeiten und Verspätungen kommen vor. Plan bei knappen Anschlüssen Puffer ein und nimm es sportlich: Die Fahrrinne wird laufend ausgebaggert, trotzdem gewinnt manchmal das Watt.

Autos sind erlaubt, kosten aber Fährtarif und sind in der Saison früh ausgebucht. Auf der Insel brauchst du den Wagen kaum. Am Anleger in Holwerd gibt es bewachte Parkplätze, und Räder mietest du direkt in Nes.

Gut zu wissen: Bezahlt wird an der Fährkasse, im Verleih und im Strandpavillon mit Karte. Viele Betriebe nehmen kein Bargeld mehr an, Kreditkarten funktionieren nicht überall, eine kontaktlose Debitkarte ist die sichere Wahl. Im Bus checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus, auf Übernachtungen kommt eine gemeindliche Touristensteuer pro Person und Nacht. Wer mit dem Auto bis Holwerd fährt, prüft vorher die Umweltzonen der Städte auf der Route, kontrolliert wird per Kamera.

Die Insel in fünf Stationen

1 Nes

Nes ist der Hauptort und der Ankunftsort: Backsteinhäuser, enge Gassen, Cafés um einen kleinen Platz, dazu die meisten Läden der Insel. Auffällig ist der Glockenturm, der frei neben der Kirche steht, ein Rest aus der Zeit, als Turm und Kirche getrennt gebaut wurden.

Zwischen den Häusern findest du alte Kommandeurshäuser, in denen früher die Kapitäne der Walfangschiffe wohnten. Namen und Baujahre stehen über den Türen. Für den Rundgang reicht eine Stunde, danach nimmst du das Rad.

2 Hollum und der Leuchtturm

Hollum liegt ganz im Westen, ruhiger als Nes und mit den schönsten alten Häusern der Insel. Am Ortsrand steht der rote Leuchtturm in den Dünen, den du besteigen kannst. Oben hast du die ganze Insel unter dir, dazu Wattenmeer, Nordsee und bei klarer Sicht die Nachbarinseln.

Der Aufstieg über die Wendeltreppe ist nichts für Menschen mit Höhenangst und bei Sturm entsprechend windig. Dafür ist es der beste Überblick, den du hier bekommst, und er erklärt die Form der Insel besser als jede Karte.

3 Das Pferderettungsboot

In Hollum steht das Rettungsmuseum, und dazu gehört eine Besonderheit, die es sonst nirgends mehr gibt: ein Rettungsboot, das von Pferden ins Wasser gezogen wird. Ein Gespann aus mehreren kräftigen Pferden schleppt das Boot über den Strand durch die Brandung, so wie früher jede Rettung begann.

Mehrmals im Jahr wird das vorgeführt, und es ist beeindruckender als jedes Museum: Pferde bis zum Bauch im Wasser, Männer in Ölzeug, Brandung und Kommandos. Wenn eine Vorführung in deinen Aufenthalt fällt, geh hin, sie ist der Höhepunkt vieler Ameland-Wochen.

4 Ballum und Buren

Ballum ist das kleinste der vier Dörfer, wenige Straßen, eine Kirche, ein Friedhof mit den Gräbern der Inselherren und daneben der kleine Flugplatz. Wer Ruhe sucht, wohnt hier.

Buren im Osten wirkt am ländlichsten. Von hier führen Wege in die Dünen und zum ostwärts immer leerer werdenden Strand. Ein Landwirtschaftsmuseum zeigt, wie hart das Leben auf einer Insel war, bevor der Tourismus kam.

5 Strand, Dünen und Wattseite

Die Nordseeseite ist ein durchgehender, sehr breiter Sandstrand mit nummerierten Aufgängen. In der Nähe der Dörfer stehen Pavillons und im Sommer Rettungsschwimmer, im Osten wird es schnell leer. Am Ostende wächst die Insel durch Sandtransport ständig weiter.

Auf der Wattseite läufst oder radelst du am Deich entlang, mit Blick auf Schlickflächen, Priele und im Frühjahr und Herbst auf zehntausende Zugvögel. Ein Fernglas gehört ins Gepäck. Große Bereiche sind zeitweise gesperrt, damit Vögel und Seehunde Ruhe haben.

Radfahren nach Knotenpunkten

Ameland ist flach und dicht mit Radwegen überzogen, und wie überall im Land funktioniert die Navigation über Knotenpunkte: nummerierte Kreuzungen, die du dir als Reihenfolge notierst und dann Schild für Schild abfährst. Karten hängen an den Kreuzungen, eine App brauchst du nicht.

Eine Runde um die Insel schaffst du an einem Tag, mit Pausen. Plan nach dem Wind: auf dem Hinweg gegen ihn, zurück mit ihm. Wie das System im ganzen Land funktioniert, steht unter Radfahren in den Niederlanden.

Achtung: Wattwandern ist nur mit lizenzierter Führung erlaubt. Die Priele füllen sich beim auflaufenden Wasser schneller, als du laufen kannst, und Nebel nimmt draußen jede Orientierung. Touren zwischen Festland und Ameland gehören zu den bekanntesten des Landes, gebucht wird lange vorher. Alles dazu unter Wattenmeer und Wattwandern.

Beste Reisezeit

Mai, Juni und September sind die besten Monate: mild, lange hell, alles geöffnet und deutlich ruhiger als in den Sommerferien. Juli und August bringen das wärmste Wasser und volles Programm, dafür sind Unterkünfte Monate vorher weg und die Fähren an den Wechseltagen voll.

Der Herbst gehört dem Vogelzug und den Sturmspaziergängen am Strand. Im Winter schließen viele Betriebe, die Fähren fahren seltener, und die Insel wird sehr ruhig. Der Wind ist hier ganzjährig ein Thema, wetterfeste Kleidung gehört auch im Juli ins Gepäck.

Was in der Nähe liegt

Auf dem Festland liegt Dokkum mit Bollwerken und Grachten eine gute halbe Stunde entfernt, dazu die Provinzhauptstadt Leeuwarden als Verkehrsknoten für die ganze Region. Wer die Inseln vergleichen will, findet den Überblick bei den Wattenmeer-Inseln, und die stillere Nachbarin im Osten heißt Schiermonnikoog.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Ameland20°Cteils bewölkt
  • Wärmster MonatAugust, 21 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 3 °C
  • Trockenster MonatMai
  • Höhe2 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

6°3°J
7°3°F
9°4°M
11°6°A
15°10°M
19°13°J
20°15°J
21°15°A
18°13°S
14°10°O
10°6°N
8°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

81mm16 TageJ
74mm13 TageF
63mm13 TageM
58mm12 TageA
57mm12 TageM
73mm13 TageJ
93mm16 TageJ
90mm15 TageA
74mm13 TageS
84mm15 TageO
86mm15 TageN
80mm15 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)249 km0 Std. 55 Min.
Hamburg (HAM)278 km0 Std. 55 Min.
Köln/Bonn (CGN)301 km1 Std. 0 Min.
Frankfurt (FRA)424 km1 Std. 5 Min.
Berlin (BER)531 km1 Std. 15 Min.
Stuttgart (STR)581 km1 Std. 20 Min.
München (MUC)705 km1 Std. 30 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Dokkum19 kmnur mit Fähre oder Flug
Schiermonnikoog24 kmnur mit Fähre oder Flug
Leeuwarden27 kmnur mit Fähre oder Flug
Terschelling29 kmnur mit Fähre oder Flug
Franeker34 kmnur mit Fähre oder Flug
Harlingen39 kmnur mit Fähre oder Flug

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Fähre nach Ameland?

Rund fünfundvierzig Minuten von Holwerd nach Nes. Das Fahrwasser durch das Watt ist flach, deshalb richten sich einzelne Abfahrten nach den Gezeiten und Verspätungen kommen vor. Plane bei knappen Anschlüssen Puffer ein. Ohne Auto erreichst du den Anleger mit dem Bus ab Leeuwarden, die Verbindungen sind auf die Fähren abgestimmt.

Darf man mit dem Auto nach Ameland?

Ja, anders als auf Vlieland und Schiermonnikoog sind Besucherautos erlaubt. Sinnvoll ist es selten: Der Fährtarif ist hoch, die Plätze sind in der Saison früh vergeben, und auf der Insel kommst du mit Rad und Bus überall hin. Am Anleger in Holwerd gibt es bewachte Parkplätze, die tageweise abgerechnet werden.

Welches Dorf auf Ameland ist das beste für den Urlaub?

Nes hat die meisten Läden, Lokale und den Fähranleger, damit ist es für einen ersten Besuch die praktischste Basis. Hollum im Westen ist ruhiger und hübscher, Ballum am ruhigsten, Buren am ländlichsten und beliebt bei Familien. Weil die Insel klein ist, erreichst du von überall alles mit dem Rad in einer halben Stunde.

Kann man den Leuchtturm auf Ameland besteigen?

Ja, der rote Turm in den Dünen bei Hollum ist zu bestimmten Zeiten geöffnet. Über eine Wendeltreppe geht es nach oben, von der Plattform siehst du die ganze Insel, das Wattenmeer und die Nordsee. Bei Höhenangst oder mit sehr kleinen Kindern ist der Aufstieg nichts, und bei Sturm wird es oben ungemütlich.

Wann kann man das Pferderettungsboot in Aktion sehen?

Mehrmals im Jahr gibt es in Hollum Vorführungen, bei denen ein Pferdegespann das Rettungsboot über den Strand durch die Brandung zieht. Es ist die letzte Rettungsstation dieser Art weltweit. Die Termine werden vorab bekannt gegeben und sind gut besucht, komm früh und rechne mit Wind und nassen Schuhen.