Stadt in den Niederlanden · Nordholland

Naarden-Vesting: die Sternenfestung

Von oben sieht Naarden aus wie ein gezeichneter Stern: zwei Wallringe, sechs Bastionen, zwei Wassergräben und dazwischen ein winziges Städtchen mit einem Kirchturm in der Mitte. Diese Form ist der Grund, warum die meisten Leute Naarden von Luftbildern kennen und nicht vom Besuch. Am Boden musst du die Sache anders angehen: Du läufst sie ab.

Die Festung ist die besterhaltene ihrer Art in den Niederlanden und liegt nur eine gute halbe Stunde von Amsterdam entfernt, direkt an der Autobahn nach Osten. Als eigenes Reiseziel ist sie zu klein, als Zwischenstopp auf dem Weg nach Gelderland oder Overijssel ist sie perfekt.

Naarden-Vesting: die Sternenfestung
Foto: Nederlands Vestingmuseum, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ProvinzNordholland (Gooi)
  • BauwerkSternfestung mit sechs Bastionen und doppeltem Wassergraben
  • AnreiseBahnhof Naarden-Bussum, danach 25 bis 30 Minuten zu Fuß
  • Empfohlene Dauer2 bis 3 Stunden, mit Museum ein halber Tag
  • HighlightNederlands Vestingmuseum in den Kasematten
  • Beste ReisezeitApril bis Oktober

Warum die Festung so aussieht, wie sie aussieht

Naarden hat eine brutale Vorgeschichte. 1572 nahmen spanische Truppen die Stadt ein und richteten einen großen Teil der Einwohner hin, hundert Jahre später marschierten die Franzosen ein. Danach wurde die Verteidigung neu gedacht: Statt hoher Mauern, die Kanonenkugeln einfach durchschlagen, kamen niedrige Erdwälle, vorspringende Bastionen und Wassergräben, in denen ein Angreifer aus jeder Richtung ins Kreuzfeuer geriet.

Naarden lag außerdem auf der schmalen trockenen Passage zwischen dem Zuiderzee-Ufer und dem Moor. Wer aus dem Osten nach Amsterdam wollte, musste hier vorbei. Deshalb blieb die Festung bis ins 20. Jahrhundert militärisch in Betrieb und wurde nie überbaut, was ihre Vollständigkeit erklärt.

Was du dir ansehen solltest

Der Rundgang über die Wälle ist das Wichtigste und kostet nichts. Ein kompletter Ring dauert etwa eine Stunde, du siehst dabei die Bastionen von innen und außen, die Gräben und die Schafe, die das Gras kurz halten. Danach reicht ein Bummel durch die drei Straßen des Städtchens.

  • Nederlands Vestingmuseum: im Turfpoortbastion, mit begehbaren Kasematten, Geschützen und einem unterirdischen Gangsystem. Es ist kühl da unten, nimm eine Jacke mit.
  • Grote of Sint-Vituskerk: spätgotisch, mit bemalten Holzgewölben, auf denen biblische Szenen zu sehen sind. Der Turm ist in der Saison begehbar, von oben erkennst du die Sternform am besten.
  • Comenius-Museum und Mausoleum: für den in Naarden bestatteten Pädagogen Jan Amos Comenius, ein stiller Ort mit tschechischem Bezug.
  • Utrechtse Poort: das erhaltene Stadttor als Zugang zur Festung, ein gutes erstes Foto.

Gut zu wissen: In der Grote Kerk wird am Karfreitag traditionell die Matthäus-Passion aufgeführt, und zwar seit über hundert Jahren. Die Karten sind früh weg, und wer zufällig an diesem Tag in Naarden ist, sollte mit einem vollen Städtchen rechnen.

Das Städtchen hinter den Wällen

Innerhalb der Festung wohnen nur wenige Hundert Menschen, und der Ort besteht im Wesentlichen aus drei Straßen im Kreuz. Das klingt nach wenig und ist trotzdem eine gute halbe Stunde wert: niedrige Backsteinhäuser, ein Marktplatz, an dem sich nichts drängelt, ein paar Läden und Galerien. Von der Straße aus siehst du an mehreren Stellen die Wallanlage über die Dächer ragen, was die Größenverhältnisse sofort klar macht.

Wichtig für die Planung: Naarden-Vesting ist nicht dasselbe wie das moderne Naarden und schon gar nicht wie das Nachbarstädtchen Bussum. Wer navigiert, gibt die Festung an, sonst landet er in einem Wohngebiet und wundert sich.

Wie viel Zeit brauchst du?

Für Wälle und Ortskern reichen 2 Stunden. Mit dem Vestingmuseum wird ein halber Tag daraus, und mehr gibt Naarden ehrlicherweise nicht her. Genau deshalb ist es ein guter Zwischenstopp: Du unterbrichst die Fahrt, läufst eine Runde, isst etwas und fährst weiter.

Wer die Festungsbaukunst spannend findet, hat im Land mehrere Vergleichsstücke. Die eindrucksvollste Sternschanze steht mit Bourtange ganz im Nordosten, die am besten restaurierte kleine Festungsstadt ist Heusden in Nordbrabant. Weitere unterschätzte Orte dieser Art stehen bei den Geheimtipps.

Anreise und Praktisches

Mit dem Zug ab Amsterdam Centraal bis Naarden-Bussum dauert es rund 25 Minuten, vom Bahnhof sind es gut zwei Kilometer und damit 25 bis 30 Minuten zu Fuß zur Festung. Schneller bist du mit dem Bus Richtung Naarden-Vesting oder mit einem Leihrad vom Bahnhof. Im Nahverkehr checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus, kontaktlose Bankkarten funktionieren an den Säulen. Mit dem Auto liegt Naarden direkt an der Autobahn Richtung Amersfoort und weiter nach Osten, geparkt wird außerhalb der Wälle.

In der Festung selbst gibt es einige Restaurants und Cafés, an Sonntagnachmittagen sind sie voll mit Ausflüglern aus Amsterdam. Bezahlt wird auch hier fast überall mit Karte, Bargeld nehmen viele Betriebe nicht mehr an.

Tipp: Nimm ein Fahrrad mit oder leih dir eins am Bahnhof. Die Wallanlagen lassen sich damit in einer halben Stunde umrunden, und die Wege durch das umliegende Gooi sind flach und gut ausgeschildert. Auf den schmalen Wallwegen gilt aber: Fußgänger haben Vorrang.

Wann du kommen solltest

Die Wälle liegen offen, es gibt keinen Schatten und keinen Windschutz. Bei Sonne ist das herrlich, bei Westwind und Regen wird der Rundgang dagegen schnell zur Pflichtübung. Die beste Zeit ist das Halbjahr von April bis Oktober, am schönsten das späte Licht am Nachmittag, wenn die Böschungen lange Schatten werfen.

Im Sommer ist an Wochenenden Betrieb, unter der Woche hast du die Festung fast für dich. Weitere Ziele in der Provinz findest du auf der Seite zu Nordholland.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Naarden21°Cklar
  • Wärmster MonatAugust, 22 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 2 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe5 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

7°2°J
8°2°F
10°3°M
13°5°A
18°9°M
21°13°J
22°14°J
22°15°A
19°12°S
15°9°O
10°5°N
8°4°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

81mm15 TageJ
79mm14 TageF
70mm14 TageM
59mm12 TageA
68mm13 TageM
75mm12 TageJ
85mm15 TageJ
78mm14 TageA
76mm12 TageS
89mm14 TageO
80mm14 TageN
80mm14 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Düsseldorf (DUS)157 km0 Std. 45 Min.
Köln/Bonn (CGN)210 km0 Std. 50 Min.
Frankfurt (FRA)345 km1 Std. 0 Min.
Hamburg (HAM)356 km1 Std. 0 Min.
Stuttgart (STR)493 km1 Std. 10 Min.
Berlin (BER)567 km1 Std. 15 Min.
München (MUC)642 km1 Std. 25 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Almere9 km10 km, 0 Std. 15 Min.
Amsterdam20 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Monnickendam20 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Amersfoort22 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Utrecht23 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Edam25 km30 km, 0 Std. 15 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Lohnt sich Naarden-Vesting?

Als Zwischenstopp auf jeden Fall, als eigenes Reiseziel nur für Interessierte. Die Festung ist die besterhaltene der Niederlande, und der Rundgang über die Wälle ist kostenlos und wirklich schön. Nach 2 bis 3 Stunden hast du allerdings alles gesehen. Ideal ist die Kombination mit einer Weiterfahrt Richtung Amersfoort oder Gelderland.

Wie kommt man nach Naarden?

Mit dem Zug ab Amsterdam Centraal in rund 25 Minuten bis Naarden-Bussum, von dort sind es gut zwei Kilometer und damit 25 bis 30 Gehminuten bis zur Festung. Mit dem Bus oder einem Leihrad bist du schneller da. Mit dem Auto liegt Naarden direkt an der Autobahn nach Osten, Parkplätze gibt es außerhalb der Wälle. In der Festung selbst ist der Platz knapp, fahr also nicht hinein.

Kann man die Wälle von Naarden kostenlos begehen?

Ja, der Rundweg über die Wallanlagen ist frei zugänglich und dauert zu Fuß etwa eine Stunde. Eintritt zahlst du nur für das Vestingmuseum in den Kasematten und für einzelne andere Häuser. Auf den Wällen weiden Schafe, Hunde gehören dort an die Leine, und feste Schuhe sind nach Regen keine schlechte Idee.

Was ist im Vestingmuseum zu sehen?

Das Museum sitzt im Turfpoortbastion und führt durch die unterirdischen Kasematten, in denen Soldaten und Munition untergebracht waren. Dazu kommen Geschütze, Modelle und Erklärungen zur Verteidigungslinie, zu der Naarden gehörte. Unten ist es auch im Sommer kühl, nimm eine Jacke mit. Für Kinder ist der Gangbereich der interessanteste Teil.

Sieht man die Sternform auch vom Boden aus?

Nur teilweise. Auf Luftbildern ist der Stern deutlich, unten erkennst du vor allem die Bastionsspitzen und die doppelten Wassergräben. Am besten wird es vom Turm der Grote Kerk, der in der Saison begehbar ist. Ansonsten hilft der Rundgang: Nach einer Runde über die Wälle hast du die Geometrie im Kopf.