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Bezahlen in den Niederlanden: PIN, Karte und Bargeld

Kein Land in Europa hat das Bargeld so konsequent abgeschafft wie die Niederlande. Am Museumsschalter, im Café, an der Fischbude und im Supermarkt hängt oft ein Schild mit den Worten „alleen pinnen“: nur Karte. Wer mit einem Bündel Scheine anreist, steht schnell vor einem freundlichen Kopfschütteln.

Das ist keine Schikane, sondern Alltag. Wichtig ist nur, dass du die richtige Karte dabeihast, denn nicht jede deutsche Karte funktioniert, und Kreditkarten sind längst nicht überall gern gesehen. Hier steht, was wirklich klappt, wo es hakt und wie du das Trinkgeld handhabst.

Bezahlen in den Niederlanden: PIN, Karte und Bargeld
Foto: Vysotsky, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • StandardKartenzahlung, oft kontaktlos
  • Stichwort„pinnen“ heißt mit Karte zahlen
  • Girocard alleinFunktioniert im Ausland nicht
  • KreditkarteNicht überall, teils mit Zuschlag
  • GeldautomatenGelbe Geldmaat-Geräte, eher selten
  • TrinkgeldAufrunden, im Restaurant fünf bis zehn Prozent

Die wichtigste Regel: Karte schlägt Bargeld

Bezahlen heißt auf Niederländisch pinnen, und das Wort steht überall. Kontaktlos ist der Normalfall, für kleine Beträge oft ohne PIN, darüber mit. Der Vorgang dauert Sekunden, und niemand schaut komisch, wenn du eine Packung Kaugummi mit Karte zahlst. Umgekehrt schon: An vielen Kassen ist Bargeld schlicht nicht vorgesehen.

Betroffen sind vor allem Supermärkte, Museen, Bäckereien, Cafés und Marktstände. Auch Verkehrsbetriebe nehmen im Bus kein Bargeld mehr. Es gibt noch vereinzelt kleine Buden, die nur Scheine und Münzen nehmen, aber das ist inzwischen die Ausnahme.

Welche Karte funktioniert

Das ist der Punkt, an dem deutsche Reisende hängenbleiben. Eine reine Girocard ohne internationales System funktioniert im Ausland nicht, auch nicht bei den Nachbarn. Viele deutsche Banken geben deshalb Debitkarten von Mastercard oder Visa aus, und die werden in den Niederlanden akzeptiert.

Schau vor der Abreise auf die Vorderseite deiner Karte: Steht dort nur das Girocard-Symbol, brauchst du eine Alternative. Steht dort Mastercard oder Visa, bist du auf der sicheren Seite. Frag im Zweifel kurz bei deiner Bank nach, das dauert fünf Minuten und erspart dir einen unangenehmen Moment an der Kasse.

Achtung: Wenn dich ein Terminal oder ein Geldautomat fragt, ob du in Euro oder in deiner Heimatwährung zahlen willst, wähle immer Euro. Die freundlich klingende Umrechnung kostet einen versteckten Aufschlag, den du sonst mitbezahlst.

Kreditkarte: nicht überall, manchmal mit Zuschlag

Kreditkarten sind in den Niederlanden weniger verbreitet als in Deutschland. Hotels, größere Restaurants und internationale Ketten nehmen sie, viele kleine Läden, Supermärkte und Cafés nicht. Wo sie akzeptiert wird, kann ein Zuschlag anfallen, der an der Kasse ausgeschildert sein sollte.

Verlass dich deshalb nie ausschließlich auf die Kreditkarte. Die Kombination aus einer Debitkarte für den Alltag und einer Kreditkarte für Hotel und Mietwagen deckt praktisch alles ab.

Wo was funktioniert

Situation Was du erwarten kannst
Supermarkt Debitkarte fast immer, Bargeld oft nicht, Kreditkarte je nach Kette
Museum, Attraktion Nur Karte, viele Häuser verkaufen ohnehin lieber online mit Zeitfenster
Markt, Imbiss, Fischwagen Kartenterminal am Stand, Bargeld zunehmend unerwünscht
Restaurant, Café Karte am Tisch, Rechnung wird meist am Terminal aufgeteilt
Parkautomat Karte oder App, Bargeld selten, Kennzeichen wird eingetippt
Bus, Tram, Metro, Zug Kontaktlose Bankkarte, ein- und auschecken, kein Bargeld
Coffeeshop Häufig nur Bargeld, weil Banken zurückhaltend sind

Die letzte Zeile ist die einzige Stelle, an der du Bargeld wirklich brauchst. Welche Regeln dort sonst gelten, steht bei den Coffeeshops.

Geldautomaten: gelb und selten

Die niederländischen Banken haben ihre Automaten in einem gemeinsamen Netz gebündelt, du erkennst sie an den gelben Geräten mit dem Namen Geldmaat. Die stehen an Bahnhöfen, in Einkaufsstraßen und an größeren Supermärkten, aber deutlich seltener als Automaten in Deutschland. In kleinen Orten und in vielen Dorfzentren kann der nächste einige Kilometer entfernt sein, und im Zentrum von Amsterdam suchst du zwischen Souvenirläden auch länger, als du denkst.

Plane deshalb nicht damit, dass du unterwegs schnell Geld holst. Wenn du Bargeld willst, hol es an einem Bahnhof, bevor du weiterfährst. Wähle auch hier aktiv die Abrechnung in Euro, sonst rechnet der Automat zu seinem eigenen Kurs um. Wechselstuben in den Touristenstraßen sind die teuerste Variante überhaupt, die brauchst du innerhalb der Eurozone ohnehin nicht.

Trinkgeld: entspannt und klein

Der Service ist im Preis enthalten, Trinkgeld ist freiwillig und fällt niedriger aus als in Deutschland. Üblich ist Aufrunden, bei gutem Essen im Restaurant etwa fünf bis zehn Prozent. Im Café oder an der Bar reicht das Aufrunden auf den nächsten runden Betrag völlig.

Praktisches Problem: Viele Kartenterminals fragen gar nicht nach einem Trinkgeld. Manche Lokale haben ein Glas an der Kasse, manche Kellner nennen dir einfach einen Gesamtbetrag, wenn du „mag ik afrekenen“ sagst und selbst aufrundest. Ein paar Münzen in der Tasche sind dafür praktisch, mehr aber nicht.

Gut zu wissen: Im Nahverkehr zahlst du mit derselben kontaktlosen Karte, mit der du im Laden bezahlst. Wichtig ist nur das Prinzip: beim Einsteigen einchecken, beim Aussteigen auschecken, und jede Person braucht ihre eigene Karte. Wie das im Zug abläuft, steht bei Mit dem Zug in die Niederlande.

Autofahren und Parken

Beim Parken tippst du in den meisten Städten dein Kennzeichen in den Automaten ein, einen Zettel für die Windschutzscheibe gibt es nicht. Bezahlt wird mit Karte oder App, Münzen nehmen viele Automaten nicht mehr. Kontrolliert wird ebenfalls elektronisch, oft von einem Scanfahrzeug, das die Kennzeichen im Vorbeifahren abgleicht. Ein falsch eingetipptes Kennzeichen ist deshalb genauso teuer wie gar nicht bezahlen.

Rechne beim Auto außerdem die Umweltzonen ein, die per Kamera kontrolliert werden. Und ein Satz, der zu jeder Innenstadt gehört: Wenn du aussteigst, achte auf den Radweg. Der verläuft oft zwischen Parkplatz und Bürgersteig, und Räder fahren dort schneller und leiser, als du erwartest. Wie du dich in der Stadt bewegst, steht bei Verkehr in Amsterdam.

Fünf Dinge, die du vor der Abreise erledigst

Erstens: Kartenlogo prüfen und im Zweifel eine zweite Karte einpacken. Zweitens: das Kontaktlos-Bezahlen mit dem Handy einmal zu Hause testen, falls du es unterwegs nutzen willst. Drittens: das Tageslimit deiner Karte kennen, damit die Hotelrechnung nicht scheitert.

Viertens: eine Handvoll Münzen mitnehmen, für Trinkgeld, für den Coffeeshop und für die seltene Toilette mit Kasse. Fünftens: die Sperrnummer deiner Bank speichern, getrennt von der Karte. Wie sich das alles im Reisebudget niederschlägt, steht im Kostenüberblick, und die passenden Sätze dafür findest du bei Niederländisch für die Reise.

Häufige Fragen

Kann man in den Niederlanden überall mit Karte zahlen?

Fast überall, und an vielen Kassen ist die Karte sogar die einzige Möglichkeit. Supermärkte, Museen, Cafés und Marktstände arbeiten oft bargeldlos, im Bus wird ohnehin nur elektronisch bezahlt. Wichtig ist eine international einsetzbare Debitkarte. Eine Ausnahme bilden Coffeeshops, die häufig nur Bargeld annehmen.

Funktioniert die deutsche Girocard in den Niederlanden?

Nur, wenn auf der Karte zusätzlich ein internationales System steht. Eine reine Girocard ohne dieses Zusatzsymbol wird an niederländischen Terminals nicht akzeptiert. Viele Banken geben inzwischen Debitkarten von Mastercard oder Visa aus, die problemlos laufen. Schau vor der Reise auf die Vorderseite deiner Karte und frag im Zweifel bei deiner Bank nach.

Brauche ich in den Niederlanden Bargeld?

Im Alltag praktisch nicht. Nützlich sind ein paar Münzen für Trinkgeld, für die Toilette mit Kasse und für kleine Stände ohne Terminal. Größere Beträge in bar brauchst du nur, wenn du einen Coffeeshop besuchst. Geldautomaten heißen Geldmaat, sind gelb und stehen deutlich seltener herum als in Deutschland.

Wie viel Trinkgeld gibt man in den Niederlanden?

Weniger als in Deutschland und immer freiwillig, denn der Service ist eingerechnet. Im Restaurant sind fünf bis zehn Prozent bei gutem Essen üblich, im Café reicht das Aufrunden. Viele Terminals fragen nicht nach Trinkgeld, deshalb ist Bargeld hier praktisch. Niemand nimmt es krumm, wenn du nichts gibst.

Wird beim Bezahlen die Kreditkarte akzeptiert?

Nicht zuverlässig. Hotels, größere Restaurants und internationale Ketten nehmen Kreditkarten, viele kleine Läden, Supermärkte und Cafés dagegen nicht. Wo sie akzeptiert werden, kann ein Zuschlag anfallen, der an der Kasse ausgeschildert sein sollte. Die beste Kombination: Kreditkarte für Hotel, Mietwagen und Onlinebuchungen, Debitkarte für den ganzen Alltag.