Auf einen Blick
- Entfernungrund 10 Kilometer südlich von Den Haag
- AnreiseStraßenbahn ab Zentrum in gut 30 Minuten, Zug in gut 10
- Vermeer1632 in Delft geboren, 1675 gestorben, Grab in der Oude Kerk
- Nieuwe KerkGrabkirche des Hauses Oranien seit 1584, Turm rund 109 Meter
- Markttagdonnerstags auf dem Markt vor dem Rathaus
- Dauerein halber Tag, mit Kirchturm und Fabrik ein ganzer
Warum sich der Ausflug lohnt
Den Haag ist Regierungsstadt: breite Alleen, Ministerien, Botschaften. Delft ist das Gegenteil, eine kompakte Altstadt mit schmalen Grachten, an denen Lindenbäume stehen und Fahrräder gegen die Brückengeländer lehnen. In zwei Stunden hast du den Kern gesehen, und trotzdem willst du nicht sofort weg.
Dazu kommt die Geschichte. Wilhelm von Oranien, Anführer des Aufstands gegen Spanien, wurde 1584 in Delft erschossen, und weil das Familiengrab in Breda in feindlicher Hand war, begrub man ihn hier. Seitdem wird das Königshaus in der Nieuwe Kerk beigesetzt.
Vermeer: wo er wirklich hängt
Johannes Vermeer wurde 1632 in Delft geboren, hat die Stadt kaum verlassen und starb hier 1675. Von ihm sind nur gut dreißig Bilder erhalten, und in Delft hängt keines davon. Das Vermeer Centrum arbeitet mit Reproduktionen in Originalgröße, einer Rekonstruktion seiner Werkstatt und Erklärungen zu Licht, Camera obscura und Farben. Wer das weiß, geht mit den richtigen Erwartungen hinein und findet es gut.
Die Originale stehen zwanzig Minuten entfernt: Die Ansicht von Delft und das Mädchen mit dem Perlenohrring hängen im Mauritshuis. Die beste Reihenfolge ist deshalb: erst das Museum, dann die Stadt. Am südlichen Rand der Altstadt, gegenüber den alten Hafenbecken, stand Vermeer für sein Stadtbild. Die Türme stimmen bis heute, alles andere hat sich geändert.
Zwei Kirchen, ein Turm zum Steigen
Die Nieuwe Kerk am Markt ist zwischen 1396 und 1496 entstanden und trägt den zweithöchsten Kirchturm der Niederlande. Im Inneren steht das Grabmal Wilhelms von Oranien von Hendrick de Keyser, ein Marmorwerk mit liegender Figur, Wächtern und dem kleinen Hund zu Füßen. Die eigentliche königliche Gruft darunter ist nicht zugänglich und war es nie: Du siehst das Denkmal, nicht die Särge.
Der Turm ist ein eigenes Ticket und rund 370 Stufen. Oben hast du bei klarem Wetter Den Haag, die Küste und die Skyline von Rotterdam in einem Blick. Die ältere Oude Kerk ein paar Gassen weiter hat einen Turm, der sichtbar aus dem Lot steht: gebaut auf weichem Grund am Wasser. Hier liegen Vermeer und der Naturforscher Antonie van Leeuwenhoek.
Tickets: Für die beiden Kirchen gibt es üblicherweise ein gemeinsames Ticket, der Turmaufstieg wird getrennt berechnet und bei Sturm gesperrt. Vermeer Centrum und Keramikmanufaktur haben eigene Tickets, Voranmeldung brauchst du nur für Führungen durch die Manufaktur. Nichts davon ist üblicherweise Wochen vorher ausgebucht, spontan planen funktioniert. Bezahlt wird mit Karte.
Delfter Blau: echt oder Souvenir
Im 17. Jahrhundert gab es in Delft mehr als dreißig Fayencemanufakturen, die chinesisches Porzellan nachahmten, weil die Lieferungen aus Asien stockten. Von diesen Betrieben ist genau einer übrig, gegründet 1653, am südlichen Stadtrand. Dort siehst du, wie jedes Stück von Hand bemalt wird.
In den Souvenirläden am Markt steht viel blau-weißes Geschirr, das industriell und meist nicht in Delft gefertigt wurde. Der Unterschied liegt auf der Unterseite: Handbemalte Stücke tragen eine Marke und oft das Kürzel der malenden Person. Dreh das Teil um, bevor du zahlst.
Tipp: Nimm die Straßenbahn statt des Zuges, auch wenn sie länger braucht. Sie hält mitten in der Altstadt, während du vom Bahnhof erst ein Stück laufen musst, und du siehst auf der Fahrt, wie die Stadtränder von Den Haag in die Felder übergehen. Wie das Bezahlen im Nahverkehr läuft, steht unter Verkehr in Den Haag.
Ein realistischer Halbtagesplan
Los am frühen Nachmittag, mit der Tram bis zur Altstadt. Erst der Markt mit dem Rathaus von 1620 an der einen und der Nieuwe Kerk an der anderen Seite, dann die Kirche innen, danach der Turm. Anschließend durch die westlichen Grachten zur Oude Kerk und weiter an die Stelle, von der aus Vermeer die Stadt malte.
Bleibt Zeit, hängst du die Keramikmanufaktur an, sonst setzt du dich an eine Gracht. Zurück bist du in gut einer halben Stunde, sodass ein Abendessen in Den Haag gut passt: Essen und Trinken in Den Haag. Mehr zur Stadt selbst steht unter Delft, alle Ziele in Den Haag unter Den Haag Sehenswürdigkeiten.
Gut zu wissen: Delft ist Universitätsstadt, entsprechend viele Fahrräder stehen und fahren überall. Bleib als Fußgänger nie auf dem Radweg stehen, auch nicht für ein Foto von der Gracht. Mit dem Auto ist der Ausflug die schlechteste Variante: enge Einbahnstraßen, teures Parken, kameraüberwachte Umweltzone. Mehr dazu unter Umweltzonen in den Niederlanden.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDelft ist klein und im Sommer voll. Wenn der Markt und die Nieuwe Kerk überlaufen sind, geh in die westlichen Grachten rund um die Oude Delft: dort ist es zwei Straßen weiter fast leer. Der frühe Vormittag und der späte Nachmittag sind spürbar ruhiger als die Zeit zwischen elf und drei.
- Wenn es regnetDie Altstadt ist bei Regen mühsam, weil du viel draußen bist. Dann verschiebst du die Gewichte: Vermeer Centrum, eine Kirche und die Keramikmanufaktur füllen einen Nachmittag, alle drei sind überdacht. Der Turmaufstieg fällt bei Sturm ohnehin aus.
- Mit KindernGrachten und Kopfsteinpflaster begeistern Kinder mäßig, der Turmaufstieg dagegen sehr. In der Keramikmanufaktur kann man den Malerinnen und Malern bei der Arbeit zusehen, das trägt eine halbe Stunde. Mit kleinen Kindern bleibst du besser in Den Haag bei Madurodam.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Altstadt ist flach, aber durchgehend mit unebenem Kopfsteinpflaster gepflastert, und viele Grachtenbrücken haben Stufen. Der Turm der Nieuwe Kerk hat rund 370 enge Wendelstufen und ist nicht barrierefrei. Die Straßenbahn ab Den Haag ist niederflurig.
Häufige Fragen
Wie kommt man von Den Haag nach Delft?
Am bequemsten mit der Straßenbahn: Sie fährt ohne Umsteigen ab dem Zentrum und braucht gut eine halbe Stunde bis in die Altstadt. Schneller ist der Zug ab Den Haag Centraal mit rund zehn Minuten, dafür läufst du vom Bahnhof noch ein Stück. Bezahlt wird kontaktlos mit der Bankkarte, ein- und auschecken nicht vergessen.
Hängen in Delft Bilder von Vermeer?
Nein, in Delft hängt kein Original. Das Vermeer Centrum zeigt Reproduktionen in Originalgröße und eine Rekonstruktion seiner Werkstatt. Die Ansicht von Delft und das Mädchen mit dem Perlenohrring hängen im Mauritshuis in Den Haag, vier weitere Bilder im Rijksmuseum in Amsterdam, darunter das Milchmädchen und das Straatje. Sinnvoll ist deshalb, erst das Mauritshuis zu besuchen und danach nach Delft zu fahren.
Kann man die Königsgruft in Delft besichtigen?
Nein. Die Gruft des Hauses Oranien unter der Nieuwe Kerk ist nicht öffentlich zugänglich und wird nur zu Beisetzungen geöffnet. Zu sehen ist das Grabmal Wilhelms von Oranien aus dem frühen 17. Jahrhundert, das direkt darüber im Chor der Kirche steht. Das ist ein beeindruckendes Werk, ersetzt aber keine Gruftführung.
Wie viel Zeit braucht man für Delft?
Ein halber Tag reicht für Markt, eine Kirche und einen Rundgang durch die Grachten. Mit Turmaufstieg, Vermeer Centrum und der Keramikmanufaktur wird es ein ganzer Tag. Wer in Den Haag nur zwei Tage hat, plant Delft als Nachmittag ein und behält den Vormittag für die Museen in der Stadt.
Woran erkennt man echtes Delfter Blau?
An der Unterseite. Handbemalte Stücke tragen eine Manufakturmarke und oft das Kürzel der Person, die sie bemalt hat, dazu ist die Bemalung bei genauem Hinsehen nie ganz gleichmäßig. Vieles, was in Souvenirläden steht, ist industriell gefertigt und stammt nicht aus Delft. Wer sicher gehen will, kauft in der Manufaktur selbst.
Lohnt sich Delft oder lieber Leiden?
Delft ist kompakter, hat die Vermeer-Geschichte und die Königsgruft und liegt näher an Den Haag. Leiden ist größer, hat die älteste Universität des Landes, Wandgedichte an den Häusern und mehr Museen. Für einen halben Tag ab Den Haag ist Delft die naheliegendere Wahl, für einen ganzen Tag mit Museen eher Leiden.






