Auf einen Blick
- GebäudeStadtpalais von 1644, niederländischer Klassizismus
- SammlungMalerei des Goldenen Zeitalters, rund 800 Werke
- HighlightsVermeer, Rembrandt, Fabritius, Jan Steen, Paulus Potter
- Dauer2 bis 3 Stunden
- Lageam Hofvijver, direkt neben dem Binnenhof
- Anreise10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Den Haag Centraal
Warum sich das Mauritshuis lohnt
Die meisten großen Sammlungen erschlagen dich. Hier ist es umgekehrt: Das Haus wurde in den 1630er und 1640er Jahren als Wohnsitz für Johann Moritz von Nassau-Siegen gebaut, mit klaren Proportionen und Räumen in normaler Zimmergröße. Als daraus ein Museum wurde, blieb der Maßstab. Du stehst in einem Salon, an den Wänden hängen zwölf Bilder, und jedes einzelne hätte anderswo eine eigene Wand.
Dazu kommt die Dichte. Rund 800 Werke gehören zur Sammlung, gezeigt wird ein Bruchteil davon, und dieser Bruchteil ist konsequent das Beste. Es gibt keine Durchgangsräume mit Füllmaterial. Wenn du zwei Stunden Zeit hast, siehst du in diesen zwei Stunden fast alles, was Rang hat.
Die Bilder, wegen denen du kommst
Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Johannes Vermeer ist kein Porträt, sondern ein sogenanntes Tronie, eine Studie eines Typs statt einer bestimmten Person. Das Bild ist kleiner, als fast alle erwarten, und es wirkt aus zwei Metern Abstand anders als aus fünf. Nimm dir beide Abstände.
Ein paar Schritte weiter hängt die Ansicht von Delft, ebenfalls von Vermeer und neben dem Straatje im Rijksmuseum eines von nur zwei erhaltenen Stadtbildern des Malers. Wer danach nach Delft fährt, erkennt die Stelle wieder, an der er stand. Rembrandts Anatomie des Doktor Nicolaes Tulp von 1632 zeigt eine öffentliche Sektion in Amsterdam, mit den Gesichtern der Zuschauer als eigentlichem Thema.
Der Distelfink von Carel Fabritius von 1654 ist ein Vogel an einer Kette vor einer hellen Wand, gemalt in dem Jahr, in dem der Maler bei der Explosion des Delfter Pulvermagazins starb. Dazu kommen Paulus Potters lebensgroßer Stier, mehrere Rembrandt-Selbstbildnisse und Jan Steens vergnügliche Haushalte, in denen immer irgendetwas schiefgeht.
Tickets: In der Hauptsaison und an Wochenenden läuft der Einlass über Zeitfenster, und die frühen Slots sind zuerst weg. Buche online, bevor du den Rest des Tages planst, und lege den Museumsbesuch an den Anfang. Der Eintritt ist online zu buchen, an der Kasse gibt es Restplätze, verlassen solltest du dich darauf im Sommer nicht. Bezahlt wird auch hier mit Karte.
Ein Museum, das ein Haus geblieben ist
Die Sammlung geht auf den königlichen Bestand zurück und wurde 1822 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, damals noch mit Bildern in doppelter Reihe übereinander. Was du heute siehst, ist das Ergebnis von zweihundert Jahren Aussortieren: gehängt wird nur, was den Vergleich mit den Nachbarbildern aushält.
2014 kam ein unterirdischer Verbindungsgang zum Gebäude gegenüber dazu, in dem heute Kasse, Garderobe, Café und die Wechselausstellungen sitzen. Das historische Haus blieb dadurch frei von Museumsinfrastruktur. Du gehst also durch Räume, in denen jemand gewohnt hat, und nicht durch einen Neubau mit Kunst darin. Der Unterschied ist deutlicher, als es klingt.
Rundgang: in welcher Reihenfolge du gehst
Der Eingang liegt unter dem Vorplatz, dort sind Kasse, Garderobe und der Durchgang zum Erweiterungsflügel auf der anderen Straßenseite. Von der unterirdischen Halle geht es mit Aufzug oder Treppe ins historische Haus.
Zwei Wege funktionieren. Der erste: sofort in den Raum mit dem Mädchen mit dem Perlenohrring, solange die Gruppen noch im Erdgeschoss sind. Der zweite: bewusst gegen den Strom laufen, oben anfangen und dich nach unten arbeiten. Beide sind besser als der Standardweg, bei dem du mit allen anderen in derselben Reihenfolge durch dieselben Türen gehst.
Vergiss die Decken nicht. Der Große Saal im Obergeschoss hat eine bemalte Decke und einen Blick über den Hofvijver, der allein den Weg nach oben wert ist.
Tipp: Setz dich einmal auf die Bank in der Mitte eines Raumes und schau fünf Minuten nur ein Bild an, statt dreißig Bilder je zehn Sekunden. In einem Museum dieser Größe kannst du dir das leisten, und es ist der Unterschied zwischen abhaken und ansehen.
Was daneben liegt
Das Mauritshuis steht an der Ecke des Binnenhofs, direkt am Hofvijver. Wenn du hinausgehst, hast du das Wasser vor dir und den Regierungssitz links, der seit Jahren saniert wird. Ein paar Meter weiter liegt der Buitenhof mit der mittelalterlichen Gevangenpoort.
Zu Fuß erreichst du von hier in unter zehn Minuten Escher im Palast am Lange Voorhout. Das Kunstmuseum liegt weiter draußen, dorthin fährst du besser mit der Tram. Wie du dich in der Stadt bewegst, steht unter Verkehr in Den Haag. Eine Übersicht über alle Ziele gibt es unter Den Haag Sehenswürdigkeiten.
Gut zu wissen: Große Rucksäcke und Schirme müssen in die Garderobe, fotografiert werden darf in der Regel ohne Blitz und ohne Stativ. Vom Bahnhof Den Haag Centraal läufst du rund zehn Minuten, vom Bahnhof Den Haag HS etwa zwanzig. Wer mit dem Auto kommt, parkt im Zentrum teuer und fährt in eine kamerabewachte Umweltzone, der Zug ist die entspanntere Lösung.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWenn vor dem Mädchen mit dem Perlenohrring eine Traube steht: erst nach oben ins zweite Obergeschoss gehen, die Landschaften und Stillleben ansehen und in zwanzig Minuten zurückkommen. Die Gruppen ziehen im Block weiter. Sind alle Zeitfenster vergeben, funktioniert oft der späte Nachmittag, weil dann Restplätze frei werden.
- Wenn es regnetIdeal, denn du bist ohnehin drinnen. Vom Eingang kommst du unterirdisch in den Erweiterungsflügel auf der anderen Straßenseite, ohne nass zu werden. Panorama Mesdag und Escher im Palast liegen wenige Minuten entfernt und lassen sich gut anhängen.
- Mit KindernAb etwa acht Jahren funktioniert es, wenn du das Haus als Suchspiel aufziehst: Wo steckt der Distelfink, wer schaut dich an, wo versteckt sich ein Hund im Bild. Für jüngere Kinder ist Madurodam der bessere Nachmittag.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Museum ist barrierefrei erschlossen, es gibt Aufzüge zwischen allen Etagen und der Eingang liegt ebenerdig unter dem Vorplatz. Die historischen Räume sind allerdings eng, bei Andrang wird das Rangieren mit Rollstuhl oder Kinderwagen mühsam.
Häufige Fragen
Wie lange braucht man im Mauritshuis?
Zwei Stunden reichen für alles, was Rang hat. Wer sich Zeit lässt, sich hinsetzt und die Audiotour hört, ist drei Stunden beschäftigt. Weniger als anderthalb Stunden lohnt sich nicht, dann hetzt du an Bildern vorbei, für die Menschen aus halb Europa anreisen.
Muss man Tickets fürs Mauritshuis vorher buchen?
In der Hauptsaison und an Wochenenden ja. Der Einlass läuft über Zeitfenster, und die günstigen Uhrzeiten am Vormittag sind oft Tage vorher weg. Im Winter und unter der Woche kommst du meist auch spontan hinein. Buche das Ticket, bevor du den restlichen Tag planst, sonst schiebst du das ganze Programm hinterher.
Hängt das Mädchen mit dem Perlenohrring immer im Mauritshuis?
Es ist das Herzstück der Sammlung und normalerweise dort zu sehen. Gelegentlich reist es zu Ausstellungen oder steht wegen Untersuchungen nicht am gewohnten Platz. Wenn dir gerade dieses eine Bild wichtig ist, prüfe vor der Anreise kurz die offizielle Website, das erspart Enttäuschungen.
Lohnt sich das Mauritshuis mit Kindern?
Ab etwa acht Jahren gut, wenn du daraus eine Suche machst: den Distelfink finden, den Stier von Paulus Potter suchen, in Jan Steens Bildern nach dem Unfug schauen. Das Haus ist klein genug, dass die Geduld reicht. Mit Kleinkindern ist Madurodam der bessere Plan.
Was kann man mit dem Mauritshuis kombinieren?
Am naheliegendsten den Binnenhof und den Hofvijver, weil beides direkt daneben liegt. Danach passt Escher im Palast oder das Panorama Mesdag, beide klein und in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Am Nachmittag fährst du mit der Tram nach Scheveningen ans Meer, so hast du Museum und Strand an einem Tag.






