Südholland · Rotterdam

Delfshaven: das alte Rotterdam

Delfshaven ist die Antwort auf die Frage, ob es in Rotterdam auch altes Holland gibt. Zwei enge Hafenbecken, Giebelhäuser aus dem 17. Jahrhundert, eine Windmühle über den Dächern und eine Kirche, aus der 1620 die Pilgerväter Richtung Amerika aufbrachen. Das Viertel lag außerhalb der Brandgrenze und hat den Krieg überstanden.

Hier steht, warum dieser Hafen ursprünglich gar nicht zu Rotterdam gehörte, was du auf einem Rundgang siehst und wie du den Besuch mit dem Rest der Stadt verbindest.

Delfshaven: das alte Rotterdam
Foto: Michielverbeek, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Gegründetim 14. Jahrhundert als Hafen der Stadt Delft
  • Zu Rotterdamseit 1886
  • Besonderheitaußerhalb der Brandgrenze von 1940 erhalten
  • GeschichteAbfahrt der Pilgerväter 1620
  • AnreiseMetro, ab Rotterdam Centraal rund 15 Minuten mit Umstieg
  • Dauer1 bis 2 Stunden

Der Hafen, der Rotterdam nicht gehörte

Delfshaven war ursprünglich der Hafen der Stadt Delft. Weil Delft selbst keinen Zugang zur Maas hatte und in Rotterdam und Schiedam Abgaben fällig wurden, ließ die Stadt Ende des 14. Jahrhunderts einen eigenen Kanal graben und am Fluss ein eigenes Hafenbecken anlegen. Daraus wurde ein Ort mit Werften, Brennereien und Heringsfischerei, der erst 1886 zu Rotterdam kam.

Diese Vorgeschichte erklärt, warum hier alles anders aussieht: schmale Backsteinhäuser mit Treppengiebeln, zwei enge Hafenbecken, eine Klappbrücke, Kopfsteinpflaster. Und weil das Viertel außerhalb der Brandgrenze von 1940 lag, steht es heute noch. Der Weg von der Skyline hierher dauert mit der Metro eine Viertelstunde und überbrückt vierhundert Jahre.

Die Pilgerväter und Piet Heyn

Am Voorhaven steht die alte Kirche, die heute Pelgrimvaderskerk heißt. 1620 brach von diesem Kai eine Gruppe englischer Glaubensflüchtlinge auf, die zuvor in Leiden gelebt hatte. Sie fuhren mit der Speedwell nach Southampton und stiegen dort auf die Mayflower um. In der Kirche und auf einer Tafel am Kai wird daran erinnert, und amerikanische Reisegruppen sind hier keine Seltenheit.

Der zweite berühmte Name gehört Piet Heyn, 1577 in Delfshaven geboren. Der Admiral kaperte 1628 vor Kuba die spanische Silberflotte, was ihm in den Niederlanden bis heute ein Lied einbringt. Ein Platz im Viertel trägt seinen Namen.

Gut zu wissen: Über den Häusern dreht sich die Mühle De Distilleerketel. Sie mahlt Getreide, wie es hier früher für die Jeneverbrennerei gebraucht wurde, und ist an bestimmten Tagen zu besichtigen. Am Voorhaven wird außerdem in kleinem Maßstab noch Jenever gebrannt. Wer tiefer einsteigen will, fährt zwei Metrostationen weiter nach Schiedam, der Jeneverstadt mit den höchsten Windmühlen der Welt.

Ein Rundgang von einer Stunde

Fang an der Klappbrücke zwischen Voorhaven und Achterhaven an und lauf einmal um beide Becken. Im Wasser liegen alte Binnenschiffe, an den Kais stehen Cafés mit Terrassen, dazwischen findest du das Zakkendragershuisje von 1653, das Zunfthaus der Sackträger, in dem heute Zinn gegossen wird. Danach geh die schmale Gasse zur Kirche hoch und wieder zurück ans Wasser.

Mehr als anderthalb Stunden brauchst du nicht, und genau darin liegt die Stärke: Delfshaven ist kein Programmpunkt für einen ganzen Tag, sondern der Gegenpol zu allem anderen in dieser Stadt. Am schönsten ist es an einem Werktagnachmittag, wenn die Terrassen halb leer sind, oder spätabends, wenn sich die Lichter im Hafenbecken spiegeln.

Tipp: Häng den Besuch an den Euromast an, beide liegen am Nordufer. Erst der Blick von oben auf die Stadt, dann eine halbe Stunde später ein Kaffee an einer Gracht aus dem 17. Jahrhundert. Diesen Sprung schafft keine andere niederländische Stadt.

Anreise und Praktisches

Die Metro hält direkt am Viertel: Ab Beurs oder Blaak sind es keine zehn Minuten, ab Rotterdam Centraal rund fünfzehn, weil du in Beurs von der Nord-Süd- auf die Ost-West-Achse umsteigen musst. Mit dem Rad bist du am Wasser entlang ähnlich schnell. Ein- und Auschecken funktioniert mit der kontaktlosen Bankkarte, alles Weitere steht unter Verkehr in Rotterdam. Mit dem Auto ist es unpraktisch: Die Gassen sind eng, Parkplätze rar und teuer. Eine Umweltzone für Pkw hat Rotterdam nicht, kameraüberwacht ist nur die Zone für Liefer- und Lastverkehr in der Innenstadt.

In den Cafés am Kai wird fast überall nur mit Karte bezahlt, Bargeld nehmen viele nicht mehr an. Das Kopfsteinpflaster ist uneben, feste Schuhe sind sinnvoller als dünne Sohlen. Wo du danach gut isst, steht unter Essen und Trinken in Rotterdam, alle weiteren Ziele unter Rotterdam Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDelfshaven ist selten überlaufen. Wenn an einem Sommerabend alle Terrassen besetzt sind, geh auf die andere Seite des Achterhavens, dort ist es fast immer ruhiger und der Blick auf die Giebel sogar besser.
  • Wenn es regnetBei Regen ist das Viertel schnell durchlaufen, weil es kaum Innenräume gibt. Setz dich dann in eines der Cafés am Kai und nimm für den Rest des Tages ein Museum im Zentrum, das Depot Boijmans oder das Maritiem Museum liegen beide nah.
  • Mit KindernFür kleine Kinder ist es eher ein Spaziergang als ein Programm. Die Boote im Hafenbecken und die Klappbrücke, die sich für Segelmasten öffnet, funktionieren gut. Achtung an den Kaikanten, sie sind niedrig und ungesichert.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas historische Kopfsteinpflaster ist uneben, die Gassen sind schmal und einzelne Stufen kommen vor. Die Kaiwege selbst sind flach und ohne Treppen. Die Metrostation liegt am Rand des Viertels und ist mit Aufzügen erschlossen.

Häufige Fragen

Warum wurde Delfshaven 1940 nicht zerstört?

Weil es außerhalb des Gebiets lag, das am 14. Mai 1940 bombardiert wurde und anschließend ausbrannte. Der Rand dieses Flächenbrandes ist heute als Brandgrens im Pflaster markiert. Delfshaven, damals schon ein eingemeindeter Ortsteil, blieb deshalb mit seiner alten Bausubstanz erhalten.

Was hat Delfshaven mit den Pilgervätern zu tun?

1620 fuhr von diesem Kai eine Gruppe englischer Glaubensflüchtlinge ab, die zuvor in Leiden gelebt hatte. Sie segelten mit der Speedwell nach Southampton und stiegen dort auf die Mayflower um, die sie nach Nordamerika brachte. Die alte Kirche am Voorhaven heißt seitdem Pelgrimvaderskerk.

Wie kommt man von Rotterdam Centraal nach Delfshaven?

Am schnellsten mit der Metro, die direkt am Viertel hält. Rechne mit rund fünfzehn Minuten: Am Hauptbahnhof halten nur die Linien D und E, nach Delfshaven steigst du an der Station Beurs auf A, B oder C um. Mit dem Rad bist du am Wasser entlang ähnlich schnell unterwegs. Bezahlt wird im Nahverkehr durch Ein- und Auschecken mit der kontaktlosen Bankkarte.

Lohnt sich Delfshaven für einen halben Tag?

Für einen halben Tag ist es zu klein, für ein bis zwei Stunden genau richtig. Kombiniere es mit dem Euromast und dem Park am Nordufer oder häng zwei Metrostationen weiter Schiedam an, dann wird ein runder Nachmittag daraus.

Gibt es in Delfshaven eine Windmühle?

Ja, De Distilleerketel steht über den Häusern am Voorhaven und mahlt Getreide, wie es früher für die Jeneverbrennereien gebraucht wurde. Sie ist an bestimmten Tagen zu besichtigen, sonst siehst du sie von außen. Deutlich größere Exemplare stehen im benachbarten Schiedam.