Südholland · Rotterdam

Erasmusbrücke & Kop van Zuid

Die Erasmusbrücke ist das Bild, das von Rotterdam hängen bleibt: ein weißer Pylon mit einem Knick, von dem die Seile schräg abgehen, darunter der Fluss und dahinter die Hochhäuser. Sie ist gleichzeitig Verkehrsweg, Aussichtspunkt und der beste Ort der Stadt für den Sonnenuntergang, und das alles kostet nichts.

Hier steht, was es mit dem Schwan auf sich hat, was am Südufer auf der Kop van Zuid zu sehen ist und warum du für den Rückweg das Wassertaxi nehmen solltest.

Erasmusbrücke & Kop van Zuid
Foto: W. Bulach, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Eröffnet1996
  • ArchitektBen van Berkel
  • Längegut 800 Meter
  • SpitznameDe Zwaan, der Schwan
  • Besonderheitsüdlicher Teil ist eine Klappbrücke
  • Dauer1 bis 2 Stunden mit Kop van Zuid

Die Brücke und ihr Spitzname

Die Erasmusbrücke wurde 1996 eröffnet und stammt von Ben van Berkel. Gut achthundert Meter lang, der weiße Pylon knapp hundertvierzig Meter hoch und oben abgeknickt, davon hängen die Schrägseile ab. Weil dieser Knick aussieht wie ein Hals, heißt sie in der Stadt nur „De Zwaan“, der Schwan.

Der südliche Teil ist eine Klappbrücke und gehört zu den schwersten Europas. Wenn ein hohes Schiff die Nieuwe Maas hinauffährt, hebt sich das Teilstück und der Verkehr steht. Zu Fuß und mit dem Rad kommst du auf eigenen Spuren hinüber, unter dir fahren Tram und Autos. Für die Überquerung brauchst du rund zehn Minuten, und die lohnen sich, weil du nirgends sonst Skyline, Hafen und Fluss gleichzeitig im Blick hast.

Kop van Zuid: was am Südufer steht

Bis in die achtziger Jahre lagen hier Kais und Lagerhallen, danach wurde das Gebiet umgebaut. Heute stehen auf der Wilhelminapier die Hochhäuser dicht an dicht: De Rotterdam von Rem Koolhaas, ein Block aus drei versetzten Türmen, der Bürobau von Renzo Piano mit der schräg gestellten Wand, dazu Wohntürme, die alle paar Jahre einen neuen Nachbarn bekommen. Das höchste Gebäude der Stadt steht allerdings nicht hier, sondern auf dem Nordufer am Zalmhaven.

Dazwischen steht ein flacher Backsteinbau von 1901: das ehemalige Hauptquartier der Holland-Amerika-Linie. Von diesem Kai fuhren jahrzehntelang die Auswandererschiffe ab, Hunderttausende Menschen aus ganz Europa haben hier zum letzten Mal europäischen Boden betreten. Heute ist es ein Hotel mit Café, aber die Halle, die Uhren und die Aussicht auf den Fluss erzählen die Geschichte weiter. Im Nachbargebäude zeigt das Nederlands Fotomuseum Fotografie.

Gut zu wissen: Von der Wilhelminapier führt eine schmale Fußgängerbrücke über den Rijnhaven nach Katendrecht. Dort liegen alte Lagerhäuser, Ausgehadressen und die SS Rotterdam. Der Weg dauert keine zehn Minuten und ist der logische nächste Schritt, wenn du schon am Südufer stehst.

Sonnenuntergang: wo du dich hinstellst

Der Fluss läuft hier in West-Ost-Richtung, die Sonne geht also flussabwärts unter, und die Brücke steht mitten im Bild. Am schönsten ist es von der nördlichen Uferpromenade rund um den Leuvehoofd, weil du von dort Brücke und Hochhäuser zusammen bekommst. Wer das Gegenstück will, stellt sich auf die Fußgängerbrücke zum Katendrecht und schaut zurück.

Warte nach dem Sonnenuntergang noch zwanzig Minuten. In der blauen Stunde geht die Beleuchtung an, die Fassaden spiegeln sich im Wasser und der weiße Pylon steht scharf vor dem Himmel. Das ist die beste kostenlose Aussicht der Stadt und in vielen Nächten besser als jedes Ticket für den Euromast.

Mit dem Wassertaxi zurück

Rotterdam hat schnelle kleine Boote, die zwischen festen Anlegern auf beiden Ufern pendeln. Du bestellst sie per App oder steigst an einem Anleger zu, bezahlt wird nach Strecke und Personenzahl, nicht nach Fahrplan. Die kurze Querung zwischen Veerhaven und dem alten Linienterminal dauert nur Minuten und ist trotzdem das Beste, was du mit ein paar Euro in dieser Stadt anfangen kannst.

Für längere Wege auf dem Wasser gibt es außerdem den Wasserbus, der flussaufwärts fährt und dich unter anderem in Richtung Kinderdijk bringt. Welche Boote wie funktionieren und wie das Ein- und Auschecken im Nahverkehr läuft, steht unter Verkehr in Rotterdam. Alle weiteren Ziele findest du unter Rotterdam Sehenswürdigkeiten.

Achtung: Auf der Brücke gibt es getrennte Spuren für Rad und Fuß, und der Radverkehr ist dicht. Zum Fotografieren also nicht auf dem roten Streifen stehen bleiben, sondern an den Rand treten. Auf der Brücke zieht außerdem fast immer Wind, auch im Sommer. Eine dünne Jacke ist hier nie verkehrt.

Tickets: Die Brücke selbst kostet nichts, du kannst rund um die Uhr hinüberlaufen. Ein Ticket brauchst du nur für das Fotomuseum und für Bootsfahrten. Das Wassertaxi buchst du spontan per App, für die große Hafenrundfahrt lohnt sich an Wochenenden eine Reservierung vorab.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es hier selten, die Brücke ist breit genug. Wenn am Kai der Wilhelminapier ein Kreuzfahrtschiff liegt, weiche auf die Nordseite am Leuvehoofd aus, von dort ist die Sicht sowieso besser.
  • Wenn es regnetBei Regen ist die Brücke ungemütlich, weil der Wind vom Fluss kommt. Nimm dann das Wassertaxi oder die Tram für die Querung und geh ins Fotomuseum auf der Wilhelminapier oder ins Maritiem Museum auf der Nordseite.
  • Mit KindernDer Weg über die Brücke ist für Kinder lang und windig, das Wassertaxi dagegen ein Erlebnis. Dreh den Plan also um: mit dem Boot hinüber, mit der Tram zurück. Auf der Kop van Zuid gibt es Spielflächen am Wasser.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Brücke ist stufenfrei mit sanfter Steigung und breiten Wegen, Rollstuhl und Rollator kommen gut hinüber. Auf der Wilhelminapier ist alles eben und neu gepflastert. Das Wassertaxi hat einen Ein- und Ausstieg über Stufen und ist bei Wellengang nicht barrierefrei.

Häufige Fragen

Kann man über die Erasmusbrücke laufen?

Ja, es gibt getrennte Spuren für Fußgänger und Räder auf beiden Seiten, und du kannst jederzeit hinübergehen. Für die gut achthundert Meter brauchst du etwa zehn Minuten. Es zieht fast immer, deshalb ist eine Jacke sinnvoll, auch im Sommer.

Warum heißt die Erasmusbrücke der Schwan?

Wegen der Form des Pylons: Er ist knapp hundertvierzig Meter hoch und weiter oben abgeknickt, sodass die Silhouette an einen Schwanenhals erinnert. Die Rotterdamer nennen sie deshalb De Zwaan. Offiziell ist sie nach Erasmus von Rotterdam benannt, dem Humanisten, der aus der Stadt stammt.

Wo hat man den besten Blick auf die Erasmusbrücke?

Vom nördlichen Ufer rund um den Leuvehoofd, dort bekommst du Brücke und Hochhäuser in ein Bild. Ein zweiter guter Punkt ist die Fußgängerbrücke über den Rijnhaven nach Katendrecht. Auf der Brücke selbst stehst du mitten im Motiv, dafür siehst du sie nicht als Ganzes.

Wie funktioniert das Wassertaxi in Rotterdam?

Es sind kleine schnelle Boote, die zwischen festen Anlegern auf beiden Ufern pendeln. Du bestellst sie per App oder steigst an einem Anleger zu, abgerechnet wird nach Strecke und Anzahl der Personen. Es fährt nach Bedarf und nicht nach Fahrplan, deshalb geht es meist schnell.

Was gibt es auf der Kop van Zuid zu sehen?

Die Hochhäuser auf der Wilhelminapier, darunter der Block De Rotterdam von Rem Koolhaas und der Bürobau von Renzo Piano. Dazu das ehemalige Hauptquartier der Holland-Amerika-Linie von 1901, von dessen Kai die Auswandererschiffe nach New York ablegten, und das Nederlands Fotomuseum. Nebenan liegt das Hafenviertel Katendrecht.