Auf einen Blick
- Orte in dieser Liste12
- Verteilt über8 Provinzen
- Dauer pro Ort2 bis 3 Stunden
- Beste ReisezeitMai bis September, unter der Woche
- Anreisemeist Auto oder Rad, vier Orte mit Bahnhof
- Bezahlenfast überall Karte, oft gar kein Bargeld
Warum ausgerechnet diese zwölf Orte
Fast alle hatten früher mehr Gewicht als heute. Häfen versandeten, die Zuiderzee wurde abgedämmt, Handelswege verschoben sich. Wo kein Geld mehr war, wurde auch nicht abgerissen und neu gebaut. Genau deshalb stehen die Altstädte noch so da wie vor dreihundert Jahren.
Der zweite Grund ist Logistik. Die meisten dieser Orte haben keinen Bahnhof, und Reisebusse fahren nicht hin, weil sich der Umweg für eine Tagesgruppe nicht rechnet. Für dich heißt das: Du stehst um zehn Uhr morgens auf einem leeren Marktplatz.
Gut zu wissen: Auch im kleinsten Ort wird mit Karte bezahlt. Viele Cafés, Museen und Bootsverleihe nehmen überhaupt kein Bargeld mehr an, Kreditkarten werden längst nicht überall akzeptiert. Nimm eine kontaktlose Debitkarte mit und verlass dich nicht auf einen Geldautomaten im Hinterland.
Die 12 Geheimtipps in den Niederlanden
1 Dordrecht, Südholland
Die älteste Stadt Hollands liegt auf einer Insel, dort wo drei Flüsse zusammenkommen, und fast alle fahren auf der Autobahn daran vorbei nach Rotterdam. Dabei hat Dordrecht Stadtrechte seit 1220, alte Hafenbecken mitten im Zentrum und einen Kirchturm, der sichtbar schief steht.
Unterschätzt wird die Stadt, weil sie zwischen Rotterdam und Nordbrabant untergeht. Komm über das Wasser: Der Wasserbus verbindet Dordrecht mit Rotterdam und mit den Mühlen von Kinderdijk. Mehr unter Dordrecht.
2 Zutphen, Gelderland
Zutphen an der IJssel steht im Schatten von Deventer und Zwolle, hat aber etwas, das beiden fehlt: die Librije in der Walburgiskerk, eine Kettenbibliothek aus dem 16. Jahrhundert. Die Bücher liegen bis heute an Ketten auf den Pulten, so etwas ist in Europa nur an wenigen Orten erhalten.
Dazu kommen ein mittelalterliches Gassennetz, der Wijnhuistoren über dem Markt und ein ruhiges Ufer an der IJssel. Zwei Stunden reichen für den Kern, mit Bibliothek und Kirche wird ein halber Tag daraus. Mehr unter Zutphen.
3 Oudewater, Provinz Utrecht
Zwischen Gouda und Utrecht liegt ein Städtchen mit einer sehr niederländischen Einrichtung: der Hexenwaage. Wer hier gewogen wurde und ein normales Gewicht hatte, bekam eine Urkunde darüber, dass er nicht durch die Luft fliegen könne. Das hat im 16. und 17. Jahrhundert Leben gerettet, und wiegen lassen kannst du dich noch immer.
Der Rest ist ein kompletter kleiner Stadtkern mit Gracht, Waaggebäude und einer alten Seilerei. Oudewater ist zu klein für einen ganzen Tag und genau richtig als Halbtagesstopp neben Gouda. Mehr unter Oudewater.
4 Wijk bij Duurstede, Provinz Utrecht
Hier steht die Windmühle auf dem Stadttor. Sie überspannt die Straße, der Verkehr fährt unten hindurch, und ein zweites solches Bauwerk gibt es im Land nicht. Gleich daneben liegt die Ruine von Kasteel Duurstede in einem Park am Wasser.
Der Ort ist historisch schwerer, als er aussieht: Als Dorestad war er im frühen Mittelalter einer der wichtigsten Handelsplätze Nordwesteuropas. Eine kleine Fähre bringt dich über die Lek weiter nach Süden. Mehr unter Wijk bij Duurstede.
5 Heusden, Nordbrabant
Heusden lag nach dem Zweiten Weltkrieg zur Hälfte in Trümmern und wurde ab den sechziger Jahren konsequent zurückgebaut: Wälle, Gräben, Giebelhäuser, Mühlen auf der Stadtmauer, dazu ein Hafenbecken mitten im Ort. In Fachkreisen gilt die Restaurierung als Schulbeispiel.
Genau das macht Heusden umstritten und unterschätzt zugleich, manchen ist der Ort zu perfekt. Für den Rundgang oben auf dem Wall mit Blick auf die Maas reichen zwei Stunden. Mehr unter Heusden.
6 Veere, Zeeland
Veere handelte im 16. Jahrhundert mit Schottland, und die schottischen Wollhändler bauten sich zwei Häuser an den Kai, die für einen Ort dieser Größe viel zu prächtig sind. Der Kirchturm daneben ist ebenfalls zu groß geraten und wurde nie fertiggestellt.
Heute liegen Segelboote im Hafen, das Veerse Meer davor ist ruhiges Wasser. Die meisten Zeeland-Reisenden fahren direkt an die Nordseeküste und lassen Veere links liegen. Kombiniere es mit Middelburg, dann hast du einen vollen Tag. Mehr unter Veere.
7 Sluis, Zeeland
Sluis liegt so weit im Südwesten, dass viele gar nicht damit rechnen, hier noch in den Niederlanden zu sein. Brügge ist näher als Rotterdam. Auf dem Wall steht eine Mühle, ringsum flaches Polderland, und der Ort lebt vom Verkehr über die belgische Grenze.
Diese Lage macht den Reiz aus: vormittags eine flämische Stadt, nachmittags der breite Strand bei Cadzand-Bad, dazwischen eine knappe halbe Stunde Fahrt. Mehr unter Sluis.
8 Blokzijl, Overijssel
Blokzijl war ein Hafen an der Zuiderzee. Dann kam der Noordoostpolder, das Meer verschwand hinter dem Deich, und übrig blieb ein Hafenbecken, das nirgendwohin mehr führt. Ringsum ein geschlossener Kranz aus Giebelhäusern und eine Schleuse, die noch arbeitet.
Der beste Grund für den Besuch liegt eine Viertelstunde entfernt: Giethoorn ist ab elf Uhr voll, Blokzijl nie. Fahr früh nach Giethoorn und iss mittags hier am Hafen. Mehr unter Blokzijl.
9 Ootmarsum, Overijssel
Für viele deutsche Reisende ist Twente die Strecke, die man auf der Autobahn hinter sich bringt. Ootmarsum liegt keine Viertelstunde daneben: ein hügeliges Dorf mit Fachwerk, romanischer Kirche und mehr Galerien als Supermärkten. Künstler prägen den Ort seit den sechziger Jahren.
Zu Ostern brennen die Osterfeuer nach altem Muster, den Rest des Jahres ist Ootmarsum ein guter Startpunkt für eine Radrunde durch das Hügelland. Bis zur deutschen Grenze sind es wenige Kilometer. Mehr unter Ootmarsum.
10 Hindeloopen, Friesland
Eine der elf friesischen Städte, so klein, dass sie sich wie ein Dorf anfühlt: Schleusen, Klappbrücken, schmale Gassen, ein Hafen am IJsselmeer. Hindeloopen hat eine eigene Sprachvariante und eine eigene Malerei, die bunt bemalten Möbel siehst du in mehreren Häusern im Ort.
Wer verstehen will, warum Eislaufen in Friesland fast eine Religion ist, geht ins Schlittschuhmuseum. Danach zwanzig Minuten am Deich entlang, und die Provinz erklärt sich von selbst. Mehr unter Hindeloopen.
11 Appingedam, Provinz Groningen
Über dem Damsterdiep hängen Küchen. An der Rückseite der Häuser wurden Anbauten über das Wasser gesetzt, damit drinnen mehr Platz blieb, und diese Hängeküchen stehen bis heute auf ihren Balken. Ein zweites Ortsbild dieser Art gibt es nicht.
Zur Ehrlichkeit gehört: Die Region leidet unter Erdbeben durch die jahrzehntelange Gasförderung. An manchen Häusern siehst du Stützkonstruktionen. Das gehört zur Geschichte des Ortes, und die Menschen hier reden offen darüber. Mehr unter Appingedam.
12 Bourtange, Provinz Groningen
Von oben ein grüner Stern mit fünf Bastionen, unten ein winziges Dorf mit Kopfsteinplatz. Die Schanze wurde 1593 im Krieg gegen die Spanier angelegt, um die einzige feste Straße durch das Moor zu sperren, und später vollständig rekonstruiert.
Lauf einmal komplett oben auf dem Wall herum, das dauert keine halbe Stunde und erklärt die Anlage besser als jede Tafel. Für Besucher aus dem Emsland ist Bourtange ein Nachmittagsausflug. Mehr unter Bourtange.
Achtung: In all diesen Orten wohnen Menschen, und der Radverkehr läuft mitten hindurch. Bleib zum Fotografieren nie auf dem Radweg stehen: Der rote Asphalt ist Fahrbahn, kein Gehweg. In engen Gassen wie in Veere teilen sich Räder und Fußgänger dasselbe Pflaster, dann geh rechts und schau dich um, bevor du anhältst.
So planst du die Anfahrt
Mit dem Auto bist du am flexibelsten, musst aber außerhalb parken: Die historischen Kerne sind eng und teils gesperrt. Umweltzonen gibt es in diesen kleinen Orten nicht, wohl aber in mehreren großen Städten auf dem Weg dorthin, kontrolliert per Kamera und auch für ausländische Kennzeichen gültig. Was wo gilt, steht unter Umweltzonen in den Niederlanden.
Ohne Auto geht mehr, als du denkst. Dordrecht, Zutphen, Appingedam und Hindeloopen haben einen Bahnhof, zu den übrigen fährt ein Regionalbus vom nächsten Bahnknoten. Im Nahverkehr checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen wieder aus, jede Person einzeln, kontaktlos mit der Bankkarte. Vergisst du das Auschecken, wird es teuer. Mehr unter Die Niederlande ohne Auto.
Am schönsten ist die Kombination aus beidem: Auto bis zum Ort, dann ein Leihrad. Zwischen Blokzijl und Giethoorn oder am Veerse Meer entlang siehst du vom Sattel aus deutlich mehr.
Zwei Orte pro Tag, nicht drei
Rechne pro Ort mit 2 bis 3 Stunden. Zwei an einem Tag sind entspannt, drei werden Hetze, weil dazwischen oft eine Stunde Landstraße liegt. Sinnvolle Paare sind Oudewater mit Gouda, Veere mit Middelburg und Blokzijl mit Giethoorn. Dordrecht und Zutphen tragen jeweils einen ganzen Tag allein.
Die beste Zeit ist Mai bis September, unter der Woche. Dann sind die kleinen Museen offen und die Terrassen besetzt, ohne dass es eng wird. Im Winter schließen viele Betriebe ganz oder öffnen nur am Wochenende, dafür gehört dir der Wall in Bourtange allein.
Tipp: Übernachte in einem dieser Orte, statt nur durchzufahren. Nach halb sechs sind die Tagesgäste weg, und Veere, Bourtange oder Hindeloopen sehen abends anders aus. Denk daran, dass viele Gemeinden eine Touristensteuer pro Person und Nacht erheben, die nicht immer schon im Portalpreis steckt.
Wenn dir zwölf nicht reichen
Wer auf den Geschmack gekommen ist, geht weiter zu den schönsten Dörfern der Niederlande. Die bekannten Ziele, die du sinnvoll dazwischenlegst, stehen unter Niederlande Highlights, alle Städte mit eigener Seite unter Städte von A bis Z.
Häufige Fragen
Was sind die schönsten unbekannten Orte in den Niederlanden?
Wenn du nur drei auswählen willst: Bourtange für die komplette Sternfestung, Hindeloopen für den stillen Hafen am IJsselmeer und Dordrecht als richtige Stadt mit Häfen im Zentrum. Sie liegen weit auseinander, decken aber die drei Typen ab, die diese Liste ausmachen: Verteidigung, Wasser und Handel. Alles Weitere hängt davon ab, in welcher Ecke des Landes du unterwegs bist.
Lohnt sich Dordrecht als Alternative zu Amsterdam?
Als Ersatz nicht, als Ergänzung sehr. Dordrecht ist deutlich kleiner, hat aber echte Hafenbecken mitten in der Altstadt, eine Geschichte von über achthundert Jahren und einen Bruchteil des Andrangs. Mit dem Zug bist du von Rotterdam in gut zwanzig Minuten da. Plan einen ganzen Tag ein und nimm für eine Richtung den Wasserbus, das ist der schönste Zugang zur Stadt.
Kann man diese Orte ohne Auto erreichen?
Teilweise. Dordrecht, Zutphen, Appingedam und Hindeloopen haben einen Bahnhof. Zu Heusden, Veere, Blokzijl, Ootmarsum, Oudewater, Wijk bij Duurstede und Bourtange fährt ein Regionalbus vom nächsten Bahnknoten, oft nur im Stundentakt. Sluis erreichst du am einfachsten über Brügge. Denk daran, im Bus und im Zug jedes Mal einzeln ein- und wieder auszuchecken.
Wann sind diese Orte am leersten?
Unter der Woche und außerhalb der niederländischen Schulferien. Selbst in der Hochsaison sind Blokzijl, Veere und Heusden vormittags ruhig, weil Tagesgäste erst gegen Mittag kommen und um halb sechs wieder verschwinden. Im Winter hast du die Orte fast allein, musst dann aber damit rechnen, dass kleine Museen und Bootsverleihe geschlossen sind.
Wie viele dieser Orte schafft man an einem Wochenende?
Vier bis fünf, wenn sie in derselben Ecke liegen. Ein realistisches Wochenende im Norden: Samstag Blokzijl und Giethoorn, Sonntag Ootmarsum mit einer Radrunde. Oder im Südwesten: Samstag Veere und Middelburg, Sonntag Sluis mit Strand. Wer quer durchs Land jagt, verbringt den halben Urlaub auf der Autobahn und sieht von den Orten vor allem den Parkplatz.




