Auf einen Blick
- ProvinzFlevoland, Hauptstadt Lelystad
- Gegründet1986, jüngste Provinz des Landes
- Trockengelegt1942, 1957 und 1968 in drei Poldern
- Lagemehrere Meter unter dem Meeresspiegel
- LandschaftPolder, Deiche, Randseen, Windräder
- Beste ReisezeitApril bis September, Tulpen im April
Wie aus Meer Land wurde
Bis ins 20. Jahrhundert lag hier die Zuiderzee, ein offener Meeresarm, der bei Sturm regelmäßig das halbe Umland überflutete. Nach einer schweren Flut beschloss das Parlament den Umbau: Zuerst schloss der Afsluitdijk 1932 das Meer ab, aus Salzwasser wurde das süße IJsselmeer. Danach wurden die Polder Stück für Stück leergepumpt. Der Noordoostpolder fiel 1942 trocken, Oostelijk Flevoland 1957, Zuidelijk Flevoland 1968. Erst 1986 wurde daraus eine eigene Provinz.
Der Flevopolder gilt als die größte künstliche Insel der Welt, und sie bleibt nur trocken, weil Pumpen ununterbrochen arbeiten. Die Straßen sind schnurgerade, die Felder rechteckig, die Dörfer am Reißbrett geplant. Wer aus einer gewachsenen europäischen Landschaft kommt, findet das erst irritierend und dann ziemlich beeindruckend. Wie das ganze System aus Deichen und Pumpen zusammenhängt, erklärt unsere Seite zu Wasser, Deichen und Deltawerken.
Gut zu wissen: Wenn du auf der A6 durch den Polder fährst, liegst du mehrere Meter unter dem Meeresspiegel. Der Ringdeich und die Schöpfwerke sind das Einzige, was zwischen dir und dem IJsselmeer steht. An den Randseen siehst du den Höhenunterschied direkt: Das Wasser liegt sichtbar höher als das Land daneben.
Drei Orte, mit denen du anfängst
1 Lelystad
Die Provinzhauptstadt trägt den Namen des Ingenieurs, der die Trockenlegung durchgerechnet hat. Am Hafen liegt der Nachbau eines Ostindienfahrers aus dem 17. Jahrhundert, gebaut mit historischem Handwerk, daneben ein Museum, das die Geschichte der Landgewinnung und der Schifffahrt zusammenbringt. Direkt daneben liegt ein großes Outlet-Center im Stil einer alten Hafenstadt.
Von Lelystad aus fahren im Sommer Boote zu den Marker Wadden, einer künstlich aufgeschütteten Inselgruppe im Markermeer, die inzwischen ein Vogelparadies ist. Mehr unter Lelystad.
2 Urk
Urk war bis in die 1940er Jahre eine Insel in der Zuiderzee, dann wuchs der Polder darum herum. Der alte Kern liegt entsprechend erhöht, mit engen Gassen, Leuchtturm und Blick aufs Wasser. Die Fischereiflotte ist bis heute eine der wichtigsten des Landes.
Urk ist streng protestantisch geprägt und hat einen eigenen Dialekt. Am Sonntag ist der Ort deutlich ruhiger als anderswo, und das ist keine Kulisse, sondern gelebter Alltag. Wer sonntags kommt, verhält sich entsprechend. Details unter Urk.
3 Almere
Almere gibt es erst seit 1976 und gehört heute zu den größten Städten des Landes. Dadurch ist die Stadt ein Freiluftlabor der Architektur: Das Zentrum wurde von bekannten Büros entworfen, Wohnviertel folgen jeweils einem eigenen Konzept, und Häuser stehen auf Stelzen oder im Wasser.
Am Weerwater mitten in der Stadt gibt es einen Strand, daneben liegt das ehemalige Gartenbauausstellungsgelände, das zu einem Stadtteil umgebaut wird. Alles Weitere unter Almere.
Oostvaardersplassen und Nationalpark Nieuw Land
Die Oostvaardersplassen sind aus Versehen entstanden. Ein Gebiet, das eigentlich Industriefläche werden sollte, blieb liegen, versumpfte und zog Vögel an. Heute leben dort Konikpferde, Heckrinder und Rothirsche fast ohne menschliches Zutun, und Seeadler brüten in einem Land, das es vor sechzig Jahren noch nicht gab.
Das Gebiet ist umstritten: In harten Wintern verhungerten viele Tiere, weil die Natur sich selbst überlassen blieb. Nach heftiger öffentlicher Debatte wird der Bestand inzwischen aktiv gesteuert. Der Kern des Gebiets ist nicht frei begehbar, du bewegst dich auf ausgewiesenen Wegen und Beobachtungshütten am Rand, geführte Touren kommen weiter hinein. Zusammen mit den Marker Wadden bildet das Gebiet den Nationalpark Nieuw Land.
Wasser, Wind und Tulpen
Zwischen dem alten Land und dem Polder liegen die Randseen, ein schmales Band Wasser, das für Segeln, Surfen und Schwimmen genutzt wird. Bei Harderwijk gibt es dort eine Kuriosität, die Kinder begeistert: ein Aquädukt, unter dem die Autos durchfahren, während oben die Boote kreuzen.
Im Noordoostpolder liegt die größte Tulpenfläche des Landes. Im April ziehen die Streifen kilometerweit durch den Polder, und es gibt eine ausgeschilderte Route dafür. Die Felder sind Privatbesitz und dürfen nicht betreten werden, Fotos machst du vom Weg aus. Mehr dazu bei Tulpen und Blumenfeldern. Dazu kommen Windräder, die hier in langen Reihen stehen und ein gutes Stück Landschaftsbild ausmachen.
Tipp: Plane Radtouren im Polder nach dem Wind, nicht nach der Karte. Auf offener Fläche gibt es keinen Windschatten, und Gegenwind kostet leicht die Hälfte deines Tempos. Fahr auf dem Hinweg gegen den Wind und lass dich zurückschieben. Als Fußgänger stellst du dich nie auf den roten Radweg, auch nicht für ein Foto der Windräder.
Zwei Kuriositäten im Polder
Schokland war wie Urk eine Insel und wurde im 19. Jahrhundert geräumt, weil sie nicht mehr zu halten war. Heute liegt sie als flacher Rücken mitten im trockenen Land, umgeben von Feldern statt von Wasser. Als erstes niederländisches Objekt kam Schokland auf die UNESCO-Welterbeliste.
Das Dorf Nagele im selben Polder ist das Gegenstück: ein komplett modernistisches Experiment, entworfen von einer Gruppe bekannter Architekten, mit Flachdächern, viel Grün und den Läden im Zentrum statt an der Durchgangsstraße. Beide Orte zusammen erzählen die Provinz in einem halben Tag.
Anreise und Praktisches
Mit dem Auto führt die A6 von Amsterdam durch die ganze Provinz, aus Deutschland kommst du über Zwolle und die A6 oder über Amersfoort. In Flevoland selbst gibt es keine Umweltzone, aber wenn du weiter nach Amsterdam oder Utrecht fährst, prüfe die Regeln, denn dort wird per Kamera kontrolliert. Details bei den Umweltzonen in den Niederlanden.
Ohne Auto geht es gut: Almere und Lelystad liegen an der Bahnstrecke zwischen Amsterdam und Zwolle, die Fahrt ab Amsterdam dauert nur eine gute halbe Stunde. Ein- und Auschecken nicht vergessen, eine kontaktlose Bankkarte reicht dafür. Bezahlt wird ohnehin fast überall mit Karte, Bargeld nehmen viele Betriebe gar nicht mehr an. Auf Übernachtungen kommt eine gemeindliche Touristensteuer pro Person und Nacht.
Beste Reisezeit
April ist der Monat für die Tulpenfelder im Noordoostpolder, Mai und Juni sind am besten für Rad und Natur, im Hochsommer sind die Randseen und Strände die Hauptattraktion. Der Herbst bringt Vogelzug über die Oostvaardersplassen und die Hirschbrunft. Der Winter ist rau und offen, dafür siehst du bei Frost, wie schnell dieses Land wieder zu Wasser tendiert. Wenn du die Provinz mit dem IJsselmeer verbinden willst, hilft unsere Seite zum IJsselmeer.
Häufige Fragen
Lohnt sich Flevoland als Reiseziel?
Als alleiniges Ziel für eine Woche eher nicht, als Ergänzung dagegen sehr. Zwei bis drei Tage genügen für Lelystad, Urk, die Oostvaardersplassen und einen Blick auf Schokland. Wer wissen will, wie die Niederlande ihr Land gemacht haben, bekommt hier die deutlichste Antwort des ganzen Landes. Mit Kindern funktioniert die Provinz besonders gut.
Wie tief liegt Flevoland unter dem Meeresspiegel?
Je nach Polder mehrere Meter, im südlichen Teil am tiefsten. Sichtbar wird das an den Randseen zwischen altem Land und Polder: Dort liegt der Wasserspiegel deutlich höher als die Felder daneben. Trocken bleibt das Gebiet nur durch den Ringdeich und Schöpfwerke, die permanent Wasser nach draußen pumpen. Ohne diese Technik wäre der Polder in Wochen wieder See.
Kann man die Oostvaardersplassen betreten?
Nur teilweise. Der Kern bleibt der Natur vorbehalten, du bewegst dich auf ausgewiesenen Wegen am Rand und in Beobachtungshütten. Geführte Touren mit einem Ranger kommen weiter hinein und lohnen sich, wenn du Hirsche und Konikpferde aus der Nähe sehen willst. Nimm ein Fernglas mit, die Tiere stehen oft weit draußen im offenen Gelände.
Was kann man in Flevoland mit Kindern machen?
Einiges. Der Nachbau des Ostindienfahrers in Lelystad ist begehbar, die Wildpferde und Hirsche der Oostvaardersplassen faszinieren fast jedes Kind, und das Aquädukt bei Harderwijk mit Booten über der Fahrbahn ist ein Erlebnis für sich. Dazu kommen Strände an den Randseen und ein großer Freizeitpark im Osten der Provinz. Alle Wege sind flach und autofrei.
Wie kommt man ohne Auto nach Flevoland?
Mit der Bahn. Almere und Lelystad liegen an der Strecke zwischen Amsterdam und Zwolle, ab Amsterdam bist du in gut dreißig Minuten in Almere. Vor Ort nimmst du ein Leihrad oder den Bus, denn die Entfernungen im Polder sind größer, als sie auf der Karte wirken. Für Urk und Schokland brauchst du Bus oder Rad und etwas Geduld.






