Auf einen Blick
- Nassester MonatOktober, in Amsterdam rund 92 Millimeter
- HirschbrunftMitte September bis Anfang Oktober
- Septembertagsüber im Mittel 19,3 Grad
- Beste RegionVeluwe für Wald und Heide
- Andrangaußerhalb der Herbstferien gering
- Ideale Dauer4 bis 6 Tage
Warum der Herbst unterschätzt ist
Der September ist der heimliche Favorit vieler, die das Land gut kennen. Tagsüber sind es im Mittel 19,3 Grad, das Meer ist nach dem Sommer am wärmsten, und die Terrassen stehen noch draußen. Ab Oktober kippt es: 15,0 Grad im Mittel, 92 Millimeter Regen und deutlich mehr Wind. Der November bringt tagsüber gut zehn Grad und die frühe Dunkelheit.
Genau dieser Wechsel ist der Reiz. Du bekommst im September einen späten Sommer und im November eine Stadt, in der du im Café ohne Reservierung einen Platz findest. Beides ist billiger als im Juli.
Sturm an der Küste
Ab Oktober ziehen regelmäßig Tiefs über die Nordsee, und die Küste wird zum Programm. Ein Strandspaziergang bei sechs Windstärken, danach eine heiße Schokolade im Pavillon, der noch offen hat: Das ist die ehrlichste Version des niederländischen Herbstes. Auf Texel fallen im November rund 98 Millimeter Regen an 17 Tagen, dafür ist der Strand menschenleer.
Nach einem Sturm lohnt sich das Strandjutten, also das Suchen von Treibgut. Wer Vögel mag, kommt im Herbst zum Vogelzug ans Wattenmeer, wenn Zehntausende Rastvögel auf den Platen stehen. Einen Überblick über die Küstenabschnitte gibt die Nordseeküste.
Achtung: Bei Sturmwarnung können Fähren zu den Wattinseln ausfallen oder Fahrten gestrichen werden. Plan bei einer Inselreise im Herbst einen Puffertag ein und prüf die Abfahrten am Morgen. Auf offenen Deichen und Molen ist Wind kein Spaß: Bei auflandigem Sturm bleibst du hinter der Düne.
Die Veluwe: Farben und Brunft
Die Veluwe ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande, mit Heide, Sandverwehungen und viel Wild. Von Mitte September bis Anfang Oktober läuft die Hirschbrunft. Am frühen Morgen und in der Dämmerung hörst du das Röhren der Rothirsche über die Heide, und an den bekannten Stellen stehen Menschen mit Ferngläsern still am Wegrand.
Dabei gelten Regeln, die ernst gemeint sind: auf den Wegen bleiben, Abstand halten, leise sein, kein Blitzlicht, Hunde an die Leine. Ein brunftiger Hirsch ist ein großes, gereiztes Tier. Manche Gebiete sind in dieser Zeit abends gesperrt, damit die Tiere Ruhe haben.
Im Nationalpark De Hoge Veluwe bei Otterlo kannst du mit den weißen Leihrädern durch den Wald fahren, die im Eintritt enthalten sind, und mittendrin steht das Kröller-Müller-Museum mit einer der größten Van-Gogh-Sammlungen der Welt und einem Skulpturengarten. In Apeldoorn nebenan liegt der Barockgarten von Paleis Het Loo, der im Herbstlicht besonders gut aussieht.
Museumssaison
Ab Oktober beginnt die eigentliche Museumszeit. Die großen Häuser starten ihre Sonderausstellungen, und du kommst ohne wochenlange Vorplanung hinein. Wer im Sommer eine Stunde Schlange stand, geht im November spontan hinein. Eine Ausnahme bleiben die sehr bekannten Adressen in Amsterdam, für die du weiterhin ein Zeitfenster vorab buchst.
Welche Häuser sich wirklich lohnen, steht unter die besten Museen der Niederlande. Praktisch am Herbst: Ein Regentag kostet dich kein Programm, weil in jeder Stadt drei gute Museen fußläufig liegen.
Die Städte im Herbst
Städte gewinnen im Herbst, weil die Beleuchtung wieder eine Rolle spielt. Sobald es früh dunkel wird, spiegeln sich die Fassaden und die beleuchteten Brücken im Grachtenwasser, und die Fenster der Erdgeschosswohnungen bleiben unverhängt. Ein Abendspaziergang durch eine Grachtenstadt sieht im November besser aus als im Juli, und du teilst ihn dir mit deutlich weniger Leuten.
Praktisch ist außerdem, dass Restaurants wieder Tische frei haben. Im Sommer brauchst du in den bekannten Vierteln eine Reservierung, im Oktober kommst du meist auch spontan unter. Braune Kneipen, also die alten Eckcafés mit dunklem Holz, sind bei diesem Wetter genau das Richtige.
Tipp: Kombiniere Küste und Wald in einer Reise. Zwei Tage Nordsee mit Sturm und Strand, dann zwei Tage Veluwe mit Wald, Wild und Museum. Zwischen beiden liegen keine zwei Autostunden, und der Kontrast macht aus einer Kurzreise zwei völlig verschiedene Erlebnisse.
Preise und Andrang
Nach dem Ende der Sommerferien fallen die Preise an der Küste und auf den Inseln deutlich. Eine Ausnahme ist die niederländische Herbstferienwoche im Oktober, die zusammen mit den deutschen Herbstferien noch einmal für volle Ferienparks sorgt. In den Städten ist der Herbst Messe- und Kongresszeit, dort können einzelne Wochen teuer sein, ohne dass touristisch etwas los ist.
Wer flexibel ist, bucht die zweite Novemberhälfte. Das ist die ruhigste Zeit des Jahres, bevor die Weihnachtsmärkte starten.
Praktisch im Herbst
Wind ist wichtiger als Regen. Eine winddichte Jacke mit Kapuze schlägt jeden Schirm, der an der Küste ohnehin nach zehn Minuten kaputt ist. Wasserdichte Schuhe helfen, weil Radwege und Gehwege nach Schauern lange nass bleiben.
Auf dem Rad ist Gegenwind der eigentliche Gegner: Ein flaches Land ohne Berge kann sich sehr steil anfühlen. Plan die Hinfahrt gegen den Wind und die Rückfahrt mit ihm, dann macht es Spaß. Fahrräder haben im Straßenbild Vorrang, auch bei Regen. Als Fußgänger stellst du dich nie auf den roten Radweg, auch nicht, um den Schirm aufzuspannen.
Bezahlen läuft mit Karte, viele Betriebe nehmen kein Bargeld mehr an, und Kreditkarten funktionieren nicht überall. Im Nahverkehr checkst du beim Einsteigen ein und beim Aussteigen aus, kontaktlos mit der Bankkarte. Kommst du mit dem Auto, prüf die Umweltzonen der größeren Städte, die per Kamera kontrolliert werden. Und rechne die Touristensteuer ein, die viele Gemeinden auf die Übernachtung erheben. Wie sich der Herbst gegen die anderen Jahreszeiten schlägt, steht unter beste Reisezeit für die Niederlande.
Häufige Fragen
Lohnt sich der Herbst für eine Reise in die Niederlande?
Ja, besonders im September. Tagsüber sind es im Mittel 19,3 Grad, das Meer ist warm, die Terrassen stehen noch draußen und die Preise sind nach den Ferien gefallen. Ab Oktober wird es nass und windig, dafür bekommst du leere Museen, Herbstfarben auf der Veluwe und Strände, auf denen du kilometerweit allein läufst.
Wann ist die Hirschbrunft auf der Veluwe?
Von Mitte September bis Anfang Oktober. Am frühen Morgen und in der Abenddämmerung hörst du das Röhren der Rothirsche am besten. Bleib auf den Wegen, halte Abstand und sei leise, denn die Tiere sind in dieser Zeit gereizt. Einige Gebiete sind abends gesperrt, damit das Wild zur Ruhe kommt.
Wie schlimm ist der Regen im Oktober?
Der Oktober ist mit rund 92 Millimetern in Amsterdam der nasseste Monat, an etwa 15 Tagen fällt Niederschlag. Das bedeutet meist Schauer und nicht Dauerregen. Der Wind ist das größere Thema: Nimm eine winddichte Jacke statt eines Schirms und plan pro Tag eine Alternative für drinnen ein.
Fahren die Fähren zu den Inseln im Herbst?
Ja, sie fahren das ganze Jahr, im Herbst nach einem dünneren Fahrplan. Bei Sturmwarnung können einzelne Fahrten ausfallen. Plan deshalb bei An- und Abreise einen Puffer ein und prüf die Abfahrten am Morgen. Wattwandern bleibt auch im Herbst nur mit einer geprüften Führung erlaubt.






